Zwei Jahre Führerschein.
Damals, 2012, habe ich den Schein auf "A-begrenzt" gemacht (bis 34 PS, 2013 wurde das geändert und ich hätte auch 48 PS fahren dürfen - ich ließ Ellies Drosselung von 50 PS auf 34 PS aber drinnen).
Ich fahre also mit 34 PS. Immer noch.
Neulich auf dem Weg in den Harz hatte ich Ellie mal "ausgefahren". Bei 140 km/h kam sie ins Schnaufen.
Mir reicht das hin - es war unkomfortabel genug mit dem Durchrütteln vom Wind. Vielleicht lasse ich die Drossel zum Winter hin ausbauen.
Zwei Jahre Erfahrungen gesammelt. Ich bin 20.700 Kilometer mit Ellie unterwegs gewesen.
Autobahn fahren ist mir nun möglich. Notwendiges Übel, um schnell von A nach B zu kommen. Mögen tue ich es nicht wirklich, aber ich kann es nun schaffen. Wichtige Erfahrung für mich.
Auch Schotter oder Grasflächen machen mich nicht mehr nervös und unsicher.
Mit Gepäck reisen - ebenfalls möglich (und ohne Probleme machbar).
Gestern bin ich auch gefahren. Das mußte einfach sein. Das war mein Geschenk an mich selber, und eine Art Meditation und Erinnerungstour.
Um 19 Uhr schwang ich mich auf Ellie und fuhr eine Abendrunde bis an den Harzrand. Und hier merkte ich das erste Mal, dass ich mir über das Fahren keine Gedanken mehr machte - ich FUHR einfach. Dieses Gefühl ist völlig neu für mich, und es hatte mich begeistert! Ich sah Kurven, und ich fuhr sie - ganz einfach und ohne krampfhaft im Kopf die Kurvenlinie zu suchen. Ob es an meiner neuen Sommerhose liegt - die ein besseres Körpergefühl gibt und ich mich mehr als Einheit mit Ellies Körper fühle - oder ob es Zufall war - ich kann es nicht wirklich benennen.
Es war auf jeden Fall eine unglaublich schöne Erfahrung.
Motorrad fahren ist eine Erfahrung für alle Sinne und eigentlich eine ständige Reizdurchflutung bzw. Reizüberflutung.
Hat jemand NUR das Motorrad als alleiniges Fahrzeug, mag er oder sie das anders empfinden. Aber setzt sich diese Person dann in ein Auto, was dann?
Sie fühlt sich "eingepfercht" oder "irgendwie abgeschnitten" von der Umwelt. Und die meisten reinen Motorradjunkies fahren ihre Autos wie ihre Motorräder (oftmals zum Grausen ihrer Beifahrer ;-).
Ein anderer Vergleich - ich reise nun ab und an mit dem Zelt durch das Land. Das Schlafen im Zelt hat etwas ganz eigenes - die frische Luft, das direkte Dransein an der Welt - das passt irgendwie zu 100% zum "echten" Motorradreisen.
Motorradfahren - für alle Sinne. Übernachten - ebenfalls für alle Sinne. So geht es mir zumindest.
Kaum bin ich wieder zuhause, und muß dann wieder in meiner Wohnung schlafen, reiße ich zur Nacht alle Fenster auf, weil ich das Gefühl habe, ich müßte ersticken.
Okay, das geht mir jetzt nur in der Sommersaison so - im Winter bin ich froh über meine geschützte Wohnung, keine Frage!
Ich fuhr gestern zu meinem Lieblingsplatz, stellte Ellie ohne Zaudern am Feldrand ab, nahm den Helm ab (verlor meinen Ohrring; den ich heute nochmal suchen muß dort ...), und hielt inne beim Betrachten der Landschaft.
In der Ferne ackerten die Erntemaschinen. Das erste Getreide wurde eingefahren. Hochsaison für die Landwirtschaft, kennzeichnet gleichzeitig den Zenit des deutschen Sommers. Der Herbst ist noch nicht dran, aber trotzdem wurde ich leicht melancholisch. Abgeerntete Felder, flirrende Wärme und die laut zirpenden Grillen mahnen uns, dass die Saison kurz ist in Deutschland.
Die Straßen waren leer, Motorräder sah ich einige wenige - die Uhrzeit (knapp 20 Uhr) war wohl nicht mehr attraktiv für das Fahren.
Dabei war die Luft herrlich angenehm. Ich fuhr in meiner AirMesh Hose, ohne Funktionshose drunter - angenehm belüftet und ohne Stauwärme. Ich bekam mit der Sommerhose die Motorwärme während der Fahrt viel intensiver zu spüren.
Auch meine dünne Probiker-Jacke (Erstausstattung) bescherte mir ein angenehmes Körpergefühl.
Die ersten zermatschten Insekten klebten an meiner neuen Sommerhose. Okay, nun war sie also auch "eingeweiht". In der Ferne nahten zwei Reiter. Zwei PS gegen 34 PS. Sie bogen die Straße ein und verschwanden aus meinem Blickfeld.
So hatte ich also noch Gelegenheit, meinen Schweinchen zuhause Maisblätter zu organisieren. Ich trennte einige Ohrenkneifer von ihrer Familie - aber die Viecher haben selber schuld. Wer versteckt sich schon in Maispflanzen! Jetzt machen sie zuhause unter meinem Balkon eine neue WG auf - da ist es ja auch ganz schön!
Nachdem ich so einige Selbstgespräche gemacht hatte, winkte ich den beiden Feldhasen noch zu: Tschüss, ihr Langohren, viel Spaß beim Vermehren - dann schwang ich mich wieder auf Ellie und fuhr Überland wieder nach Hause.
Die Kurven liefen prima, es waren auch im Bereich Wolfenbüttel-Stadt nur wenige Autos auf der Straße, und ohne besondere Vorkommnisse war ich gegen 21.30 Uhr zuhause angekommen.
Wer hätte das gedacht, vor zwei Jahren!
Ich bin zwar nicht mehr auf Biegen und Brechen mit dem Motorrad unterwegs, aber das ist wohl normal so. Trotzdem empfinde ich diese besondere Art von Freiheit beim Fahren immer noch als ganz besonderes Lebenselixier.
Und mit Fahren meine ich fahren. Ich halte nun weniger an, ich fahre jetzt lieber. Letztes Jahr hielt ich an jeder Blume oder an jeder Brücke, mittlerweile "nehme ich diese Eindrücke im Fahren mit".
Möge es noch ganz lange so gehen.
Ellie und ich
Donnerstag, 17. Juli 2014
7 Kommentare:
Danke für Deinen Kommentar. Er wird so schnell wie möglich von mir freigeschaltet, wenn er den Datenrichtlinien entspricht. Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Das war vor der neuen Datenschutzverordnung auch so, nur interessierte das sehr viele einfach nicht. Nun müssen wir Blogger euch aber davor warnen. Tue ich hiermit. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung -siehe: Impressum
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Klasse! Herzlichen Glückwunsch!
AntwortenLöschenDas war eine würdige Jubiläumstour gewesen!
Dir weiterhin eine wunderbare Zeit mit Ellie und daß Ihr immer gut ankommt!
Viele liebe Grüße,
Minya
Hallo Heike !
AntwortenLöschenHerzlichen Glückwunsch, seit 2 Jahren kurvst du nun durch die Gegend und hast mich mitgenommen. Toll, dass du solche Fortschritte gemacht und viele Ängste und Schwierigkeiten gemeistert hast. Du bist mir was das Moppedfahren angeht schon sowas wie ein Vorbild oder Beispiel. Jetzt entdeckst du das Moppedreisen, gehst ins nächste Level. Ich mag deine Reiseberichte auch sehr !
Achso, da hab ich dann mal ein, zwei Fragen dazu, da sende ich dir ne mail. Ich möchte ja auch ein paar Zeilen zu Norwegen verfassen.
Weiterhin wünsche ich dir Gute Fahrt und viele tolle Ausflüge und Reisen !
Achso und Ellie sieht echt gut (sexy) aus mit diesen 2 verschiedenen Gelbtönen hinten drauf.
Michael
Hei Michael - danke für die freundlichen Worte!
LöschenEs ist schön für mich zu 'hören', dass andere Menschen mit meinem Geschreibsel etwas anfangen können. Ja mehr noch, dass es euch auch Mut macht oder aufbaut.Ich würde sagen, wir geben uns gegenseitig etwas. Bis Norwegen traue ich mich mit Ellie noch nicht. Jetzt, wo ich offen fahren darf, werde ich mal ein wenig herumschauen, ob ich in der Zukunft vielleicht eine Reisemaschine nötig habe. Eine, wo ich einen angenehmeren Beinwinkel habe. Da wird sich dann etwas finden, wenn die Zeit dafür gekommen ist - das habe ich gelernt: abwarten und sich täglich neu entwickeln, alles andere fliegt einem dann zu.
Wenn Du Fragen hast, mail mich gerne an - meine Adresse hast Du :-)!
Angekommen im Motorrad-Universum. Allzeit gute Fahrt und (wie ich immer sage: Keep the rubberside down!).
AntwortenLöschenDanke, Sonja - der nächste Plan steht schon. Ich muß nur schauen, wie ich die 600 Kilometer gut abgerissen bekomme ;-)!
LöschenGlückwunsch zum selbstverständlichen Biken...
AntwortenLöschenHabe meine Tengai am Anfang als einzigstes Fahrzeug gehabt, und so die Liebe und Routine bekommen, bei jedem Wetter zu fahren.
Pech mit Deinem Ohrring. Hoffentlich findest Du ihn wieder. Meinen hab ich auch mal beim "Ohrwiederanlegen" beim Fahren verloren...weg, auch nach langer Suche auf dem Asphalt...
Gruß aus dem Voralpenland
Marcus
Hallo Marcus! Ich hatte ihn wiedergefunden, leider war da schon ein Auto drübergefahren und so war die Farbe abgeschraddelt. Aber das konnte ich mit dem Lackstift in Kawasaki-ER5 rot nachbessern. Nun habe ich Ohrringe in der Farbe meiner Maschine. Aus der Not geboren, sieht es jetzt doch ziemlich klasse aus ;-)!
AntwortenLöschenSchöne Grüße aus dem Brutofen Braunschweig - gestern waren es auf der Rücktour um 12 Uhr ungefähr 35° ...
Heike