16.9.
Sonntag Morgen.
Morgens um 8 Uhr Blick aus dem Fenster: blauer Himmel,
Sonne.
Blick aufs Thermometer ... urgs - okay, warme-Unterwäsche-Frühausfahrt. Es ist September, auch bei den Morgentemperaturen.
Bis ich so in die Puschen kam, war es dann 9:15 Uhr.
Raus auf die Straße vor das Haus, Ellie
abdecken, streicheln, Unterbodenkontrolle (nix leckt mehr raus - alles
schicko - die Dichtungen halten und die Wasserpumpe ist brav - genau wie Fritz vorausgesagt hatte!).
Es folgt, die Tourvorbereitung: Tankrucksack, Sozia-Rucksack. Alles ordentlich festgemacht beziehungsweise zugezurrt.
Um halb zehn war es schon
deutlich wärmer, und ich überlegte kurz. Aber nee, lieber die warme Wäsch'
anbehalten. Ausziehen konnte ich sie immer noch.
Fix-Termin an fast jedem Sonntag: 10:30 Uhr Gottesdienst in
der MLG.
War eine gute Entscheidung. Erst wollte ich ja walken und
dann sofort losfahren auf Tour - gut, das ich mich anders entschieden hatte ...
Johannes hatte mal wieder treffend, kurz und knackig gepredigt. Sehr
nachdenklich verließ ich den Godi.
Der KirchKaffee war wie immer mehr wie eine Familienfete,
und seelisch und körperlich hervorragend gestärkt schwang ich mich um halb eins auf Ellie
drauf.
Das Ziel war mir nicht so klar, einfach erstmal drauflos.
Warm war es. Angenehm! Herbstliches Licht, und die Gegend schaute aus wie mit Weichzeichner gemalt!
So ging es zunächst nach Hornburg. Über die Dörfer. Ich mag das - dort ist man wesentlich entspannter unterwegs, hat Zeit zum "Gegend-Guck", und zum Genießen!
Heute waren wesentlich
mehr Motorräder unterwegs als die letzten Tage. Fast alle fuhren aber zügig durch die Landschaft -
Ziel Harz.
Ich fuhr gemütlich meine Ost-Strecke über Stötterlingen Richtung Vienenburg.
Kurz vorher bei Wennerode links ab, in eine ruhige Seitenstraße.
Dort stehen viele Obstbäume, das konnte ich aus vormaligen Touren erinnern.
Ich hatte Hunger, und sah ein
Auto am Rand stehen. Zwei Frauen pflückten die leckeren Birnen ab. Ich hielt an
und fragte, ob sie mir drei Birnen abgeben würden. Die süßesten Früchte fressen
nur die großen Tiere, ja weil die Bäume hoch sind, und diese Tiere groß sind
... Die beiden Frauen hatten so ein Obstpflückdings dabei, und kamen somit an
die süßesten Früchte gut ran.
Ich bekam drei faustgroße und oberleckere Birnen - eine
futterte ich gleich vor Ort. Ein kleiner Klönschnack zwischen den Bäumen, ein
"woher/wohin"-Geratsche - dann schwang ich mich wieder auf mein edles Ross, und fuhr ein Stück weiter.
Die Blase
drückte mal wieder ... da die Maisfelder jetzt so langsam
"aussterben", weil abgeerntet, ist die Auswahl der Erleichterungsmöglichkeit
unbeobachtet in freier Natur für eine Frau (mit 2 kg Unterwäsche - bis man das
wieder anhat !!!) nicht mehr SO toll.
PiPa mit Blick auf den Brocken - ein paar hundert Meter
weiter auf einer Wiese oberhalb der Autobahn. B6. Wo kann man DAS schon haben?
DAS ist Freiheit, liebe Leute ;-) ;-)
Da kommt kein Tankstellenklo mit!
Nachdem ich die monsterfette Kreuzspinne von meiner Hose geschubst
hatte (naja, wenn ich auch in IHRE Wiese reinlaufe, selber schuld), überlegte
ich, wohin es nun gehen sollte. Blick nach vorne: Harz.
Hm - schon wieder Harz ? Da dürfte heute doch die Hölle los sein - ich hörte doch ständig das Aufjaulen der Motoren, wenn sie "da vorne irgendwo" die Kurven längs bretterten.
Also fuhren Ellie und ich erstmal gaaanz gemütlich Richtung Goslar.
Lochtum, Bettingerode,
Harlingerode, Oker, Richtung Goslar. Mein Tank war zwar noch halbvoll, aber ich
machte dann in Goslar Ortseingang an einer Tanke erstmal einen
Sicherheitsstopp.
Das ist nämlich ein merkwürdiges Phänomen bei mir: sind die Bedingungen nicht sooo günstig, passiert mir immer etwas interessantes, und anhalten ist dann absolut nicht im Plan!
Kaum war ich nach dem Bezahlen wieder draußen (übrigens ne
tolle Sache - ich muß mir die Tanksäule nie merken, rote Motorräder haben eben einen
anderen Wiedererkennungswert für die Kassierer!) , kam ein älterer BMW-Fahrer
auf mich zu: "Du kennst Dich doch aus hier - wo kann man denn einen guten
Kaffee trinken?" fragte mich der Mittfünfziger.
Er hatte wohl mein
Kennzeichen gesehen und sich gedacht, dass ich ein totales Navigationsgenie bin
(er selber kam aus Hannover).
Seine Frau kam auch um die Ecke angewackelt (klar - von der
PiPa auf dem Tankstellenklo - Anfängerin!). Ich überlegte kurz und gab dann den Tipp:
Vienenburg, Eis-Ecke.
Da sie eh nicht direkt nach Goslar reinfahren wollten,
nahmen sie den Hinweis gerne an. Wieder kurzes Woher-Wohin und die
Abschiedsworte "Man sieht sich beim Kaffee, irgendwie", und die
cremegelbe BMW brummte davon. Was für ein Geschoss ... die Farbe hatte ich noch
nie gesehen! So richtig toll fand ich die nicht. Sah von hinten mit den Koffern und der Verkleidung ein wenig nach Trike aus!
In Goslar verfuhr ich mich erfolgreich dreimal in der
Altstadt, bis es mir zu blöd wurde, und ich Richtung Bahnhof fuhr.
Eigentlich
wollte ich die Granetalsperre sehen. So kann's kommen, ohne Plan. Ich bin ein
tolles Navigationsgenie, gelle? :-D
Egal - ich fuhr also erstmal raus aus dem Stadtgebiet, nach
Handorf, und dann Jerstedt, weil ich nun nach Langelsheim an die
Innerste-Talsperre wollte. Ist auch Harz, ist auch ein Ziel.
In Langelsheim
selber war Baustelle, der freundliche Aral-Tankwart (wo ich mich auf der
Toilette von meiner warmen Unnerbüx und dem Fleecekragen trennte, war jetzt doch
zu warm geworden, also ab damit in den Rucksack) verwies mich auf einen
"besseren Weg".
Er war ja selber auch mal Motorrad gefahren, hatte eine alte
BMW gehabt ... und war ... erzählerzählerzähl ...
Ha - irgendwie sind recht viele Menschen "in ihrer
Jugend" mal Moppedisten gewesen ;-)
Der "bessere Weg" war dann ein Stück
Umgehungsstraße, was ich überhaupt nicht toll fand. Da waren totale Raser
unterwegs. Igitt ... mit gut 200 Sachen schoß da ein PKW an mir vorbei, und ich
schwankte im Luftzug. War froh, als ich da wieder runter war.
An der Innersten selber war unglaublich viel Betrieb. Das
Gute am Motorrad ist aber, dass man bis vor die Tür fahren kann sozusagen ;-).
Ich stellte mich direkt vor den Aufgang der Staumauer. Ausplünnen aus der
Jacke, über den Lenker damit, fertig.
Verstohlen oder auch herausfordernd neugierig angestarrt von den dortigen Motorradherren. Mir egal - ich seh klasse aus in den Sachen. Schlank, und kompetent! Ich reckte meine Stupsnase noch ein wenig höher und blickte dann recht arrogant stur geradeaus Richtung Staumauer.
Fotoapparat aus dem Tankrucksack raus, und ein wenig den Damm abwandern. Ich schaffte dabei sogar einen lockeren Hüftschwung, was mit den Hüftprotektoren nicht so leicht ist.
Na, wer sagt's denn!
Die Innerste mit dem markanten Stöpsel
Blick zur anderen Seite rüber; dort ist ein Ausflugslokal und "das Tor in den Harz"; für andere, nicht für mich und Ellie
Eine
Bank lud zum Abkühlen ein. Ein Pärchen mit drei Hunden gesellte sich zu mir.
Andere Motorradfahrer wanderten vorbei, ein Eis auf der Faust, grüßten mich freundlich ... Eine tolle
Stimmung war das da oben. Strahlendes Wetter ...
Heike mal wieder im Harz - mhm jawoll :-)
Drei Gomera-Hunde; also, aus Gomera gerettet, wie mir die Besitzerin erklärte
Als ich wieder los wollte, quatschte mich ein Moppedfahrer
an, der da am Aufgang zur Staumauer, vor den Zweirad-Schätzen rumstand. Woher,
wohin, wie alt ist denn die schöne rote ER5 etc.
Mir war noch nach Kaffee, ich wollte zurück nach Vienenburg.
Da der Typ aus Salzgitter war, und den Weg kannte (und zwar den Weg unten rum, ohne die Scheißumgehungsstraße!), auch allein unterwegs war,
fuhren wir also gemeinsam weiter.
Er hatte eine ältere Suzi 650 oder so. Hatte 25 Jahre
pausiert mit dem Motorradfahren. Auf dem Weg zurück gab er schon ordentlich
Gummi, schaute sich aber auch um, ob ich nachkomme.
Rücksichtsvoll - trotzdem
... ich setzte mich selber wieder sehr unter Druck, hinterher kommen zu wollen. Kam in
den Kurven nicht gut rum, war unsicher und nervös. Mit jemandem Unbekanntes mitkommen ist
nicht so meine Welt. Ich bin noch nicht Gruppenfahrtenreif, denke ich mal ...
In Wöltingerode war grad Rückreiseverkehr der Touris, die
"Wöltingerode unter Dampf" besucht hatten. Ein Riesenevent, lauter
alte Trecker und Dampfgeräte, ein Wochenende Party auf dem Klostergelände. Das
Staufahren war dann etwas anstrengend, aber da "Schrittgeschwindigkeit
Stopp and Go" in der Fahrschule ja eine Königsdisziplin von mir war, ging
das gut. Nur die Kupplungshand tat mir dann ein wenig weh.
In Vienenburg an der Eisdiele erkannte mein Tourpartner dann
vier Leute aus Langelsheim, die er kurz zuvor an der Okertalsperre getroffen
hatte. Und das eine Pärchen (Trike-Liebhaber und -Fahrer) kam mir auch so
bekannt vor. Später stellte sich heraus: sie waren auf der großen Demo in
Salzgitter mitgefahren. Und da der Fahrer ein markantes Lächeln hatte, erinnerte ich mich auch schlagartig. Mit dem hatte ich beim Startgeld kassieren rumgealbert!
Das andere Pärchen am Tisch hatte letztes Jahr den
Führerschein gemacht. Sie fuhr eine niedliche 125-er und war zum Knutschen süß
mit ihren Schilderungen über die Fahrten.
Sie hatten ihre Motorräder etwas
abseits von der großen Masse geparkt (klar, sie war noch zu unsicher, was das Parken angeht - kam mir absolut vertraut vor!).
Vor der Eisdiele war jetzt ein großes
Faß aufgemacht, lauter fette Moppeds, und das Trike nahm auch viel Platz
weg.
Super Aussage :-)
Die kleine 125-er tuckerte wie eine Nähmaschine (sie führte sie mir mal
vor) - was für ein niedliches Maschinchen. Gegenseitiges
Telefonnummernaustauschen und der Wunsch nach einer gemeinsamen, gemischten
Tour. Trike, 125-er und "die Großen" - und GANZ gemütlich, bitteschön
- das wird bestimmt lustig :-). Irgendwann einmal - vielleicht auf der Demo?
Ich erkannte dann auch noch vier Leute - Kunden von Fritz, meinem Schrauber -
wie klein die Motorradwelt sein kann!
Ich finde es schön, Leute zumindest vom
Sehen "zu kennen" :-).
Nun war es schon spät, und ich wollte gemütlich heimfahren.
Der Tourer aus Salzgitter fragte, ob ich über Schladen fahren wolle, er würde
dann noch mitkommen. Aber mir war nicht nach Zweisamkeit, ich wollte cruisen.
Mit Ellie gemütlich sein.
So verabschiedeten wir uns. Er war wohl ein wenig traurig, aber
da ich ja nun nicht für das Wohl anderer verantwortlich bin, wird er damit
schon leben :-).
Fazit: Heute waren viele Motorradfahrer unterwegs, und sehr
viele grüßten, wenige drängelten, so drei bis vier Blechlinge bedankten sich
mit Winken, wenn ich sie vorbeiwinkte - Wetter traumhaft, Begegnungen ebenfalls
durch die Bank durch freundlich und aufbauend - alles in allem ein perfekter
Sonntag.
5 Wochen reine Fahrzeit, und Ellie hat jetzt 13.100 km auf
der Uhr. Heißt, ich habe in 5 Wochen 4000 km gemacht.
Großen Dank an Fritz, dass er Ellie wieder fit gekriegt hat.
Diese Ausfahrten machen nachhaltiger glücklich, als es Pillen jemals tun
könnten.
Das abschließende Ellie-Putzen war schon ein liebgewordenes
Ritual, und die kleine Walking-Runde, die ich dann noch zum Muskeln-entspannen
hinterher schob, ließ mich restlos glücklich auf der Couch abchillen!
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