Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 13. April 2015

5.4.2015 - Ostersonntag - eine Runde lockere Schrauben und Zähne auf der Tour zum Bike-Inn, Prester, bei Magdeburg

Einige von euch wissen es schon: Ellie und ich haben im August Großes vor. Demzufolge wurde sie umgebaut, und ich übe jetzt schon mal dafür, längere Strecken zu fahren.

Ostersonntag, bestes Wetter war angesagt.
Diesmal wollte ich deshalb (siehe oben) weiter weg als auf die Hausrunde. Was lag also näher, als in das legendäre Bike-Inn bei Magdeburg zu reisen!
Hier gibt es Infos über den Kult-Biker-Treff: KLICKKLICK

Es war zugegeben um die Uhrzeit noch arg kühl und ich ließ das warme Winterfutter in der Hose und in der Jacke!

Kleiner Rückblick:
Gestern Abend war ich noch hier:



Riesiges Osterfeuer bei Wolmirstedt - der MC Iron Cruise hatte eingeladen und ich feierte mit Dutzenden meiner Ost-Bekannten fröhlich, verfroren und ausgelassen ein riesiges Fest in der großen Club-Halle und auf dem schönen Gelände - zwischendurch gab es Hagel- und Regenschauer, aber am Feuer wurden wir alle schnell wieder getrocknet!
Die Anfahrstraße ist allerdings der pure Horror und ich war froh, das ich das Auto genommen hatte ...



Aber zurück zum Ostersonntag.
Über die B1 nach Schöppenstedt ging es. Dort tankte ich. Dann ging es über Dörfer weiter bis nach Hötensleben, zum Grenzdenkmal.







Immer wieder beeindruckend, dieses Zeit-Dokument-Gelände und die einzelnen Exponate, die ja jahrelang trauriger Alltag waren.

Außerdem "kann Frau sich hier gut die Hände waschen" ... im frei zugänglichen Edelstahl-WC-Container auf dem großen, gut befestigten Parkplatz ist massenhaft Platz, was das Aus- und wieder Anplünnen der Motorradsachen sehr erleichtert. 

Bei den blauen Dixi-Behältern habe ich schon Platzangst, wenn ich die nur von außen sehe ... vom Geruch im Inneren mal ganz zu schweigen ... urgs.



Hier lag noch Gestrüpp auf dem Platz - Osterfeuer erst am Ostersonntag-Abend?


Wir fuhren also erleichtert weiter. Hötensleben ist endlich wieder frei durchfahrbar, die ewig andauernde Baustelle ist beseitigt.
Es ging über die Dörfer und kleinere Straßen, die an diesem Sonntag erfreulich wenig Autoverkehr hatten.




Wir sahen uns ein Schlösschen an - aber wozu sich mit Besitz anketten? Beim Abfahren mußte ich die ausgebeulte Fahrspur übertrixen. Ellie vor- und zurückgesteppt, mit der Kupplung und ganz wenig Gas gearbeitet, verließ ich diese schwierige Auffahrt mit hochrotem Kopf. Was tut man nicht alles für ein lohnendes Foto ...

Okay, geschafft, trotz schmierigem Belag, trotz ausgebeulter Fahrrinne, trotz Schottersteinchen. Ich war mit mir zufrieden.

Eine unvermeidliche Umleitung war wieder einmal auf der Strecke. Seehausen Ortsdurchfahrt - gesperrt. Ich folgte den gelben Umleitungsschildern ...

Da mir die angezeigten Wege nicht gefielen, fuhr ich mal "mittenmang" durchs Grüne.




Hier zu sehen: der schöne Weg von Bergen nach Remkersleben, bei Wanzleben.



Kopfsteinpflaster Gefahrstufe 4 ... (auf einer Scala von 1=geht so, bis 3=bloß nicht nachmachen ...).
Heilig's Blechle - das war ein Trip.
Ortskundige: hier bitte nicht mit dem Motorrad längs fahren. Es sei denn, ihr habt eine Enduro oder ein Fahrrad, und Zähne, die eure eigenen sind und nicht mit Gebißkleber angepappt sind. Das wäre dann nämlich ziemlich locker geworden.

Leider war nirgendwo eine Möglichkeit, für ein Foto gefahrlos anzuhalten. Ich wäre entweder im Morast neben dem einspurigen Pfad versunken, oder hätte Ellie kaum wieder zum Weiterfahren bewegen können. So hieß es also erhöhte Konzentration, vierfache Menge an Stoßgebeten "Hoffentlich kommt uns hier niemand mit dem Auto und einem Anhänger entgegen" ... und als wir in Remkersleben ankamen, vibrierte meine Hirnschale immer noch.

Okay, ich bin jetzt also den übelsten Weg gefahren, den ich da finden konnte - alles andere sollte ein Kinderspiel werden!
Der Not folgend, war der nächste Rastplatz meiner. Da das blaue Dixi-Klo schon von außen zu riechen war, war wieder einmal die Natur die Freundin für mich. Mittlerweile bin ich da ziemlich schmerzbefreit - wenns Käffchen durch ist, dann ist es durch. In trauter Einigkeit mit jede Menge vor sich hinrostendem Elektroschrott war eine alte Kühltruhe mein Sichtschutz zur Straße hin.
Meine Mitmenschen sind schon echte Schweine, wenn ich mich - aus der Hockperspektive - so umschaute ...

Ich sah zu, das ich da wegkam.

Weiter ging es, in Richtung A14. Ich hatte mir vorgenommen, weil die Zeit schon so fortgeschritten war, ein Stück weit die Autobahn zu nehmen.
Hier konnte ich die Reisefußrasten das erste Mal ausprobieren. Was soll ich sagen? Hauptsache, die Hose ist unten am Knöchel gut zu. Ansonsten ist es ein total entspanntes wenn auch ungewohntes Fahren, die Haxen so nach vorne zu haben!

In Schönebeck ging es runter von der Bahn, in Richtung Elbe. In Plötzky fuhren die Sonntagsfahrer mit Hut als ständiges Risiko durch die Landschaft ... hätte ich es drauf angelegt, wäre ich zweimal verunfallt - aber nicht aus meiner Schuld heraus. Seufz ... ich will hier jetzt nicht wieder auf Rentner schimpfen, die Schlangenlinien fahren, die sich nicht um Vorfahrt scheren oder die ohne zu blinken die Richtung wechseln ...  der typische Sonntagfahrer himself, der einmal im Jahr den Mercedes oder den Golf Plus herausholt und noch nie einen Unfall hatte ... (weil nämlich alle anderen einen weiten Bogen um ihn herum fahren).

Durch die schönen Elbtalauen ging es nach Prester. Das Schild "Achtung Biber!" fand ich zu putzig, aber auch hier: keine Möglichkeit anzuhalten. Von hinten und von vorne brüllten ab und an Ortskundige an mir vorbei - hier gab es viele schöne Kurven, die allerdings auch von Radfahrern, Wanderern, Ellie und mir ... genutzt wurden. In den Ortschaften herrschte Tempo 30, und da es schönes Wetter war und Feiertag, fuhr ich strichgenau. Die Rennleitung macht ja auch nur ihre Arbeit ...

Ohne weitere Gefahr kamen wir dann in Prester beim Bike-Inn auf den Hof ... bis hierhin waren wir 145 Kilometer gefahren. Ich war ziemlich durchgefroren, und brauchte erstmal was heißes.



Der blaue Himmel täuscht - wenn die Sonne weg war, kamen gerade mal 10° zustande ...

Der nette Bedienungsmann hinter dem Tresen gab mir heißen Kakao und als ich nach warmer Suppe bettelte, organisierte er mir noch einen Napf heiße Erbsensuppe. Rührend freundlich fragte er, ob ich noch eine Bockwurst hinein haben möchte - und ob er mir die gleich in Scheiben schneiden soll. Und dann wurde ich auch noch gefragt, ob ich noch ein Brötchen nehmen würde. Der Preis für 2 Kakao, die Erbsensuppe mit Einlage und Brötchen lag bei um die 5 - 6 Euro. Ich holte mir mit zittrigen Händen den dicken Eintopf und hockte mich nach draußen auf eine Polstergarnitur in die Sonne. Natürlich verbrannte ich mir gleich den Gaumen, weil ich den heißen Eintopf gierig runterschlang. Egal, hauptsache Energie und Wärme ...

Ich hatte einen guten Platz erwischt und genoß das Motorrad-Kino in der ersten Reihe ... später setzte der Bedienung sich noch zu mir und wir hatten ein nettes Benzingespräch.
Das liebe ich so an den Leuten "da drüben". Sie sind (meistens) offener, herziger und in meinem Empfinden einfach netter um Gäste oder Besucher bemüht ... sei es an der Tankstelle, wo ich mit blaugefrorenen Fingern das Geld aus dem Portmonaie zupfte ("Wolln Se n Kaffee oder Kakao, junge Frau? Geht uffs Haus, Se friern ja wie'n Nackthund!") - oder halt der Bedienung da im Bike-Inn ...


Umgebaute BMW, die mit viel Gerotz und Geknatter abgestellt wurde


Dann kam ein Pärchen aus der Umgebung angefahren. Sie hatte auch eine ER5. Schnell kamen wir ins Gespräch, während ich Ellies Umbauten vorzeigte. Die beiden gaben mir auch noch Straßenhinweise, wie ich am besten wieder aus Magdeburg heraus finden würde.

Gut gesättigt und aufgewärmt fuhr ich gegen 16 Uhr wieder Richtung Heimat. In Magdeburg hielt ich an einer Seitenbucht, weil ich mir über den Weg nicht klar war. Zwei Motorradfahrer halten neben mir - das nette Pärchen von eben! Die begleiteten mich dann noch, bis ich die B1 gefunden hatte. Lieb von euch, ihr Zwei! Das hat mich wirklich gefreut, das ihr angehalten hattet!

Fröhlich fuhr ich durch die Stadt, und dann ohne besondere Ereignisse über die B1 wieder nach Hause.

Noch eine Rast irgendwo kurz vor Helmstedt - ich brauchte eine Pause.










Ja, ihr seht richtig - das sind Stücke des ehemaligen Grenzzaunes - hier als Weidebegrenzung umfunktioniert - so gefällt er mir auch viel besser ... Recycling auf Ost-Art ...

 
Einer der typischen Feld-Seitenwege - in der Mitte entweder unbefestigt oder mit Feldsteinen gefüllt; hier sieht man rechts noch ein wenig Osterfeuer-Qualm



Alles in allem hatte ich 235 Kilometer gemacht. Gut, das war jetzt über den Tag verteilt, aber ich kam zuhause an und war nicht so geschafft von den Eindrücken und der Fahrt, wie ich es noch im letzten Jahr gewesen war.


Hintour - mit einigen Verfahr-Schlenkern um die 145-150 Kilometer


Langweilige Rückfahrstrecke 90 Kilometer - wenn's mal schnell gehen soll und man nicht auf die A2 will ...



Fazit:
Autobahnfahren ist doch irgendwie entspannend, weil sie da nur von hinten kommen. Wenn man um die 115-120 km/h fährt, ist man kein heftiges Hindernis und hat weitestgehend seine Ruhe.
Hinterher ist man ohne Ohrstöpsel eine Zeitlang halbtaub, aber das gibt sich am nächsten Tag. Gut, ich habe jetzt Autobahnfahren an einem Feiertag geübt, aber die A14 ist irgendwie nicht auf Feiertag eingestellt gewesen - da war ganz schön was los um Magdeburg herum ...

1 Kommentar:

  1. Diesen Humor liebe ich ja besonders! "Sie frieren ja wie ein Nackthund...!" Einmalig. Sensationell. Mit meinen Kollegen aus dem Osten habe ich auch immer besonders viel gelacht.
    Wenn ich diese alten Grenzanlagen sehe, dann läuft es mir auch heute immer noch den Rücken kalt runter. Vieles von dem was war kann man sich heute schon gar nicht mehr vorstellen.
    Das Licht- und Wolkenspiel auf Deinen Landschaftsbildern gefällt mir ganz besonders gut. Es hat etwas ganz einzigartiges, daß es nur im Norden gibt.
    Eine wirklich schöne Tour und eine schöne Beschreibung davon! Da bekomme ich direkt Lust mal mit Dir eine Ausfahrt zu machen!

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