Gegen 1 Uhr morgens hatten die Dauercamper links von uns auch endlich ihren Komapegel gefunden, ihre laute Musik abgestellt und es kehrte Ruhe ein. Trotz Ohrpröppel hatte ich die Bässe im Körper gefühlt.
Hätten die ihre Wohnwagendisco nicht wenigstens nach hinten raus stellen können, anstatt IM Wohnwagen die Anlage aufzureißen?
Augen auf bei der Wahl der Nachbarn, sage ich da nur ...
Dann bin ich auch endlich in den Tiefschlaf gefallen. Im Unterbewußtsein nahm ich den heftigen Regenschauer wahr. Da ich wußte, dass Ellie trocken im Unterstand untergebracht war, ließ ich mich davon aber nicht irritieren, und driftete wieder in die Traumwelt ab.
Ich wachte einmal gegen 4 Uhr morgens auf. Die Vögel zwitscherten und piepsten die Natur wach, aber das Geräusch fand ich natürlich und passend.
Ein Blick aus dem Zelt ...
Sehr schön, nettes Foto, aber viel zu früh, entschied ich. Drehte mich auf der Luftmatratze um und schlief noch einmal tief und fest ein.
Gegen 7 Uhr kam ich dann an die Oberfläche. Ein Griff zur Brille - und dann ein Blick durch das Zelt.
Guten Morgen Heike!
Guten Morgen, kleines Pelz - knutsch
Im Gear-Loft schlummert die Zeltlaterne, die Wassertropfen vom Regen am frühen Morgen perlten auf dem Dach
Dieses grünliche und augenfreundliche Dämmerlicht im Zelt formte mich endgültig zum Zelt-Junkie. Hier ist nichts grell, oder anstrengend. Hier kann man visuell ganz friedlich in den Tag starten. Ich machte drei, vier Selfies von mir, wie ich da noch ganz knautschig auf dem Kissen lag ... knautschig, und verpennt, ja. Aber auch total entspannt.
Dann wollte ich sehen, wie die Welt außerhalb ausschaute.
Eingangsbereich - alles trocken
Gepäckbereich - ebenfalls alles gut
Tasche trocken, Rasen trocken - das Zelt hat den Regen abgehalten
Foto unter der zweiten Apsis heraus - die Harzer Welt im Morgenlicht
Luft reinlassen - Gepäckbereich hintere Apsis
Gleich werden die Hühner auf das Gelände gelassen - Walter war schon ganz aufgeregt und krähte in einer Tour - ich stand da auf dem Rasen vor dem Zelt und freute mich über die Geräusche
Endlich in Freiheit auf dem Gelände, untersuchen Walter und seine Damenriege den Boden nach Resten vom Vortag; das neugierige Zweibein stört, und das machte mir Walter wenige Augenblicke später auch recht lautstark klar: KIKERIKIII
Die blaue Ortlieb-Faltschüssel wurde mit meinem Waschbeutel, dem Handtuch und dem blechernen Thermoblechbecher bestückt und ich schlappte zum Waschraum.
Fünf Liter warmes Wasser kamen aus dem Hahn in die Faltschüssel, ich ging in die Duschkabine und genoß die Morgenerfrischung 'made by Heike'.
Ich pusselte da vor mich hin, und genoß es, mal wirklich in aller Ruhe die Morgentoilette erledigen zu können. Einige Nachtfalter taumelten lichtblind im Waschraum herum, oder bumsten mit einem dumpfen Ton gegen die Scheibe. Ich öffnete das Fenster, und zumindest einer torkelte dann im Zickzackflug nach draußen.
Das ist Natur - hier ist mit Käfern, Ohrenkneifern oder Nachtfaltern zu rechnen. Mich stört sowas nicht. Auch Spinnen gehörten zu den Besuchern.
Erfrischt und mit halbwegs geöffneten Augen ging ich zum Zelt zurück. Das alte Ehepaar mit ihrer Enkelin - Besucher aus der "Radlerhütte" schräg gegenüber unserer Zelte - war mit Einpacken beschäftigt. Das Mädel hatte mit dem Opa im Auto geschlafen - später erfuhr ich, dass das Kind in der Hütte Ohrenkneifer entdeckt hatte und um nichts in der Welt mehr DORT nächtigen wollte.
Idylle im Morgenlicht
Der Reisegefährte saß seit einiger Zeit in der Grillhütte. Dort gab es Steckdosen - für den Wasserkocher (heißer Kaffee) und für das Smartphone-Tuning. Er war früher wach geworden, und hatte mich ausschlafen lassen.
Wir hatten uns in das Frühstücksangebot der Domäne eingekauft, und da es jetzt knapp halb neun Uhr durch war, wollten unsere Mägen feste Nahrung.
Dieses Wochenende hatte ein Dackel-Verein dort in der Nähe eine Hundeprüfung. Der Platz war gefüllt mit diesen kleinen Fußhupen, die in den höchsten Tönen quiekten, kläfften oder fiepten. Die Besitzer der Tiere standen seelenruhig daneben.
Ist das eigentlich immer so, dass der eigene Hund nie stört, wenn er sinnlos vor sich hin kläfft oder die Steine anfiept?
Im Frühstücksraum waren vorne am Eingang drei vergitterte Kleinkisten abgestellt. Erst später bemerkte ich, dass in diesen Pferchen tatsächlich Dackel untergebracht waren. Während ihre Besitzer mit Hundepfeife oder -Marken um den Hals, gewandet in tarnfarbenen J.W.-Zipperhosen mit weißen Sportsocken und/oder Outdoorstiefeln lautstark unterhaltend zwischen den Frühstückstischen hin und her redeten.
Von einem gemütlichen Frühstück war das weit entfernt. Auch die verbale (gespielte) Kompetenz in bezug auf Fußball war mit der Zeit wirklich lästig als Tischunterhaltung quer über den Raum hinweg.
Hier wurde die Idee in meinem Kopf geboren, beim nächsten Wochenende ganz ganz weit hinten auf dem Platz zu nächtigen, mit meinem eigenen Kochtopf, und eigener Bratpfanne. Lieber verbrannte Rührspiegeleier in krümeligem Toastbrot gewendet und in ruhiger Natur genossen, als ein (wirklich liebevoll zubereitetes Frühstück) Essen mit merkwürdigen Dackelzüchtern oder wasauchimmerdiedarstellten teilen zu müssen. Ich habe jeden Tag beruflich mit teilweise merkwürdigen Menschen zu tun, das muß ich mir am Wochenende nicht auch noch freiwillig antun.
Vielleicht waren auch wir Biker die Exoten da. Biker in der teutschen Hundezucht-Welt - krasser Gegensatz auf beiden Seiten.
Eine andere Besucherin setzte sich später an unseren Tisch - sie war ganz freundlich und höflich. Sie hatte mit einer Freundin auch dort auf dem Campingplatz übernachtet. Ihrem Akzent nach kam sie aus der bayrischen Region. Sehr angenehme und zufriedene Tischnachbarin.
Dann mußte die Kleintier-Fraktion zu ihren Aktivitäten aufbrechen, und Petra und ihr Mann kamen zum Abräumen. Petra wollte sich einen Verschnaufkaffee gönnen, aber nach wenigen Minuten kam schon eine der Dackeldamen (menschlich) angewackelt und wollte bezahlen wegen der Abreise.
Eine andere Besucherin setzte sich später an unseren Tisch - sie war ganz freundlich und höflich. Sie hatte mit einer Freundin auch dort auf dem Campingplatz übernachtet. Ihrem Akzent nach kam sie aus der bayrischen Region. Sehr angenehme und zufriedene Tischnachbarin.
Dann mußte die Kleintier-Fraktion zu ihren Aktivitäten aufbrechen, und Petra und ihr Mann kamen zum Abräumen. Petra wollte sich einen Verschnaufkaffee gönnen, aber nach wenigen Minuten kam schon eine der Dackeldamen (menschlich) angewackelt und wollte bezahlen wegen der Abreise.
So quatschten Stefan und wir noch ein wenig, wir bekamen einige Hintergrundinfos über die Domäne, und so wurde das Frühstück endlich zu dem, was ich dort so mag: gemütlich und familiär.
Wir waren die letzten Frühstücksgäste, stellten noch artig unser Geschirr zusammen, damit Petra nicht soviel Arbeit hatte
Eingangsbereich zum Gästetrakt; hier ließ es sich abends gemütlich sitzen
Ich ging dann noch ein wenig über das Gelände, damit ich zu meinen Fotos für den Blog kommen konnte.
Balken-Deko in der Grillhütte
Der Tierbereich - Hühner, Ponys, Ziegen, eine Heidschnucke, Laufenten, Kaninchen und ein Stachelschwein
Diese niedliche kleine und alte Ponydame (28) litt seit längerer Zeit an immer schlimmer werdender Arthrose und sollte am Montag von ihren Leiden erlöst werden ...
Die Fotos waren auf dem Chip, und nun machten wir uns reisefertig. Es sollte in das Bodetal gehen. Die Temperaturen waren sommerlich angesagt worden, aber dort im Bodetal herrschte eine angenehme Kühle, meinte Stefan, der Fachmann. Er war da schon häufiger unterwegs gewesen, und hatte so eine Ahnung, dass mir das dort gefallen täte.
Er sollte Recht behalten.
Zunächst hieß es, Ellie aus dem Zelt zu bekommen. Und heute versuchte ich etwas, was mir noch nie gelungen war, bzw. ich so noch nie wirklich probiert hatte: ich wollte Ellie rückwärts rausschieben.
Ich ließ den Seitenständer runtergeklappt, kippte Ellies Sitzbank gegen meine Hüfte, faßte den Lenker mit der einen Hand (links) an, und mit der rechten Hand faßte ich unter ihren Rahmen. Stück für Stück, in Zeitlupentempo, immer leicht auf der Hüfte angestützt, bugsierte ich Ellie nach hinten.
Auf dem buckeligen Boden war das ziemlich schwierig. Aber ich gab nicht auf, und schließlich rollte sie ganz langsam auf den staubigen Weg. Der Seitenständer hatte einen leicht tiefen Schnitt in den Boden geritzt, aber das störte hier keinen. Ich hatte ein Gefühl dafür bekommen, wo ich sie halten kann, und sie war mir auch nur einmal leicht nach rechts gekippt. Da hatte ich dann sofort einen Ausfallschritt nach hinten gemacht, sie kam ein Stück zurück und wurde dort vom Seitenständer gehalten.
Das ganze war eine Übung, die ich so nur im Kleinen wiederholen werde. Um ganz sicher zu gehen, hätte ich auf der anderen Seite stehen müssen, denn falls sie nach vorne wegkippt, hätte ich sie so, wie ich das machte, nicht halten können. Und sie hätte mich mitgezogen. Aber ich hatte es zumindest schon einmal probiert.
Sonst setze ich mich immer auf sie drauf, und schiebe mit beiden Beinen zurück oder vor. Das hier war ein Versuch, mehr nicht.
Für mich trotzdem ein kleiner, persönlicher Triumph!
Zunächst hieß es, Ellie aus dem Zelt zu bekommen. Und heute versuchte ich etwas, was mir noch nie gelungen war, bzw. ich so noch nie wirklich probiert hatte: ich wollte Ellie rückwärts rausschieben.
Ich ließ den Seitenständer runtergeklappt, kippte Ellies Sitzbank gegen meine Hüfte, faßte den Lenker mit der einen Hand (links) an, und mit der rechten Hand faßte ich unter ihren Rahmen. Stück für Stück, in Zeitlupentempo, immer leicht auf der Hüfte angestützt, bugsierte ich Ellie nach hinten.
Auf dem buckeligen Boden war das ziemlich schwierig. Aber ich gab nicht auf, und schließlich rollte sie ganz langsam auf den staubigen Weg. Der Seitenständer hatte einen leicht tiefen Schnitt in den Boden geritzt, aber das störte hier keinen. Ich hatte ein Gefühl dafür bekommen, wo ich sie halten kann, und sie war mir auch nur einmal leicht nach rechts gekippt. Da hatte ich dann sofort einen Ausfallschritt nach hinten gemacht, sie kam ein Stück zurück und wurde dort vom Seitenständer gehalten.
Das ganze war eine Übung, die ich so nur im Kleinen wiederholen werde. Um ganz sicher zu gehen, hätte ich auf der anderen Seite stehen müssen, denn falls sie nach vorne wegkippt, hätte ich sie so, wie ich das machte, nicht halten können. Und sie hätte mich mitgezogen. Aber ich hatte es zumindest schon einmal probiert.
Sonst setze ich mich immer auf sie drauf, und schiebe mit beiden Beinen zurück oder vor. Das hier war ein Versuch, mehr nicht.
Für mich trotzdem ein kleiner, persönlicher Triumph!
Ohne verkrampftes Nachdenken tuckerte ich dann später mit Ellie respektvoll, aber locker, die Schotterauffahrt vom Campingplatz herunter und an die Straße. Sichernde Blicke nach vorne, hinten, vorne, hinten - und dann am Gashahn gezogen und schwuppdiwupp in Richtung Hasselfelde unterwegs.
An der Ampel in Hasselfelde staute es sich. Die Ampel liegt auf einer Anhöhe, und dort bei Grün ohne Abzuwürgen hochzufahren, ist mit dem Mopped etwas tricky. Ein Harleyfahrer würgte seine Maschine gekonnt ab, während ich Ellie im ersten Gang und leicht am Gas ohne Probleme zum Anfahren brachte. Der Harleyfahrer bog dann links ab, mit brüllendem Motor.
Weiter ging es über die leicht kurvige Hauptstraße bis zur Abfahrt Rappbodetalsperre. Wir bogen dann aber nach rechts, Richtung Altenbrak. Wo ich im letzten Jahr mit Angstschweiß am Rückrat gefahren war, wedelte ich jetzt in aller Seelenruhe von einer Kurve zur anderen. Nicht im Heizermodus, aber doch zügig - jedenfalls für meine Verhältnisse.
Die Strecke nach Altenbrak war wunderschön. Kaum befahren, konnte ich genussvoll Kurven üben und ab und an mal einen Seitenblick riskieren. Meterhohe Fichten, schroffe Felsen und eine schattige Straße begleiteten den Motorradreisenden.
Nach wenigen Kilometern hielt ich an, und ließ die Strecke auf mich wirken.
Da wir das vorher so abgesprochen hatten - es war kein Kilometerfressen angesagt, sondern Augenkino - wurden die Stopps beiden Seiten gerecht.
Da wir das vorher so abgesprochen hatten - es war kein Kilometerfressen angesagt, sondern Augenkino - wurden die Stopps beiden Seiten gerecht.
Neuer Halt: Altenbrak. Ich mußte kurzfristig am Straßenrand anhalten, weil sich eine Fliege in meinen Helm gestohlen hatte, und mir im Ohr herumsummte. Die dortigen Hotels und Pensionen warben unter anderem mit einer Hexenfigur auf einem Motorrad - das wollte wohl Bikerfreundlichkeit symbolisieren! Der kleine Ort Altenbrak hatte viele, viele Fotomotive, aber ich nahm sie nur aus den Augenwinkeln wahr.
Ich kraxel zur Bode hinunter; Fotos direkt vom Ufer aus
Der Fliegenfischer ließ sich von mir nicht stören - und ich war leise genug, dass die Forellen sich nicht irritieren ließen
Einige Regentropfen klatschten auf meinen Kopf. Das hatte Proplanta auch so angesagt - zeitweise Schauer oder Gewitter. Es blieb aber zu diesem Zeitpunkt bei den wenigen Tropfen.
Weiter ging die Tour auf der L93, an der Bode entlang, mal drüber hinweg, nach Treseburg. Eine wirklich wunderschöne Strecke, wo nicht gerast wird, weil die Einblickmöglichkeit zur nächsten engen Kurve hin fast unmöglich ist.
Nächster Halt: ein gewalzter Parkplatz mit einer Picknickecke direkt an der Bode.
Die Bode - vom Parkplatz aus geschaut
Ich kletterte über die Begrenzung, und tapste vorsichtig eine Treppe hinunter bis an das Wasser. Ich wollte Fotos direkt auf Augenhöhe erhaschen.
Glasklares und eisiges Wasser, viele Fische und Wasserpflanzen
Hier war eine angenehme Kühle. Oben auf der Straße tuckerten ab und an Kolonnen von Motorrädern vorbei, alle im Chillmodus - denn rasen kann man hier nicht. Und sollte man auch nicht. Das Bodetal ist (noch) keine Heizerstrecke.
Die hier fahrenden PKW sind in der Mehrzahl Touristen aus Holland, Schweiz oder dem bundesdeutschen Flachland. Von Kurvenlinien haben die wenigstens gehört, und praktizieren meist auch das Kurvenschneiden. So trifft Kurvenängstlichkeit auf schlechte Blickführung, jede Menge ablenkendes Naturschauspiel auf ungeübte und schleichendeTagesbesucher.
Zwischen all dem bunten Volk gibt es noch die todesmutigen Radrennfahrer, mein neu erklärtes Feindbild noch vor Rentnern aus Braunschweig.
Wir fuhren dann weiter bis zum Ort Treseburg.
Pension Wildstein - eines der schönen Harz-Holzhäuser, von denen Treseburg eine Menge zu bieten hatte; ebenso kleine und enge Gassen mit Geschwindigkeitsbeschränkung auf 20 km/h wegen der Unübersichtlichkeit der Straßenführung
Und nach dem Ort kamen wir dort an, wo ich hinwollte.
Das Café an der Furt durch die Bode; einmalig schönes Vergnügen
Die Moppeds am Straßenrand abgestellt, entledigte ich mich der warmen Moppedhose, warf mir den kurzen Rock über und zog die Badeschlappen an. Die Stiefel stellte ich auf den Sitz und legte die Jacke drüber.
Die qualmenden Socken wurden wie üblich als Diebstahlsicherung über Ellies Rückspiegel gezogen.
Die wenigen Regenwolken hatten sich verzogen, und der Planet brannte jetzt recht heftig auf uns nieder.
Die besonderen Häuser dort auf der anderen Seite der Bode; rechts an der Brücke ein Hotel
Und so machte ich mich auf den Weg zum Rastpunkt. Der Banditmister ging ein Stück weiter die Straße entlang und nahm den Weg über die Brücke.
Eiskalt und wohltuend für meine heißen Füße
In der Furtmitte traf ich ein Kind, welches da fröhlich vor sich hinwanderte. Wir kamen ins Gespräch, und mit dem Mädel als Begleitung ging ich an das andere Ufer.
Solltet ihr jemals dort Rast machen, gönnt euch mal dieses nasse Vergnügen. Die Bode ist in der Mitte kaum tiefer als bis zum Knie, und die Erfrischung ist herrlich. So ein Anreise-Weg ist etwas ganz besonderes.
Blick vom Café aus auf die Moppeds auf der anderen Seite der Bode
Liebevoll und mit Geschmack arrangierte Blumen um die Café-Terrasse; die Preise für Getränke und Eis sind übrigens mit dem Hotel abgestimmt; sie wollten sich nicht gegenseitig Konkurrenz machen; das Café bietet allerdings nur eine kleine Auswahl an warmen Gerichten, was aber völlig ausreichend ist. Ich nahm das Tagesgericht - eine selbstgekochte Erbsensuppe. Erst war ich skeptisch, dann aber begeistert. So würde meine Mutter sie auch kochen! Mit Kartoffeln, Möhren und Kräutern verfeinert, die Erbsen wirklich gekocht und nicht "al dente" - das ganze in einer ordentlichen Terrine mit einer richtig dicken Bockwurst als Einlage. Kostenpunkt: 5 Euro nochwas.
Wo drüben im Hotel "an einem Bett von Kresse" gekocht wird, gab es hier bodenständige Hausmannskost. Die herzliche und freundliche Bedienung war die Tochter des Hauses (und definitiv eine bodenständige Person, die vom Look her auch ohne Probleme als Punk in Berlin überleben könnte), und die Pension mit dem Café vor einem Jahr grunderneuert und komplett in Familienregie.
So etwas gefällt mir. Die Mutter oder Oma in der Küche, die Tochter allround, der Mann oder Opa als Engel-für-alles ...
So etwas unterstütze ich auch gerne, kämpfen die Leute aus dem Ostharz ja doch recht mühsam um Gäste in der kurzen Saison ...
Wer mit dem Motorrad eine Unterkunft sucht, darf über die Brücke zur Pension/dem Café fahren, und würde sogar in der hauseigenen Garage sein Bike abstellen können, so wurde mir das angeboten.
Klare Empfehlung Pension Waldesruh im Bodetal
Bei den Moppeds angekommen, plünnte ich mich wieder gekonnt an: den Rock angelassen, zog ich die Motorradhose drunter. Dann den Rock über den Kopf ausgezogen, fertig. Schnell noch die Socken übergestreift, und in die Stiefel geschlüpft.
Geschützt von Ellies Korpus, zeigte mein natogrünes Unterzeug zur Bode-Seite. Ich paßte mich zeitweise farblich sozusagen nahtlos an die Umgebung an. Ein Hoch auf Simplicol-Textilfarben - damit bekommt man jedes weiße Zeug in Wunschfarben gezüchtet.
Weiter ging die visuell angereicherte Tour. Wir fuhren ein Stück außerhalb von Treseburg rechts ab auf die K1350 in Richtung Thale. Ein Stück der Straße war besonders schön, aber der einzige Halteplatz war bereits von einer Horde Sportler angefahren. Ich eierte auf dem Schotter entlang bis zur Straße zurück - nein, hier fand ich es nicht so schön. Zuviele Leute.
Und dann bot sich doch noch eine Haltemöglichkeit am Rand.
Schöne Doppelkurven, gemütlich anzufahren
Um einen besseren Blick auf das fantastische Tal zu haben, kraxelte ich auf einen Hochsitz hinauf. Meine Motorradstiefel sind dazu zum Glück geeignet.
Hexentanzplatz - Blick auf das Berghotel und Ausflugscafé
In natura viel imposanter - Felsformation am Hexentanzplatz
Warmer Wind, lautstark zirpende Grillen, in der Luft der Duft nach Wald und Heu
Unterhalb des Hochsitzes - ein kompletter "Fuß-Wald" aus wilden Himbeeren, zuckersüß und megalecker - mjamm
Wir hockten also da in der luftigen Höhe, ein angenehmer und warmer Wind zauste uns die Haare zurecht - und schwiegen andächtig in die Natur.
Was für ein Ausblick. Die mächtigen Felsen waren in natura viel imposanter, das kommt auf den Fotos leider nie so gut durch.
Da hilft nur: selber entdecken.
Wieder eine klare Empfehlung von mir: K1350 nach Thale. Augenkino vom allerfeinsten.
Der Nachmittag ging ins Land, und obwohl wir bisher nur wenige Kilometer gefahren waren, hatten wir schon ein Sahnepremiumpaket an Ausflugszielen gehabt.
Ich danke den Lesern, die es bis hierher geschafft haben - ihr habt jetzt aber erst Teil 1 vom zweiten Teil des zweiten Tages geschafft ;-). Es geht nämlich noch sehr gewaltig weiter.
Na, noch Lust zum weiterlesen?
Okay - hier nun weiteres!
Der Mann schlug vor, weiter nach Thale zu fahren, dann einen Bogen zu machen und zum Campingplatz zurückzureisen. Auf der Karte sahen wir uns die Möglichkeiten an, und fuhren dann weiter.
Wir fuhren abschüssig nach Thale hinein - kleine Häuser und viel Garten dahinter säumten unseren Weg - ein Stück weit rechter Hand begleitet von Sommer-Bobfahrern, durch einen Kreisverkehr, und rechter Hand auf der L240 wieder hoch in den Wald.
Der Hexentanzplatz war das Ziel.
Wir fuhren über eine teilweise ziemlich holperige Straße an einen großen Parkplatz heran. Hier war Ende - eine Halbschranke versperrte uns die Zufahrt. Die Kosten von 2,- Euro pro Person inklusive Mopped waren zu verschmerzen. Was zunächst nach Touristennepp aussah, stellte sich später im Gespräch mit dem Kassierer als Wartungskosten heraus.
Hier landen sehr viele Menschen an, machen sehr viel Müll, und machen auch sehr viel kaputt. Das Eintrittsgeld diente der Erhaltung des Ortes.
Ich suchte mir in der ersten Parkreihe linksseitig einen Schattenplatz. Der Mann war ebenfalls einverstanden mit meiner Wahl: ein hohes Gebüsch bot ausreichend Schutz vor der Sonne, gleich dahinter ging ein schmaler Weg zu den Attraktionen.
Eins gleich vorneweg: wer hier ein lauschiges und idyllisches Fleckchen erwartet, wird enttäuscht werden.
Das hier ist eine Touri-Hochburg.
Andenkenbuden, überfüllte Cafés und Nippeshütten, Massen an Touristen, kreischende und plärrende Kinder (und Erwachsene) sind hier NORMALITÄT.
Aber - und es gibt IMMER ein Aber - es gibt auch hier trotz all der Wuseligkeit außergewöhnliche Möglichkeiten von Ruhe, und landschaftlich überwältigende Eindrücke.
Vielleicht haben mich auch deshalb die Touristen nicht so gestört.
Bitteschön - Eindrücke:
Taps taps taps - Bergsteigen mit Alpine Stars Motorradstiefeln und in nicht geeigneter Hose
Nein, ich habe den Stein nicht kaputt gemacht - der war schon so, ich schwöre
Auf den Felsen da kletter ich gleich rauf ...
Ganz da unten im Tal, mit den orangefarbenen Sonnenschirmen, schien es Leben zu geben ... das stelle ich mir im Winter bedrückend vor, so umgeben von Felswänden, und immer im Schatten ...
Mal mit mir drauf, damit ihr ein Gefühl für die Größe dieser Felsen bekommt - die Häuser da unten in der Schlucht sehen aus wie Spielzeuge; Miniaturwunderland
Auf einen dieser Steinhaufen dort hinten hatte ich mich hinaufgewagt, ich Wahnsinnige, ich
Wilde Himbeeren, mjamm - Heike mal wieder im Sammelmodus
Die Luft wurde drückend, und wir lechzten nach Abkühlung. Bei einem Eiswagen holten wir uns etwas zum schlecken. Unter italienischer Werbung, bot uns ein Einheimischer total leckere Kugeln an, die nicht nur "Apfelgeschmack" versprachen, sondern auch hielten. So eine köstliche Erfrischung, und mit 90 Cent nicht überteuert.
Einkaufen?
Ich war irgendwie nicht in der Stimmung ...
Einkaufen?
Ich war irgendwie nicht in der Stimmung ...
Ein Blick zum Himmel und über das Land und mir wurde ein wenig mulmig. Da braute sich was zusammen.
Es hieß Abschied nehmen. Angefüllt mit Eindrücken ging es auf den Rückweg.
Wir durchfuhren den hübschen Ort Friedrichsbrunn, bogen dann ab und hielten uns in Richtung Güntersberge. Mir kam die Straße so bekannt vor. Und tatsächlich - hier war ich im letzten Jahr schon einmal unfreiwillig längs getuckert. Wegen Sturmschäden war der ursprünglich geplante Weg nach Stolberg gesperrt, und man mußte einen Umweg nehmen.
Heute fuhr ich die Straße ohne Probleme, und ohne mir einen Kopf über die Kurven zu machen. Nach Güntersberge war die B242 stellenweise mit Rollsplit versehen worden - neuer Straßenbelag.
Ich fuhr meine sicheren 50 km/h, manchmal auch etwas zügiger, aber das letzte Stück bis zum Campingplatz konnte ich wieder etwas mehr Gas geben, weil der Rollsplit da schon gefegt worden war.
Gegen 18 Uhr kamen wir wieder an unseren Zelten an, ohne einen Tropfen Regen abbekommen zu haben. Das Gewitter richtete im Harzhinterland Thale und Blankenburg übelste Schäden an, aber wir hatten Glück geschenkt bekommen!
Die Moppeds ließen wir bei den Zelten stehen. Der Mann machte sich Kaffee.
Die Moppeds ließen wir bei den Zelten stehen. Der Mann machte sich Kaffee.
Wir hatten beide nun doch gerechten Hunger, und so wollten wir im Ort Hasselfelde noch auf einen Döner oder eine Pizza zu Abend essen.
Ich ging zum Zelt, um mir noch etwas zu holen. Und hatte eine seltene und wunderbar schöne Begegnung!
Eine Waldeidechse hatte sich auf meinem Innenzelt auf die Jagd nach Insekten begeben. Was für ein seltenes Ereignis das war, erfuhr ich erst später. Stefan, der Mann von Petra, hatte hier noch nie solche Tiere gesehen. Und er ist ein sehr aufmerksamer Tierbeobachter!
Ich freute mich riesig, diesem kleinen Urdrachen auf meinem Zelt begegnet zu sein!
Einige Zeit später - erfrischt und zurechtgemacht, neues T-Shirt und neue frische Socken angezogen - landeten wir in Hasselfelde. Zuerst ging es zum NORMA Supermarkt, wo wir Knabberkram und etwas Obst für den Abend einkauften.
Und dann gegen 20 Uhr kehrten wir mit knurrenden Mägen hier ein:
Direkt am Haus, mit Blick auf die Motorräder, verspeiste ich eine Hawaii-Pizza u. Das Essen war gut, und günstig. Während wir draußen saßen, tropfte es ein wenig - die Gewitterfront kam zurück.
Da wir sowieso fertig waren, ging es gegen 21 Uhr zurück zum Campingplatz. Der Regen war weitergezogen, und ich suchte das Waschhaus auf.
Ein kleiner Abendspaziergang zum Verdauen folgte ...
Kurz darauf wurde Ellie dann zur Nacht in "ihr" Zelt gebracht ...
Grillmöglichkeit oberhalb vom Campingplatz; in der Hochsaison allerdings verboten wegen der Waldbrandgefahr; trotzdem - schön weit ab von der Crowd da unten ... hm ... grübel ...
Von Wolken umhüllt, aber noch in der untergehenden Abendsonne (um 21.45 Uhr) - der Brocken; in Stiege kam vom Unwetter aber nichts an
In der Zwischenzeit waren neue Nachbarn angekommen.
Die neuen Nachbarn, drei höfliche und freundliche Burschen aus Holland, hatten es sich neben der inoffiziellen Motorradgarage mit einem großen Zelt gemütlich gemacht. Ihr späteres Grillfest wurde ihnen wohl zu mückenlastig, und sie zogen auf die Holzbänke in das Zelt um. Ich schoß einen grimmigen Blick in ihre Richtung - auch wenn ihr nett seid: wehe, ich finde morgen auch nur einen Fingertaps oder einen Aschekrümel auf meinem Motorrad, dann gibt's Kloppe!
Mit einer Tüte Popcorn und Knabberzeug saßen der Mann und ich nach dem Spaziergang bei Einbruch der Dunkelheit noch auf der Glasveranda, und sprachen über den Tourentag. Stefan gesellte sich dann kurzzeitig zu uns, rauchte eine Zigarette mit und lauschte unseren Beschreibungen vom Tag. Er wolle morgen im Selketal wandern - das wäre auch mal ein Tourenziel, schoß es mir bei seinen Beschreibungen in den Kopf.
Einige wenige Leute vom Dackelverein waren noch geblieben, aber die störten nicht weiter unsere Ruhe.
Im Rudel unerträglich, scheinen sie allein gelassen doch recht menschlich und zugänglich ... Geht doch!
Ein ereignisreicher Tag mit vielen vielen Bildern, Erlebnissen und Attraktionen ging zuende. Kilometermäßig ein Witz, aber es wäre eine unverzeihliche Sünde gewesen, das alles einfach nur im Vorbeirasen abzuhaken!
Ich hatte heute Erlebnisse genießen dürfen, wo andere eine Woche dran arbeiten. Bin ich auf besondere Weise durstig oder wie kommt das zustande?
Mir kam das Wochenende an diesem Samstagabend so erfüllt vor, als wäre ich schon mehrere Tage hier.
Als ich im fast dunklen Zelt auf meiner Matratze lag, als das Kopfkissen endlich in der richtigen Position war, ließ ich den Tag vor meinem geistigen Auge noch einmal ablaufen.
Nach wenigen Minuten streikte mein Gehirn - ich schlief mitten in einem Bildgedanken ein ...
Und hier geht es zum Teil 3 der Harzreise: KLICKKLICK


























Wieder einmal ein großartiger Reise-Eintrag, Heike. Du genießt das Mopped-Augenkino wirklich bis ins Detail. Vielen Dank, dass Du mich mit auf Deinen Ausflug genommen hast. Mit Deinem Schreibstil fühle ich mich abgeholt und wieder ans Ziel gebracht. Der Bandit Mister macht offensichtlich wieder einen großartigen Job als Begleiter, Tourguide und Fotograf (ich nehme an die Bilder mit Dir sind keine Selfies?). So ein Riding-Buddy ist Gold wert.
AntwortenLöschenDa habt Ihr ja wirklich eine Menge erlebt! Klasse! Als "Quasi Vorharzerin" - mein Großvater kam aus Halberstadt - bin ich immer sehr angetan von der Gegend. Allerdings war ich lange nicht mehr dort. Es wird dringend Zeit, das mal in Angriff zu nehmen.
AntwortenLöschenDanke für den schönen Bericht!
Viele liebe Grüße,
Minya
Hallo Sonja - dankeschön. Ja, so einige Bilder waren mit dem Smartphone vom Mann gemacht. Es ist erstaunlich, wie gut die Qualität ist. Für ein Handy nicht schlecht! Der Mann war schon öfter dort in der Gegend, laut eigener Aussage aber meist immer nur durchgefahren oder dran vorbei. So kamen wir beide auf unsere Kosten per Augenkino!
AntwortenLöschenHallo Minya - Halberstadt steht noch auf meiner Liste. Dort gibt es einen Campingplatz, den ich mir mal anschauen wollte. HBS ist nicht weit weg von mir und wenn ich mal ein Wochenende zum Abchillen brauche, dann gerne mit Zelt und nicht so weit weg. Ich werde mal im August schauen, wie mir das dort gefallen würde.
AntwortenLöschenSuper Bericht und tolle Bilder aus Treseburg!
AntwortenLöschenDa fahren wir auch mal hin und „wandeln“ über’s Wasser ;-)
Beeindruckend! :-)
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