Prima, dachte ich mir. Das wäre doch mal was!
Der Zettfahrer organisierte einen Hänger und verlud seine Oldie-Zetties.
Das sah dann so aus ...
Während ich noch seelig meine gestriege beidseitige Zahn-OP ausschlief, machte er sich also am Samstag morgen auf den Weg.
Als ich meinen Betäubungskater ausgeschlafen hatte, und nicht mehr so heftig nach Backenhörnchen-auf-Drogen ausschaute, machte ich mich ebenfalls startklar.
Bislang hatte ich ja kaum Möglichkeiten gehabt, Ellie zu bewegen. Entweder war das Wetter unter aller Sau, oder ich hatte Zahnprobleme gehabt. Oder Knie. Oder Rücken.
Herrliches Frühlingswetter begleitete meine Anfahrt zum Industriegebiet. Dank des Jet-Helms belastete ich meinen Kiefer nicht. Zahnweh hatte ich immer noch. Kein Wunder nach den ständigen Behandlungen. Hoffentlich wird das kein Dauerzustand!
Bei Louis war schon heftig Betrieb. Ich fuhr zum Eingang vor, wo mich der Chef höchstpersönlich begrüßte. Er zeigte mir den Weg an. Aber da wollte ich nicht hin!
Folgende Unterhaltung ist hier mal stichwortartig weitergegeben:
Chef: "Die Oldies nach links, Deins bitte geradeaus da vorne hin!"
Heike: ... Blut kocht hoch ... holt Luft: "Hallo - meine ER5 ist Baujahr 1998 - somit ist sie ein Youngtimer und gehört nach links unter die Zelte!!!"
Chef: ... skeptischer Blick auf das Motorrad ... "Die ist nie und nimmer 20 Jahre. Du fährst rechts rum!"
Heike: ... wird langsam stinkig und zieht den Fahrzeugschein, wedelt vor der Nase vom Chef ...
Auftritt Zettfahrer: "Naaaaaaaaa, hab' ich es nicht gesagt???" Und grinst, das die Weisheitszähne in der Sonne blitzen.
Ich bekam den Begrüßungskuß unter das Visier auf die Sturmmaske, was einen älteren Biker zu der Bemerkung veranlaßte: "Wow, ich glaube, ich fahre das falsche Motorrad - wenn man SO eine Begrüßung bekommt" ... hihihi.
Um es abzukürzen - ich fuhr freiwillig rechts an die Seite. Zetti und ich wollten eh eine Tour fahren, da wäre mir das Gerödel Unter-das-Zelt / Raus-aus-dem-Zelt zu umständlich gewesen.
Der Zettfahrer und der Chef von Louis unterhielten sich noch kurz. Später kam der Chef noch einmal und meinte, von den Papieren her hätte ich Ellie wirklich links einreihen können. Aber das hätte Verwirrung gegeben, weil die anderen eben mehr nach Oldie aussahen. Er drückte es anders aus, aber so war's gemeint.
Grummel - also wenn Ellie eine Ölpfütze unter sich gehabt hätte, und dutzende Roststellen, dann wären ihr die 20 Jahre abgekauft worden. Ist jetzt für mich keine Option - dann eben nicht. Pöh!
Der Besitzer wollte 2.300 Euro für die Schwalbe haben ...
Zetti mit einer der ausgestellten Zetts und ich fuhren dann eine gemütliche Runde Richtung Gifhorn. Da das Antik-Café in Meinersen erst um 14 Uhr offen war, suchte ich uns kurzentschlossen eine Alternative. Wir fuhren nach Langlingen ins Allerparadies. Ein Gasthof mit rustikaler Küche.
Eine Gesellschaft (achtzigster Geburtstag - schön getrennt nach Alter: die Jungen an einem Tisch, sich anschweigend und mit dem allgegenwärtigen Smartphone vor der Nase) lungerte im Innern herum. Wir saßen bei dem herrlichen Frühlingswetter im Biergarten und ließen es uns schmecken. Später standen diverse Gäste in Festkleidung, mit Sekt- oder Weinglas in der Hand, um die alte Zett herum und erzählten begeistert von ihren Anfängen im Zweiradsektor.
Ellie bekam auch den einen oder anderen Seitenblick. "Na, die kleine Rote ist aber noch recht neu, oder?" fragte der eine Festgast.
Ich schnaufte nur resigniert und überließ es dem Zettfahrer, die Situation zu klären.
Da wir eh vor Ort waren, faßte ich mir dann ein Herz und fuhr endlich einmal mit Motorrad zur Familie meines Bruders. Ich fahre seit sechs Jahren, und nun war es für mich an der Zeit, das auch dem Rest der Familie zu zeigen.
Und was soll ich sagen - meine Neffen interessierte mein Auftritt auf zwei Rädern ... Null. Null komma niente. Der eine hatte Stubenarrest, der andere kam gerade vom Sport und hatte - pubertierend - so gar keinen Bock auf den erwachsenen Besuch. Er verzog sich nach dem "Hallo"-Sagen sofort in sein Zimmer. Wenn ich geahnt hätte, wie unspektakulär mein Anfahren dort aufgenommen wurde, hätte ich das schon längst mal mit dem Zweirad getan. Zetti und ich klönten also ganz entspannt noch eine ganze Zeit mit meiner Schwägerin, bis es Zeit war, zurück zu Louis zu fahren. Ein wirklich schöner Fahrtag neigte sich dem Ende.
Bei Louis war Aufbruchstimmung. Die Fressmeile versuchte noch, die Reste unter die Leute zu verkaufen. Da mein Magen mit dem Bauernfrühstück vom Allerparadies mehr wie reichhaltig befüllt war, konnten mich die Bratwurstdüfte aber nicht mehr verführen. Etliche Ausstellungsmotorräder wurden auf ihre Hänger verladen, und zurück blieben nur vereinzelte Ölkleckse und einige zweiradlose Besitzer. Einer versuchte vergeblich, seine Maschine anzukicken. Als ich dann gegen 18 Uhr Richtung Zuhause fuhr, war er immer noch mit dem bockigen Zweirad beschäftigt. Seine Begleiterin lehnte gelangweilt am Auto und malträtierte ihr Smartphone. Hier waren die Interessen klar verteilt.
Ich fuhr noch eine verkürzte Hausrunde und konnte vor der Garage endlich einmal die eine oder andere Fliege auf dem Helm und dem Motorradscheinwerfer vermelden.
Fazit:
Wer braucht schon Pokale, Bestätigung oder sonst etwas. Alles unnützer Firlefanz ;-)


Dein Bekannter hat tatsächlich zwei alte Z Motorräder in Original Lackierung. Wow! Die find ich so schön, die Bikes. Die Idole meiner Jugend. Daher gefällt mir auch die neue Z900rs so gut. Wäre ich nicht Enduro, würde ich Z900 fahren. In der braunorangen Lackierung.
AntwortenLöschenSorry, ich lass mich gerade von meiner Begeisterung davontragen. Ein schöner Tag und ein schönes Posting darüber. Motorräder sind das einzige, wo wir Frauen mögen, wenn sie älter geschätzt werden. Hmpff...
"Motorräder sind das einzige, wo wir Frauen mögen, wenn sie älter geschätzt werden" - perfekt ausgedrückt ;-)
LöschenWenn Zetti die beiden ankickt, dann mag ich das KA-WUMMMM saugerne hören. Die Nachbarn eher weniger *grins*
Die grüne Zett hat er quasi dazugeschenkt bekommen - eigentlich wollte er nur die Auspuffanlage haben. Aber sein Bekannter wußte, dass die Maschine bei Zetti gut aufgehoben ist und auch gefahren wird - so dass er dann das komplette Motorrad für den Auspuff-Preis bekam. So kann's laufen :-)
Ja, Glück muss man haben. Klasse Bikes, coole Story dazu. Freut man sich noch aus der Ferne mit.
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