Aber ich greife vor ...
Ostermontag. Das Wetter war immer noch okay, wenn auch kühl. Ich wollte die freien Tage so gut es ging ausnutzen, und fuhr noch einmal los.
Grobe Richtung Vienenburg - ihr kennt ja die Strecke ...
Kurzer Stopp bei Abbenrode, kurz vor Vienenburg.
Zum Aufwärmen fuhr ich zur Eisecke Vienenburg, heißen Getreidekaffee schlürfen. Der ist für mich besser verträglich als normaler Kaffee (und bleibt länger drin!). Als die Eisdielen-Chefin mich sah, entschlüpfte ihr der Satz: "Heike du bist die Härteste ... bei dem Wind und den Temperaturen fährste zu uns... toll!"
Fand ich lieb. Okay, die Windpratzen waren mittlerweile wieder angebaut - gestern auf der Tour nach Magdeburg hatte ich die nämlich schmerzlich vermißt - war es trotzdem nicht kuschelig.
Ich fuhr nach der Aufwärmpause kreuz und quer, und fand seltsame Vögel am Wegesrand bei Berßel.
Straußenvögel neugierig
Straußenvögel ängstlich ...
Motorrad - entspannt und in natürlicher Umgebung
Ich ließ den scheuen Straußenvögeln ihre Ruhe (der Kochtopf droht noch früh genug) und tuckerte nach Osterwieck, auf der Suche nach Relikten aus der DDR-Vergangenheit.
Minya, schau mal, ich habe den Bahnhof gefunden! Der derzeitige Zustand ist allerdings auch nicht mehr so schön ...
Vandalismus durch Sprayer ... Die hatten beim Gehirn verteilen wohl den Regenschirm aufgespannt ...
Das Gebäude wird Stück für Stück restauriert, und die Bepflanzung hinter dem wackligen Metall-Schutzzaun sah richtig wohnlich aus. Wenn man sich den Vandalismus weg denkt, könnte man ganz schwach das Pfeifen der Züge wahrnehmen. Wenn man Phantasie hat.
Das Wetter wurde kühler, und ich hatte noch einen Fotoauftrag. Ich wollte für das Blog mal Fotos vom Lager "Asse2" machen.
Von weit weg:
Inmitten idyllischer Landschaft mit den Hinweisen "Naturschutzgebiet - bitte die Wege nicht verlassen".
Dichter dran:
Aus einem Abflußgraben aufgenommen - Ellie und Frühlingsblumen (Huflattich) - rechts oberhalb ist die Zufahrt zum Gelände ...
Und weil ich den Sprayer-Schriftzug so klasse fand, noch ein Foto ...
Das Wort paßt - und mahnt uns ALLE, ob Atomkraft wirklich immer eine Lösung ist ...
Als ich das Foto auf dem Chip hatte und hochguckte, standen auf der Betonmauer hinter der Zaunabsperrung zwei Wachleute und guckten äußerst missgelaunt in meine Richtung. Erst wollte ich ihnen noch zuwinken und "Frohe und strahlende Ostern!" wünschen, ließ das dann aber doch bleiben.
Ich schwang mich auf Ellie und fuhr betont gemütlich davon. Ich habe fotografiert, das war wohl nicht erwünscht. Nun, Leute, ich bin weder ein radikaler Umweltaktivist noch ein blinder Tourist. Da ich nichts verbrochen habe, außer neugierig zu sein, dürftet ihr keine Handhabe gegen mich aufrichten können.
Wie ein Hohn kommt mir dann beim Verlassen der Waldstraße immer das Hinweisschild vor, welches einen umzäunten Bereich kennzeichnet: TRINKWASSER-SCHUTZGEBIET
Der schwach-radioaktive Müll liegt im Salzstock metertief unter der Asse. Radiaktiv kontaminierte Salzlauge 2008, diverse Unstimmigkeiten - hach ja ... alles hier nachzulesen: KLICKKLICK (Schachtanlage Asse, Wiki)
Ich will hier nicht politisch werden, das tun andere schon genug - auch ich nutze ja den Segen der Atomkraft, verfahre unnötig Sprit für mein Hobby und bin auch nur eine von vielen Nutznießern - aber mit der Asse in der Nachbarschaft mache ich mir über manche Energieverschwendung mit schlechtem Gewissen meine eigenen Gedanken ...
Zuhause angekommen, genoß ich das heiße Schaumbad und grübelte mir dann doch einen Wolf, ob ich demnächst Post von der Bundesregierung erhalten würde in dem Tenor "Sie werden des Vergehens xyz angeklagt, am Ostermontag in verbotener Art und Weise xyz begangen zu haben ..."
Ich bin so ein Mädchen ...

Hey! Das ist ja Klasse, daß Du den Bahnhof gefunden hast! Welch ein schönes Gebäude! Das scheint ja mindestens einmal angebaut worden zu sein. Solch alte Anschriften finde ich auch immer wieder toll. Man gleitet dann wirklich in eine andere Zeit. Als Fahrkarten noch aus Pappe waren und nicht "Tickets" hießen. Und ein Mann hinter einer Scheibe sie aus einem großen Apparat kurbelte.
AntwortenLöschenWegen der Bilder von der Asse würde ich mir keine großen Sorgen machen. Wenn da nirgends etwas steht wegen Fotografierverbot und Du auf öffentlichem Grund gewesen bist, dann greift die Panoramafreiheit.
Per Zufall habe ich neulich in einem Lexikon von 1984, es hieß "Aktuell" geblättert. Da bin ich auch an einem Bild hängen geblieben, wo ein Bagger rote Fässer in einem Bergwerk auf andere rote Fässer kippt. Drunter stand "Einlagerung von leicht radioaktivem Abfall im Salzbergwerk Asse II". Wobei ich "Einlagerung" dabei besonders putzig finde. Vor dreißig Jahren dachte man sich offenbar nichts dabei.
Auf jeden Fall eine tolle Tour, die Ihr da gemacht habt!
Wachleute müssen so gucken :-)
AntwortenLöschenGenau, die müssen ja abend etwas zu schreiben haben, damit ihr Dasein gerechtfertigt ist. "Auffällige Person, wurde beobachtet beim Verfertigen von Fotoaufnahmen des Objektes..." klingt schon mal nach mehr, als "keine besonderen Vorkommnisse".
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