Ellie und ich

Ellie und ich

Mittwoch, 2. Januar 2013

19. November 2012 - Wintertagebuch



19.11.2012 


Winter-Tagebuch



Sagenhafte neunzehn Tage ohne Motorradfahren liegen hinter mir. Ich bin noch erstaunlich gut drauf, weil bislang auch irgendwie jeden Tag etwas war!
Das Wetter war seit 1.11. nur wenige Tage so schön, dass ich kaum in der Gefahr war, neidisch zu werden auf die herumfahrenden Dauermotorräder.

Und dann hielt das erträgliche Wetter nur wenige Stunden an. Es ist durch die Bank weg um die 5-7°, und die Straßen sind jetzt stellenweise auch klebrig vom Streusalz. Ja, es hatte letzte Woche heftig gefroren – Minus 3° Mitte November. Bah!

Insofern bereue ich das Saisonkennzeichen nur ganz, ganz wenig.

Gestern sind meine Nachbarn auf Tour gegangen. Lächerliche Stunde waren sie unterwegs. Es war 9°, Sonne schien. Pah! Albern. Ich wäre mit Sicherheit erst nach 2 – 3 Stunden wieder da gewesen! Außerdem sehe ich mit Moppedklamotten tausendmal besser aus!

*Arroganz- und Neidmodus off* 

Ellie steht seit 16.11. konserviert in der Garage. Ihr Herz (Batterie) ist ausgebaut und im Arbeitszimmer deponiert; wird regelmäßig an‘s ProChargerLadegerät angestöpselt.

 Noch lädt es - Batterie war auf 75% - gekauft wurde sie vom Vorbesitzer 03/2012


Das Foto vermittelt dem Betrachter den Eindruck, als wüßte ich genau, was ich da getan habe, gelle? ;-) Nach dem Lesen der Bedienungsanleitung des ProChargers war auch alles klar, Plusklemme an Pluspol, Minusklemme an Minuspol. Ich hatte es dreimal kontrolliert!

 
Ellie sieht saudreckig aus, klebrig. Das ist dieses Konservatorspray.
In ihrem Auspuff steckt ein Lappen drin. Damit sich über Winter nicht irgendwelches Viechzeug häuslich in dem Rohr einnistet! Und aus dem Vergaser ist das Benzin abgelassen.
Der Vorderreifen war ohne Befund – Fritz hatte ihn ausgebaut und fünfzehn Minuten im Wasserfaß ersäuft. Aber es kamen keine Luftblasen hoch! Was in dem Fall gut ist – nicht zur Nachahmung mit einer lebenden Person empfohlen! ;-)

Nun ist der Reifen auf 3,5 bar aufgepustet. Und Ende Februar, wenn Fritz Ellie wieder abholt, waschen fährt und alles wieder startklar macht, wird auch der Reifen erneut begutachtet.
Das Waschen ist mir immer noch nicht geheuer. Ich habe Schiß, mit dem Hochdruckstrahler irgendwas kaputt zu pusten. Deshalb habe ich Fritz beauftragt.
Er wird schon wissen, was er tut. Schließlich düst er seine Enduros ja auch andauernd sauber, hat also Übung mit sowas!

Besonders hatte ich mich über die Einladung von Fritz zur kleinen Weihnachtsfeier an Heiligabend, 10 Uhr in der Werkstatt – Bratwurst und Glühwein – gefreut. So wirkt Ellie also auch noch dann, wenn sie stumm und bewegungsunfähig in der Garage ihren Winterschlaf macht. Irgendwie toll!

Ellies Kette werde ich selber sauber machen und neu fetten. Ich bin schon ganz gespannt, wie ich das hinkriege. Alte Lappen habe ich genug – meine weißen American-T-Shirts eignen sich prima dafür. Da bin ich sowieso seit Jahren rausgewachsen – da würde ich heute nämlich zweimal reinpassen! Foto folgt später – Kettenreiniger und weißes T-Shirt – sieht bestimmt krass aus :-D.

Der neue Stammtisch in Weddel, einmal im Monat, immer den dritten Donnerstag, scheint ganz nett zu sein. Das Dorfgemeinschaftshaus ist günstig, hell und die Bedienung freundlich und natürlich. Die Preise sind SEHR anständig – 1,20 Euro für einen Becher Tee. Das ist klasse!
Lustig übrigens, dass meine Fahrschule einigen der Stammtischlern auch ein Begriff ist.
Was die Leute so erzählen, von ihren Touren, ist auch spaßig – vor allem, wenn es in dem Bereich ist, den ich hier auch andauernd fahre :-D.
Mit den anderen Zielen (Österreich, Alpen, Ausland) kann ich nicht mithalten – und möchte es auch nicht. Aber in Dänemark möchte ich auch mal fahren. 
Der Wolfenbüttel-Stammtisch in Wittmar gefällt mir immer besser. In der nächsten Saison findet sich bestimmt was im Punkt "Ausfahren".
 
Mein Neueinstieg bei Netbiker.de ist gemacht. Es läuft ganz okay. Auch hier: mal schauen, was sich entwickelt.

Mit Krampf geht sowieso gar nichts – das Fahren nicht, und das Leben erst recht nicht! Mit Hektik kippt man um, fährt nicht sicher.

Genauso im Leben – droht Hektik, schalte ich neuerdings einen Gang zurück, und betrachte mir das erstmal. Niemand zwingt mich dazu, alles jetzt gleich und sofort zu machen.
Schwierige Lektion für eine HSP-Type wie mich. Aber nicht unmöglich. Hey, ich habe in meinem Alter den Motorradführerschein gemacht. Raus aus der Komfortzone, raus aus den alteingefahrenen Spuren.

Midlife-Crisis? Nein. Das war ein schleichender Prozeß – ich war schon seit zwei Jahren unzufrieden mit meinem Schicksal dort in Dänemark. Immer nur alleine campen – kaum noch einer in meinem Alter da. Der weite Anfahrtsweg.
Ich wollte etwas verändern, wußte aber nicht, was und wie. Gott hat da einen viel klügeren und nachhaltigeren Weg für mich gehabt. Ich hätte nie an so etwas gedacht, nie, nie, nie.
Der Ablöseprozeß war schwierig, ja. Und schmerzhaft. Ich vermisse den kleinen Wohnwagen immer noch sehr. Den Platz, das Strandspazieren, die Gräber der Meeris. Ich darf das vermissen – es hatte 31 Jahre zu meinem Leben gehört. Mehr Zeit, als ich jetzt alt bin!

Meine abendliche Freizeit verbringe ich jetzt in der Winterruhe nun mit oftmals recht exzessiven Walkingrunden – warm eingepackt, und mit Stirnlampe, wegen der Dunkelheit!
Anschließend ein heißes Bad und Gemütlichkeit in meiner Wohnung.
Kerzen, leise Musik, gedämpfte Beleuchtung, ein gutes Buch …

Außerdem folgen nun streßfreie Einkäufe - bei den Motorradausstattern. Gerade stocke ich auch meine Campingausrüstung – Motorradgeeignet – auf.
Zum Ende der Saison gibt es sagenhaft günstige Angebote. Beinahe jede Woche kommt irgendwo ein hoher Rabatt.



Hier ...

oder hier ...

 ... mhm ... fast wie Ellie und ich!


Meine neue Moto-Detail-Soziustasche von Louis ist klasse – da paßt soviel rein, dass ich mit Sicherheit eine komfortable Übernachtung hinkriege (mit ausreichend Klamotten zum Wechseln, sogar ein Paar Schuhe passen da locker dazu).

Total wichtiges Geraffel - "extra für's Foto" - ja, nee, is' klar 
Es fehlt noch: ein gutes Zelt, und eine vernünftige Isomatte. Bei der selbstaufpustenden Isomatte müßte es mindestens 10 cm Höhe sein, damit es komfortabel genug ist für meinen Rücken. Zelt 129,- und Matte mit Sicherheit 130,- . Das ist momentan noch nicht drin, leider  …
Wenn ich meine Fotos, auf denen ich mit Ellie abgebildet bin, so ansehe, dann muß ich lächeln und fühle mich total glücklich und froh. Sooo lange ist die Winterpause ja nicht. Dank der Stammtische und freundlichen Einladungen wird die Zeit wie im Fluge vergehen.
Auch für meine Freunde habe ich jetzt mehr Zeit. Und ich selber komme innerlich ebenfalls zur Ruhe, genieße meine Wohnung (mal mehr, mal weniger – je nachdem, wie die Nachbarn nerven), lese, höre leise Musik, verzichte ganz oft auf die Flimmerkiste - und führe wieder Tagebuch.


Der gemütliche Sitzplatz, Essplatz, Leseplatz, Schreibplatz …

Ich trage sehr viele Gedanken in mir, Ahnungen von Strukturen, wie sich alles bislang gefügt hat. Ich erlebe auch ohne Ellie trotzdem andauernd kleine Wunder. Beim Einkaufen, oder halt auf der Arbeit. Erlebnisse, die normal aussehen, sich dann aber im Nachhinein als etwas Besonderes herausstellen. Und immer wieder den Bezug haben … zum Motorradfahren. Krass, wie sich das alles zusammen tut!

Auch meine gefühlte Nähe zu Gott ist wiedergekommen. Er hat sich ja nie entfernt, nur ich war ständig so unter Strom … Alles hat seine Zeit, und ganz vergessen hatte ich Ihn ja sowieso nie.
Momentan geht es mir innerlich die meiste Zeit wirklich richtig gut.

Und die Termine für nächstes Jahr häufen sich auch allmählich – krass :-D – ein Beispiel: guckst du ;-) …


 Ja, man kann nie früh genug wissen, wann gefeiert wird, hihihi


 

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