Sonntag, 4.8.2019
Auf zur zweiten Runde!
Um 14 Uhr fuhren Zetti und ich erneut los. Tanken, und dann grobe Richtung Flechtinger Höhenzug.
Ich hatte einen Geschichts-Stopp. Das Rittergut Altena bei Bahrdorf. Hier hat jemand eine neue Eingangspforte gezimmert, die den Blick in das Innere des verfallenen Hofes versperrt. Bei meiner letzten Besucherrunde im Oktober 2018 war noch möglich gewesen, in das Innere zu fotografieren!
Ebenfalls bei meiner Oktober-Tour entdeckt: ein kleiner Seitenweg von Saalsdorf nach Lockstedt - die Überfahrung des kleinen Flusses "Aller" war damals nicht möglich gewesen. An der Brücke wurde emsig gearbeitet!
Dieses Mal konnten wir aber überqueren. Und was war das jetzt für ein schöner Straßenbelag, direkt hinter dem Schild "Hier war Deutschland bis ... getrennt". Auf der Westseite Spurrillen und welliger bröseliger Asphalt. Dahinter, glatt wie ein Babypopo.
Die Aller
Der Zettfahrer
Weiter ging die gemächliche Runde. Die Straßen waren fast menschenleer, die Dörfer ebenfalls. Hier in dem Bereich war das Fahren ein Traum. Die völlige Abwesenheit von Gegenverkehr oder Dränglern hatte etwas hypnotisches.
Wir schlängelten uns mal hier, mal dort durch kleine Wäldchen. Es ging nach Flechtingen.
Direkt an einem Teich gelegen, kehrten wir in Eckhardt's Gasthaus ein, welches ein schönes Garten-Café hatte. Unsere Motorräder stellten wir zum Eingang hin. Es gab zwar einen Parkplatz vorne an der Hauptstraße, aber der war dermaßen überfüllt mit recht abenteuerlich geparkten PKW, dass mir mein Bauchgefühl abriet.
Im Café selbst waren Zetti und ich die jüngsten Gäste. Das klärte sich recht schnell auf: Flechtingen hat den Titel LuftKURORT. Deshalb auch die betagten anderen Besucher. Deshalb auch das abenteuerliche Geparke auf dem vorgelagerten Platz! Rentner parken häufig anders. Raumgreifender und auch mal halb quer zur Linie.
An unserem Tisch saßen auch Kurgäste, mit denen wir uns gut unterhalten konnten. Es wurde viel Informatives ausgetauscht. Wir bekamen den Tipp, die Schloßmühle/Wassermühle zu besichtigen. Zetti erinnerte sich daran, dass eine Verwandte von ihm in der Klinik Flechtingen gelegen hatte. Das war ihm völlig entfallen - erst durch den Anblick der Fontäne im Schloßteich fingen seine Gehirnzellen an zu rackern.
Auch meine Zellen rackerten - ich war hier doch schonmal gewesen? Da gegenüber im "Torhaus"? Lange ist das her. Und wirklich entspannend war das damals auch nicht gewesen. Gut, das sich die Zeiten geändert haben.
Der angebotene Kuchen war ein Traum. Selbstgemacht, große Auswahl und wirklich zu empfehlen. Das warme Essen selbst war doch recht Hochpreisig. Da kam der Titel KUR Ort zum tragen. Ich nahm nur eine Hochzeitssuppe vorneweg. Die war sehr lecker und die Mini-Klößchen waren wirklich hausgemacht. Den groben Hunger stillten dann ein Stück Mohnkuchen und ein Stück Heidelbeertorte. Der Zettfahrer wollte nur einen Kaffee. Zusammen ergab das eine Zeche von 18 Euro, was ich ehrlich gesagt etwas heftig fand. 2 Stück Kuchen, ein Tee, ein Pott Kaffee und eine Schale Suppe.
Blick auf das Wasserschloß Flechtingen, welches eine unruhige Geschichte hat. Siehe Linkverweis.
Bis kurz nach der Wende wurde das Schloss als Seniorenheim genutzt. Es hatte dann mehrere Anläufe genommen, die alle mehr oder weniger gescheitert sind. Sogar von Fördermittelbetrug, Untreue und Insolvenzverschleppung im Zusammenhang
mit den Schlössern Altenhausen, Flechtingen und Boitzenburg wurde geschrieben. Schade. Da hatten zwei Herren ihren Hals nicht vollkriegen können.
Im Anschluß gingen wir noch zum Kanonenplatz. Dort trafen wir auf einen Kurgast. Er hatte Schwierigkeiten mit seiner Nikon Digitalcamera. Leider konnte ich ihm nur bedingt weiterhelfen. Seine gesundheitliche Einschränkung ließ ihn Dinge nicht mehr so leicht begreifen, und die Unterhaltung zog sich in die Länge. Er kam vom Hundertstel ins Tausendstel. Wir wollten allmählich mal weiter, und so leid es mir tat - ich mußte den Mann dann beinahe grob verabschieden. Beim Weggehen sah ich eine alte Tätowierung auf seiner Schulter. Irgendwas mit Angel. Und einem Engel, der auf Flammen stand ...
Die Zeit war soweit gelaufen, dass Zetti und ich die Schloßmühle gegenüber dem Parkplatz auf der anderen Straßenseite nicht mehr besuchen wollten. Lieber noch ein wenig fahren.
Die Gegend gefiel uns beiden. Wir werden uns hier erneut umsehen, wenn wir aus unserem Nordsee-Urlaub zurück sind. Ich habe bis Anfang September Urlaub. Da wird sich bestimmt noch einiges ergeben!
Über Weferlingen ging es zurück nach Hause. Bei Uhry auf dem Parkplatz legten wir erneut eine kurze Rast ein. Ich gönne meinem Knie lieber häufiger eine Streckpause.
Die zweite Kultur-Tour hatte wie gestern ungefähr 100 - 120 Fahrkilometer. Hier war das Fahren jetzt nicht Hauptsache, sondern das Fahren zu Besichtigungen. Mein Knie verhielt sich zwar wie üblich irritiert, aber es blies sich nicht auf.
Wenn ich darauf achte, nicht zu lange zu fahren, wird es sicher noch den einen oder anderen Kultur-Tour-Bericht geben! Oder, wie ein guter Bekannter von den Chapter Süd Grenzadlern gestern so schön und richtig sagte: Hauptsache, unterwegs sein. Hat er recht.
Und außerdem - warum weit weg?
;-)
Ellie und ich
Donnerstag, 8. August 2019
2 Kommentare:
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Hauptsache unterwegs sein... wie war, auch wenn mein Transportmittel der Wahl inzwischen meine Füße sind. Schön geschrieben, liebe Heike.
AntwortenLöschenIch habe heute einen guten Spruch gelesen: "Nur wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen". Von unserem J.W. von Goethe. Wie wahr!
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