Tag 2 vom Urlaub
Pete hatte dank Koniginnendag (und Abdankung der Selbigen) einen Tag Sonderurlaub, und wollte mit mir seine sonstige "Feierabendrunde" fahren.
Ich war gespannt, was mich erwartete.
Zunächst frühstückte ich zuhause eine Kleinigkeit. Ich wußte ja nicht, worauf ich mich da einließ. Die Hecktasche wurde dementsprechend vollgepackt - mit Pausenbrot, Gemüse und Wasserflasche. Einige kleine Naschsachen kamen ganz zufällig auch hinein.
Nö - ich bin ja gaaar nicht aufgeregt ...
Dann fuhr ich los, bei bestem Moppedwetter - noch mit Winterinnenfutter in der Jacke. Erstmal durch die braunschweigische Innenstadt. Gegen 10 Uhr war das nicht so prall, aber ich kam gut durch. Ein Stück die B1 längs, und dann abbiegen ins Dorf, zu Petes Haus.
Hier gab es einen Begrüßungskaffee, und eine gemütliche Einstimmung auf die Tour. So sah ich auch auf dem TV Bildschirm das erste Mal die Route. Kurz nach elf Uhr waren wir dann startklar.
Mopped-Zwiegespräch - erstes Beschnuppern ...
Ellie ließ sich wieder einmal hoheitsvoll bewundern!
Meine Winterhandschuhe waren zunächst noch nötig. Die Luft war kühl, trotzdem fuhr es sich sehr angenehm in der frühlingsgrünen Landschaft!
Eine Tankpause mußte sein, weil Petes Gefährt fast trocken war.
Schöne Rottöne, gelle?
Ein freundlicher Gruß der star-Tanke
Dann fuhren wir weiter. Ich immer hinterran. Wir hatten vorher Zeichen abgesprochen. Pippipausenzeichen (Lichthupe oder/und Hupen) etc. Ansonsten schaute Pete des öfteren in den Rückspiegel, um zu prüfen, ob ich mitkam.
Er paßte sich meinem Tempo an. Wir fuhren belebte Strecken, die mir streckenweise bekannt waren. Auf einer meiner kleinen Runden war ich da auch herumgetuckert! Der Bereich um Lengede war mir vertraut!
Wir fuhren auf die Lichtenberge (bei Salzgitter) zu. Ein herrliches Panorama! Die Rapsfelder kurz vor der Blüte, die hellgrünen Bäume und die Sonne im strahleblauen Himmel. Wunderschön!
Dann ging es durch kleine Dörflein in die Lichtenberge. Ich mußte nun aufpassen - es wurde kurvig. Die Straßen stellenweise doch sehr anspruchsvoll.
Irgendwann kam ich an die Stelle, wo letztes Jahr der Beinahe-Abschuß gewesen war - zwischen Schloß Oelber und dem Weg nach Lichtenberg.
Ich brauchte eine Pinkelpause. Die Strecke durch den Wald, das Déja-vu zum letzten Jahr und die Kurvenfahrerei hatten mich geschlaucht ...
Kleine Pause in der Natur ...
Pete genießt die gemütliche Tour - endlich kann er mal die Landschaft angucken; ob er nun will oder nicht ;-)
Wir fuhren und fuhren. Das Hinterherfahren war eine neue Erfahrung für mich. Pete kannte die Strecke ja, für mich war alles neu und ich war doch ziemlich gestreßt.
In Nette ging es dann wieder einen Berg rauf. Während Pete den langsamen LKW durch ein geschicktes Überholen loswurde, mußte ich dem Stinkmonster hinterher tuckern. Boah ey, blaue Wolken einatmen ist echt total ätzend :-(.
Wir erreichten einen geplanten Pausenpunkt der Tour:
Hier ist am Wochenende höllenmäßiger Zaubertanz - ein beliebter Bikertreffpunkt. Kiosk am Weinberg, oberhalb von Nette/Bad Salzdetfurth.
Diesmal waren es nur zwei Motorräder, die da auf dem großen Vorplatz standen. Unter der Woche, gegen 13 Uhr, da war da noch nichts los. Mir war das recht! Massenaufläufe sind nichts für mich ...
Niedliche Deko am Rastplatz;
ich als Blümchenpflücker-Bikerin fühlte mich sofort verstanden! Hach ...
Sogar eine Helmpflegestation wurde angeboten. Echt klasse!
Das Geraffel im Bild (Wasserflasche, Gemüsebehälter - grün - Brotdose - rot - und Eierbox - gelb) war mein mitgebrachter Proviant. Ich hab immer gerne eine Kleinigkeit zu Spachteln in der Reserve ;-).
Der Wirt des Würstchen-Kiosk war superfreundlich, und die Portion dem Bikerhunger angepaßt!
Ich futterte derweil meinen mitgebrachten Proviant. Die lautstarke Beschallung durch einen Radiosender war nur was für Hartgesottene. Ich stehe absolut nicht auf deutsche Eichenlaub-Schlager. Volksmusik ist bei mir genauso beliebt wie Jazz. Ich bekomme Flöhe im Gehirn von so etwas ...
Demzufolge war ich auch tierisch angenervt ein wenig plümerant, und mußte mich ablenken ...
Das Kind muß sich austoben, Hans-Werner ... das ist gut für die Entwicklung ...
Gut erholt und mit dem nötigen Fluchtreflex - der Radio-Horrorsender gab alles! - stapften Pete und ich noch ein Stück die Straße runter. Ein Denkmal beäugen, was Pete schon immer mal anschauen wollte.
Kriegsdenkmal ...
Dann ging es weiter. Bad Salzdetfurth, kleinere Dörfer Richtung Sibesse (kannte ich schon, auf meiner Tour ins Leinebergland bereits mehrfach gefahren!). Oberhalb von Sibesse eine kurvenreiche Strecke nach Diekholzen (kannte ich nicht; hatte ich immer vermieden, wegen zuviel angezeigter Kurven).
Meine Kondition war weiterhin schwach. Die Kurven forderten mich erneut. Einerseits wollte ich hinter Pete herkommen, andererseits merkte ich, das ich sein Tempo einfach nicht halten konnte. Ich finde Kurven fahren nicht das non plus ultra. Ich fahre sie, wenn es sein muß - aber ich könnte auch drauf verzichten. Bei meiner Hausstrecke ging das gerade noch - da wußte ich die Linie. Aber hier, auf unbekanntem Gelände ... fühlte ich mich unwohl.
Später erfuhr ich, das Pete diese Strecke in knapp zwei Stunden runterfährt. Und ihm zufolge gerne noch mehr Kurven hätten sein können. Ein Glück, das ich das erst dann erfuhr - ich wäre sonst bestimmt nicht mitgekommen ... Route 66, schnurgerade Strecken, den Horizont vor Augen - sowas finde ich klasse ... Kurven? Och nö ...
Hinter Diekholzen ging es links hoch, und Pete wollte sich den Hildesheimer Aussichtsturm anschauen. Da wir so langsam fuhren, war sein spontanes Anhalten auf einem kleinen Randstreifenparkplatz auch für mich nachfahrbar. Wir drehten um, fuhren ein Stück zurück und dann klapperten unsere Maschinen einen einspurigen halbwegs asphaltierten Weg den Berg hinauf. Während Pete schon innerhalb kurzer Zeit hinter der nächsten Biegung verschwunden war, kämpfte ich noch mit den Schlaglöchern. Ellie ist nicht so toll gefedert, und mit zu hohem Tempo fangen ihre Reifen doch ein wenig das Schlingern an. Außerdem hatte ich da so ein Bauchgefühl ... und richtig! Hinter einer scharfen Biegung kam mir auf der Fahrbahnmitte ein rasanter PKW entgegen, der scharf bremste, und dann nur halbherzig an die Seite auswich.
Sowas liebe ich ja wie's Bauchweh :-( ...
Demzufolge kam ich total entnervt doch ein wenig gestreßt oben am Hildesheimer Aussichtsturm-Restaurant an.
Der Boden war schotterig, und meine Angst vor einem Umfaller mal wieder sehr groß. Ich war froh, als ich Ellie sicher abgestellt hatte. Meine Beine waren wackelig - die Tour forderte mich, in mehrfacher Hinsicht!
Bewegung tat jetzt not, um den Streß abzuarbeiten.
Wandern mit Motorradstiefeln - geht alles
Blick über den Wald
Die Moppeds - ganz klein da unten
So ganz geheuer war uns beiden die Höhe des Aussichtsturms nicht - wohlfühlen so weit weg von den Maschinen ging nicht wirklich!
Unsere Abenteuerlust, was die Höhe anging, war recht schnell gestillt. Schnell ging es wieder auf den festen Boden zurück.
Die Speisegaststätte machte zwar erst morgen auf (1. Mai - Rambazamba im Wald, wie gut, das Pete und ich heute schon da waren ...), gab uns aber trotzdem noch Kuchen und Getränke heraus. Um das Küchenteam nicht zu stören, hockten wir uns nach draußen in den Biergarten. Hier war es aber auch wirklich schön ...
Ich genoß meinen Kuchen und die Cola - Energielieferanten für die Weiterfahrt. Eigentlich hätte hier für mich die Tour zuende sein können. Ich war geschlaucht, und obervoll mit Eindrücken und Emotionen. Kilometermäßig war es nicht viel gewesen, kaum hundert Kilometer weg von der Heimat.
Wir fuhren dann kleinere Straßen westlich um Hildesheim herum. In den Ortschaften wurde emsig gebaut, der Verkehr war dementsprechend. Ich mußte viel schalten, und so langsam tat mir auch meine Kupplungshand weh.
Dann ging es wieder Richtung Braunschweig zurück. In einer kleinen Ortschaft nördlich der B1 hielten wir an einer alten Kirche an. Ein weiterer Rastpunkt, der mir sehr entgegen kam.
Pete klärte dann noch mit seinem Lieferanten, wann endlich der neue Reifen aufgezogen werden konnte. Wichtiges Anliegen!
Nun ging es auf der B1 - auf mir vertrautem Weg - zurück zu Petes Dorf. Erst wollte er mich noch nach Hause begleiten, aber da es schon ziemlich spät war (knapp nach 17 Uhr), fuhr er dann doch lieber gleich zu sich weiter.
Den Stadtverkehr meisterte ich gemütlich, und als ich dann gegen 18 Uhr zuhause vor der Garage ankam, war ich fix und foxi.
Das Tourfahren mit unbekanntem Partner und auf unbekanntem Weg war eine Erfahrung wert. Pete hat sehr viel Rücksicht genommen, ist geduldig und freundlich gewesen, und ich bin gerne in seiner Gesellschaft gefahren.
Fazit: Das war anstrengend. Wo ich wesentlich mehr einsame und gerade Wege bevorzuge, fahren geübte Tourer auf ganz anderen Planeten.
Ich kann nicht verlangen, dass sich mein Tourpartner auf mein Niveau begibt - ich muß für mich herausfinden, wo ich mithalten kann - und wo ich eben meinen eigenen Stil weiterfahre. Ohne mich selber unter Druck zu setzen.
Das beherrsche ich nämlich leider zu perfekt - mich selber zu schubsen ... das ist ungesund, gefährlich und an der Veränderung dessen werde ich arbeiten müssen.
Ich fühle mich noch nicht wirklich bereit, um mit anderen Tourpartnern unterwegs zu sein. MM ist eine Ausnahme, er kennt mich mittlerweile gut genug, um mein Zögern und meine Pausenbedürfnisse richtig einzuschätzen - nicht nur fürs Pinkeln, nein: um meinen psychischen aufgestauten inneren Druck zu minimieren!
Ich werde die nächste Tour mal wieder allein fahren. Blümchen pflücken, fern ab von Kurven, belebten Treffpunkten und spektakulären Kurvenstrecken.




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