21.10.
Nachdem die gestrige Tour in das wunderschöne Leinebergland
mich so fasziniert hatte, beschloß ich, heute dort noch einmal aufzutauchen.
Zunächst fuhr ich um 9:30 Uhr los, zum GoDi meiner Gemeinde
in Wolfenbüttel-Linden – somit war ich schon mal bis Wolfenbüttel gekommen.
Auf dem Weg dahin fuhr ich durch dichte Nebelwände. Neue Erfahrung: Visier benetzt, und dann die Brillengläser ebenso voll mit den Wassertröpfchen. Mit dem Handschuh wischte ich über Visier und Gläser, aber der Erfolg blieb mäßig. Die Sonne brach schon durch, schaffte es aber noch nicht, die Feuchtigkeit zu vertreiben. Mein Fahrtempo blieb bei 80 km/h, denn schlechte Sicht und feuchte Straßen gepaart mit nassen Blättern war mir nicht geheuer.
Es war nun tatsächlich Herbst! Das konnte ich nicht mehr
verdrängen.
Meine Hoffnung war, dass nach dem Gottesdienst die Sonne gegen die Nebelbänke gewonnen hatte – andernfalls müßte ich mir neu überlegen, ob ich die Tour weiterfahren würde.
Meine Hoffnung war, dass nach dem Gottesdienst die Sonne gegen die Nebelbänke gewonnen hatte – andernfalls müßte ich mir neu überlegen, ob ich die Tour weiterfahren würde.
Nach dem GoDi strahlte die Sonne kräftig und wärmend aus dem
blauen Himmel heraus, und ich faßte wieder Mut.
Gegen Mittag ging es nun gut erholt an Körper und Seele weiter. Auf der L615 Richtung Schladen hing der Nebel aber noch als dicke Suppe in der Landschaft. Mist! Es war auch Brenntag, überall qualmten die Gartenfeuer, was die Luft zusätzlich dick machte. Und das stank – pfui igittigitt. Ich fuhr mit halboffenem Visier wegen der Sicht, bekam so aber den Geruch volle Breitseite ab. Voll drin im Geschehen – ja klasse … Freud und Leid eines Motorradfahrers. Würde es so dick bleiben?
Gegen Mittag ging es nun gut erholt an Körper und Seele weiter. Auf der L615 Richtung Schladen hing der Nebel aber noch als dicke Suppe in der Landschaft. Mist! Es war auch Brenntag, überall qualmten die Gartenfeuer, was die Luft zusätzlich dick machte. Und das stank – pfui igittigitt. Ich fuhr mit halboffenem Visier wegen der Sicht, bekam so aber den Geruch volle Breitseite ab. Voll drin im Geschehen – ja klasse … Freud und Leid eines Motorradfahrers. Würde es so dick bleiben?
Ich hatte Glück! Über Werlaburgdorf ging‘s wie gewohnt
Richtung Lutter am Barenberge. Der Nebel hatte sich jetzt endgültig verzogen.
Das nun folgende, traumhafte Bilderbuch-Herbst-Wetter beleuchtete die flammend
rot gefärbten Blätter der Bäume, die Fernsicht war einmalig, und die Straßen
fast überall abgetrocknet. Allerbeste Bedingungen also, und das machte sich
bemerkbar: es fuhren jetzt häufig andere Motorräder oder auch Gruppen auf
meiner Route.
Ich blieb locker, ließ sie vorbei fahren, und war glücklich
über meine innere Ruhe. Wie ein Indianer sicherte ich meine Rundumsicht ständig:
vorne, Seitenspiegel, lauschte nach hinten – trotzdem vergaß ich das Genießen
nicht. Dieses „Sichern“ ging irgendwann wie von alleine. Sozusagen „in Fleisch
und Gashand“ übergegangen ;-).
Ehrlich gesagt fahre ich als Motorradfahrerin wesentlich aufmerksamer durch die Lande, als wenn ich faul und gelangweilt im PKW sitze und nichts tue, außer zu fahren. Im Vergleich: PKW öde – Motorrad spannend und lebendig-fühlend.
Ehrlich gesagt fahre ich als Motorradfahrerin wesentlich aufmerksamer durch die Lande, als wenn ich faul und gelangweilt im PKW sitze und nichts tue, außer zu fahren. Im Vergleich: PKW öde – Motorrad spannend und lebendig-fühlend.
Meine Route ging kurz vor Rhüden wieder in den Bereich Lamspringe. Diesmal kam ich von Norden in die Stadt hinein. Gegen 14 Uhr waren die häufigsten Gäste dort: Motorradausflügler. Gestern hatte ich eine andere Anfahrt gewählt, heute fuhr ich also über Neuhof nach Lamspringe – diese Strecke war auch anderen Moppedreisenden bekannt; an den Kennzeichen konnte ich sehen, dass die meisten aus dem Hildesheimer Bereich kamen, und sich durch den Heimvorteil einfach anders auf den kurvigen Straßen bewegten als der Flachlandtiroler Heike ;-).
Unverdrossen bewunderte ich ihre Künste, wenn sie vor mir am Horizont oder in einer weiteren engen Kurve verschwanden, schräg gelegt mit lautem Gedröhne.
Ich versuchte mal – als nichts los war – einer ihrer
Kurvenlinien zu folgen. Das ging einigermaßen. Als Anreiz schon einmal okay,
zum Üben. Trotzdem bin ICH diejenige, die eine Kurve fahren muß – vorgefahren
hin oder her. Ich fühlte mich noch ein wenig hölzern und steif, was diesen
Punkt anging, aber das mag auch nur ein Gefühl gewesen sein … denn als ich
später meine Streifen an den Reifen ansah, war zu sehen: ich war doch wohl ganz
hübsch in der Schräge gewesen. Mehr, als ich so fühlte.
Kurze Rast am Kloster Lamspringe. Kirche war wie gewohnt zu – und das an einem Sonntag. Pah!
Kurzer Spaziergang zum Teich, Beine vertreten, Apfel essen. Dann folgte das Einplünnen (bis das Halstuch so sitzt … same procedure as yesterday ... etc. ) …
Weiter gefahren, Richtung Freden. Diesmal war ich auf die
kurvige Strecke durch den Wald (Winzenburg) vorbereitet, aber die Radtourer und
Wanderer an dem Sonntag waren etwas Neues.
Manche von denen hatten ein Gemüt, das ich nur noch staunen konnte. Ohne Blick nach rechts oder links in einer Kurve ganz gemütlich über die Straße zu schleichen, auch als sie mich ankommen sahen (Wanderer), oder als Pulk nebeneinander im Schritt-Tempo die Hügel zu erklimmen (Rennrad-Fahrer) – das hatte schon etwas von gewolltem Selbstmord, oder zumindest Vorsatz.
Ellie war wohl so leise, dass man sie nicht hörte. Und ich zu höflich, als das ich jedesmal aufs Neue meine Hupe betätigte. Gründe hätte ich genug gehabt – aber was hätte das Hupen genützt? Davon geht die Dummheit der Leute auch nicht weg :-D.
Manche von denen hatten ein Gemüt, das ich nur noch staunen konnte. Ohne Blick nach rechts oder links in einer Kurve ganz gemütlich über die Straße zu schleichen, auch als sie mich ankommen sahen (Wanderer), oder als Pulk nebeneinander im Schritt-Tempo die Hügel zu erklimmen (Rennrad-Fahrer) – das hatte schon etwas von gewolltem Selbstmord, oder zumindest Vorsatz.
Ellie war wohl so leise, dass man sie nicht hörte. Und ich zu höflich, als das ich jedesmal aufs Neue meine Hupe betätigte. Gründe hätte ich genug gehabt – aber was hätte das Hupen genützt? Davon geht die Dummheit der Leute auch nicht weg :-D.
Meine Aufmerksamkeit war also geschult, und dank dieses
Gehirnjoggings gelangte ich ohne Unfall nach Freden.
Dieses Mal fuhr ich aber über die Brücke und nicht gleich
weiter nach Alfeld, ich wollte das Leinebergtal auf der anderen Seite
kennenlernen! Es sollte Richtung Kreiensen/Bad Gandersheim gehen.
Bei Gut Esbeck kurz oberhalb von Freden gab es
Haarnadelkurven-Hügel-abwärts. Auch mit 20 km/h war das eine Aktion für mich.
Andere Motorradausflügler nahmen die Kurven mit 40 km/h, aber wie gesagt:
Hildesheimer Kennzeichen – Heimvorteil – Geübte …
Der Blick von dieser Seite aus in das Tal hineingesehen war noch überwältigender als gestern. Die Sonne strahlte den Helleberg und den Klusberg (bei Bad Gandersheim) an, mit einem Licht, was schlicht und ergreifend totaler Kitsch war. Aber real!
Der Blick von dieser Seite aus in das Tal hineingesehen war noch überwältigender als gestern. Die Sonne strahlte den Helleberg und den Klusberg (bei Bad Gandersheim) an, mit einem Licht, was schlicht und ergreifend totaler Kitsch war. Aber real!
Ich hielt einmal an und versuchte, das zu fotografieren,
löschte das Bild dann aber wieder. Es war nicht korrekt darzustellen. Die
Realität war um ein 1000-faches genialer, schöner, farbenprächtiger.
So stand ich also da, bei Temperaturen um die 20°, und
staunte minutenlang in die Landschaft.
So schön kann meine Heimat sein – in unmittelbarer Nähe zu
meinem Wohnort - und ich hatte bis zum heutigen Tag absolut keinen Schimmer
davon gehabt. Krass!
Auf der Weiterfahrt lockte linksseitig ein großer See. Am Ende des Sees fuhr ich auf einen Parkplatz und konnte mich orientieren – es war das Pumpspeicherwerk Erzhausen. Das gestaute Wasser hatte die Ausmaße einer Talsperre. Bis auf einen Hundespaziergänger war ich wieder einmal einsame einzige Besucherin.
Auf der Weiterfahrt lockte linksseitig ein großer See. Am Ende des Sees fuhr ich auf einen Parkplatz und konnte mich orientieren – es war das Pumpspeicherwerk Erzhausen. Das gestaute Wasser hatte die Ausmaße einer Talsperre. Bis auf einen Hundespaziergänger war ich wieder einmal einsame einzige Besucherin.
Ellie's Parkplatz; Pumpspeicherwerk Erzhausen
Es folgten im flacheren Gelände Kurven, die ich „wedeln“ konnte. Und jetzt verstand ich auch die Faszination dieser Aktion! Gleichbleibende Abstände beim Rechts- oder Linkslenken in den Kurven selber, sozusagen „Wiegeschritt-Fahren“. Schunkeln auf dem Motorrad :-D.
Ich liebte es.
Viel zu schnell war es zuende, weil die Straße in den nächsten kleineren Ort führte. Und dann sah ich rechts eine große Bogenbrücke, genannt Viadukt. Und ein Hinweisschild links: Kreisensen/Bad Gandersheim, und rechts: Burgruine Greene.
Natürlich zog es mich zur Burg.
Und bei der Anfahrt hoch zur Burgruine dämmerte es mir: hier war ich schon einmal gewesen. Vor ganz, ganz langer Zeit. Mit dem Auto. Müssen ungefähr 20 Jahre gewesen sein!
Ich tuckerte also nun noch einmal dort hinauf. Diesmal mit
Ellie den Burgberg hinauf, stellte sie im Schatten seitwärts der Straße ab (der
offizielle Parkplatz oberhalb war nicht befestigt, matschig, und somit nicht
geeignet), und plünnte mich erstmal aus. Diese Stille da - die klare Luft ...
und die Aussicht!
Was für ein Ausblick; hier: Fuchshöhlenberg, dahinter Einbeck
Die Aussicht von hier oben … wie alles an diesem Tag: grandios, einmalig schön und total kitschig ;-). Ich LIEBTE auch das!
Mit Motorradstiefeln und gepolsterter Moppedhose (Protektoren: Hüften, Knie ... machen das Laufen echt unelegant :-D) hochgestiegen zur Burgruine.
Diese kleinen Häuschen rund um die Burg – kleines Bergdorf,
liebevoll geschmückte Gärten, fein herausgeputzte Häuser, dekorative Katzen auf
kleinen Naturstein-Gartenmauern …
Meine Cam kam überall zum Einsatz – die Bedingungen waren
einfach perfekt. Einige Fahrradausflügler, eine Handvoll Kinder beim Herumtoben
in den Blätterhaufen, ein Liebespärchen … das ganze Burggelände war also nicht
überlaufen, zum Erholen und Staunen gerade richtig, die beste Uhrzeit – 15 Uhr
– und der Ausblick über Kreiensen und Bad Gandersheim wunderschön.
Blick über Kreiensen und hinten am Horizont Bad Gandersheim
Glücklich! Meinereiner auf Burg Greene, hinter mir der Blick nach Kreiensen
Blick nach Greene vom Burggelände aus
Mir fallen keine Superlativen mehr ein – dieser Ausflug hatte seinen Höhepunkt im Besuch der Burgruine. Ein Oberknüller-Tag mit Oberknüller-Wetter und Oberknüller-Stimmung …
Außerhalb des Burggeländes setzte ich mich auf die
strategisch gut positionierte Bank mit Blick über den Fuchshöhlenberg Richtung
Einbeck – und futterte meinen Proviant. Neugierig beblökt von einer kleinen
Herde Schafe. Die interessierten sich mehr für die Brotdose als für die
Stückchen Möhren, die ich ihnen abtreten wollte :-D. Auch das noch:
Tier-Idylle!
Rastbank mit Brotdose
Hungrige und blökende Wegelagerer
Dieser Ausflug war nicht mehr zu toppen, und ich beschloß,
ganz gemütlich über Alfeld und Gronau Richtung B1 nach Hause zu fahren.
Die Strecke zurück nach Freden konnte ich wieder ein Stück
„wedeln“ – hmmm, was war das herrlich, auch beim zweiten Mal. Die
Haarnadelkurven bergauf (rechts rum) bei Gut Esbeck waren blöd – Rechtskurven
sind noch nicht mein Meisterstück … da brauche ich noch eine Menge Übung.
Weiter ging es dann nach Alfeld. Und nun wiederhole ich mal,
was ich am Tag zuvor geschrieben hatte:
Auf der Alfelder Straße – L486 – waren einige sehr rasante
Motorräder unterwegs. Meist hörte ich sie schon von hinten, blieb bei meinen 80
km/h, und winkte sie linkshändig vorbei. Einer, mit einer großen und lauten
Maschine und fettem Hinterrad, aus Hannover, winkte zurück. Lustigerweise
begegnete ich ihm noch einmal, einen Tag später, am 21.10.2012 :-D, als ich
noch einmal dort fuhr! Zur gleichen Uhrzeit! 15.30 Uhr! Zwischen Alfeld
Ortsausgang Richtung Eimsen!
Gruß also an den unbekannten Hannoveraner, der auf der
großen und lauten Maschine, mit dem fetten Hinterreifen, der von hinten echt
lecker ausschaute in seiner hautengen Lederkombi :-D. Das ich das zweimal
erleben durfte - hach, das Schicksal hat schon Überraschungen bereit :-D.
Bei Gronau bog ich rechts ab über Betheln und fuhr über
Heyersum auf die B1. Ich war wieder einmal gut eingefahren, die üblichen
Wehwehchen (verdrehte Fußhaltung, Kupplungs- bzw. Gashand) waren jetzt schon
Gewohnheit. Stimmung allerbest, Wetter immer noch wie aus dem Märchenbuch, und
gegen 18 Uhr war ich bis über den Helm hinaus glücklich zuhause angekommen.
Fazit: Nebelfahren
ist nicht so toll, aber eine Erfahrung wert. Ich war wieder einmal den ganzen
Tag unterwegs gewesen. Ich bin auch heute lässig geblieben, bin noch ein Stück
weniger verkrampft gewesen, und die Handhabung der Maschine und die Fahrpraxis
sind durch die ständige Übung sichtbar vorwärts gegangen.
Dieser Tag war die Krönung der Saison – darüber geht einfach
nichts mehr.
Viel Zeit habe ich nicht mehr, das Wetter soll schlecht
werden und vor allem soll die Kälte jetzt kommen. Ich bin bei 7000 km
angekommen. Kleinere Hausrunden sind sicherlich noch möglich, aber alles unter
einer Stunde erscheint mir jetzt – am Ende meiner ersten Motorradsaison -
irgendwie lächerlich und babyhaft. Ich glaube, ich habe mich ein Stück
weiterentwickelt. Jetzt mal tiefgestapelt gesehen ;-) … ich hatte heute genug
Superlativa verwendet!

Schunkeln auf dem Motorrad :-)
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