Ellie und ich

Ellie und ich

Donnerstag, 8. August 2019

Familie Schwan

7. August 2019

Die Meerschweine brauchten Maisblätter. Also schwang ich mich am Nachmittag auf Ellie, und fuhr los in Richtung "Feld, wo keiner hinguckt, man gut ranfahren kann, um sich die Taschen vollzuladen".

Auf dem Weddeler Berg kam das Auto vor mir ins Stocken, bremste, und fuhr ziemlich dicht um einen dunklen Haufen irgendwas herum. Gab dann Gas und fuhr weiter.

Ich fuhr heran an das dunkle Geklumpe, und hielt mit einigem Abstand an.

Mama Schwan und 4 Kinder! Die Kinder hockten an der rechten Fahrbahn, alle Autos waren bis dahin um sie herum gefahren. Keiner hielt an! 

Mama Schwan tapste hin und her am Fahrbahnrand. Sie war sichtlich irritiert.

Die Tiere wirkten alle sehr verunsichert und konnten sich nicht entscheiden, wohin. Die Kinder hockten sich also einfach auf dem Asphalt.

Wie gesagt, ich hielt an, und stellte Ellie mitten auf die Spur mit Standlicht und Blinker. Die Autos hinter mir hielten zum Glück ebenfalls, machten Warnblinker. Das sah schon befremdlich aus, wie Ellie da so schlank mitten auf der Fahrbahn stand, und vor sich hin blinkte. Hinter sich die ganze Automeute.

Dann versuchte ich, die Mama an die Seite zu drängen. Die zischte böse, und schnappte nach mir. Pah, Motorradklamotten, Leder - da hätte nichts passieren können. Mein rechter Arm war mit einem Ast verlängert, und endlich gab Mama klein bei und ließ sich weg lotsen. Meine Hoffnung war: wenn die Mama weg geht, folgen die Kinder. Als sie am Feldrand rechts war, kam die Autofahrerin aus dem Van hinter Ellie und scheuchte die Kinder von der Straße. Eines wollte nicht. Es verrannte sich in eine Baumgabel im Seitengebüsch. Also das Jungtier rausziehen, während Mama zeterte und das Junge miepste. Dann patschte es doch weg von dem gefährlichen Ruheplatz. Endlich waren alle am rechten Feld auf dem Radweg, weg von der Fahrbahn. Auf der anderen Seite fuhren währenddessen alle Autos in sattem Tempo an uns vorbei.

Dort hinter einem Erdwall liegt eine Kiesgrube, in der auch ein großer Teich ist. Vielleicht kam die Federfamilie daher - oder wollte da hin?

Der Feierabendverkehr auf dem Weddeler Berg ist um die Zeit wirklich ätzend. Ich schwang mich wieder aufs Motorrad, und fuhr im nächsten Dorf bei der Dorfpolizeistelle vorbei. Mal wieder keiner da.

Nach dem Mais organisieren fuhr ich die gleiche Runde zurück. Keine Schwanenfamilie mehr zu sehen, dafür kam mir ein Polizeiauto entgegen, welches langsam fuhr und ich hoffte, das sie nach den Tieren schauten. Vielleicht hatte ja einer der Vorbeifahrenden die Polizei angerufen.

Ich allein hätte die Tiere nie über die gesamte Fahrbahn auf die andere Seite lotsen können, dazu war der Verkehr einfach zu heftig gewesen. Die rasen da längs, als gäbe es die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h nicht. Dort oben auf der Kuppe ist auf beiden Seiten ein Wäldchen. Hier gab es schon häufig Wildunfälle mit Reh oder Wildschweinen. Ich kann nur hoffen, dass die Federfamilie mit der Rettung auf die Feldseite einverstanden war, und nicht noch einmal herumirren wird.

Schon komisch, dass ich ausgerechnet gestern Maisblätter holen wollte, und die Uhrzeit genau paßte ...



1 Kommentar:

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