Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 23. September 2019

Neu im Blog - Entschleunigung

Der Herbst ist traditionell die Zeit, in der man früher zur Ruhe kam. Ernte ist eingeholt, jetzt begann die ruhigere Zeit. Es gab Zeit für Reparaturen, Handarbeiten wie Spinnen oder Weben, Schnitzarbeiten und mehr. Man rückte zusammen, erzählte Geschichten, ging früher schlafen.

In unserer Welt ist das nicht mehr vorgesehen. Immer höher, schneller, weiter. Windows 10, V8 Motoren, hauptsache eilig und ja nicht nachdenken. Lichtverschmutzung all überall. Laubpuster, Rasenkantenschneider - hauptsache Krach.
Seit längerem geht mir das unglaublich gegen den Strich. Das mag auch an meinem Alter liegen - ich setze seit meinem fünfzigsten andere Prioritäten. Das Motorradfahren soll mir als Erholung dienen, aber leider überlebe ich so nicht auf Dauer auf den Straßen. Ich wich also verstärkt auf das Radfahren aus. Das war mir aber immer noch zu hektisch. Abseits der Wege, Ruhe, Entschleunigung - neues Thema für mein Krafttanken.

So machte ich mich also - auch angeregt durch die wunderschönen Blogberichte von Sonja - mal an eine Sportart, die ich früher verächtlich als "alte Leute Gangart" abtat: das Wandern.

Auch hieraus wird in der Neuzeit ein Hype gebastelt! Es muß unbedingt eine kostenintensive Ausstattung sein (Klamotten, Schuhe, Equipment wie Rucksack, Trinkflaschen, Wanderstöcke). Je teurer, umso angesagter.

Nö. Nicht mit mir. Ich habe genug Klamotten, die taugen. Das mit den Schuhen verstehe ich allerdings besser, seitdem ich bei den ersten Klettereien einige Male durch feuchten Untergrund weggerutscht bin und herrliche blaue Flecken und Schrammen dabei erlitt. 
Aber sonst ... Ich habe eine Wanderkarte vom Harz Wanderklub. Kein GPS, kein teures Navi. Die Karte tut es. Auf ihr bevorzuge ich die schmalen schwarzen Linien, die Wirtschaftswege kennzeichnen. Diese sind gepflastert mit Hindernissen wie Ästen, Tannengrün, Matschkuhlen u.ä. Aber man erhält: Ruhe. Ruhe vor laut quasselnden Wanderern der hippen Outdoor-Riege, die mit klackernden Walkingstöcken jedes Naturentdecken zur Farce machen.
Das Lesen der Linien mußte ich erlernen. Nachdem ich einige Male in die Irre lief, und meine Kräfte nicht richtig eingeschätzt hatte, wußte ich besser damit umzugehen.

Ich lerne auf jeder Tour neu, was ich optimieren kann. Wie ich meinen Körper besser einzuschätzen weiß. Das ist spannend! Anfangs plante ich zu groß - um nach kurzer Strecke ziemlich entkräftet aufzugeben. Das bessert sich. Ich lerne gründlich - so wie auch damals das Motorradfahren gründlich verstoffwechselt wurde.

Ob die Wanderschuhe etwas taugen, wißt ihr erst, wenn ihr sie ausprobiert habt. Und zwar nicht im Geschäft! Das zeigt sich im Gelände. Bei Hitze, bei Kälte, bei Nässe. Ob ihr das richtige mithabt im Rucksack, zeigt sich ebenfalls erst, wenn ihr unterwegs seid. Irgendetwas fehlt immer, stellte ich bereits fest ;-).
Was immer dabei ist, ist eine kleine Mülltüte. Die Taschentücher, Müsliriegelpapierreste oder Feuchttücher können später auf dem Parkplatz in den Mülleimer wandern. Ein Paar Einweghandschuhe sind ebenfalls dabei - wenn in der Mülltüte noch Platz ist, sammel ich die Überreste vom Weg, die achtlose Zeitgenossen da hinwerfen.

Genug der Einleitung. Erfreut euch an bildhaften Dokumenten!

Lustige bunte Zeichen und Linien. Deren Bedeutung zu entschlüsseln, ist manchmal echt hart erarbeitet bzw. erwandert.





Auf dem Wanderweg - gleich zweimal innerhalb weniger Kilometer - Blindschleiche


Eisvogel, Fuchs, Tannenhäher, Tannenmeisen, Dutzende Libellen, fette Teichfische - an diesem Teich war ein reges Treiben! Das entdecke ich aber erst, nachdem ich dort eine halbe Stunde still im Gras saß. Vorher war es für mich "nur" ein trüber Tümpel gewesen. Eigentlich hatte ich in dem Teich baden wollen. Das Ufer war aber zu morastig, so daß zwar ein Hineinkommen möglich war, das wieder herauswollen sich aber zu schwierig gestalten würde. So beließ ich es bei normalem Erfrischen.



Der Eisvogel war gut versteckt im Gebüsch. Ich konnte mit dem Fernglas seine Flug- und Fischerkünste bewundern. Der Aufenthalt am Teich - nur als kurze Rast geplant - dehnte sich über eine Stunde. Auch etwas, was ich lernen mußte: hier diktiert die Natur, nicht mein Termindenken!
 

Glasklares Wasser - ich trank davon und überlebte das sogar ;-)




Die Wanderungen finden im Harz statt. Derzeit entdecke ich das Gebiet um die Okertal-Sperre. Die Sperre ist unglaublich leer - es ist erschreckend, wenn man den Pegel von vor zwanzig Jahren noch kennt!



Überall auf den Erhöhungen stehen Borkenkäfer-Testzelte. Die sehen aus wie kleine Tipi-Zelte. Im Innern hängen Lockstreifen. Dort wird getestet, auf welche Weise man den Plagegeistern zuleibe rücken kann. Der Harz ist mal wieder schlimm zugerichtet. Ich hörte mal ein Gespräch zwischen Wanderweibern mit. Eine regte sich heftig darüber auf, dass man an den Wanderwegen soviele abgestorbene vertrocknete Bäume ertragen muß. Der Anblick sei doch furchtbar tourismusschädigend. Ob man das nicht ändern könne!

Vor soviel Schlichtheit im Gemüt kapitulierte ich sprachlos. Ich trank die Reste meines Kakaos so schnell ich konnte, und verließ das Café.

Herr, laß Hirn vom Himmel regnen! Mir sind die Geräusche des Waldes und selbst die nervigen Hirschlaus-Fliegen lieber! Und die können einen wirklich plagen. Auf meiner Wanderung gestern fielen etliche über mich her. Gut, das ich jetzt weiß, was das ist. Die können einen schon ganz arg irritieren, weil sie sich regelrecht festklammern und auf dem Kopf herumkriechen. Und irgendwann beißen sie zu. Ich hatte so ein Tierchen mal unter dem Helm, als ich 2016 eine Harztour mit Ellie gemacht hatte. Sehr unangenehm!

Wenn ich den Wald verlassen habe, ist die Rückkehr in die ach so "normale Welt" jedesmal ein kleiner Schock. Dieser Lärm, diese wie verrückt herumbrezelnden Fahrzeuge. Hier besonders unrühmlich: die auswärtigen Motorradfahrer. Gestern bei Romkerhalle erlebt. Eigentlich ist dort 50 km/h. Ein Gebückter war damit nicht einverstanden und rauschte mit brüllendem Motor an einem PKW vorbei, hinein in die unübersichtliche Kurve, wo oftmals Wanderer über die Straße gehen. Das hätte böse ausgehen können.

Nein, am Wochenende im Harz - nicht mehr mit Motorrad. Die Zeitungen sind gepflastert mit Todesnachrichten. Jedes Wochenende einer oder mehrere Verunglückte im Harz.

Ich habe höchstens mal eine blutige Schramme oder einen blauen Fleck, wenn ich ausrutsche. Und auch das nur deshalb, wenn mein Kopf dann noch zu sehr im falschen Rhythmus tickt!

An einem Teich hatte ich eine nette Begegnung mit einem Forstmann. Ich saß da und ließ die Natur auf mich wirken, als er sein Auto am Weg abstellte und zu mir herüberkam. Er würde mit seinem Hund trainieren, und müsse deshalb eine Ente im Schilf ablegen. Die soll vom Hund gewittert und aufgespürt werden. Ob mich das sehr stören würde. Nun, er hatte mich ja bereits gestört, also ließ ich ihn trainieren und trollte mich weiter. Es gibt also noch Menschen, die Rücksicht nehmen. Das fand ich nett.

Und dann war da noch das alte Pärchen, welches auf einer Bank saß und ihre Pausenmahlzeit verzehrte. Fein säuberlich wurden die Eierschalen in ein Taschentuch gekrümelt. Keine Spuren hinterlassen, die nicht in die Natur gehören. Genau meine Einstellung. Nun sind Eierschalen auch irgendwie Natur (Hinweis von Angelika). Aber auch irgendwie nicht! Schale UM das Eigelb herum, das ja. Aber weiße Eierschalen überall hingekrümelt, bevorzugt um Ruhebänke oder auf die Sitzfläche, oder sogar um den Mülleimer herum - das ist nicht natürlich ...

Es sind also doch nicht alle Mitwanderer bekloppt. Gut zu wissen ;-).














2 Kommentare:

  1. Uii, das Wandern. Das hasse ich, seit ich als Kind jedes Wochenende auf Almhütten jenseits der 1500m Seehöhe genötigt wurde. *pfff*

    Ich fahre halt entschleunigt Motorrad. A oide Transalp ohne Elektronik und nur nach Karte. Schad, dass das bei euch nicht geht!

    Aber sag mal. Eierschalen? Was wenn nicht das, passt in die Natur? ;-) Oder krümeln die Vögel ihren Eierschalenmist auch in Taschentücher fürn Mist?

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  2. Du, ich habe da meine eigenen Gedanken für. Schale AM Ei, ok. Aber neben und auf der Sitzbank, weiße Schalen en masse - das muß echt nicht sein. Das Ei wurde doch bis zur Bank getragen - warum also nicht den Mist (können höchstens 2 Gramm sein) nicht einwickeln und zum nächsten Mülli? Genauso Bananenschalen. Apfelschnitze. Wenn, dann bitte wirklich IN die Natur, nicht so dilletantisch "überall spurig". Wie gesagt, das sind meine eigenen Prinzipien ... ich puhle meine Ei-Vorräte zuhause, und schneide die Apfelgriepsche heraus (für die Schweinchen). Achte mal drauf, an stark besuchten Aussichtsbänken. Was da alles im näheren Umfeld herumliegt ...

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