Das Wetter spielte morgens noch nicht mit. Ein kleines Regengebiet vermieste die Tourenplanung. War aber weiter nicht schlimm, so hatte ich noch ein wenig Zeit für mich.
Um halb zwölf riss der Himmel auf, und es wurde warm. Die Straßen waren auch trocken, und so plünnte ich mich an, schob Ellie aus der Garage, und fuhr ab.
Erstmal Richtung Wolfenbüttel, dann weiter nach Werlaburgdorf, nach Liebenburg zur STAR Tanke. Freche Benzinpreise - ein Liter Super für 1,629 Euro. Örks ...
Freundliches Tankstellenpersonal, geräumiges Tankstellen-WC, Helmablage.
Es war warm. Kurzfristig überlegte ich, mein Wintersteppfutter aus der Hose und Jacke rauszupuhlen, aber irgendwie konnte mich mich dazu noch nicht durchringen. Mein Kopf war noch auf Wintermodus eingestellt. Mit meiner Fahrweise an dem Tag war ich bis Liebenburg nicht zufrieden. Hölzern, und verkrampft. Kurven waren Unsicherheitsfaktor. Insgesamtes Körpergefühl: mies.
So ist das bei den Frauen manchmal. Da hilft nix, nicht mal Tabletten. Da geht nur "halbe Leistung". Das wurde mir wieder einmal vor Augen geführt, mit jedem Kilometer. Wenn ich allein fahre, macht mir das nichts. Da kann ich alle 30 Kilometer anhalten, wenn der Unterbauch zwickt. Oder umkehren. Am heutigen Tag war ich zu allem unentschlossen - so fuhr ich also ohne die große Freude, die ich sonst so beim Fahren hatte, einfach drauf los.
Die Sonne kam durch, und ein Hauch von Frühling - und seelischer Hochstimmung - umwehte mich. Vor Bockenem ging es Richtung Mahle, und vorher durch einige Kurven durch. Zum Glück konnte ich die einigermaßen meistern. Es waren viele andere Moppedfahrer unterwegs. Kein Wunder, bei DEM Kaiserwetter!
Erstes Tourziel war Lamspringe.
Pinkelpause, Ausruhen, Bauch entspannen.
Eine Döner-Eisdiele mit italienischem Eis (äh ...) lud zum Verweilen ein.
Heike und Ellie in Lamspringe-Stadt; hier suche ich gerade nach Tabletten, die ich aber mal wieder erfolgreich zuhause vergessen hatte ...
Blumige Begrüßung - nett!
Nach einer Eis- und Pinkelpause fuhren wir noch ein kleines Stück weiter, zum Klosterpark. Zweite Runde chillen.
Mir ging es mies. Ich fühlte mich total schlapp, bekam langsam aber sicher Kopfschmerzen und war total neben der Spur.
Frühlingsbeweisfoto! Schneeglöckchen vor der Armatur von Ellie
Bikerfrühstück mit Blick über den Teich; der Fertig-Chai-Latte schmeckte gruselig ... der Rest war aber prima und brachte meinen Blutzucker wieder in vernünftige Bahnen
Gesicht in die Sonne, Energie tanken!
Auf Fotopirsch ...
Frühling in Lamspringe!
Diese neuen Hüftprotektoren machen ein gebärfreudiges Becken ;-)
Nach einer guten halben Stunde fuhr ich weiter. Richtung Winzenburg. Die gleiche Strecke war ich letzten Oktober gefahren - am Ende der Saison. Da hatte ich schon 7000 km Fahrpraxis hinter mir.
In dieser Saison startete ich also mit einer (für mich) langen Tour. Ohne vorheriges längeres Fahrtraining.
Die Kurven durch den Wald bei Winzenburg gingen so leidlich. Als wir in Freden ankamen, war ich grad gut drauf, und fuhr nicht wie abgesprochen nach Alfeld weiter, sondern bog links ab Richtung Kreiensen. Ich bin eine Frau, ich darf mich innerhalb einer Minute dreimal umentscheiden ;-).
So ging es also doch noch hoch zur Burgruine Greene!
Frühlingstemperaturen bei 23°C! So tuckerten Ellie und ich also den Burghügel hinauf.
Maschine am Rand abgestellt, Jacke aus, Stimmung einfangen. Fotoapparat geschnappt, und gemächlich zur Ruine getapert.
Wie beim letzten Besuch im Oktober 2012, wenige Besucher. Da die Bäume noch keine Blätter hatten, war die Aussicht in jede Richtung grandios!
Links an den roten Häusern vorbei geht es in Richtung Einbeck
Veilchen; Frühlingsboten auf dem Burggelände
Heike noch im Fahr-Modus, auf der Burgmauer
Auf der Mauer, auf der Lauer ...
Eine Runde besinnlich in die Gegend gucken ...
Da oben wollte ich dann doch nicht hochkraxeln ... (Foto vom letzten Jahr; das von dieser Tour ist wegen Gegenlicht nix geworden)
Mittlerweile war es wirklich warm geworden. Da die Toiletten am Turm noch nicht geöffnet waren, plünnte ich mich in freier Wildbahn aus meinen warmen Unterhosen. Kein neugieriger Tourist störte diese Aktion!
Nach ausgiebigem Gegendgucken und Herumalbern auf und an den Burgmauernresten stapfte ich wenige Schritte ins Burg-Dörflein, zum kleinen Hexenkaffee "Knusperhäuschen". Ein leckerer Blaubeermuffin und geschnorrte Kaffeeschlückchen halfen meinem Blutzuckerspiegel wieder auf positiven Stimmungsmodus.
Gemütlichkeit auf engstem Raum; lauter fröhliche und freundliche Besucher; im T-Shirt: die nette Wirtin
Diese Kaffeemöglichkeit ist ein Insidertipp. Das kleine Kaffee ist von April bis Oktober geöffnet. Sonn- und Feiertags 10 - 17 Uhr. Samstags 14 - 18 Uhr. Kleinigkeiten zu Futtern gibt es auch.
Nach dieser Pause plünnte ich mich also wieder an. Der Weg sollte über Freden und Alfeld Richtung Salzhemmendorf gehen. Die sanften Kurven bis nach Freden gingen jetzt doch ganz ordentlich. Viele Motorradfahrer waren entweder zu sehen - oder zu hören. Geballer Richtung Einbeck oder Kreiensen, auf der Hauptstraße entlang.
In Freden fuhr ich aber nicht rechts über die Bahnbrücke, sondern links. So fuhren wir also links der Leine nach Alfeld. Diese Strecke kannte ich nicht. So schön war sie auch nicht, sie führte uns direkt durch das Industriegebiet. Es war schon halb sechs Uhr durch. Und wir hatten noch das Ziel Benstorf. Und dann den Rückweg über Hildesheim nach Braunschweig. Also fuhr ich auf die B3. Meine Konzentration war aber hinüber, mir machte die Bundesstraßenfahrt Angst. Normalerweise würde ich abdrehen und gemütlich per Karte über die Dörflein tuckern. Ich hatte mich aber verwirren lassen von dem Schlagwort "Zeitdruck" und fuhr wie ein hypnotisiertes Kaninchen einfach drauf los.
Nach einigen Kilometern Umweg mußte ich zurück. Falsch abgebogen.
Kurze Zeit später war ich auf der B1 in Mehle, und da kannte ich mich gleich wieder aus. Die Strecke bin ich schon so oft gefahren, da steht schon mein Kennzeichen drauf!
Um 18 Uhr kamen wir in Benstorf an.
Ich gerädert, mit Kopf-, Glieder- und Bauchaua. Ich hätte mich am liebsten sofort auf den Boden gelegt und wäre erst am nächsten Tag wieder aufgestanden.
Das war einfach nicht mein Tag.
Und ich hatte viel zu spät auf meine Antennen gehört.
Nun denn - tapfer bleiben, half ja nix, der Rückweg mußte noch geschafft werden.
Meine Freundin und ich tranken dann gemütlich Cappucino und genossen das Familienleben mitsamt den Tieren um uns herum. Die Welpen und die Kiddies rückten meine Stimmung dann wieder nach oben.
Gestärkt ging es auf den Rückweg.
Da ich die B1 kannte, gab ich auch Gas. Wo ich konnte, fuhren Ellie und ich 100 km/h. Der Wochenend-Touri-Verkehr war schon vorbei, die Straßen also gut befahrbar.
In Lahstedt kurz vor Vechelde machten wir an einer Eisdiele noch eine Pause. Mein rechter Fuß war dick, meine Kupplungshand fühlte ich kaum noch - und mein Dubs wollte auch nicht mehr.
Gegen 20 Uhr kamen wir dann in Weddel vor der Garage an. Mit letzter Kraft schob ich Ellie nach drinnen, aber geputzt hatte ich sie dann doch nicht mehr. Ich war froh, die Tour gemeistert zu haben.
12 Uhr los, 20 Uhr daheim. Ca. 250 oder 270 Kilometer gemacht.
Das heiße Vollbad anschließend war dringend nötig zum Muskellockern ...
Das heiße Vollbad anschließend war dringend nötig zum Muskellockern ...
Fazit: ich hatte mich überfordert. Die Tour ist lang, und ohne Training vorher nur dann für mich fahrbar, wenn ich körperlich sehr gut drauf bin.
Im Nachhinein stellte ich fest - die Tour hatte mir wenig innere Freude gemacht. Ich denke, es ist vielleicht mal wieder an der Zeit, eine kürzere Tour unterwegs zu sein.
Vor Herausforderungen drücke ich mich nicht.
Also - auf ein Neues!

Eine schöne Tour, aber wirklich etwas lang für diese Temperaturen und zu Saisonbeginn. Ich war Sonntag auch unterwegs und schon nach 106 km zurück zuhause und in der Badewanne.
AntwortenLöschenKönnte ich eigentlich auch ein paar Zeilen drüber schreiben.
Wärm dich erstmal auf, Heike..
Hei liebe Svenja - ja, Dein Rat ist Gold. 100 bis 150 km Tagesziel. Das langt. Und gemütlich bleiben.
AntwortenLöschenLiebe Grüße!
Hay....ich kenne diese Tage auch zur Genüge....
AntwortenLöschenAber in 'MisterMister' hast du einen sehr guten, routinierten Tourbegleiter :)
Du weisst, woher ich das weiss... und wenn nicht - frag MisterMister ^^
Liebe Grüsse
BlauerEngel