Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 6. Mai 2013

1. Mai 2013 - Maitour und ein abruptes Ende

1.5.

Tag 3 vom Urlaub

Das Wetter war herrlich, und so wollte ich mal wieder eine Runde allein durch die Gegend fahren. Ohne Tourpartner.
Die gestrige Tour mit Pete war sehr schön, aber auch sehr anstrengend. Die Kurven, und doch viele unruhige Straßenverhältnisse. Und soviele neue Eindrücke, die mich komplett überfordert hatten.
Ich mußte mal wieder ganz gemütlich tuckern, auf vertrautem Weg.

So fuhr ich also zunächst meine kleine Hausrunde.


Das Foto wollte ich immer schon machen :-); sehr schönes Bild und mit Ellie davor gleich doppelt nett!


Dann fuhr ich meinen Törn bis nach Seinstedt, und machte auf dem Lieblingspausenplatz eine Futter- und Cappupause. Um die Uhrzeit (knapp vor 10 Uhr) kam da alle Stunde mal ein Auto vorbei, die lagen sicherlich noch alle "in sauer" vom gestrigen Maitanz!

Gleich noch ab in die Büsche, und den Brocken vor Augen plante ich spontan den Weg in den Harz.

Weil das Wetter so schön warm war, wollte ich mich am Ende des Feldweges noch kurz in den Schatten setzen. Ich hatte keine Lust, mich für die wenigen Meter komplett einzuplünnen. So zog ich nur die Handschuhe an, stülpte den Helm über den Spiegel und wollte im Schritttempo auf dem Schotter drehen.
Wollte ...
Ich erwischte mit dem Vorderrad loses Gestein, griff reflexartig in die Handbremse, und innerhalb einer Sekunde lag Ellie auf der Seite, und ich mit dem linken Bein darunter.
Geistesgegenwärtig drückte ich den Notaus-Schalter, und kroch dann mit Mühe unter dem Gewicht der 200 kg schweren Maschine hervor.

Ellie lag auf der Seite, Blinkerglas und -Birne kaputt, Sturzfänger verbogen, einige Kratzer am Spiegel - Gott sei Dank nur wenig Benzin ausgelaufen.
Beim Sturz hatte ich mir den linken Fuß verdreht, und mein rechtes Schienbein tat auch sofort weh. Der Hebel der Hinterradbremse hatte ganze Arbeit geleistet - monstermäßiges Hämatom.

Scheiße Scheiße, was für ein Mist. Ich versuchte alles, um die Hebelwirkung zu bekommen - aber ich bekam Ellie am Lenker nur eine Handbreit hochgehoben. Auf dem Oberschenkel abstützen geschweige denn irgendwie den schweren Hinterkörper aufrichten? Unmöglich. Außerdem tat mir mein linker Fuß so dermaßen heftig weh, das ich nur noch am Fluchen war, aber sonst nichts weiter geregelt bekam.

Ein ziemlich unverschämter Stoßseufzer flog aus meinem Lästermund gen Himmel. Den Inhalt der Worte gebe ich mal nicht wieder ... ich schiebe das auf meinen Schock.

Während ich noch am Zittern war, ächzte ein Radfahrer mit Hund den Berg bei Seinstedt hoch. Ich fuchtelte mit den Armen, und er nickte in meine Richtung. Kurze Zeit später stand der helfende Engel mitsamt Bordercolliehündin "Jessie" neben Ellie, und zu Zweit hoben wir die Maschine ohne Probleme wieder auf die Räder.




Man sieht - wenn ihr das Bild anklickt - genau den kaputten linken Blinker, und der feuchte Fleck im Sand ist das ausgelaufene Benzin.



Links der verdrehte Fuß, rechts das geprellte Schienbein.


Der freundliche Radfahrer stellte übrigens als erstes die Frage "Wie geht es IHNEN denn???", als ich ihm von der gestürzten Ellie berichtete.

DA mußte ich dann wirklich nachdenken.

Ich stand wohl doch noch reichlich unter Schock. Am miesesten war dieses hilflose Gefühl, Ellie nicht aufheben zu können.
Ich bin oft allein unterwegs, und es wird sich sicherlich nicht verhindern lassen, dass mir so etwas noch einmal passiert.

Dringendes Memo an mich: an einer alten Schrabbelkiste üben, wie man eine Maschine wieder aufrichtet!

Der Radfahrer ließ mich erst dann alleine, als er sich davon überzeugt hatte, das Ellie auch startklar war. Ich drückte die Zündung, und nach zweimaligem Orgeln sprang sie ohne Probleme an und blubberte wie üblich vertrauensvoll vor sich hin.
Die Gute.
Der Radler winkte zum Abschied und wünschte mir noch "weiterhin ALLZEIT gute Fahrt!".

Ich wanderte schmerzerfüllt den Weg auf und ab. Der linke Fuß tat weh, aber alle Zehen funktionierten einwandfrei. Also wohl doch nur eine Zerrung.
Der Schreck saß mir noch so in den Innereien, das selbige mich zu einer Pause ins Gebüsch zwangen. Zum Glück kam in DEM Moment KEINER vorbei.

Dann hieß es: aufsteigen und nach Hause fahren. Eine harte Therapie für mich, aber notwendig. Wer weiß, ob ich sonst je wieder aufgestiegen wäre. Okay, das ist jetzt übertrieben, aber sicherlich hätte ich mich längere Zeit nicht mehr zu fahren getraut!

Ich fuhr allerdings wie auf rohen Eiern. 
Dann kam mir auch noch ein Rettungswagen mit Blaulicht entgegen. Ja klasse, aber zu spät für MICH, Jungs.
In jeder Kurve war ich am Zittern: bloß nicht umkippen, bloß nicht zu schnell fahren ... Nach gut fünfzehn Minuten mußte ich dann auch eine Pause einlegen. Mir war auf einmal grottenübel, und ich konnte den Helm nicht mehr auf dem Kopf ertragen. Ich dachte, ich müßte ersticken! 

Nachdem ich zuhause vor der Garage angekommen war, stellte ich nur noch den Motor aus, schob Ellie mehr schlecht als recht in die Garage. Auch das Putzen ließ ich bleiben.
Ich wollte nur noch in die Wohnung und auf die Couch, die Füße hochlegen, die Beine verarzten. Salbenverband für beide Beine - das zerschlagene Gefühl im Kopf war aber nicht so schnell verschwunden ...

Weitere Erinnerungen habe ich an den Tag nicht. Außer, das ich in der Nacht im linken Fuß doll Schmerzen hatte, aber am nächsten Tag fast ohne Probleme wieder laufen konnte. Das rechte Schienbein schillerte in den schönsten Farben und war dick angelaufen, der linke Fuß war nur ein wenig schmerzend, wenn er zur Seite wegknickte. Dank einer stützenden Sportbandage konnte ich am nächsten Tag schon wieder durch die Wohnung tapern.

Fazit: dieses Erlebnis ist glimpflich ausgegangen. Das Schlimmste an der Sache war diese Hilflosigkeit, das ich Ellie nicht mehr allein hochbekam. Das hätte ich sehr gerne in der Fahrschule gelernt!!! 

In so einer Zittersituation nie nie niemals in die Handbremse greifen, sondern eher mit der Kupplung spielen. Die 70%-Bremskräfte, die vorne nämlich wirken, hauen einem die Maschine schneller um als man "Huch" sagen kann!



Nachtrag:
Am 16. Mai bekam ich beim Stammtisch von Pete ein Geschenk mit dem Hinweis: "Damit Du die ANDEREN verarzten kannst, Umfallhuhn"

Der Gute ... :-)



2 Kommentare:

  1. Au weia, ein Albtraum. Gut, dass nicht mehr passiert ist.

    Ich denke, es gehört auch ein wenig Kraft zu der Technik, denn es sind immerhin 200 Kilo, die gewuchtet werden wollen! Und ganau aus dem Grund gehe ich wieder regelmäßig in's Fitti.

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  2. Ich bin ja nicht unsportlich. Was man hier beachten muß, ist der Schock und der Schmerz der Verletzungen. Da ist ein Umfaller-Unfaller nicht so wirklich fit "bei der Sache". Eine leichte Enduro wie die von Svenja mit knapp 140 kg ist da sicher anders hochzubekommen - leichter nämlich :-). Oder ich nehme mir einen Miniwagenheber mit bei der nächsten längeren Tour, hab ich allen Ernstes schon mit geliebäugelt.

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