Ellie und ich

Ellie und ich

Dienstag, 2. Juni 2015

Himmelfahrt - Teil Drei: ich als Rotkäppchen (Road Captain) für Grenzadler aus Thüringen

17.5.2015

Ich war spät im Bett gewesen, hatte ziemlich unruhig geschlafen und war gegen 7 Uhr schon wieder aufgestanden. Gestern nacht hatte ich noch schnell eine Route geplant, auf der ich die Adler an den Harzrand bringen wollte.
Eine WhatsApp Nachricht mit meiner Ankunftsankündigung ging raus, und ich fuhr um Viertel nach Acht zum Gasthof. Es war noch ziemlich frisch, aber die Sonne und der immer blauer werdende Himmel versprachen beste Fahrbedingungen!
Ich fegte ein Stück weit über die B1, fuhr über Schulenrode und durch kleine Wäldchen bis zum Gasthof. Kaum ein Auto unterwegs - ich liebe diese frühen Sonntage!

Die Jungs saßen schon gut gesättigt beim Frühstück, und auch für mich fiel noch ein halbes Brötchen und eine Tasse Kaffee ab. Der Katenrauchschinken war anbetungswürdig, und ich überlegte ein bis viermal, ob ich die noch anwesenden Scheiben vom Bufett abräumen könnte, ohne unangenehm aufzufallen.
Ich ließ es dann doch lieber bleiben ...





Selbst MIT Satteltaschen sieht Ellie immer noch wie ein Kinderspielzeug aus, wenn die VN's daneben stehen ...




Gut gelaunt und gestärkt standen wir alle gegen halb zehn vor der Tür, es folgte das Aufrödeln und dann wie üblich der plötzliche, hektische Aufbruch.
Das ist wirklich seltsam - erst steht man herum, raucht noch eine, quasselt und ist gemütlich und plötzlich steht schon der erste mit laufendem Motor auf der Straße und drängt zum Aufbruch.

Die VN's blubberten das Dorf wach. Ellie säuselte leise vor sich hin, und ich war etwas aufgeregt, wie sich die Tour entwickeln würde.

Zunächst führte ich die Truppe um die Asse herum, bis zur Tankstelle in Semmenstedt. Mein Tank war noch gut gefüllt, und so stellte ich mich an den Rand, während die VN's literweise gestillt wurden.

Hier sammelten sich dann auch noch andere Motorradfahrer, allesamt mit Stahlkoffern, farblich auf die Maschine abgestimmte Touratech-Kombis und -Sozias, und Helmmikrofonen bzw. -Kameras.

Ich stand da am Rand, sah im Vergleich zu den anderen ziemlich mikrig aus, und wurde auch kaum beachtet. Mein BMW-Tarnschild war offenbar wieder ausgefahren.

Das änderte sich schlagartig, als die Adler fertig waren mit Tanken, und sich hinter mir formierten.
Grinsend hätte ich den Zaungästen am liebsten die Zunge rausgestreckt - ätsch, klein ist nicht gleich unbedeutend - aber ich genoß meinen kleinen Triumph lieber still für mich.

Dann ging es weiter, über meine Hausrunde: Hornburg, Stötterlingen, kurz vor Vienenburg links ab, Stapelburg, Ilsenburg, bis nach Wernigerode. Das Reisetempo war mit 80-90 km/h gemütlich und der Tross der kräftigen Motorräder hinter mir gefiel mir ausgesprochen gut. Ich, die ich ungern in der Gruppe fahre, fahre vorneweg - und vier erfahrene Biker hinter mir. Kaum bis gar kein PKW-Verkehr, allerschönstes Wetter, eine frisch gemalte Landschaft mit grandiosem Fernblick auf den Harz - kurzum: ich war glücklich, das alles so gut lief. Auf der Hausrunde gab es deutlich mehr Kurven als mir bis dahin bewußt war - jetzt mit den Gästen im Schlepp achtete ich mehr auf die Straßen und das fiel mir besonders auf. Schön, das da auch genügend Abwechslung war.

In Wernigerode angekommen, steuerte ich einen Industrieparkplatz an. Fotosession, bevor die Adler weiter mußten!











Sieht unter J.R. aus wie ein Kinderspielzeug ... Ellie und der Grenzadler


 
 
Paßt halt besser zu mir - meine Ellie


 Fotos: J.R. 


Dann hieß es Abschied nehmen. Mit viel Krach und sehr eindrucksvoll rollten sie vom Hof.

Ich winkte den vier Recken aus Thüringen hinterher - schön war es mit euch, und das Guiden hat auch prima geklappt!






Die Uhrzeit paßte, das Wetter auch, und so drehte ich noch eine Runde. Ich fuhr erneut nach Wasserleben, zum Partygelände. Das Event war schon ziemlich aufgeräumt, aber einige Leute wuselten trotzdem noch herum, erkannten mich gleich wieder, und freuen taten sie sich darüber auch.

Hier machte man mich auch darauf aufmerksam, dass ich eine Krampe im Hinterreifen hätte, und meine Kette am Ende wäre.
Na toll ... Ich war ja dankbar für die Infos, aber mit Blick auf die zu erwartenden Kosten und Unannehmlichkeiten war ich nicht ganz so begeistert.

Egal - ändern könnte ich das jetzt eh nicht mehr. Die herausragenden Teile der Krampe wurden abgeknipst, ein Spucketest ergab, dass noch keine Luft abweicht, und die Kette würde sicherlich noch einige Kilometer reichen.
Ellie kam mit 9.100 Kilometern zu mir - seitdem hatte ich die Kette gehegt und gepflegt und nun war ihr Tacho irgendwas bei 38.000 Kilometern angelangt. Nicht schlecht für den ersten Kettensatz! Ich würde gleich am Montag bei meinem Schrauber vorbei sehen, den Schaden begutachten lassen und die weiteren Schritte abklären.

Am rauchenden Lagerfeuer traf ich die üblichen Verdächtigen. Wir schwatzen noch eine Runde, es gab sogar noch Kaffee und ich schaute zufrieden über den Platz. Schön war es hier gewesen, sehr schön. Die Party am Samstag abend und die angereiste Band sollen der Oberknaller gewesen sein - im nächsten Jahr würde ich ebenfalls alle Tage mitfeiern, das habe ich mir jetzt schon fest vorgenommen.

Ich hinterließ meine Adressdaten für die Einladungsliste. Sicher ist sicher - ich will nix verpassen!

Dann leerte sich der Platz zusehens, und da ich nur noch dumm herumstand, im Wege war und die Leute von der Arbeit abhielt, rüstete ich mich ebenfalls. Ich fuhr winkend und hupend vom Platz weg, und die Hausrunde kürzte ich ein klein wenig ab.
Die Krampe im Hinterrad machte mich unsicher. Mistding, elendes ...

Ein wirklich schönes Himmelfahrtswochenende war vorbei, aber nach Pfingsten würde ich noch einmal eine Woche Urlaub haben - darauf freute ich mich jetzt schon!



Nachtrag:
Der neue Kettensatz war schnell angebracht (es war tatsächlich noch der originale Satz gewesen, der bei Ellie über 38.000 Kilometer durchgehalten hatte), und der Reifen hielt noch durch bis zum Tauschen. 

Beim Anmontieren der neuen Kette entdeckte ich dann etwas Tolles:



Schon 1998 war also beschlossen, zu welchem Stammtisch ich später einmal gehören würde - nämlich dem "OutSide"-Stammtisch der Vulcanier Germany. Siehe auch mein Rückenpatch!

Krasse Sache, oder?
Zufälle gibt es nicht - somit meinen Dank an das Schicksal!
Zur Erinnerung: Ellie, Kawasaki ER5 Twister, Baujahr 1998!


Danke an J.R. für die professionellen Motorradfotos - das neue Profilfoto ist ebenfalls von ihm. Tolle Arbeit!


Echt klasse!

2 Kommentare:

  1. Ich komme mir mit meiner Sporty auch immer wie auf einem Spielzeug vor, wenn ich mit den Dickschiffen unterwegs bin, aber gib mir Serpentinen und das kleine Ding kommt ganz groß 'raus. Ich finde Deine Ellie jedenfalls nicht zu klein. Sie ist genau richtig und macht einen tollen Job.

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    1. Jepp, das finde ich auch, Sonja. Was nützt mir ein großes Motorrad, wenn es nicht zu mir paßt. Ellie ist genau richtig von der Leistung und dem Handling her. Auch mit Gepäck kann ich sie noch halten. Also alles richtig gemacht :-).

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