Es war total ungewohnt, ohne die Windschutz-Pratzen zu fahren. Aber bei knapp 15 Grad Aussentemperatur kamen mir die absolut überflüssig vor.
Hier auch mal ein Foto von der teilweise umgerüsteten Ellie. Die Lenkererhöhung von 40 Millimetern.
Das Fahren ist total anders damit. Ich sitze aufrechter, kaum noch Gewicht auf den Handgelenken. Meine Schulter- und Nackenpartie ist wesentlich entspannter dabei, und die Handhabung der Lenkung hat was von Fahrradfahren.
Es lenkt sich leichter. Das ist gut, und auch nicht so. Anfangs eierte ich in Schlangenlinien herum, weil mir die leichtere Lenkweise total fremd war. Daher nutze ich auch jede Gelegenheit, mir das wieder abzugewöhnen. Heute Nachmittag war wieder so eine Gelegenheit - die dritte nach dem Umbau. Und es geht jedesmal etwas besser.
Ich hatte zwar schon den ganzen Vormittag drüber gebrütet, wo ich wieder hinfahren sollte. Tagsüber kamen mir die besten Ideen: wie wäre mal wieder Magdeburg? Über die A2 wäre ich in knapp 45 Minuten dort.
Oder wie wäre es mit Salzwedel, der Baumkuchen-Stadt? Da war mir allerdings dann die stark befahrene Landstraße nicht so recht.
Zum Harz hin, über die A395? Und dann weiter nach ... Tchechien?
Als es dann Feierabend war, und meine Energie durch den Büroalltag etwas verpufft, reichte es dann gerade mal für "einmal nach Vienenburg zur Eisdiele".
So der Plan.
Also rauf auf Ellie und gegen 15.30 Uhr erstmal los. Hausrunde. Die Luft war ein Traum. Es fuhr sich super, der Feierabendwahnsinn hatte die B1 noch nicht erreicht. In Sickte bog von rechts ein anderer Motorradfahrer auf meine Route, ich ließ ihn abbiegen und fuhr versetzt hinter ihm. Jungejunge, der fährt aber langsam und unsicher, dachte ich. Keine 50 km/h, sehr hochgezogene Schultern. Äußerlich nicht abzuschätzen: fette Maschine, Sportler. Lederkombi, schwarzer Helm, insgesamt profimäßig ausgestattet.
Auch als wir in Richtung Neuerkerode fuhren, hielt er sich strichgenau an die Geschwindigkeit. Ab und an tippte er aus mir nicht ersichtlichem Grund auf die Bremse, und ich hielt gepflegten Abstand. Das Auto hinter mir fuhr mir sehr dicht auf ...
Also nee, das is' nix, min Jung. Kolonne mit dir zu fahren ist mir zu gefährlich. Vielleicht wenn ich dich kennen würde, und mehr über dich wüsste ... aber so, Zufallsbekanntschaft? Nur wegen Freundlichkeit den Rücken abdecken?
Ich bog rechts ab und überließ ihm seinem Schicksal. Hoffentlich gingen die Autofahrer nett mit ihm um, er schien noch nicht viel Fahrerfahrung zu haben.
Hier muß ich mal meinen Begleitern aus meiner Anfängerzeit ein fettes DANKESCHÖN zuschreiben. Danke für eure Geduld und Hilfestellung. Ich bin ja auch mal so gefahren. Da allerdings für jeden erkennbar, mit Leuchtweste ... Ich hätte damals zu gerne noch ein fettes "A" für Anfänger auf meinem Rücken getragen, um den Welpenschutz weithin erkennbar zu machen ...
Der Alltag blieb hinter mir, je weiter ich fuhr. Den Dunst des Asse-Höhenzugs vor Augen, die kalte Luft, die meine Sommerhandschuhe durchströmte - ich atmete tief ein und aus. Das ist das beste Mittel für mich, um unter der Woche entspannen zu können.
Siehe 19.3. - Tour über Klein Vahlberg, das Kopfsteinpflaster, um die Asse herum, und die wenigen Kurven die es da gibt nutzen, um die Blickführung zu üben. Unsere Gegend ist sanft hügelig, aber mit Kurven haben die es hier nicht so wirklich - das ist auch daran zu erkennen, dass die Feierabendfahrer/-innen die Kurven meist schneiden. Eine Unsitte, die für Zweiradfahrer tödlich sein kann.
Also Seinstedt mal wieder ... mit Fernsicht war es heute nichts. Zu dunstig. Trotzdem schön da oben!
Hier toben sich momentan die Landwirte auf ihren Feldern aus. Die Wege sind ziemlich verschmutzt, aber jetzt wo sie trocken sind, geht es gerade noch. An meinem normalen Halteplatz lagerte jetzt aber ein riesiger Haufen Pferdemist, also fuhr ich ein Stück weiter in den Wirtschaftsweg rein ...
Für eine Enduro sicherlich Kinderkram, aber diese fetten Steine können ganz fies wegrutschen, wie ich am 1. Mai 2013 schon feststellte. Nun, das ist lange her, und ich fuhr aufmerksam aber ohne Schweißausbrüche hier rum.
Ellie in Fahrtrichtung abgestellt, Motor ausgestellt (das geht jetzt etwas friemelig durch die Lenkererhöhung, ich komme schlechter an das Zündschloß), Helm ab ... Stille. Bis auf die Geräusche, die das meterhohe Windrad machte.
Und hier entdeckte ich ihn, den Frühling !!!
Blühende Weidenkätzchen
Ich dehnte die kleine Pause noch etwas aus. Hier oben hört man nichts mehr vom Alltag, Straßenlärm oder ähnlichem. Blick ins Land, Gedanken und Streß weg.
Ich hatte keine Lust mehr auf Eisdiele, ich wollte noch ein wenig fahren. Die Eisdiele liegt an der Hauptverkehrsstraße, wo es um die Uhrzeit wie in einer Großstadt zugeht. Nee danke, da war ich ja grad vor geflüchtet.
Nix Sicht, und trotzdem schön ... Landschaft mit Weichzeichner, monochrom gefärbt
Die Hügel verschwinden im Frühlingsdunst
Es ging weiter, Richtung Hornburg. Ich bog wieder in Rimbeck ab, und fuhr auf dem ehemaligen Zonengebiet entlang. Da war noch ein Foto offen, was ich beim letzten Mal vergessen hatte.
Deutlicher Hinweis. Ich überlegte noch, als von hinten ...
... sich dieser PKW an mir vorbeidrängelte und mit gutem Tempo am Horizont verschwand.
Pöh - na dann ... Gang rein und los!
Wirtschaftsweg Abkürzung nach Hoppenstedt am Fallstein
Hier fährt es sich gut, wenn man darauf achtet, wo man fährt. Nicht vorauszuahnen war für uns, das die Fahrspur plötzlich gebrochen war, die Betonplatte eingesackt, und das Bruchstück nach oben ragte. Es holperte und klapperte mächtig, als Ellie darüber fuhr.
Uff - nicht gerade eine meiner besten Ideen ...
Ich fuhr ein Stück am Fallstein entlang, zurück Richtung Hornburg, zum Rastplatz "Willeckes Lust".
Die einstige Waldgaststätte "Willeckes Lust" wurde von vielen Reisebussen mit Grenztouristen besucht, denn von hier waren es nur wenige Meter bis zum Grenzzaun an der ehemaligen innerdeutschen Grenze.
Siehe Text auf der bunten Karte ... durch Anklicken werden die Bilder groß und der Text besser lesbar.
Das Foto wollte ich noch machen, deshalb war ich hierher gefahren - schön gezeichnet ein Blick ins Harz-Land, was hinter dem Schild zu sehen ist
Nachdem die Bilder gemacht worden sind, wollte ich den anderen Wirtschaftsweg runterfahren, um dann wieder über Rimbeck in Hornburg einzutreffen.
Ein Geländewagen befuhr den Weg von der anderen Seite, und blieb just auf der Brücke stehen, über die ich jetzt eigentlich rüberfahren wollte. Ich wartete, ob der weiterfuhr, aber der Wagen rührte sich nicht mehr. Ein Fenster wurde runtergekurbelt.
Hm, also entweder war das ein Grenzer, der nach fiesen Subjekten Ausschau hielt - oder ein Forstbeamter, der gucken wollte, ob sich das Rehwild schon herumtreibt.
Beides war mir nicht geheuer. Wer weiß, was der da im Schilde führte. Also ließ ich den Grenzweg Grenzweg sein, und fuhr die Straße weiter bis nach Hornburg hinein. Ich muss den Ärger ja nun nicht provozieren ...
Auf dem Rückweg in Vahlberg erwartete mich noch eine Überraschung. Dort gibt es ein Rittergut, was allerdings für die gemeine und breite Öffentlichkeit nur am Tag des Denkmals geöffnet ist. Aber heute war das Tor offen, kein Mensch in Sicht, und so kam ich noch zu diesem Abschlußfoto mit Seltenheitswert (keine Sau zu sehen, und auch keine Tiere ...):
Eine riesige Anlage, und sehr gut erhalten!
Gegen halb sieben Abends kam ich nach ungefähr 130 Kilometern wieder zuhause vor der Garage an. Ich versetzte einen Kabelbinder, der mich in der Sicht auf die Armatur behindert hatte, putzte Ellie noch schnell von den Fliegen sauber und beäugte wie immer Reifen, Kette und Gesamtbild.
Dann legte ich noch eine Runde Walking zum Glieder entknoten obendrauf. Die Vögel im Waldgebiet sangen sich und mir ein schönes Abendlied und ich fand den Nachmittag rundum gelungen!


Das ist wirklich eine schöne Feierabendrunde, die Du da gedreht hast! Klasse finde ich ja, daß Du so langsam beginnst Outlawmäßig auf Feldwegen unterwegs zu sein. :)
AntwortenLöschenDiese Kurvenschneider sind echt sehr ätzend! Solche Ungeister sind mir auch schon ein paar Mal entgegen gekommen. Aber die lernen das nie. Die fahren einfach so weiter. Vermutlich haben sie das auch gar nicht mitbekommen, weil am Smartphone grad so viel interessantes los war...
Viele liebe Grüße und ganz viel ganz schönes Wetter,
Minya
Hallöchen Minya! Ich bin öfter als ich im Blog erwähne auf solchen illegalen Wegstrecken unterwegs ... alles noch im Rahmen und nicht übertrieben. Man muß sein Glück ja nun nicht überstrapazieren. Ich beneide Dich um Deine Fahrschul-Fahrtruppe. Bei uns war das auch mal angeplant, aber kaum war der Lappen in der Tasche, flogen sie davon ... Sooo weit ist es zu Dir nun auch wieder nicht, und wer weiß, vielleicht fahre ich ja mal in Deiner Region herum, und dann machen wir mal eine schöne Tour? Deine Berichte in Deinem Blog gefallen mir mächtig.
LöschenAnmerkung zum Gut in Gr. Vahlberg: da ist öfter das Tor offen, da dieses Gut weiterhin bewirtschaftet wird. Und da demnächst Regenwetter vorhergesagt ist, bringen alle Landwirte den Mist aus den Ställen fort.
AntwortenLöschenAuf dem Gut in Gr. Vahlberg ist u.a. auch ein kleines, feines Gestüt beheimatet - also viel Mist zum Fortbringen. Dass die nicht jedes Mal das Tor wieder verschliessen, ist klar :)
Beste Grüsse von Jemand, die da nu in unmittelbarer Nähe wohnt - und die dich sogar gesehen hat, als du auf das Tor zugefahren bist ^^
Da war ein Motorradfahrer in einem Hof, der mich sah. Standen 2 Maschinen im Unterstand. So klein kann die Welt sein. DlzG!
AntwortenLöschenDer Motorradfahrer war ich *grins*. Ich kam grad von meiner Beutetour zurück :)
LöschenUnd die beiden (sichtbaren) Maschinen waren die Fazer (meine) und die TDM (von Schatzüü).
DLzG
Dann hast Du Dich aber sehr verändert. Der, der guckte, war ein Kerl. Naja, macht ja nix. Das nächste Mal winke ich dann im Vorbeituckern!
LöschenPrima Runde zum Ausklang...und keine Bange vor irgendwelchen Schildern. Mopeds sind Geländegängiger als sie scheinen... Allerdings solltest Du solche scharfen Kanten meiden. Ist für den Reifen besser. Felge natürlich auch. Gratuliere zum Umbau. Viel fahren, dann gewöhnst Dich bald an die Haltung...Wäre jetzt nicht noch ein kleines Windschild angebracht?
AntwortenLöschenHallo Marcus!
LöschenDas Windschild ist erstmal hintenan gestellt. Ich habe am Lenker keinen Platz mehr für Halterungen, so dass ich ein spezielles Schild brauchen werde, was an den Lampenhalterungen befestigt wird. Zunächst kommt jetzt Mitte April aber das Gepäcksystem, der Fußrastenum- und Anbau, der TÜV, die Inspektion, die Drossel fliegt raus und vielleicht kommt noch ein neuer Hinterreifen. Dann ist mein Gespartes erstmal aufgeraucht - weitere Umbauten wie so ein Schild sind dann erst einmal Nebensache ;-).
Heidewitzka, meine Liebe. Ich muss immer wieder schmunzelnd an deine Motorrad-Anfänge zurück denken, wenn ich solche Berichte von dir lese. Hammer, wie du dich entwickelt hast :-)
AntwortenLöschenIhr wart mir - zumindest in der Theorie - sehr gute Berater, Funny. Du und Sonja, Minya und Svenja ... hab viel durch eure Blogs dazulernen dürfen!!!
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