Ellie und ich

Ellie und ich

Mittwoch, 25. April 2018

Teil 2: Die Elbe-Arendsee-Wendland-Tour: 21.4.2018 Zu zweit vier Bundesländer an einem Tag bereisen

 21.4.2018 - Darchau, Dorfrepublik, Höhbeck und Arendsee 

Heute werden wir vier Bundesländer queren: Niedersachsen - Brandenburg - Mecklenburg Vorpommern - Sachsen/Anhalt. Inklusive zwei Fährfahrten über die Elbe.

Nach einer erholt geschlafenen Nacht wachte ich um halb sechs auf. Ein verschwommener Blick aus dem Badfenster zeigte mir ein schönes Bild: Morgennebel über der Elbe. Zwei Sekunden lang überlegte ich, mich anzuziehen und am Fähranleger Fotos zu machen. Aber mein Schweinehund zeigte mir einen Vogel, und so legte ich mich doch noch wieder schlafen.

Gegen neun Uhr hielt mich aber nichts. Ohne Rücksicht zog ich die Jalousien hoch. 

Ausblick aus dem Wohnbereich

Der Zettfahrer - von vorherigen Neu Darchau Urlauben verwöhnt, erst gegen Mittag aufzustehen - fand das jetzt nicht so toll ... während ich im Schlafzimmer vor mich hin packte, verzog er sich nochmals auf die Couch.

Kaum aus den Augen, ratzte er wieder seelig vor sich hin. Grumpf.

Die Vogel-Strauß-Manier half ihm aber nichts. Die Tour verlangte, zeitig wegzukommen.

Ich setzte das Badezimmer unter Wasser, während Zetti den Auftrag hatte, das Frühstück vorzubereiten. Vom Vortag waren noch Brötchen übrig, die wir nur schnell aufbacken mußten. Unter der Dusche schnupperte ich und mir schwante böses. Richtig - meine Nase hatte mich nicht betrogen. Während ich geduscht hatte, saß Zetti auf der Terrasse in der Sonne und versuchte, wach zu werden. Und hatte den Auftrag nicht mehr auf dem Plan.


Die sind mehr als knusprig geraten! Backofen-Opfer

"Wieso? Von unten sind die noch gut!" meinte Zetti, tiefenentspannt ...


Ich scheuchte ihn nach dem Duschen los zum Kaufmann, neue und vor allem frische Brötchen kaufen. Währenddessen fotografierte ich ein wenig in der Gegend herum.


Zetti's Tankrucksack hatte in der Nacht draussen schlafen müssen. Der stank dermaßen nach Benzin, das ich das in der Ferienwohnung nicht aushalten konnte.



Blick von der Terrasse über die Felder - und dahinten gleich die Elbe


Dann kam endlich die Frühstücks-Zufuhr. Und weil ich vorhin so genölt hatte ...


"Hier - statt Rosen!" *dahinschmelz*

Besänftigt (ich) und gesättigt (wir beide) starteten wir dann gegen elf Uhr. Das Bepacken dauerte doch länger als ich dachte. Ist das normal, dass sich das Gepäck über Nacht vermehrt? Irgendwie paßte das alles nicht mehr so wie auf der Hinfahrt!

Die Luft war frisch, aber der Tag versprach perfekt zu werden. 20 Grad, Schäfchenwolken, leichter Wind, und Sonne Sonne Sonne. Mit leichtem Bedauern fuhren wir ab. Das machen wir bald nochmal - mit Motorrad dahin.

Jetzt hieß es, Fähre fahren!

Zetti im Gespräch mit dem uninformierten Fährmann ;-) - Erklärung dazu siehe Teil 1


Auf der anderen Seite angekommen, bogen wir nach wenigen Metern scharf rechts ab. Meine Karte zeigte mir einen schönen Weg durch einsame und schmale Straßen.



Meine Karte - eine Radwanderkarte - zeigte da vorne ein Weiterkommen an. Aber nur für Fahrräder - für schwarze Autos und Motorräder war das Weiterfahren verboten ...

Noch ein Zoom-Foto vom schwarz-weißen Adebar, der sich standesgemäß einen Horst auf der Storchen-Route gebaut hatte.

Ätsch - Bätsch

Etwas angenervt (schöner Routenplan, falsche Karte) fuhr ich dann einen größeren Umweg, zum ersten geplanten Haltepunkt.




Was hier auf den ersten Blick wie ein Bushalte-Häuschen ausschaut, ist in Wirklichkeit eine Erinnerungsstätte!

Zitat NWZ Online: VOCKFEY - Es galt über drei Jahrzehnte als das „nasse Grab von Vockfey“: ein 16 Meter tiefes Wasserloch, in dem DDR-Abbruchbrigaden 1973 die Trümmer von 13 ehemals mächtigen Gehöften einfach versenkt hatten. Die Bewohner des Ortes an der Elbe waren schon lange zuvor weggeschafft worden – im Zuge der Zwangsaussiedlungen in den 50-er und 60-er Jahren.
Jetzt wird an diese Zeit erinnert. Vockfeyer Bürger haben die Steine und Ziegel der abgerissenen Gebäude hervorgeholt und daraus eine Gedenkstätte errichtet. Am Tag der Deutschen Einheit, am 3. Oktober, wurde sie nun eingeweiht.












Das Wetter war ein Traum. Die Erinnerungen hier an diesem Monument hingegen ein Alptraum. Was muß das für die Menschen dort bedeutet haben - allein der Name "Aktion Ungeziefer" spricht Bände über die Gesinnung der Politik.
Im Gästebuch war ein Eintrag, der Befremden auslöste. "Wie üblich - sehr einseitig beschrieben" hatte ein Herr dort hinein gekritzelt. Andere Besucher hatten seinen Erguß mit vielen empört wirkenden Fragezeichen versehen. Vielleicht ein Stasi-Scherge, der sich da schriftlich ausbreiten mußte. Ich setzte ein weiteres Fragezeichen unter diesen merkwürdigen Eintrag.

Sehr nachdenklich geworden verließen wir diesen Ort. Es ging weiter, hinter dem Deich, durch winzig kleine Flecken und Dörflein. Ein Traum zum Cruisen. Es existierte so gut wie kein Verkehr. Wenige PKW, noch weniger Motorräder. Einmal überholte uns eine Horde wildgewordener Papageien. Den Kennzeichen nach ortsfremd, aber wie sie die Kurven nahmen, wirkte auf mich doch recht engagiert.



In einer Kurve sah ich etwas leuchten, fuhr ein Stück weiter und hielt in sicherer Entfernung der Kurve an.

Mahnmal der etwas eigenen Art; angesichts der Papageienledernen von vorhin hatte es wohl durchaus seine Berechtigung

Wir fuhren ein Stück auf einer mehr befahreneren Straße. Der Hinweis auf den nächsten Attraktionspunkt fehlte - trotzdem fanden wir dorthin. Ich hatte den richtigen Riecher gehabt. Es ging von der B195 direkt in den Wald. Nur ein staubiger Holperweg, keinerlei Auskunft - okay, Abenteuer. Nach einigen Metern waren wir da.

Dorfrepublik Rüterberg <-Linkverweis zu Wikipedia






Diese Fahrrad-Touristen glänzten vor allem durch Nicht-Wissen - wie sie dort vor der Tafel standen und in Stammtisch-Manier vor sich hin schwadronierten, da hätte sich mein Geschichtslehrer die Haare einzeln ausgerissen ... oder um es mit den Worten meiner Friseurin zu sagen: "Licht ist an, aber es ist keiner Zuhause!"



Ich verspürte Kalorienbedarf. Kurzfristig abgelenkt von der Elbe ...



... suchten wir uns eine Einkehr-Möglichkeit.

Und fanden etwas wirklich niedlich nettes!




Kleines Garten-Café Martens <-Linkverweis zur eigenen Homepage Café Martens


 
Eigentlich öffnete das Café erst am 28. April - aber bei dem Wetter müsse man sich doch flexibel zeigen, sagte uns die geschäftstüchtige Chefin höchstpersönlich. Die kleine aber feine Karte bot unter anderem auch eine Tagessuppe an. Die nahm ich. Zuccini-Creme-Suppe - aber nicht Suppe, sondern fast ein Eintopf kam daher. Ein großer Napf mit wohlschmeckendem sämigen Inhalt. Sogar Zetti mochte das - und er ist sonst nicht so für grünes Pamps. Die Zeit für Flüssignahrung kommt noch früh genug, ist sein Credo. Und damit meint er nicht Bier oder sonstwelchen Alkohol.
Die Suppe war mit 3,70 Euro (inkl. gebutterte! Toastbrotscheibe) wirklich erschwinglich. Zetti vertilgte zwei Wiener, angerichtet mit Salatbeilage und ebenfalls Brot. Das kam mit knapp 3 Euro auch nicht so teuer.
Mein Nachtisch - eine Art Philadelphia Torte, nur mit einer Unterlage aus Blau- und Himbeeren - war die Krönung. 2,70 Euro für ein riesiges Stück. Sehr lecker, ebenfalls selbst gemacht, wie die Suppe.

Wir werden wiederkommen. Dieses kleine Café ist es wert!

Es folgte ein kleiner Spaziergang.



Der ehemalige Grenzturm befand sich auf einem Privatgrundstück. Mir war nicht ganz klar, ob man oder ob man nicht da herumlatschen dürfe. Also blieb ich lieber draußen.

Es war Zeit, weiterzureisen. Es ging also nach Dömitz.

In Dömitz angekommen, warf ich im Vorüberfahren einen Blick auf das Lichtspielhaus (Huhu Svenja - erinnerst Du Dich noch?). Die Tankstelle am Ortsausgang war unser Ziel. Hier trafen wir einen BMW Scrambler Fahrer aus meinem Heimatlandkreis. Uns kam der gleich so bekannt vor. Während ich in der Sonne schon wieder am schwitzen war, taute dieser Bursche in seiner Rennkombi gerade erst auf. 30 Grad und mehr waren ihm gerade recht für die Betriebstemperatur, teilte er mir mit. Er hatte zuviel getankt - unter seiner BMW tröpfelte es heraus. Der Benzinüberlauf. Hm, konnte man das nicht einschätzen beim Tanken? Minya - wie verhält sich das bei Deiner Gesa?
Naja, vielleicht stimmte ja etwas mit seinem Gefühl nicht - bei über 30 Grad fahren und nicht tot gebraten vom Sattel kippen - das hinterläßt ja doch irgendwie Spuren im Körper, finde ich ...

Voll getankt machten wir uns weiter auf den Weg. Nach der Abzweigung in Richtung Klein Schmölen Linkverweis Wikipedia (ein Naturschutzgebiet mit teilweise bis zu dreissig Meter hohen Binnendünen; absolut lohnenswert anzusehen) verlor ich den Zettfahrer aus meinem Rückspiegel. Ich fuhr rechts ran und genoß noch einmal den Blick auf die Brücke von Dömitz. Nicht die alte Eisenbahnbrücke, sondern die, wo die Bundesstraße über die Elbe führt.

Die alte Elb-Eisenbahnbrücke Linkverweis Wikipedia wird ein anderes Mal besucht, das paßte jetzt in den Tag nicht mehr hinein.

Zetti hatte nur seinen Handschuh verloren, und kam wenige Minuten später angerauscht. Die nun folgende Strecke ist eine der schönsten, die ich je gefahren bin. Die berühmten Brandenburgischen Alleen. Durch winzige Elbdörfer, die ihren abgeschiedenen, naturnahen Status so richtig schön versilbern wollen. Hier zu übernachten oder einzukehren, kann sehr heftig teuer werden. Brandenburger sind Geschäftstüchtige, das kann ich bestätigen.

Kurz vor dem Fähranleger Lenzen kam es dann zu einer gefährlichen Situation. Aus einer Kurve heraus, an zwei vor ihm liegenden Autofahrern vorbei, schoß ein Gebückter auf meiner Fahrspur genau auf mich zu. Kurz vor mir zog er dann hinüber. Das spielte sich innerhalb weniger Sekunden ab. Automatisch hatte ich beim Anblick des hellen Scheinwerfers - auf meiner Fahrspur - mein Tempo drastisch reduziert. Wäre ich bei meinen 80 km/h geblieben, hätte dieser Spinner nicht nur mich, sondern auch den Zettfahrer und die Autos hinter uns erwischt.



In den Alleen sind 60 oder 70 km/h vorgeschrieben. Das macht Sinn! Alleen fahren ist tückisch. Ständig wechselndes Licht, holperige Stellen (Baumwurzeln bahnen sich unterirdisch ihren Weg, und heben den Asphalt an), wechselnder Straßenbelag, unübersichtliche Kurven, ins Land schauende trödelnde Touristen, Radfahrer im Zeitlupenmodus - alles eine Herausforderung.

Warum trotzdem einzelne Geistesgestörte auf all diese Tücken pfeifen? Die häufigen Kreuze am Wegrand sprechen nicht, aber dokumentieren deutlich genug. Wäre ich sicherer und hätte eine kräftigere Maschine gehabt, hätte ich umgedreht und den Typen gestellt. Ihm Vernunft eingeprügelt, aber ordentlich!

"So ein bescheuerter Vollpfosten!!!" donnerte der Zettfahrer aus seinem Helm heraus, als wir in der Autoschlange vor dem Fähranleger ankamen. Ich stimmte ihm von Herzen zu. Der Schreck über diese Situation saß mir noch in den Gliedern, meine Beine zitterten. Die altvertraute Panik kroch in meinen Magen.

Warten auf die Elbfähre Lenzen - Höhbeck


Fähre fahren lenkte mich dann wieder positiv ab!


Kaum angelandet, bog ich in einen kleinen Feldweg ein. Ich fuhr Ellie gerade so, als hätte ich mein Fahrrad unter mir: querfeldein.



Der Zettfahrer grinste sich eins. Ob ich das Schild gesehen hätte? Öhm, welches denn ...? Biosphärenreservat Elbtal Aue. Naturschutzgebiet.
Nö, hatte ich nicht. Davon mal abgesehen war seine Zett die Umweltsau! Die kleckste nämlich. Meine Ellie nicht. Davon mal ab: wir wollten kein Feuer anzünden, keine Blumen pflücken, keine Hunde frei laufen lassen und auch keine Amphibien stören.

Wir wollten einfach nur ein wenig den Tag genießen. Und hier ging das ausgezeichnet. Aber bitte nur leise nachmachen - weil: Schutzgebiet.





Linkverweis Wikipedia

Hier fanden wir auch die Ruhe, die ich tags zuvor an der Elbe vermißt hatte. Keine Jet-Ski-Lärmer, keine Touristen bis auf die, die mit der Fähre kamen oder übersetzen wollten. Ein Traum von einem Pausenort. Hier gab es nichts - sogar Müll war hier nicht in dem Ausmaß zu finden, wie sonst überall angeschwemmt im Gelände herumlag. Wobei die Angler die schlimmsten Dreckspatzen darstellen. Überall findet man ihre leeren Köder- und Bierdosen oder auch Glasflaschen, verkokelte Holzstücke mit Kronkorken drin, oder zerbrochene Angeln nebst Sitzutensilien. Was das mit Gewässer- und Umweltschutz zu tun hat, erschließt sich mir nicht! "Verlasse den Platz, als seist Du nie dort gewesen" - das Motto der Biwak-Outdoor-Liebhaber - genau unseres!


Leider ging die Zeit der totalen Entspannung zu schnell vorbei. Wir mußten weiter - in Richtung Arendsee. Der Zettfahrer mußte leider morgen arbeiten, und vom Arendsee zu seinem Heimatort hatte er immerhin noch über 200 Kilometer abzusitzen.

Wir fuhren an einem Übernachtungsplatz vorbei - Lindenhof und Lindenkrug Linkverweis eigene Page sehr urig, relativ günstig, leckeres gut bürgerliches Essen, mit Blindschleichen und Eulen im Garten, aber die Zimmer sind leider ziemlich hellhörig. Wir waren da schon ein, zwei Male gewesen. Das Frühstück ist genial, nur die Nächte waren nicht so toll gelaufen. Das Haus ist uralt, die Wände innen sehr dünn, und die Dielen knarzen beziehungsweise federn nach, wenn man darauf herumläuft. Da man die Zimmernachbarn schlecht am Boden festtackern kann, bewegen sie sich - und wenn sie dann noch eine schwache Blase haben, kann das zu echten Durchschlaf-Problemen bei einen selbst werden ...

Oberhalb von Gartow gerieten wir in eine Umleitung, die uns bis nach Schnakenburg führte. Meine Konzentration war dahin, so daß der Zettfahrer zwei Einwohner nach dem Weiterkommen befragte. Er fuhr dann voraus, durch die kleinste Stadt von Niedersachsen (Werbe-Slogan von Schnakenburg Linkverweis Wikipedia), bis wir wieder an einen Punkt kamen, den ich auf der Streckenkarte wiederfand.

Landschaftlich war es wunderschön. Dann fuhren wir Straßen, die den Namen nicht verdient hatten.


Altes DDR-Kopfsteinpflaster, mit Teer übergepinselt. Voller Löcher und Hubbel. Da war nichts mehr mit drüberfliegen - da hieß es, Obacht, sonst fliegt man aus der Spur! In den Dörfern bester Teerbelag, nur um außerhalb des Ortsschildes sofort wieder in diese Teststrecke überzugehen.

Ich mußte zwischendurch eine Pause einlegen. Mir tat jeder Rückenwirbel weh. Was für ein Sch***dreck, dieses Stück. Am Arendsee angekommen, nach der Abzweigung Richtung Zießau, meinte ein Golf-Fahrer, mal so richtig die Sau rauszulassen. Er überholte mit heulendem Motor, und scherte so dicht vor mir ein (von vorne kam Gegenverkehr), dass ich fast das Gleichgewicht verlor. Da hielt es den Zettfahrer nicht mehr. Meinen Segen hatte er. Hätte ich einen Baseball-Schläger gehabt, ich hätte ihm den noch zugereicht. Am Ortseingang wartete Zetti auf mich. Der PKW hätte bis auf 130 km/h beschleunigt den Ort angefahren, da wollte Zetti nicht mithalten. Zu groß die Gefahr, von der Polizei gebremst zu werden. Aber er konnte dem Fahrer mit nur einer Geste deutlich machen, wie mies seine Fahrweise gewesen war.

Wenige Meter später hatten wir das Ziel erreicht. Restaurant, Café und Pension "Zur Wildgans"Linkverweis eigene Page 
Die Zeitschrift "Tourenfahrer" hatte über diesen Standort einen Bericht geschrieben. Davon hatte ich über drei Ecken gehört. Nun probierte ich das auch einmal aus.

Hier wollte ich übernachten, und die Rückreise am nächsten Tag frisch ausgeruht antreten. Beim Einchecken entschied sich der Angestellte um - ich bekam ein höherwertiges Zimmer für den Preis eines Einzelzimmers. So hatte ich also ein schönes Studio-Zimmer im Gästehaus ergattert. Das Einzelzimmer hätte 35 Euro kosten sollen - das Studio-Zimmer kostete 45. Auch nicht die Welt - trotzdem fand ich das klasse. "Mit Speck fängt man neue Mäuse", schmunzelte der Mann. Recht hat er - das schreit nach Wiederholung!



Zetti mußte noch etwas essen, bevor er die Rückreise antrat. Auch ich hatte Schmacht - und so kam ich dann zu meinen Arendsee-Maränen, während Zetti sich eine Currywurst schmecken ließ. Auf der Karte stand sie als "Riesencurrywurst" - aber es war eine normale Größe - also eine typische Bikerportion.

Drei Arendsee-Maränen - vom Fischer Kagel fangfrisch angeliefert. Fischerei Kagel, nur wenige hundert Meter entfernt und über die Bundesgrenze hinweg bekannt. Er war sogar mal im Fernsehen gezeigt. Ein niedlicher Bericht. Während der Interviewer klugschlau auf den Fischer einredete, antwortete der alte Herr einsilbig. Man merkte deutlich, das ihm diese Art der Aufmerksamkeit nicht wirklich behagte ;-). Aber es bescherte ihm wohl später recht viel Popularität und neue Kundschaft. Das Handwerk soll unterstützt werden.

Es war Zeit. Der Zettfahrer mußte aufbrechen. Gern tat er das nicht - und ich fand das Arbeiten am Sonntag auch nicht so toll, aber es half ja nichts. Knatternd verließ er den Ort. Später berichtete er mir, dass die alte Zett ihre Batterie wieder richtig geladen hätte. Das gemütliche Tuckern mit mir hätte ihr nicht so gut getan, aber nun wäre sie wieder voller Saft.

Ich richtete mich im Apartement ein (Chaos), und ging dann über das hauseigene Grundstück hinunter zum See.







Wasservögel trompeteten ihre Botschaften über das Wasser. Haubentaucher tanzten ihren Balztanz und beäugten mich aus sicherer Entfernung mißtrauisch.
Ansonsten herrschte am Anleger eine himmliche Ruhe. Ich verbrachte fast zwei Stunden dort, schaute über das ruhige Wasser, und sann über den Tag und die vielen Erlebnisse nach. Gegenüber war ein Badestrand - aber beim Blick in das moddergrüne Nass verging mir die Lust nach einem erfrischenden Sprung hinein. Das dort drüben liegende Ufer war touristisch beladen. Viele Wochenend-Unterkünfte, einige Pensionen oder Hotels, und zu DDR Zeiten waren dort die Kinder in Ferienlagern untergebracht gewesen. Der gesamte Bereich ist eingezäunt, und nur durch Bezahlen kommt man dort an den See. Außerhalb der Saison sind die Drehtüren geöffet, da kann man ohne Obulus ans Wasser.

Mit der Dämmerung wurde es heftig mit den Mücken. Der Wind hatte auch nachgelassen, und so ging ich gegen 20.30 Uhr wieder zurück zu meinem Appartement. Die anderen Mieter waren auch schon eingetroffen. Obwohl alle Zimmer ausgebucht waren, hörte man durch die Wände nichts. Drei osteuropäische Arbeiter, auf bereitstehenden Korbmöbeln sitzend vor ihren Zimmern, besprachen bei einer Zigarette ihren nächsten Einsatz, und verschwanden dann hustend in Richtung Restaurant.
Vor meinem Schlafzimmerfenster - zur Straße hinaus - war das Hinweisschild des Appartementhauses. Das war beleuchtet, was ich aber erst im Dunkeln bemerkte. Die Gardinen hielten die Helligkeit nur geringfügig zurück. Zum Glück hatte ich - wie immer auf Touren - meine Schlafmaske dabei. Die Matratzen waren von Ikea. Für eine Nacht ganz okay. Wenn ein stärker motorisierter PKW vorbei fuhr, hörte man das schon ganz ordentlich. So dick waren die Wände also doch wieder nicht. Aber ich hatte ja Ohropax. Und da der Fußboden nicht nachfederte (keine Dielen, tschakka!), hoffte ich auf relativ erholsamen Schlaf.

Das Zimmer war trotz Tageshitze nicht übermäßig erwärmt.
Ein Kühlschrank war auch vorhanden. Auf dem Schrank standen zwei große Tassen, auf den Untertassen lagen Teebeutel, Zucker und ein kleiner Napf Sahne. Auch ein Wasserkocher war da. Ein Tablett mit zwei Flaschen Mineralwasser, ein Öffner und zwei Gläser standen neben dem Flachbild-Fernseher. Das war alles im Preis inbegriffen. Ich hatte zwar meinen eigenen Tee mit, nutzte aber die Zuckerpäckchen und das Geschirr. So macht Gast sein Freude!

Der Fernseher blieb dunkel. Dazu hatte ich keine Nerven mehr. Ich war durch die Zeit am See grundentspannt und wollte von der restlichen Welt nichts mehr hören. Den Anruf vom Zettfahrer, dass er gesund aber doch etwas müde zuhause angekommen wäre, wartete ich natürlich noch ab. Dann war Bettzeit angesagt. Aber so schnell war nichts damit. Plötzlich ging auf der Straße ein Höllenkrach los - irgendjemand hatte ein Feuerwerk gezündet. Weeerneer, die Russen kommen!
Mein Nachbar klärte mich dann auf. Er war genau wie ich - schon im Nachtzeug - vor die Zimmertür gegangen. 
Der erste FC Magdeburg wäre doch in die zweite Liga aufgestiegen! Aha ... na dann ... nichts interessiert mich weniger als Fußball. Hauptsache, die feiern jetzt nicht die ganze Nacht! Taten sie zum Glück nicht. Sie feierten feuchtfröhlich zuhause und somit hatten sie am nächsten Tag kein Verlangen, früh auf der Straße zu sein. Somit: ein Hoch auf Fußball - währenddessen kann man in Ruhe Motorrad fahren!

Nachdem ich kapiert hatte, dass der Kühlschrank beim An- und Ausspringen ein quiekendes Geräusch von sich gab (und sich keine Maus im Zimmer befand), konnte ich mich endlich entspannen - um dann ziemlich unruhig zu schlafen. Zuviel Adrenalin. Unbekannte Umgebung. So geht mir das immer, wenn ich wo fremd bin.

Fazit:
Langer Tag. Zweimal war es brenzlig, dafür aber vielfach wunderschön gewesen. Die Zwischenübernachtung war - trotz bekannter Unsicherheiten - eine gute Idee gewesen. Tagesziel erreicht! Ungefähr 105 Kilometer Gesamtstrecke heute.


















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