Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 2. Mai 2016

1. Mai 2016 - Um den Huy Höhenzug, mit Kunst, Kultur und illegalen Rüttelwegen

An diesem 1. Mai gab es soviel, was man hätte unternehmen können. Walpurgisfest in Thale, mit Ostmobile-Treff. Oder diverse Bikerfeste/Wochenenden. Ausfahrten. Überall Dorf-Flohmärkte oder Hof-Markt. Oder Ausstellungen.

Also Remmidemmi mit Bölkstoff.

Das Wetter war zum Helden zeugen. Die, die zeugen könnten, lagen allerdings zu einem Großteil "in sauer" von gestern.

Ich versorgte die Schweinebande, sattelte Ellie und fuhr erstmal zum Mai-Gottesdienst in meiner Gemeinde.
Das anschließende Mittagessen ließ ich ausfallen. Das Wetter lockte mich zu sehr. Gemütlich Richtung Harz, der sich gegen 12 Uhr immer noch im Dunst verhüllte. Ich kreuzte die Landbahnstrecke, bog ab Richtung Goslar, und dann wieder Richtung Wernigerode. Feldhasen rannten in einer Staubwolke über die Felder und duckten sich dann in die grünen Pflanzen. Kommt es mir nur so vor, oder hat sich die Population dieser Tiere erholt?

In Ilsenburg versorgte ich mich zunächst mit Zahlungsmittel.


Ich werde mutiger: parken auf dem Gehweg, seht ihr? Vor uns war in der Harzlandhalle irgendein Event. Laute Musik, angelehnt an Helene Fischer, schwallte mir gegen den Helm. Urks ... weg hier.

Mit gefülltem Portemonaie ging es weiter. Ich brauchte einen kleinen Mittagssnack und fuhr meine Lieblingstankstelle an. Hier sind Biker willkommen, und es klebt kein kopiertes "Helm ab!" Papier an der Eingangstür.

Ich wollte es gemütlich, und parkte um die Ecke. Die Sachen locker am Motorrad abgehängt, die Geldbörse geschnappt und drinnen erstmal mit dem Mittagessen eingedeckt. Ein Baguette, ein Latte Macciato und ein Eis. Einen kleinen Klönschnack mit meiner Lieblingsangestellten rundete den Einkauf ab.
Ein selbsternannter Welterklärer stand am Bistrotisch, las seine Zeitung und philosophierte über Motorradfahren im Harz, speziell am Wochenende. Er hätte ja die Nase voll davon. Ständig würden die Fahrer schikaniert, geblitzt, rausgewunken und überhaupt ... er und seine Kumpels würden jetzt im Wolfsburger Raum fahren. Am Mittellandkanal entlang. Da hätten sie ihre Ruhe.

Aha.
Mittellandkanal ... Kanäle sind ja nun nicht wirklich für ihre Kurvenhäufigkeit bekannt. Und das Gelände drum herum ist eher schlicht und ereignislos ... 

Wie auch immer. Ich hörte mir seine Ausführungen einige Minuten geduldig an, mußte dann aber raus zu Ellie, sonst hätte er meinen Latte an den Kopf bekommen. So ein Laberkopf ... hrmpf ...
Ich habe ja immer noch den Gutschein für meinen ersten Strafzettel wegen zu schnellem Fahren. Den will mein ehemaliger Fahrlehrer zahlen, sagte er mir damals. Zu diesem Thema komme ich gegen Ende des Blogberichtes noch einmal ...





Ein Salami-Baguette mit Ruccola und italienischem Drunterweg

So stand ich da neben der hell ergrünten Birke, schmauste und beäugte die anderen Tankstellenkunden.
Irgendwann hielt ein älterer Herr neben mir mit seiner kleinen Nuckelpinne, machte die Tür auf, drehte am Radio und zündete sich eine Zigarette an.
Wieder schwallte mich Volksmusik zu.

Zum Glück dauert eine Zigarette nicht lange. Er warf sie auf die Straße und trat sie aus, setzte den Rückwärtsgang rein und eierte zum Hauptfahrweg zurück. Vielleicht war sein Auto zu klein gewesen für einen Ascher?

Ich hatte genug menschliche Kontakte gehabt. Es ging weiter. Weg vom Harz. Gemütlich über die Dörfer, die ich schon kannte, fuhr ich den Huy Höhenzug an.

Der Huy spricht sich "Hü", sagte mir ein Einheimischer. Das mal vorneweg!

Eine Fotopause - hier wurde irgend etwas geerntet; es staubte und roch sehr intensiv nach Grünzeug
 

Dann ging es hoch in den Höhenzug.



Schön durch Kirschbaum-Flecken und lichtgrüne Laubwälder nach Huy-Neinstedt.
Infos vom Tourismusverein: der Huy

Eine Seitenstraße machte mich neugierig, und schon wenige Meter weiter fand ich ein Museümchen.
Infos hier: KLICKKLICK


Das »Heinrich-Meutefin-Museum« in Huy-Neinstedt gibt Auskunft über die reiche Flora der Huylandschaft. Der Schuhmacher Heinrich Meutefin, 1745 in Dingelstedt geboren, starb 1816 in Huy-Neinstedt. Er vertrieb bis zu seinem Lebensende im Huy gesammelte Kräuter, zu denen er den Kräutern gewidmete Gedichte legte. Diese Tatsache war Anlass, zur Flora des Huy ein Kunstwerk zu schaffen. Das erste automatische Museum in Deutschland kann vom Besucher selbsttätig geöffnet werden.

Erst in der Nachbearbeitung für den Blog erfuhr ich die interessanten Einzelheiten. Soviel ist sicher: Himmelfahrt oder Pfingsten, wenn ich wieder Urlaub habe, werde ich dieses automatische Museum einmal ausprobieren. Das klingt spannend! Bei meinem Besuch hatte ich die Türklinke nicht angefaßt. Der Efeu, welcher dort hochrankte, ließ mich in dem Glauben, dass das Museum geschlossen war.
Die geöffneten Fensterchen hätten ja der Lüftung dienen können, war mein Gedanke ...





Dann fuhr ich den Weg weiter hoch. Linksseitig bog ein kleiner Weg in die Hügel ab, den ich neulich auch schon entdeckt hatte. Diesmal fuhr ich weiter geradeaus.


Wilhelmshall erwartete uns.





















Soviel leeres Gemäuer, staunte ich vor mich hin.

Da ich in den Motorradsachen ziemlich schwitzte, ließ ich es gut sein und machte mich weiter auf den Weg. Die Straße führte vorbei an einer langen Mauer, mit Hinweisschildern, dass das Gelände videoüberwacht sei.
Der Belag ging erst in Schotter und dann in das typische Kopfsteinpflaster mit wadentiefen Spatzenbadewannen über (Schlaglöcher). Und dann endete der Weg für PKW und Motorräder.

Ab hier nur noch mit Wanderstock. Neugierig beäugten mich einige Radfahrer und ein Wandererpärchen. Ich beneidete sie ein wenig wegen ihrer kurzen Hosen und kurzärmligen Shirts. In meiner Motorradjacke hatte ich noch das Winterfutter drin, weil mir heute Morgen zu kühl war. Außerdem hatte ich die Longjohn, die Wintersturmhaube und die Winterhandschuhe. Beim Fahren war das okay, beim Pausieren stand ich doch recht erhitzt in der Sonne!







Betonringe schützten hässlich, aber wirkungsvoll, den Grünsteifen vor Parkterroristen.
Einiger kümmerlicher Stiefmütterchenbewuchs trotzte dem Wind und der Trockenheit und brachte zusätzlich Farbe in die Landschaft. Irgendwer gab sich hier große Mühe, die Wanderer zu erfreuen. Auch die erhöht stehenden Wanderer-Rastplätze waren durchaus gemütlich, und ohne große Müllablage rundherum.

Die Stromatholiten hätte ich mir zwar gerne angeschaut, aber in Motorradkluft sind mir auch 400 Meter Wanderweg einfach zuviel.
Ich werde wiederkommen müssen.

Da es geradeaus nicht weiterging, drehte ich um, und bog nach einiger Zeit rechts ab.



Anfahrt über den Hügel, im ersten Gang mit Motorkraft ...


... ziemlich steil bergan ...

Oben angekommen!
Sehr holperige Anfahrt, und bei Nässe möchte ich nicht auf diesem Weg unterwegs sein; so aber ging es gut, im Schritttempo

Grandiose Aussicht hier oben - vorne zu ist das Dörflein Anderbeck

Biker Rastplatz mit Blick ins Land und Blick aufs Gefährt - perfekt in alle Richtungen!

Diese Beiden schoben ihre Stahlrösser den steilen Hügel über die holperigen Steine; ich bot ihnen die Rastbank an, aber sie wollten nicht und äugten stattdessen stauend in die Natur

Es war schon länger her mit der Baguette-Mahlzeit, und mein Magen meldete sich. Mein Plan war jetzt, Richtung Kloster Huysburg zu fahren.
Ich sah beim Durchfahren von Dingelstedt eine schöne Allee mit blühenden Zierkirschbäumen, fand aber nicht die richtige Abbiege durch den Ort. Auf dem Rückweg mußte ich mich durch die Kopfsteinpflaster-Dorfmitte quälen und war mit der Abkürzung nicht wirklich glücklich ...

Ich fuhr also erst einmal aus Dingelstedt heraus, bog dann rechts ab in einen - natürlich! - Feldweg ein. Wieder einmal tief ausgewaschene Spuren, aber diesmal konnte ich in der Mitte gemütlich über die Grasnarbe cruisen. Und kam hier an:



Ein Traum in rosa!

Ich konnte mich kaum losreißen. Mein Magen meinte, das wäre ihm egal und so fuhr ich dann weiter. Und landete statt im Kloster, hier:


Hier war ich schon mit dem Zettfahrer gewesen. Durchgehend warme Küche! Und laut Chefin planen sie demnächst auch Frühstück ab 9 Uhr.

Auf der Saisonkarte stand Grüner Spargel und Rührei. Die Kartoffeln dazu bestellte ich ab.
Dazu eine große Cola und eine Tasse Kaffee, und der Gratisblick auf den schönen Teich und die grüne Landschaft. 


Die hauseigene Brieftaube, die sich unter den Tischen bediente und dann kurz nach dem Foto, weil es von mir keinen Krümel zu ergattern gab, einen satten gelben Klecks auf den Fliesen hinterließ.

Ein Ehepaar aus Halberstadt setzte sich zu mir auf die Baumstamm-Bank, und wir hatten ein schönes Gespräch. Ihr Sohn fährt auch Motorrad, und so kamen wir von Thema zu Thema. Sie speisten einen Schwarzwälder Eisbecher, von dessen Betrachtung allein ich mit Sicherheit gleich 2 Kilo zunahm.
Ich war mit meinem Spargelgericht glücklich und erschrak fast, als ich auf die Uhr schaute. Schon nach 17 Uhr durch! Da hatte ich den Tag aber ganz schön vertrödelt.

Zeit für die Rückfahrt.
In Dingelstedt verfranzte ich mich total und kam somit in den zweifelhaften Genuß von der Geschwisterstraße in Wilhemshall (Kopfsteinpflaster und Schlaglöcher). Nun denn, irgendwann war ich auch aus diesem ansich kleinen Nest herausgeholpert, und fuhr wieder auf anständigen Straßen heimwärts.

Ein Stück weit ging es über die B244, bis ich diese in Dedeleben verließ, über Rohrsheim und Hessen fuhr und bei Semmenstedt in eine weitere Möglichkeit der Heim-Hausrunde abbog.

Der Kaffee und die große Cola meinten, den Weg des natürlichen gehen zu müssen. Und somit ... und weil wieder ein grüner Feldweg lockte ...


Pause!


Cooles Foto, oder? :-)




Und hier greife ich das Thema vom Anfang auf: eher kassiere ich einen Strafzettel für die Ordnungswidrigkeit "Befahren von Wirtschaftswegen", als für überhöhte Geschwindigkeitsfahrt ;-).

Weit nach der Abendbrotzeit fuhr ich dann um die Asse herum wieder Richtung Heimat. Wieder stand ein Reh auf der Straße. Es sah mich, stockte und sprang zurück in das Rapsfeld. Ich war im Cruisermodus mit 60 Kilometern unterwegs gewesen - es war kein Verkehr mehr und somit leistete ich mir diesen Tuckermodus. Gut, das ich das getan hatte ...

Kurz vor der Garage traf ich den Zettfahrer, der mir Naturalien vor das Küchenfenster gestellt hatte. Ein kurzer Plausch, dann wollte ich wirklich heim.
Das Ritual des Fliegenkleckse abwaschens nutzte ich erneut zum Runterkommen. Gegen 22 Uhr lag ich im Bett und schlief tief und fest mit einer Unterbrechung bis zum Wecker piepsen. Die neue, zum Glück kurze Arbeitswoche brach an ...


Ungefährer Überblick der Tour

 

Fazit:
Was als kurze Mai-Runde angedacht war, dehnte sich bis zum Abend hin aus. An die 200 Fahrkilometer, diverse Pausen mit ungeahnt interessanten kulturellen Angeboten, was für's Auge und lecker Genüssliches für den Magen rundeten den ereignisreichen Tag ab.
Am Alleine unterwegs sein mag ich besonders diese Möglichkeit, mich abrupt umentscheiden zu können, ohne Rücksicht auf Nachfolger. Mich von meinem Gefühl leiten zu lassen, wohin ich möchte. Oder wohin dann doch wieder nicht. Oder doch?
Versteht ihr Gerne-Alleine-Fahrer(innen), was ich damit meine?



5 Kommentare:

  1. Aber selbstverständlich verstehe ich, was du meinst. Wobei es manchmal schön ist, in Gesellschaft zu sein. Aber manche Tage muss frau sich einfach mal treiben lassen.

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    1. Du schreibst es ... manchmal schön MIT, und manchmal schöner ohne Gesellschaft! Genauso fühle ich das auch.

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  2. Oh ja, das verstehe ich voll und ganz. Einen schönen erste Mai Ausflug hast Du da gemacht! Bei mir war es gestern auch sonnig und mild, aber es war ein sturer Wind, der mir ein wenig die Freude verhagelt hat. Der kam irgendwie immer ungelegen.

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  3. Ich mag es lieber allein, als in der Gruppe. Zu zweit ist schon mal ok, wenn man die gleichen Interessen hat. Aber Rudelfahrten sind nicht wirklich mein Ding. Ich habe es mehrfach probiert, aber mein Rhythmus ist halt anders. Auf Mehr-Tages-Touren bin ich sowieso lieber allein, da ich dann mein Tempo, meine Stopps, kulinarische Bedürfnisse und Übernachtung komplett selbst bestimmen kann. Da ist eben jeder Jeck anders ;-)

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    1. Ein wahrer Satz, das mit dem "Jeck" :-)
      Deine Punkte sind auch die meinen. In einer Gruppe macht man automatisch viele Zugeständnisse, die einem allein nie einfallen würden. Mal ist das okay.
      Außerdem kann ich einer Gruppe ja nun nicht die eigene Individualität vorhalten, was Tempo, Bedürfnisse etc. angeht.
      Insofern fühle ich mich im Rudel nicht kuschelig oder geschützt, sondern eher belastet.
      Jeck eben ;-)

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