31.10.
Der letzte Tag der Saison war da. Und das Wetter ein Gedicht: es war zwar kalt – ungefähr 6° - aber sonnig. So machte ich also früher Feierabend, stopfte mich in fünf Schichten Moppedklamotten, und fuhr noch eine größere Runde.
Straßenterroristin in Vollmontur; Michelin-Heike in Strahlekeks-Stimmung
Zur Asse hin, über meine Lieblingsanfängerstrecken Volzum, Hachum, Vahlberg, mit Halt auf dem Hügel oberhalb von Seinstedt. Kleine Pause an den Windrädern, mit Blick in die Landschaft hinein. Die eine Seite lockte mit dem Brocken, die andere mit der Asse.
Sentimentale Erinnerungen flogen in den Himmel … Hier war ich auf meinen ersten „längeren“ Touren. Hier machte ich mein perfektes Bildschirmschoner-Foto (bei Facebook zu sehen). Hier war ich, als es brutzelig heiß war, und kein anderer vernünftiger Motorradfahrer unterwegs war - außer mir. Hier war ich mit der ausgeliehenen Fahrschulmaschine, als Ellie ihre Wasserpumpenreparatur hatte. Herrlicher Frühstückspausenparkplatz. Und das Ganze war gerade mal … wie lange? Zwei, drei Monate her? Krass … kam mir vor wie drei Jahre! Oder wie gestern ;-) !!!
Von dort aus fuhr ich dann nochmal Richtung Hornburg und bis Osterwiek. Dann ging es aufgrund der Kälte – mir froren schon wieder die Füße ab – zurück nach Wolfenbüttel. Bei Fritz Kaffee trinken und abklären, wie das mit dem „Winterlager vorbereiten“ klappt. Rückfahrt über Braunschweig und die Total-Tankstelle, wo Ellie’s Tank nochmal randvoll gefüllt wurde. In frühherbstlicher Dunkelfahrt fuhren wir dann zurück in die Garage.
Vor mir war ein Transporter mit Anhänger, dessen Bremslicht nicht funktionierte, was ich aber zunächst nicht bemerken konnte! Aber auf einmal verringerte sich der Abstand zwischen ihm und mir in dramatisch kurzer Zeit. Ich legte eine Vollbremsung hin und fluchte in den Helm, dass die Umgebung hell wurde vor Scham. So ein Arschloch – das hätte mir gerade noch gefehlt, 10 Minuten von zuhause weg, am letzten Saisontag noch einen Auffahrunfall !!! Volltrottel !!! Wie gut, dass ich noch fit war, und nur kurzzeitig geträumt hatte.
Ich war froh, als der Spacko dann geradeaus weiterfuhr! Die letzten Kilometer bis nach Hause hatte ich genug Adrenalin im Blut, dass ich nach dem Abstellen von Ellie in der Garage noch eine kurze Runde walken mußte. Zum Abdampfen!
Fazit: Saison 2012 – gerade mal 91/2 Wochen reine Fahrtage. Und trotzdem etwas um die 7.300 km gemacht in der kurzen Zeit. Würde das Saisonkennzeichen mich nicht bremsen, müßte man mich wohl vom Mopped schießen, damit ich nicht den Kältetod sterbe. Oder unvernünftigerweise doch bei Minustemperaturen fahren … mit dem irren Gedanken im Kopf „Na sooo schlimm wird das wohl nicht sein mit der Glätte“ … und dann irgendwann vielleicht wegen des Leichtsinns verunfallen. Nee, habe ich super gut gewählt. Eine weise Voraussicht. Beim Stammtisch bekam ich allerdings dementsprechende Auslacher. „Saisonkennzeichen – wer braucht denn SOWAS?“
Nun – ICH brauche sowas. Es ist ja nun nicht so, dass ich das nicht jederzeit verändern KÖNNTE. Aber nach einem Telefonat mit meinem allerbesten Motorradkumpel wurde meine Entscheidung noch einmal bestätigt. Er beglückwünschte mich nämlich, und war genau der selben Ansicht wie ich. Würde mich das Kennzeichen nicht bremsen, würde ich – verrückt wie ich nun einmal bin – weiterfahren. Und das wäre auf längere Sicht äußerst ungesund für mich. Diese Bestätigung von jemand, der mich manchmal besser kennt als ich mich selber – und noch dazu jahrzehntelange Motorraderfahrungen vorweisen kann – hat saugut getan und mir den Rücken gestärkt für den Fall, dass nochmal ein Klugschwätzer daherkommt und mich auslächelt.
Aber was soll ich sagen – ich werde zurücklächeln. Und dann wird derjenige ein unbestimmtes gruseliges Gefühl bekommen, was seinen Rücken runterkriecht – ääätsch!
In diesem Sinne – Winterruhe, ich bin gespannt, wie ich mit dir fertig werde! Und wenn es ZU schlimm wird mit der Fahr-Sehnsucht, gehe ich runter in die Garage, decke Ellie ab, umärmel sie und setze mich einfach mal so drauf … Albern? Nö ;-). Winter-Methadon-Programm !!! Und dann gibt es ja noch die Messen, und den Stammtisch … Und die Moppedtagebücher! Außerdem kann ich so in Ruhe die längeren Touren für die nächste Saison vorplanen, ausarbeiten, bei Google-Earth schonmal gedanklich durchfahren. Genau! Und schwupps ist es dann März und es geht weiter.
Also – winke winke und „bis gleich“ ;-)

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