Mittwoch - Mitte der Woche. Frühlingswetter. Grandios blauer Himmel, laues Lüftchen ... viel zu schade, um den ganzen Tag im Büro zu verbringen. Wir leben in Deutschland, hier ist jeder schöne Motorradwettertag gleich auszunutzen!
Eine Mail an einen Bikerkumpel geschickt, und er war ebenfalls dafür: Tour fahren!
So fuhr ich diesmal also mit einem unbekannten Tourpartner. Ein wenig unsicher war ich ja schon - aber allein fahren (wie ich es eigentlich geplant hatte) wollte ich dann auch wieder nicht. Ich entwickel mich vielleicht doch noch zu einem Kleingruppen-Tier, was denkt ihr? Allein fahren ist schön, aber da ist dann auch niemand, der mal Fotos macht, den man knuffen kann, wenn einem etwas ganz besonders gut gefällt, oder der einem den Rücken frei hält ...
Schnell ein frühes Mittag eingeworfen, und dann ab zur HEM Tanke. Tanken, Luft kontrollieren. Der Vorderreifen verliert kaum noch Luft - und wenn, dann nur 0,2 bar in 3 Wochen. Das ist im Bereich des "normalen" zu vertreten!
Dann fuhr ich nach Wolfenbüttel. Wie immer über Hötzum, Apelnstedt.
Frühling im Ländle! Herrlich!
Frisches Frühlingsgrün - davor macht Ellie sich noch besser!
Blick zurück Richtung Apelnstedt
Gegen 13 Uhr war ich am vereinbarten Treffpunkt. Kumpel wartete schon im Schatten. Erstmal mußte ich seine schöne Maschine bewundern. Goldene Felgen - hatte ich noch nie gesehen. Sehr schönes Mopped. Straßenmaschine, mit soooo einem dicken Hinterreifen. Ellie sah dagegen zierlich aus.
Wir fuhren über die Dörfer bis nach Hornburg. Dann bog ich wie gewohnt nach Rimbeck ab.
Kumpel meinte später, er kannte die grobe Richtung der Strecke ja, aber immer wenn er dachte, jetzt geht's DA lang, fuhr ich ANDERS herum auf Strecken, die auch schön waren, und ihm unbekannt (weil meine Wege keine "normalen Ballerstrecken" sind, die die Anderen halt alle fahren!).
Weiter ging es durch das ehemalige Randgebiet bis nach Vienenburg. Da ich das Ziel "Okertalsperre" gewählt hatte, brauchte ich vorher eine Koffein-Pause.
Außerdem machte mir mein rechtes Unterbein Probleme. Als hätte ich am Schienbein ständig Krämpfe. Sehr lästig! Nun hatte ich sehr wenig getrunken (ich will ja nun nicht andauernd anhalten müssen, zum "müssen" ...), was den Muskeln bestimmt ebenfalls nicht gut tat.
Wir chillten im hinteren Bereich der Eis Ecke, ganz gemütlich im Halbschatten. Kurzer Toilettengang meinerseits, und dann ging es weiter. Nach Goslar-Oker.
Auf der Geraden in Richtung Oker leuchtete der Harz hellblau vor uns. Mein Kopf speicherte die ganzen schönen Bilder. Es war herrlich! Dieses Licht, die warme Luft, und das Frühlingsgrün. Ach - zum Kotzen idyllisch (wie ein Exfreund es mal so treffend beschrieb).
Unglaublich viele Insekten unterwegs (das war NICHT herrlich). Gelber Käfermatsch am Helm, und einmal traf mich ein Insekt an der Kehle. Urgs. Bei 100 km/h tat das trotz Halstuch ganz schön weh. Wie gut, das ich das Tuch immer bis über das Kinn in den Helm reinziehe. Sonst wäre mir das Viech in die Jacke gerutscht. Stelle ich mir bei einer Hummel, Biene oder Wespe EXTREM unangenehm vor!
Leider war das Wetter den Autofahrern aufs Gehirn geschlagen - so sie denn noch eines hatten. Sehr agressive Drängler, Vorfahrtnehmer und manchmal auch stumpf blöde Vorsichhin-Schleicher.
Beim Abbiegen nach Oker rein (über eine Anhöhe rüber) bekam ich die Linkskurve nicht gut hin, und wäre bald an den Bordstein gerasselt. Naja, Linkskurven UND Anhöhen konnte ich bislang noch nicht wirklich gut üben!
Da werde ich demnächst mal dran arbeiten - vielleicht nächste Woche, wenn ich Urlaub habe!
Über den Minikreisel in Oker ging es dann rechts hoch ins Okertal. Die Uhrzeit war günstig - hinter uns war kaum ein PKW, was mir die Anfahrt sehr erleichterte.
Die Sonne war nicht zu grell, so das ich die Fahrt ohne Sonnenbrille machen konnte. Diese Licht- und Schattenverhältnisse im Harz sind nicht ohne - da muß man aufpassen. Nur aus dem Augenwinkel nahm ich die Schönheit der Landschaft wahr. Gucken auf die Straße, Kurve vordenken, Kopf in die richtige Haltung bringen ... ich war komplett mit FAHREN beschäftigt. Landschaftsguck geht dann (bei mir zumindest noch) nicht!
An der Okertalsperre angekommen, war ich erst einmal erledigt, aber auch stolz auf mich selber!
Ellie und "die Goldige" auf dem Parkplatz, Okertalsperre
Der Kiosk hatte noch Winterpause
Da sind wir hochgekommen! Stooolz - Blick nach hinten
Staumauer - 62 Meter hoch
Wasserseite Staumauer Okertalsperre
Einmal hielt ein Quad auf dem Parkplatz. Da sah ich zum ersten Mal das neue Kennzeichen "CLZ" für Clausthal-Zellerfeld. Dort führte uns unser Weg dann auch hin, weil die Brücke nach Altenau immer noch Baustelle war.
In einer unübersichtlichen Kurve hinter dem Okerstausee standen auf einmal Baufahrzeuge, und Straßenbauarbeiter waren in aller Seelenruhe mitten auf der Fahrbahn damit beschäftigt, Rollsplit auf Teerflicken zu stampfen.
Tolle Leistung, Jungs - ohne Warnhinweis vorher ... ich weiß schon, warum ich in solchen Kurven und im Harz lieber übervorsichtig bin!
Bei dieser Tour funktionierte mein Frühwarnsystem (Bauchgefühl) allerbestens. So war ich einfach nur wütend, und nicht verunsichert, über diesen Wahnsinn, den die da trieben. Ich war froh, als ich Clausthal heil erreicht hatte!
Und dann ging es also wieder einmal hoch nach Torfhaus. Kurz vor Sonnenberg lag sogar noch Schnee in den Wäldern. Wieder dieses überirdisch feenhafte Licht! Und auch hier wieder: kein Landschaftsguck möglich, weil Kurventechnik gefragt war!
Ich werde später mal Fotos machen. Wenn ich mal allein da bin. Mit ganz viel Zeit. UND schönem Wetter. Morgens früh oder so ... lohnt sich mit Sicherheit!
Die Kurven gingen ganz leidlich. In die Kurven reinblicken, die Linie vordenken, und dann meinen bisherigen Kenntnissen und meinem Körper-/Maschinen-/Straßengefühl nach fahren. Bislang hatte ich in den allermeisten Fällen den richtigen Gang, wenn es in eine engere Kurve ging. Popometer einschalten, Gewicht verlagern, schon ging Ellie ein weiteres kleines Stück runter - und ich mußte sie nicht "drücken". Ich brauchte auch kaum noch auf die Armarturen zu schauen, um zu gucken, wie schnell ich war. Ich hörte das, ich fühlte das an den Vibrationen und spürte das im Straßenverhalten.
Wie oft war ich da jetzt schon gewesen? Vier Mal? Also dafür bekam ich das meiner Ansicht nach schon ganz zufriedenstellend hin.
Zum Glück ist die Harzstraße an einigen Stellen den Berg rauf doppelspurig, das erleichterte mir das Fahren, und die Wartenden hinter uns kamen auch endlich an uns vorbei.
Torfhaus selber war eine Großbaustelle. Himmel, sah das da oben scheiße aus :-( ... Die Bauarbeiten für (Ferien?-) Wohnungen waren im vollen Gange, Staubwolken über dem Areal, und Schlaglöcher in der Straße und Rollsplit in den Auffahrten.
Auf dem Parkplatz noch viel zuviel Blech, kaum Moppeds.
Na, das wird sich am Wochenende sicher ändern!
Geschafft! Brockenstube-Kiosk-Souveniers, und im Hintergrund der wunderschöne Harzblick
Seht ihr den schwarzen Rauch am Horizont? Das ist die Brockenbahn bei der Anfahrt! Klickt auf das Foto, dann wird es deutlicher zu erkennen!
Heike go's Harz :-)
Graffiti - und rechts im Bild die "Schickimicki-Bavaria-Alm"
Hier war der Kaffee günstiger, und die Bedienung urig und bikerfreundlich
Käffchen mit Brockenblick; Beine hoch und im Nacken die Sonne; was für ein grandioser Nachmittag
Nach einem WC-Gang meinerseits ging es dann gegen viertel vor fünf wieder zurück ins Flachland. Ich wählte den kurzen und unspektakulären Weg bis nach Bad Harzburg. Tempo 60 war fast überall angegeben. Fast alle Fahrer hielten sich dran, was auch an den Blitzern gelegen haben mag ...
Ein kleines Stückchen B6, und dann bog ich eine Abfahrt zu früh ab nach Vienenburg. Was aber nicht schlimm war, denn an dem Tag war das Fahren das wichtige. Wir hatten beide keinen Termindruck, und so ging es dann auch gemütlich weiter - zurück nach Wolfenbüttel.
Kurz hinter Vienenburg auf dem Weg nach Stötterlingen meinte ein Lieferfahrzeug, wilde Sau spielen zu müssen. Ich fuhr schon 60, wo 50 erlaubt war (schlechte Straße, nicht einsehbare Kurve, Bitumenschlangen), und der Vollpfosten überholte IN der Kurve. Dann kam ein PKW von vorne, und der Liefermensch hätte mich fast von der Straße gedrängt, hätte ich das nicht vorher wieder einmal irgendwie geahnt, und mein Tempo automatisch vorher reduziert.
Mein hinter mir fahrender Kumpel meinte, da war ganz wenig Platz zwischen dem rechten Außenspiegel des Lieferwagens und meinem linken Außenspiegel.
Ja, das sind die unangenehmen Seiten beim Motorradfahren. Diesem Autofahrer hätte ich ohne Hemmungen die Fresse poliert, wenn ich ihn erwischt hätte.
Klartext!
In Hornburg fuhr Kumpel fürsorglich auf einen Rastplatz. Ich hatte die ganze Rückfahrzeit schon wieder ständig Probleme mit meinem rechten Unterschenkel gehabt, und beim Absteigen knickte ich sogar fast mit dem Bein weg. Irgendwie muß ich meine Fußhaltung verändern. Das muß ich beobachten!
Ohne weitere Zwischenfälle (außer Hölle viele Insekten) ging es dann weiter Richtung Wolfenbüttel. Mein Kumpel verabschiedete sich in Wendessen, und bog in seine Heimatrichtung ab. Herzlichen Dank an Dich, für das Fotografieren, das Beobachten und die kompetente Tourbegleitung!
Ich fuhr ganz gemütlich nach Weddel zurück, stellte Ellie vor die Garage und rannte wie angestochen erst einmal aufs Klo.
Danach puhlte ich dann die Fliegen- und Käferleichen von der Maschine ab.
Fazit: ein toller Tag - mit vielen Facetten.
Das Frühlingswetter geht den Leuten auf die Hormone. So unruhig und hibbelig, wie ich die Stimmung den Tag über spürte, ist es nicht so häufig. Gott sei Dank!!!
Wenn ich gut drauf bin, und gute Stimmung im Land fühle, werde ich nächste Woche vielleicht wieder mal nach Torfhaus fahren.
Vielleicht alleine, vielleicht möchte ja wieder ein Tourpartner mit. Das erfahrt ihr dann sicher :-) ob ihr wollt oder nicht!
Herrlich wie immer. Freu mich schon auf unsere erste gemeinsame Tour!
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