Sicher kennt ihr das ;-).
Bedingt durch die Vierbeiner war im Urlaub immer nur ein Tag außer Haus machbar. Das schränkte den Radius natürlich erheblich ein, und somit war der ursprüngliche Plan, im Harz oder in der Heide mal zu zelten, gestorben.
Morgens brütete ich über der Karte nach dem Wohin. Die grobe Richtung war im Kopf, und dann hieß es "treiben lassen" und bis zum Ziel Kilometerfressen.
Den Harz immer im Blick, ging es - soweit möglich - gleich früh morgens los.
Hier mal eine Andeutung, in welchem Radius wir herumgecruist waren
Auf dem Weg ins Bode-Tal - bei Allrode
In der Nähe vom Hexentanzplatz Thale
In der Woche war gegen 14 Uhr erfreulich wenig los auf den Straßen. Leider hinderte uns eine Baustelle an der Durchfahrt Friedrichsbrunn - Bad Suderode, so daß ich meinen Plan "Schön ruhige Straßen abcruisen" zu Lasten meiner Nerven aufgeben mußte. Mit lauter selbsternannten Rennfahrern mußte ich auf dem Rückweg aus dem Tal nach Thale hinein. Zum Glück war ich kurz vor einem Linienbus auf der Kreuzung und hatte eine Zeitlang den Rücken frei, weil keiner das klobige Gefährt überholen konnte.
Bevor es richtig losging, mußte ich mein Hüngerchen befriedigen - sehr nette Bedienung da am Bäckertresen, und das Ei-Brötchen war genau wie ich es mag: mit viel Mayo, gesalzene Tomaten und etwas Gurke
Haltebucht vor Allrode
Hier war ich in der letzten Saison auch mal gewesen
Der Zustand des Straßenbelages dieser kurvenreichen Strecke ist bei Nässe eine Herausforderung an alle Fahrer
Zum Glück kann man diese Route noch relativ in Ruhe gelassen fahren! Die Gebückten bevorzugen die B4 oder andere Einfallstraßen in die Harzmitte
Die Straße ist kaum breit genug, das 2 PKW aneinander vorbei können. Das hält die Leute aber nicht davon ab, hier längszubrettern - solche Leitplankenschäden sind an der Tagesordnung.
Links am Bildrand ist die Luppbode zu erkennen. Dort reinzustürzen stelle ich mir extrem unschön vor.
In der Felswand neben der Straße waren ab und an vergitterte Löcher - das Gitter konnte man aufstoßen und wer sich traute, verbotenerweise in die Stollen abtauchen
Ich hatte Motorradsachen an, war somit ziemlich unbeweglich, was Klettertouren anging. Und beließ es somit beim neugierigen Hineingucken.
Stecklenberg Kirche
Sehr ungewöhnlicher Baustil, den ich so noch nie gesehen hatte
Das kleine Örtchen Stecklenberg entdeckte ich eher durch Zufall, weil ich von der Feierabend-Crowd Richtung Thale flüchtete.
Kurpark
Dieses Burgmodell der Lauenburg war das Highlight, sage ich euch. Es sieht SO realistisch aus. Absolute Empfehlung für einen Besuch! Modellerklärung zwei Fotos vorher.
Da mich dieser Ort faszinierte, stattete ich ihm einige Tage später einen weiteren Besuch ab, und erwanderte die genannten Ziele.
Der Hammer ...
Anstieg vom Parkplatz beim Naturfreundehaus. Zunächst ging es zur Stecklenburg. Bedingt durch die Nähe zur Jugendherberge war es hier nicht so einsam, wie ich es gerne gehabt hätte. Zum Glück verloren die Kids bald das Interesse und spazierten lauthals krakeelend "Hier is imma noch kein Netz, so'n Scheiß!" zurück in den Ort.
Nachdem ich hier schon ziemlich beeindruckt war, zückte ich die Karte und plante, auch die größere und angeblich schönere Lauenburg, oberhalb, zu erwandern. Wenn ich schonmal hier war ... carpe burgum oder so!
Ich wählte den kurzen Anstieg. Und hatte Steigungen von an die zweihundert Höhenmeter in einem Kilometer Weg durch den Wald zu bewältigen. Für mich ungeübte Sofaheldin war das wirklich heftig. Ich schnaufte mir die Lunge frei von Staub. Merke: Burgen stehen strategisch günstig auf Anhöhen!
Von oben kam eine Horde Kinder angetrabt. Bergab ging es ja leicht *pah*. Während ich die willkommene Pause zum Atmen nutzte, tobte die Bande an mir vorbei. Der Trampelpfad durch die Blätter war nicht meins - zuviele Zecken drin! Ich sah bestimmt witzig aus, mit Hose-in-die-Socken gesteckt. Dank dieser Technik konnte ich die Mistbiester aber sofort erkennen. Ich tötete ungefähr 5 Stück, die sich heimtückisch an meinem Bein über die Sockensperre hochhangeln wollten.
Anwanderung zur Lauenburg
Die Ruine der Lauenburg steht auf einem Ausläufer des Rambergmassivs
oberhalb des Ortes Stecklenberg.
Sie wurde von Heinrich IV. erbaut und im Jahre 1164 erstmals urkundlich
erwähnt.
Die Bauzeit der zweiteiligen Burganlage mit Vorburg und Hauptburg betrug
vermutlich bis zu zehn Jahre.
Zweck der eindrucksvollen Festungsanlage mit einer Gesamtlänge von mehr
als 350 Metern war der Schutz von Quedlinburg und der nahen Heerstraßen.
Im Jahre 1180 wurde die Lauenburg bei kriegerischen Auseinandersetzungen
von Friedrich I. (Barbarossa) erobert.
Später hausten zeitweilig Raubritter auf der Burg, bis diese im 14. Jahrhundert zerstört wurde.
Die Hauptburg ist heute stark verfallen.
Nur wenige Reste der Türme und der Außenmauern sind noch erhalten
geblieben.
Das einzige Bauwerk der gesamten Festungsanlage, welches dem Zahn der
Zeit und der Geschichte relativ gut widerstanden hat, ist der Bergfried
der Vorburg.
Seine Ruine ist schon von weitem gut sichtbar.
Später hausten zeitweilig Raubritter auf der Burg, bis diese im 14. Jahrhundert zerstört wurde.
Unterhalb des Burgberges befindet sich hinter der kleinen Stecklenberger Kirche ein Modell der Lauenburg im Maßstab 1:20, welches dem Betrachter einen guten Eindruck von den einstigen Ausmaßen der Burg vermittelt.
Schießscharten
Der frei wachsende Baum über dem Torbogen - rechts stand die Burg-Kapelle
Diese Burgkapelle ging mir unter die Haut. Manchmal ist das so: da kommt man an Orte und spürt instinktiv, dass sie etwas besonderes sind oder waren. Genauso ging es mir hier. Das Pärchen aus Sachsen, welches mir stets auf dem Fuße folgte, störte diese Harmonie nur teilweise. Zu schnell verloren sie das Interesse und wanderten weiter.
Leider hatte ich an diesem Tag einen privaten Termin, und so konnte ich mich der Mystik dieser Ruine nicht so lange widmen, wie ich gewollt hätte. Der Abstieg lag ja auch noch vor mir.
Merke: solche Orte niemals mit Termindruck besuchen, das ist ganz großer Murks!
Es wurde Zeit, den Rückweg anzutreten. Aber ich mußte doch noch einen Stopp einlegen.
Urgs - und ich habe Höhenangst ...
Auf dem Weg nach ganzganzoben
Hier klammert sich die linke Hand krampfhaft an das Metallgitter ... ich fühlte mich ziemlich zittrig in der Höhe ...
Sicher wieder unten angekommen, verschnaufte ich erst einmal. DAS war hoch. Und ich hatte ganz oben auf dem Gitterrost wirklich Muffensausen gehabt. Das Gefühl, als würde mich ein Sog nach unten ziehen, rumorte schmerzhaft in der Magengrube. Aber die Neugierde hatte mich eben in die Höhe getrieben.
Nun hieß es aber endgültig "Ab zum Auto - der Termin drängt!" und ich mußte mich von dieser Anlage trennen.
Ich suchte mir über Google Maps GPS meinen Punkt. Der hüpfte mal hierhin, mal dorthin. Ich würde also einfach dem groben Schotterweg folgen. An einer Kreuzung standen zwei Hinweise Richtung Stecklenberg. Ich wählte den rechten Weg. Sonne auf der rechten Schulter, würde ich bestimmt irgendwo bei der Jugendherberge rauskommen, war mein Gedanke.
Wenn man sich nicht auskennt, dann zieht sich das. Außerdem der Termin im Genick. Ich hoppelte bergab, und hielt nur einmal kurz am Wurmbachwasserfall an. Hände waschen und heißes Gesicht kühlen.
Ich hörte Zivilisationsgeräusche: irgendjemand kam mit seiner Simson den Berg hochgekachelt und verschwand an einer Biegung in den Wald. Okay, mit Mofa ist hier also das hochfahren erlaubt?
Nach ungefähr 3 Kilometern steil bergab kam ich dann endlich auf dem Parkplatz vor der Jugendherberge bei meinem Auto an.
Was für eine Wanderung. Das würde ich noch einmal bewältigen, dann aber mit Zeit für einen ganzen Tag!
Mit Sondergenehmigung dürfe man sogar bis an die Lauenburg heran fahren, wies ein Schild sich aus.
Leider fehlte dort die Telefonnummer des Amtes, bei dem ich mich melden könnte. Nun denn, hochfahren ist etwas für Weicheier.
Frauen wie ich quälen uns lieber 3 Kilometer von 180 Höhe auf 400 Höhenmeter. Zurück war es dann leichter, da ging es ja bergab ;-)
Auf der Rückfahrt kam ich von einem Stau in den nächsten, mußte außerplanmäßig tanken und den Termin dann um eine Stunde verschieben.
Zur Nacht hin hatte ich die drei Urlaubsschweinchen gut gebettet, und konnte mir auf der Karte den Wahnsinn nachrechnen, den ich heute absolviert hatte.
Urlaub extrem - Sport ungeplant!
War aber echt super!

















Sehr cool! Das ist ein wirklich schöner Ausflug, den Du da gemacht hast! Dieses Burgmodell ist ja wirklich allerliebst! Und obwohl "deine" Burg viel älter ist, ist sie doch viel besser erhalten, als "meine" Festung von letzter Woche in Rastatt. Ich finde es immer unheimlich spannend in solchen Mauern umherzulaufen. Auch damals, als ich in Homburg war, ging mir das so. Man versucht sich immmer vorzustellen, wie es denn mal wirklich ausgesehen haben mag.
AntwortenLöschenBei solchen Gittertreppen habe ich auch immer Bammel. Denn besonders schwindelfrei bin ich auch nicht. Und dieses Gefühl in der Magengegend kenne ich nur zu gut.
Ja, Burgen stehen meistens auf Anhöhen. Jedenfalls, wenn sie dort Wasser finden konnten. Leben ohne Wasser war auch im Mittelalter schwierig. Weswegen es auch viele Burgen an Flüssen und/oder Seen gibt.
AntwortenLöschenMal im Ernst - in Motorradklamotte den Berg hoch? Respekt. Das ist eine ganz schöne Schinderei. Ich habe mal eine Grotte im Süden Frankreichs in Klamotten besucht. Man, war ich platt hinterher ....
Neinnein ich war dann mit dem Auto dort gewesen. Mit Motorrad Sachen wäre das unmöglich gewesen.
LöschenDann ist Luxembourg Stadt eine Empfehlung. Insbesondere die Wasserversorgung der Burg / Oberstadt.
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