Nach 31 Jahren gab ich meinen Ganzjahresplatz in Dänemark auf.
Ich hatte mich schon die letzten zwei Jahre dort nicht mehr heimisch, sondern immer öfter total einsam und allein gelassen gefühlt.
Es war schön dort, keine Frage. Die Ruhe, die schöne Landschaft. Die Ostsee!!!
Aber ich nutzte es nur 3 bis 4 Wochen im Jahr. Dafür zahlte ich mittlerweile 1.250 Euro. Dieser Druck, dort hin zu müssen, um das Geld "abzuwohnen", nervte mich mehr und mehr.
Ich hatte dort mehr als die Hälfte meines Lebens verbracht. Dort lagen viele liebe Meerschweinchen begraben. Ich liebte meinen eigenen Wohnwagen.
Viele viele Fotos sind von dort in mein anderes Blog geflossen. Wie schon erwähnt - ich wollte ja eigentlich NUR den Führerschein machen, und dann schauen.
Aber während der Ausbildung wurde mir klar: alles drei geht nicht. Camping, Führerschein UND eigene Maschine ... und ich hatte ja auch noch mein Auto.
So mußte ich nun also im ersten Teil meines Sommerurlaubs nicht nur den Wohnwagenverkauf und den Vorzeltabbau organisieren, sondern auch emotional damit klar kommen.
Es gab von familiärer Seite heftigen Widerstand gegen meine Entscheidung. Aber um sie (und mich!) zu schonen, konnte ich nicht mit der ganzen Wahrheit heraus. Das schaffte zusätzlich Druck. Mein Bruder war eingeweiht, das war mir eine große Hilfe. Er hatte selber den Moppedschein, hatte ihn aber nie genutzt. Er respektierte meine Entscheidung aber, und wurde mir eine große unerwartete Stütze. Wieder eine Fügung ...
Das Motorrad war nicht der Auslöser für meine Entscheidung - es war Anschubser.
Ich konnte in der kurzen Zeit dieser zwei Wochen nichts regeln, was den Verkauf anging.
Das nervte einen Teil der Familie tierisch.
Mein Bruder war aber bereit (und dafür danke ich ihm heute noch aus tiefster Seele), das Vorzelt abzubauen und die Einrichtung auf dem Platz wegzugeben. Ich mußte beim "Leichenfleddern" also nicht dabei sein.
Ich kam im Herbst mit einer Freundin noch einmal hin, kurz bevor der Wohnwagen abgeholt wurde. Wir holten noch persönliche Sachen heraus. Es regnete wie verrückt, das paßte total zum Ereignis, und meine Seele und meine Augen weinten mit .. tja ... das war alles in allem eine grauenvolle Fahrt für mich.
Dank meiner Freundin, die mir ihr Auto und den Hänger zur Verfügung gestellt hatte und beim Einladen tatkräftig mithalf, wurde ich aufgefangen. Wieder Fügung ...
Der Wohnwagenverkauf ... Eine Fügung. Wieder einmal ... diese Moppedsache LEBT durch Fügungen :-)
Der Wohnwagen fand über Ebay-Kleinanzeigen Liebhaber in MeckPom. Das die später noch um 25,- Euro runterhandelten, war zwar lächerlich (denn der Wohnwagen war zwar alt, aber sauber, und für 150,- Euro nicht zu teuer), aber ich ärgerte mich nicht mehr. Ich hatte einfach keine Kraft mehr gehabt zum ärgern, das ist die Wahrheit. Ich hatte genug gekämpft und überwunden in den letzten Monaten. Ich war leergebrannt.
So war dieser zwei wöchige Campingurlaub kein Urlaub, sondern pure seelische Belastung. Außerdem war da noch etwas vorgefallen, aber das behalte ich für mich, das ist zu privat.
Nur der Gedanke an Ellie hielt mich über Wasser.
Am Folge-Rückkehrtag (Sonntag nachmittag, 12.8.) brachte mich ein Kollege zu der Garage von Bekannten, wo ich meine Ellie für die zwei Urlaubs-Wochen untergestellt hatte.
Kaum saß ich auf Ellie ...da wußte ich: meine Entscheidung, Dänemark aufzugeben, war richtig gewesen. Eine neue Zeit war angebrochen.
Ellie aus der Garage geholt - Ich konnte es kaum erwarten, loszufahren! Ich war so aufgeregt, ob ich das mit dem Fahren noch hinkriegen würde!
Hätte ich keine Ohren, könnte ich im Kreis grinsen!
Nun noch den Helm aufgepfropft, die Brille druntergefummelt - fertig für den Ritt - zweiter Teil des Sommerurlaubs. Zwei geniale Fahrwochen liegen vor mir!
Tourpause mit Blick rüber zum Brocken - also - ELLIE "guckt" zum Brocken, ich guck zum Oderwald. Wolfenbütteler Umland.
Ellie hat mich etwas gekostet. Nicht nur Geld. Nein.
Sie hat mir dazu verholfen, ja zum NEIN zu sagen. Und wenn die Trauer hochkommt, dass ich Dänemark verloren habe, dann ist das eben so. Das darf so sein, weil es mich 31 Jahre begleitet hat.
Irgendwann werde ich mal wieder nach DK fahren. Aber nicht im nächsten Jahr. Die Wunde muß erstmal heilen.
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