Anreise
Bedingt durch einen Pflegefall in der vierbeinigen Familie mußte ich zum Jahrestreffen der Vulcanier Germany IG mit der Dose anreisen. Julchen wurde mitgenommen, hielt von der Aktion aber so gar nichts. Aber was hilfts - zuhause wollte ich sie nicht unbeobachtet lassen.
Freitags nach Thüringen: eine echte Strafe. Verkehr ohne Ende, lauter Verrückte auf den Straßen, Staus sind Normalität und LKW scheinen gerade am Freitag in dreifacher Anzahl unterwegs zu sein. Die "Umleitung" in Sangerhausen auf die A38 Richtung Leipzig ist sowas von fürn Arsch ... irgendwann war ich einmal um SGH rumgefahren und fuhr nur noch nach Stand der Sonne.
Perfekt - ich fand zurück auf die A71.
Entnervt kam ich nach gefühlten Tagen beim Appartment an. Das erwies sich dann als Glückstreffer. Super nette Vermieter (Killer-Katze inklusive, die Türen öffnen kann - deshalb hatte unsere Eingangstür auch einen Knauf und keine Klinke!), eine wunderbare Unterkunft für fast lau (25,- Euro pro Nacht), gemütlich unter dem Dach (bei der Hitze allerdings etwas ZU kuschelig, aber das würde ich erst in der Nacht/am Morgen erfahren) und eine kostenlose Garagenunterkunft für die Zett gab es auch noch.
Gegen Julchens Mitnahme hatte keiner etwas, ich wurde nur darauf hingewiesen, die Box zu ihrem eigenen Schutz abzudecken. Die Killerkatze ...
Ich richtete mich erstmal ein - sprich: verbreitete das normale Chaos.
Die Zett ist gewaltig genug, und so hörte ich einige Zeit später den Kupferigen ankommen. Barfuß auf dem Gehsteig zu stehen und das Gepäck abzurödeln war eine dämliche Idee. Mir brannte es fast die Fußsohlen weg!
Der olle Ossirogga war dann auch froh, als er aus der Lederklamotte raus war. Er hatte ebenfalls diverse Abstrusitäten erleben müssen auf dem Weg über den Harz. U.a. eine recht energische Verhandlung (seinerseits) mit einem Ordnungshüter, der nicht einsehen wollte, dass Staustehen für einen Motorradfahrer nicht das gleiche ist wie für einen klimatisierten Dosenfahrer. Da der olle Ossi ziemlich überzeugend sein kann, wenn ihm etwas berechtigt quer sitzt, belief sich der Obulus dann nach der Ansage "Wir können ja mal die Kluft tauschen und Sie setzen sich mal für zehn Minuten aufs Motorrad und warten in der Sonne auf die Weiterfahrt!" nur noch auf 25 Euro. Und der Weiterfahrt konnte endlich nichts mehr im Weg stehen ... trotzdem war das extrem ärgerlich, was da abgelaufen war!
Die kühle Dusche in dem gemütlichen Schrägdach-Badezimmer tat uns beiden gut. Überhaupt war die Wohnung ein Traum - geräumig, sehr gut ausgestattet, ein herrlicher Blick ...
Auf dem Weg zum Werk-ohne-Namen verlor ich die Sohle meines rechten Schlappens, aber "Von Ossis lernen, heißt Überleben lernen" ... ich bekam einen halben Schnürsenkel um den Schuh geknotet, und später kam noch ein Stück schwarzes Panzertape dazu, was der freundliche Mechaniker einer Motorradwerkstatt wenige Meter vor dem Festgelände zur Verfügung stellte.
Ich entdecke einen neuen Trendschuh:
Hat zwei Nächte und sogar einmal tanzen durchgehalten, das Provisorium - und hält eine Woche später immer noch ...
Um die Ecke getrottet, erwartete uns schon eine große Menge an bekannten und weniger bekannten Gesichtern. Es waren über 200 Leute angemeldet, aber die Festhalle war groß genug.
Bedingt durch die sommerlichen Temperaturen spielte sich das (Über-)Leben draußen ab. Ein Parkplatz mit Grünstreifenanlage, weit genug ab von der Hauptstraße und somit auch in der Nacht ruhig genug für die Freiluft-Camper.
Die Zelter bekamen ungebetenen Besuch: Ameisen. Der Geruch nach Gebratenem (und damit waren jetzt nicht die sonnengeröteten Schultern/diverse andere Körperteile der Besucher gemeint), der Duft nach Klebrigem (ebenfalls meine ich hier NICHT die Zweibeiner, obwohl ... *hüstel* Sommer ist die Zeit, wo die gelben Säcke besser riechen als so mancher Mensch ...) und noch diverse
Der Zettfahrer fühlte sich inmitten der VN Recken sichtlich wohl. "Meine Leute" nahmen ihn ohne viel Tamtam in ihre Stuhlgruppen und therapeutischen Gesprächskreise auf.
Foto: Gast
Er lernte viele neue Dialekte und urige Typen kennen, und "de Ruhrpott-Kannacken" in unserer Nähe ließen keine Gelegenheit zum Spässken-machen aus. An dieser Stelle ein herzlicher Gruß an unseren Klaus aus Bochum, der auf den Treffen in Wasserleben das allgemeine Lagerleben jedes Jahr aufs neue erheitert!!!
Auch meine Stammtischbrüder gaben ihr Bestes (und noch viel mehr obendrauf), und die allgemeine Stimmung kochte mit dem Asphalt auf einem Level.
Der Parkplatz direkt vor dem Werk wurde zur Partymeile - ein Ledersofa wurde kurzerhand nach draußen verfrachtet, einige Teelichter organisiert, der Himmel war wolkenlos und später sternenklar - kurzum: ein Ort, der wesentlich einladender war als so manches Straßen-Café, an dem der Autoverkehr entlang brandet und man sich kaum unterhalten kann, weil irgendein Depp immer den Motor aufheulen läßt.
Das Abendessen war gewaltig. Gewaltige Portionen, und gewaltig heiß. Da ich vorher bereits einige Liter diverser Flüssigkeiten eingekippt hatte, war mein Appetit allerdings nicht so heftig. Ich begnügte mich mit einigen Scheiben Fleisch und einem Löffel Salat als Dekoration. Außerdem gab es noch einen Grillstand, den die Grenzadler in Eigenregie betrieben - und ich genoß somit wieder einmal die echte Thüringer. Allerdings mit Ketchup - mit Senf kleckere ich immer!
Ein Nachtisch á la Rote Grütze hat mir definitiv heftig gefehlt. Davon hätte ich gerne mehrere Portionen gefressen - Rote Grütze ist bei uns zuhause DER Renner bei Sommerpartys.
Die Thekenbedienungen waren teilweise sehr am fremdeln. Ein rauher und herzlicher Ton ist bei solchen Biker-Partys immer das beste Mittel der Kommunikation - da fließt das Trinkgeld auch besser. Einige Besucher bemängelten auch das schale Bier. Meins kam aus der Flasche, und ich trank schnell genug, dass es nicht abgestanden war. Diverse Mixgetränke später war mir dann auch egal, in welchem Zustand das Getränk bei mir ankam - so oder so landete es im Kreislauf der Natur, sprich: dem WC. Und der Schädel ist von lauem Bier genauso böse wie von prickelndem. MEINE Erfahrung.
Die Musik aus der Konserve war gut gewählt. Rock und gemischtes Krams, auf das durchschnittliche Alter der Besucher zugeschnitten. Einige Entgleisungen gab es allerdings - was mich zutiefst erschütterte, war der Anteil der tanzenden Besucher zu diesem Gejaule von Frau Fischersfritz.
Als dann City "Am Fenster" angespielt wurde, hielt mich aber nix mehr. Kult pur! Endlich was vernünftiges ...
Weit weit nach zwanzig Uhr brachte der Zettfahrer seine angeschiggerte Madame in Richtung Appartment. Irgendwie kam mir der Weg wieder so lang vor - seltsam.
Die Wohnung war ziemlich aufgewärmt, und das Auslüften der kochenden Füße dauerte unter der kalten Dusche auch einige Zeit an.
Eine Anmerkung am Rande - als ich gegen 3.50 Uhr aus dem WC-Fenster schaute, entschlüpfte mir der entgeisterte Satz: "He - es wird hell, ja gibt's das denn???"
Der aufmerksame Leser weiß, dass ich um die Uhrzeit sonst schon tief und fest und vor allem brav lange im Tiefschlaf liege ...
Ich schlief meinen Rausch nicht so wirklich aus. Aber dazu dann mehr in Teil 2 ...










teil 2 ! ganz ganz schnell bitte ..... dich les ich einfach zu gerne :-) # ohm'isch und wahr ;)
AntwortenLöschenDas ist ja klasse, daß Du Julchen mitgenommen hast! So hat sie den Familienbeistand gehabt!
AntwortenLöschenIn Sangerhausen ist wohl immer die Hölle los. Da hatte ich auch mit Dosenschlangen zu tun. Ich bin aber dann noch zur Erschwerung durch die Stadt gefahren...
Die Werkshalle wird zum ehemaligen VEB Rheinmetall gehört haben, die mal neben der Kamera "System Exa" auch ein paar Simson Mopeds gebaut haben.
Ich bin auch schon gespannt auf den zweiten Teil!
An Dich und den Z Biker ganz viele herzliche Grüße!
einfach immer wieder herrlich deine Beiträge , warte ebenfalls auf Teil 2
AntwortenLöschenGruß Hansi
Und ich dachte, man bekommt deine neue Schuhmode mal zu sehen ... Menno :-DDD
AntwortenLöschenFoto reiche ich nach, Funny ;-)
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