Der Samstag
Au backe, Bio-Lärm, sag' ich euch ...
Die Teichfrösche waren die ganze Nacht in Gange, was mich aber dank der Ohropax nicht weiter störte. Später erfuhr ich vom Vermieter, dass der Killer-Kater einen Tag zuvor einen Frosch abgemurkst hatte ... die Überlebenden waren aber immer noch laut genug gewesen.
Auch der kurze Gewitterschauer gegen 7 Uhr drang nur dumpf in meine Wahrnehmung. Zuwenig Schlaf hat bei mir stets den Effekt eines Katers. Jetzt kam aber der richtige noch dazu. Irgendwas in der gestrigen Cola machte mir ein heutiges Karusselgefühl ...
Weit nach zehn Uhr war ich dann endlich soweit, mal in die Senkrechte zu kommen.
Es wurde draußen schon wieder so heiß, aber das kühle Handtuch verhalf mir zu Kreislauf. Meine Lebensgeister hatten ihr Leben ausgehaucht. Dank Kaffee und Obstfrühstück ging es dann gegen Mittag soweit, das ich mich nicht wie ein Zombie fühlte - und auch nicht mehr so aussah.
Ich duschte lauwarm, quiekte albern vor mich hin wegen der Temperatur, aber das Land der (Über-)Lebenden war wieder erreicht.
Der Zettfahrer schaute dem Treiben belustigt zu. Er mußte leider gegen Abend heimfahren, weil berufliche Dinge anstanden. Aber bis dahin wollte er es auch noch gemäßigt krachen lassen.
Die Zett wurde aus der Unterkunft geschoben, und dann angetreten. KAWUMM - die Nachbarn waren wach.
Okay, gegen 12 Uhr sollten die höchstens den Mittagsschreck bekommen.
Ein Nachbar zwei Häuser weiter stand dann später auch am Zaun und beäugte uns interessiert. Gertrudäää - de Roggas sin' da!
Das Gepäck übernahm ich in die Orange, und dann fuhren wir zum Festgelände. Wenige Meter weiter kam ein Vorortzug angetuckert, und wir mußten an der Schranke warten. Die Sonne brannte, und die Zett verbreitete heißen Unmut. Der Zettfahrer tat mir leid, und ich griff nach hinten ins Auto. Ein Regenschirm wurde aus dem Fenster gehalten, aufgespannt, und ich spielte das "Grid Girl" für den kochenden Recken.
Die Leute hinter und vor uns schauten mit Erstaunen auf unser Treiben. Ein Foto dieser Aktion war leider nicht möglich, zu schnell ging die Schranke wieder hoch. Aber es sah lustig aus, isch schwör!
Ich erinnerte mich doch noch an den Schleichweg zum Festgelände. Auf dem PKW-Parkplatz wurde die Orange abgestellt, und ich wechselte das Fahrzeug. Mit lautstarkem "JIIIIIIIIIIIHAAAA"-Schrei knatterte die Zett mit Kupfer und der leicht bekleideten und völlig bescheuerten Sozia direkt vor den Eingang.
Wenn schon unangenehm auffallen, dann mit Schmackes...
Da stand sie also, Frankensteins Tochter, die KawaZ. Baujahr 1973. Inmitten der ganzen fetten Chopper. Später mußten wir einen Gast von ihr wegscheuchen. Auf der Zett sitzt Kupfer, und sonst keiner. Nicht mal der Tüv Onkel darf das.
Foto der Z: ein Vulcanier Gast
Unser dezenter Aufmarsch war nicht unbemerkt geblieben. Die ersten Zaunkieker kamen angeschlendert und dann folgte das übliche: wie alt, woher, was wurde alles verbastelt etc.
Der olle Ossirogga war in seinem Element. "Francine" war aber auch ein ganz besonderes Schätzeken. Wenn sie abgestellt wird, macht man lieber den Benzinhahn zu. Bei alten Leuten und alten Motorrädern ist das eben so: da tropft immer mal Flüssigkeit raus ...
Die Bikerspiele morgens nach dem Frühstück hatte ich erfolgreich verpaßt. Ein Fahrrad mußte nach Zeit auseinander gemacht und in kleine Dreiecke gestopft werden.
Foto: Gast
Beispielfoto vom schrottigen Rest ...
Mein Stammtisch hatte den dritten Platz erobert, und es gab sogar Pokale und Getränkegutscheine. Den Fotos nach zu urteilen waren die Spiele ein Heidenspaß gewesen!
Es folgte eine Patch-Übergabe an das Mitglied, welches sich so intensiv um den musikalischen Rahmen gekümmert hatte. Das Spalier für sein "Patch andrücken" war seeehr lang, und der Rücken dürfte nach dieser Klopfmassage ziemlich gebrannt haben!
Herzlichen Glückwunsch, Maik! Fein gemacht!
Die Ausfahrt ging um den Kyffhäuser, und auch drüber weg, wenn ich die Videoaufnahmen richtig deute ...
Hier mal ein Video, wie die Ausfahrt aussah, die ich ebenfalls erfolgreich
https://www.youtube.com/watch?v=P5lI5mXCr8w&feature=youtu.be
Das Bier floß für die Zurückgebliebenen bereits seit Stunden. Die Temperaturen waren ebenfalls wieder sommerlich heiß, allerdings bezog sich der Himmel zunehmend. Mein Regenradarbild zeigte ein Unwetter. Junge, die werden bei der Ausfahrt ein bis dreiunddreissig nasse Ärsche bekommen, wenn die nicht bald aus dem Kyffhäuser wieder da sind ...
Es fielen die ersten Tropfen, da kamen die Fahrer auf den Platz gebrummt. Kaum standen die Maschinen, öffnete der Himmel seine Schleusen und das Partyleben fand endlich einmal IM Werk ohne Namen statt.
Einzelne Gäste hatten im Vorfeld bewiesen, dass zuhause Muddi für alles sorgt - teilweise klebten die Tische und Stühle von Hinterlassenschaften nach dem Frühstück bzw. anderen Orgien.
Das später beim Essen auftun am warmen Abend-Bufett die eine oder andere zittrige Hand für das Verteilen von Gemüse auf dem Fußboden sorgte, ist ja verständlich. Was mich allerdings aufregte war, dass der Verursacher sich einen Scheiß drum kümmerte, seinen Teller nahm und weg ging.
Auf diesem glatten Zeugs kann man ausrutschen - und unabhängig davon zeugt das von nicht vorhandener Kinderstube. Die professionelle Braut an seiner Seite machte die Sache auch nicht besser ...
Überhaupt die Kleiderfrage ... stellenweise war ich dankbar für meine Sonnenbrille ...
Beispielfoto ...
Nun, jede wie sie es mag. Den Orthopäden freut es, wenn High Heels in den Zwischenfugen (hach, welch Wortspiel) stecken bleiben und Sehnen schmerzhaft überdehnt werden ...
Ich war froh über meine provisorisch reparierten Schlappen und die legere Kleidung, denn die Sonne war nach dem Gewitterguß weiterhin wohlgesonnen mit der Party. Wie gestern wurden Tische und Stühle aus der Halle auf den Platz gestellt, man lümmelte sich in Gesprächskreisen oder stellte sich an die Stehtische. Neuankömmlinge wurden beguckt, begrüßt und bewundert. Ein kleiner Hunger zwischendurch wurde wie gestern am Bratwurststand gestillt und Kaffee und Kuchen gab es dann für jedermann. Wobei der Kaffee als erstes geleert wurde.
Der Bratwurstkämpfer in seinem Element
Meiner einer mit meinem Stammtisch- Lieblingsfrüchtchen
Die Gespräche drehten sich wie gestern um Bikes, Bier und Bräute ... nein, nicht wirklich - es ging NUR um Bikes und Bier. Und Reisen. Und das Älter werden. Den Nachwuchs. Unfälle und Krankheiten. Um Holzschuhe, Deutz, Heuballen und NDR1 Musike.
Einmal ging es auch um Silikon-Körperteile. Oder zweimal? Ich weiß schon gar nicht mehr ... ;-). Und ums Angst-haben ging es dann auch, mhmmm.
Das warme Bufett wurde wie erwähnt gestürmt - hier hieß es wie gestern: Schlange stehen. Gegessen wurde überwiegend an der frischen Luft.
Der Zettfahrer mußte nach dem Abendessen gen Heimat reisen, was ihn verständlicherweise sichtlich ankotzte. Mit lautem Geknatter raserte Francine vom Parkplatz. Diesmal ohne Gehupe - man weiß ja, was sich gehört ...
Ich gönnte mir mal wieder Thüringer - die Wurst und die Gastgeber, 1a Top
Das Gemüse vom Buffet war mir etwas zu knusprig (im Fachjargon: bißfest)
Eine Vorband traf ein und baute in der überheizten Halle ihr Equipment auf. Die Jungs gaben sich alle Mühe, und der Blues kam auch gut rüber. Allein, die Gäste wollten nicht wirklich nach drinnen gehen. Vor leeren Stuhlreihen spielen muß total frustrierend gewesen sein ...
Noch schnell einige Bilder, bevor das Licht weg ist und die Hände zittrig werden ...
Im Hintergrund rechts neben dem Eingang zu sehen: ein Nachbau des Grenzadlers, auf dem man nichts abstellen durfte. Wegen des Respekts ...
Die später am Abend folgende Hauptband war absolute Superklasse.
Foto: Kubi, Gast
Die Stimmung auf dem Parkplatz war etwas gemäßigter als gestern. Zumindest am Anfang. Viele mußten morgen früh fit genug für die Heimreise sein und waren auf alkoholfreie Cola umgestiegen.
Die Steiermarker waren trotzdem noch bis weit in die Nacht am feiern. Respekt, Jungs! Ihr wart echt klasse drauf, was hab ich gelacht über eure trockenen Witze!
Die Gelegenheit war günstig, und ich nutzte ein besonderes Angebot. Rita beklebte mich mit diversen Tapes. Rita, ein Mitglied, hat die drei Tage für das körperliche Wohlbefinden der Gäste gesorgt. Massagen, Tapes, Hinweise auf richtige Körperhaltung, Energieansammlungen etc. - ein special-service für Vulcanier.
Wer jetzt schelmisches denkt, liegt falsch. Das war alles seriös - und ohne Lack und Leder, ohne Peitsche und ohne High-Heels. Da wurde nix hinter dem Sichtschirm im Halbdunkeln des Nebenraumes ge-swingt ...
Ich begann um 23 Uhr mit meiner Abschiedsrunde, die dann fast eine Stunde dauerte. Und trotzdem hatte ich nicht alle gedrückt, die ich (und die mich auch) drücken wollten. An dieser Stelle "Mea Culpa" an diejenigen, die nicht in den Genuß kommen konnten.
Die anderen interessieren mich nicht ;-)
Gegen Mitternacht kam ich im Appartment an und riß erstmal alle Fenster auf, die der Vermieter in Erwartung von Unwettern leider geschlossen hatte. Armes Julchen ... sie hing ganz schlapp und japsend in ihrer Kiste und ich kühlte ihr erst einmal die Ohren mit kaltem Wasser.
Dann hieß es kalt abduschen für mich, und ich fiel im Schlafzimmer in einen unruhigen Schlaf. Hoffentlich wird es morgen auf der Heimreise nicht gar so eklig warm, war mein letzter Gedanke.
Die Frösche gaben sich alle Mühe, den von der Katze gemordeten Sangesbruder zu ersetzen. Ich lauschte noch einige Zeit, dann fielen mir endlich die Augen zu und ich träumte seltsames Zeugs. Zum Glück konnte ich mich am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern. Welkes Fleisch und ein Wohnmobil mit roter Laterne kam darin vor, dazu dann die Killerkatze aus "Alice im Wunderland" und irgendwas mit einem Besen und Hexen darauf, ein Elvis-Immitator, Handtaschen voller Jackyflaschen und besoffene Ameisen, die schlafende Biker abtransportierten.
Weia ...
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Eine bittere Pille kam dann doch noch: Julchen hat sich wenige Tage später entschieden, dass es genug ist ... R.I.P., süße Reisemaus. 8 Jahre 3 Monate erheiterte sie die Gruppe und mich ...
Kleine Methusalem-Wollmaus ...












Och je! Das tut mir aber leid, daß Julchen nicht mehr ist!
AntwortenLöschenIch drück Dich mal ganz feste! Sie ist jetzt wieder jung und fit und frisch wie der Sonnenstrahl am Morgen!
Wieder ein echter Spaß-Bericht. Klasse ge- und beschrieben.
AntwortenLöschenDas Julchen hat wenigstens noch die letzte Zeit mit ihrer "Mama" verbringen können. Acht Jahre sind ein stolzes Alter für so eine Meerwutz.