Ellie und ich

Ellie und ich

Dienstag, 29. Juli 2014

4.-6.7.2014 - Mystische Tour in den Harz, Stiege, Bodetal, Thale - Teil 3 - Rückreise

6.7.2014

Sonntag. Ohne besondere Vorkommnisse konnte ich einigermaßen ausschlafen. Warm war mir gewesen in der Nacht - der Schlafsack bedeckte mich nur teilweise, ich muß mich nächtens freigestrampelt haben! Um die 20° waren es, erfuhr ich später. Na dann ...

Als ich meine Augen aufmachte, nahm ich als erstes das grünliche Dämmerlicht wahr.
Und die Vogelstimmen.
Und die frische Luft.

Ich schaute mich ein wenig im Zelt um und prägte mir diese besondere Stimmung erneut ein. Das Aufsetzen im Zelt fiel mir schwer. Ich mag diese besondere Stimmung im Zelt - ein wenig so wie "in Muddis Bauch" - und doch wieder ganz anders.

Im Hintergrund kakeelte der Hahn, ich hörte die Schafe blöken und ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass ich allmählich aus dem Chillmodus heraus mußte. Ich öffnete das Zelt, rollte den Eingang zur Seite, hakte die Stoffbahn in die Öse ein und krabbelte erst einmal bis zu meinem Faltstuhl.
Pause!
So hockte ich da verschlafen vor mich hin, guckte in die Gegend und genoß es noch einmal aus vollen Zügen, einmal NICHTS anderes vorzuhaben - außer waschen und frühstücken. Und abfahren, aber das kam erst viel später.

Meine Faltschüssel wurde erneut mit dem Waschbeutel und dem Handtuch plus Waschlappen und Blechbecher bestückt, und ich schlurfte durch das weiche Gras zum Waschhaus. Erneute Blechbecher-Waschung mit fünf Litern warmen Wassers, danach gemütliches Abtrocknen und anpellen, Zähne putzen und sich selbst im Spiegel Grimassen schneiden. Eine Dauercamperin kam in den Raum, wir grüßten uns höflich und dann war ich auch schon fertig mit dem Restaurieren.

Beim Zelt angekommen, genehmigte ich mir einen Schluck Kaffee des Mannes, und dann ging es erneut zum Frühstück in das Haupthaus.
Die Uhr zeigte halb neun, und die Sonne gab schon richtig viel Wärme ab.

Das Frühstück war wie gestern lecker, sehr reichhaltig und heute nahm ich mir sogar ein Glas Multivitaminsaft dazu. Soll ja gesund sein ...
Das Müsli beachtete ich wie immer nicht mal mit einem Seitenblick. Zum einen vertrage ich kein Körnerkram (es sei denn, gebrannt und dann als schottischen Whisky) und zum anderen mag ich es morgens nicht wirklich süß.

Der Mann ging dann ins Büro zum bezahlen, und ich machte mich auf zur Zeltgarage, Ellie rausschieben und hinfahren zum Zelt. Ich putzte einige Fliegen vom Scheinwerfer ab, und beäugte Ellies Kette, den Motor und ihren Korpus von unten. Alles schick, so wie es sein sollte.






Erwähnte ich schon, dass ich Hühner klasse finde? Ich finde Hühner klasse!



Ich lache mich grad schlapp, weil Walter mich soeben wieder einmal lautstark angekräht hat; seine Art, mir zu zeigen: gut, das du abfährst, störendes Zweibein?


Bevor es dann ans Packen gehen mußte, folgte noch ein Verdauungsspaziergang. An das Ende des Campingplatzes.
Eine neue Zeltplatzmöglichkeit auskundschaften!


Blick hoch zum Ende des Platzes; links oben ein Grillplatz, der im Sommer aber gesperrt ist wegen der Waldbrandgefahr






Blick runter zum Platz; hier oben hat man seine Ruhe!



Perfekter neuer Platz; in den Bäumen hängt sogar noch eine Wäscheleine; ein Stück links außerhalb des Fotos ist auch eine Wasserstelle
Hier oben hat man alles im Blick, kann trotzdem die Bequemlichkeiten nutzen, nur der Weg zum Waschhaus ist etwas länger

 
Ein guter Plan. Ein guter Platz. Ich werde das Mitte August, wenn ich aus Dänemark wieder zurück bin, für drei Tage und zwei Nächte solo ausprobieren. Ohne Frühstücksbufett. Ich werde mich selber verköstigen, mit meinem Gaskocher arbeiten, die Ausrüstung überdenken und schlafen, wann immer mir danach ist ;-). Vielleicht mache ich sogar einen Ausflug in die nahe Umgebung.


Ausrüstung einpacken - und nebenbei neugierige Gäste filmen



Das wirkt nur so chaotisch



Stück für Stück findet Platz im Gepäck









Bitteschön - perfekt gepackt, zur Abfahrt bereit
Auf ein Wiedersehen in Stiege!


Gemütlich ging es auf die Straße, dann nach Hasselfelde. Heute am Sonntag war deutlich mehr los im Harz. Viele Sportmaschinen brüllten in dem Hügelland herum, und ich mußte deutlich mehr aufpassen auf diese Gehirnpubertierenden.
Als dann ein Wohnmobil vor mir tuckerte, und ich mein Tempo auf 30 km/h herunterschrauben mußte, genoss ich die Langsamkeit und den Ausblick auf die Felsen rechts der Straße. Tja, so kann es gehen - eben noch im Rappbodetunnel den Lärrie gespielt, und nun hängste vor der weißen Ware fest und keine Chance, den aufzurauchen.

Die Sonne brannte jetzt ganz schön, und wir bogen wieder nach rechts ab Richtung Altenbrak und Treseburg - erneut durch das Bodetal. Uns kamen ab und an wahre Kolonnen von Tourenfahrern mit und ohne Gepäck entgegen. Wobei ich mir bei einigen nicht so sicher bin, ob sie in ihren Sahara-Koffern tatsächlich echtes Gepäck mit sich herumkutschieren - oder ob die sauteuren Koffersysteme nicht bloß Show sind.


Echte Tourenfahrer mit echtem Gepäck!
Dieser gegitterte Parkplatz war mir als Parkground gar kein Gräuel mehr; noch ein Zeichen, dass ich ein Stück weit Routine entwickelt habe


An der schönen Furt bei Treseburg tuckerte ich dieses Mal wie ein Tourist ganz gemächlich vorbei und warf nur noch einen bedauernden Blick zum Café. Auf ein anderes Mal, versprochen!

Dann fuhren wir eine andere Route nach Blankenburg als ursprünglich von mir angedacht. Der Banditmister hatte eine bessere genannt bekommen:






Die kann ich euch wirklich empfehlen, die Straße L93 Richtung Wienrode. Stellenweise fast ein Singletrack, geht es hügelabwärts in schön zu fahrenden Kurven durch viel schattenspendendes kühlendes Waldgebiet und Mischwald zum Ort Wienrode. Der Belag ist befahrbar, stellenweise etwas aufgebrochen und vielleicht deshalb auch (noch) kein Sportmaschinenjagdgebiet. Uns kam ein Auto entgegen, was aber brav auf der Seite blieb.
Diese Route ist erfreulicher zu fahren als die 81 nach Cattenstedt. Dort geht es zwar schneller, aber die L93 ist landschaftlich sehr schön zu erfahren.
Bei Regen würde ich mir diese Nebenstrecke aber gut überlegen; durch das dichte Waldgebiet dort und den Nadelbaumbestand ist mit Tannennadeln und glitschiger Straße zu rechnen. Wer es aber gemütlich angehen läßt, dürfte sich hier sehr wohlfühlen. Fotos habe ich von der Fahrt nicht, es gab zuwenig Haltemöglichkeiten. Müßt ihr schon selber auskundschaften, ihr seid ja schon groß genug!

In Blankenburg mußte ich tanken. Hier brannte der Planet, und ich schwitze wie Hulle bei annähernd 33°. Später auf der Stadtautobahn B6 machte ich zwar die Jacke auf soweit es ging, aber trotzdem wurde mir langsam etwas schwummerig. Ich mußte auf einem Rastplatz an der B6 Pause machen, mein Mund war trocken und mein Kopf definitiv zu heiß. Der einzige Schattenplatz - zwei magere Gebüschreihen - war von mehreren Fußgängern belegt, denen ich fast die Füße abfuhr, als ich mich mit Ellie dorthin drängelte.
Bevor noch einer böse wurde, nahm ich den Helm ab und bedankte mich bei ihnen. Hitze ist schlecht für den Kreislauf, und in den dicken Sachen ... sie würden sicher verstehen ...

Klar taten sie das, ich ließ ihnen ja keine Wahl ... ein Gang zum Rastplatz-WC, das Halstuch in kaltem Wasser ertränkt, die Unterarme gekühlt, das Gesicht kalt abgewaschen - alles Rettungsversuche, dem Hitzeproblem zu entkommen. Auch das Gasgeben auf der A395 half nur bedingt.
In Schladen ging es runter von der Bahn, wir fuhren die Nebenstrecke bis Wolfenbüttel-Linden, bogen dann ab über die Dörfer in Richtung Zuhause. Mit letzter Kraft kam ich vor der Garage an.
Der Reisemann war so nett und schob mit mir zusammen Ellie in den Bauch des Hauses (die Garage).
Ich riß mir in der kühlen Wohnung die Hose vom Körper, und duschte erst einmal eiskalt. Um dann erschlafft auf der Couch zusammenzufallen.

Ganz unbeschadet hatte ich das nicht geschafft. In der Nacht war mir übel, alles drehte sich. Am Montag ging ich zwar morgens zur Firma, aber nachdem ich auf dem Firmen-WC umgekippt war, kapitulierte ich. Ich fuhr wieder nach Hause, legte mich auf die Couch und schlief mich gesund.

Zwei Tage später kaufte ich die neue Sommer-Air-Meshhose von Polo (ich berichtete davon). Bei Temperaturen über 25° ist die Hose perfekt, und die billige Probiker-Jacke (Erstausstattung) ohne Futter getragen erfüllt ihren Zweck ebenfalls einigermaßen.

Die rote Revit-Jacke und die Cordura-Tourenhose kommen beide wieder im Herbst zum Einsatz. Jetzt im Hochsommer sind sie die falsche Wahl.


Fazit der Harztour:

Wird wiederholt!
Was hatte gefehlt? Nichts. Außer etwas mehr Schlaf (also das übliche).
Was hatte besonders gefallen? Treseburg! Das Bodetal im Allgemeinen! Das Zelten (wieder einmal).
Und nicht zu verachten waren zwei ganze Nächte an einem Ort. Zeit nehmen! Dem einen mag das langweilig sein, aber ich habe eine Alternative gefunden, wo ich in der Natur - ohne Heititei Animation - ausspannen und mich wirklich erholen kann.
Wie gesagt - ich wiederhole das!




5 Kommentare:

  1. Hallo, Heike....
    da kommt mir wieder einiges bekannt vor.
    Die Unord... äh... Herausforderung beim Einpacken. Dass es deswegen besser ist, auch mal ein paar Tage an einem Ort zu bleiben (hatte ich auch gemacht). Dann die fehlenden Fotos *jammer* ich hätte so viele schöne Bilder machen können, aber jedesmal anhalten ? Und ausserdem ist mein Fotoapparat nicht annähernd in der Lage, die Schönheit der Landschaft wiederzugeben. *seufz*

    Die Zeltwiese mit den 3 roten X ist sehr schön, so weitläufig.
    Ich will auch in Harz ! Hätt ich mal nicht im Frühjahr gekniffen, aber da war Unwetter.
    In der 3.Oktoberwoche krieg ich nochmal Urlaub, 2013 war es da noch total schön. Mal sehen !
    Jedenfalls macht dein Bericht sehr Lust darauf !
    Schöne Grüsse, Michael

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hei Micha - uff, bei Dir sieht es auch annähernd so aus wie bei meinem Einpacken? Das beruhigt mich jetzt aber sehr ;-)!Ich habe schon extra farbige Beutel für bestimmte Gepäckstücke (Wäsche, Handtücher, Kleinteile wie Wäscheklammern etc.). Und trotzdem sieht es jedesmal so chaotisch aus.
      Unwetter im Harz ist definitiv nicht lustig. In Stiege kann man ja auch auf feste Wände zurückgreifen, wenn es notwendig sein sollte. Trotzdem ... verschlammte Straßen, Baumteile und anderes können einen da schon das Fahren verleiden.
      Im Oktober ist es nachts ziemlich feucht und auch nebelig, aber tagsüber kann man bei Sonnenschein wunderschöne Touren machen. Nur nicht unbedingt am Wochenende, da ist zuviel los ... im Ostharz geht es aber zum Glück noch! Hoffentlich wird es dieses Jahr was, das wird Dir bestimmt gefallen!

      Löschen
  2. Da machst Du mich wieder richtig neidisch! Eine wunderschöne Tour habt Ihr da gemacht.
    In der Blankenburger Ecke bin ich damals auch mit dem Auto rumgefahren. Ich erinnere mich an eine sehr schöne Strecke, die an einer elektrischen Eisenbahn entlangging. Das wird vermutlich heute auch anders aussehen...

    Viele ganz liebe Grüße,
    Minya

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hei Minya - die Selketalbahn tutet sich durch das Gelände, die Harzer Querbahn schnauft herum - da ist so einiges an Bahnen und Bähnchen. Einiges geändert, manches vergrößert. Bestimmt aber immer noch vieles Neue zu entdecken.
      Ich werde mal auf Eisenbahnen achten. Fotos machen und berichten.
      Liebe Grüße!

      Löschen
  3. Es ist wieder als wäre man dabei gewesen. Die Unabhängigkeit, die man mit dem Zelt hat, ist ja schon toll... wenn man nur nicht soviel mitschleppen müsste...

    AntwortenLöschen

Danke für Deinen Kommentar. Er wird so schnell wie möglich von mir freigeschaltet, wenn er den Datenrichtlinien entspricht. Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Das war vor der neuen Datenschutzverordnung auch so, nur interessierte das sehr viele einfach nicht. Nun müssen wir Blogger euch aber davor warnen. Tue ich hiermit. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung -siehe: Impressum