So bekloppt muss man mal sein ;-). Seiner Maschine einen Namen geben, und
diesen dann als Namenskettchen am Handgelenk tragen ... aber so ist das
eben bei mir!
Beste Grüße - eure Mopped-Heike und "Ellie"
Moppeds (Kosename für „Motorrad“) waren mir in der Vergangenheit als Fahrzeuge "unkomfortabel, laut und kibbelig" begegnet. Auch eigene Erfahrungen als Sozia waren nicht so der Hit gewesen. Man sieht zuwenig, sitzt mehr oder weniger verkrampft hinten drauf, und je nach Fahrer (bauchig, sehr bauchig oder XXXXL) ist das Festhalten (Umschlingen) mit den Armen auch nicht klasse oder sicherheitsvermittelnd.
Dann
diese Kurven - GRUSELFAKTOR. Entweder, man zuckt schon vorher zusammen und
verkrampft sich (man sieht ja nix!), oder man zuckt IN der Kurve ...
Schweißgebadet mußte ich mir dann vom Fahrer anhören, wieviel zu früh gezuckt
wurde oder zu steif in der Kurve "mitgemacht" ...
Nä -
danke.
Aber
irgendwie ließ mich das nie aus den Fingern. Mein bester Kumpel -
jahrzehntelange Erfahrung als Moppedist - beschönigte die negativen Seiten
nicht. Zählte mir aber auch die schönen Möglichkeiten auf.
Irgendwann
war ich "schleichend" infiziert. Wenn ich mit dem Fahrrad durchs Land
schlich, zog sich mein Magen zusammen, wenn ich ein Mopped hörte.
ICH
WILL AUCH ... irgendwie setzte sich dieser Satz in meinem Hirn fest.
Okay -
ich hatte schon eine Menge schwachsinniger Pläne gehabt, und durchgezogen. Aber
Mopped fahren lernen ?
Da ich
nicht in Besitz der Fahrerlaubnis Klasse A war (mein Bruder durfte den
zusätzlich machen, ich durfte damals nicht, als es um PKW-Erlaubnis ging ...
blöde Sache, wäre VIEL günstiger geworden ... aber ich, als Mädchen ... und
dann noch der 60'er Jahrgang ... Eltern sagten „NIX DA“ ...), war es auch nicht
so einfach, Mopped jetzt legal auf Probe fahren zu dürfen.
Ich
hatte auch nur geringe Zweiraderfahrungen (Mofa, in der Sandkuhle, kann man
nicht wirklich zählen) - alles in allem war mein Wissen also absolut blank, was
diese Sache anging!
Trotzdem
- ich wollte irgendwie. Wußte aber nicht, wie.
Dann
kam der Besuch bei meiner Freundin. Ihr Lebensgefährte hatte u.a. einen Roller
da stehen. Kein kleines Scheisserle, nein, mit dem Teil konnte man auch schon
locker 120 km/h fahren. Auch dazu hätte ich legalerweise eine Fahrerlaubnis
gebraucht. Ausprobieren wollte ich jetzt aber mal, ob mir das Fahren liegt. So
tuckerte ich also - in T-Shirt, kurzer Hose, Sandalen - auf den Feldwegen
hinterm Haus hin und her. Lief bestens. Bis es zum Umdrehen ging.
Den
Gasgriff zum Festhalten zu nutzen – das war wirklich eine Scheißidee. Der
Roller kippte um. Nur ins Gras, aber das war schon EIN Hinweis. Diese kleinen
Räder, der miese Schwerpunkt ...
Nun
gut, ich also wieder drauf, und zurück zum Haus gefahren.
Und
dann passierte das gleiche Zenober auf der Asphaltstraße. Diesmal ging es aber
nicht gut aus. Split, eine zu enge Kurve, ein Schlagloch, eine verschreckte
Heike am Gasgriff ... und das Teil zerrte mich über den Asphalt. Bei 15 km/h.
Resultat: Schotterflechte, aber sowas von komplett rechtsseitig: Fuß,
Schienbein, Unterarm, Hand ... Schürfwunden, die ECHT verdammt weh taten ...
und ein ziemlich übel zugerichtetes Knie (Hämatom, was drei Wochen anhielt, und
Steinchen in der Haut).
Ich saß
dann zwei Stunden Gemüsegekühlt (Coldpack aus gefrorenem Mischgemüse) im Garten
und fluchte über meine Dummheit. Ohne Schutzkleidung, wie bescheuert muß man
sein !!!
Es half alles nichts - wenn ich fahren wollte, brauchte ich: eine Ausbildung!
Klamotten hatte ich ja schon im Vorfeld gekauft - als ich noch Sozia gewesen war.
Helm:
sehr sehr wichtig, daran NIEMALS sparen. Laßt euch Zeit beim Anpassen und sucht
euch einen GUTEN Verkäufer. Am besten einen, der selber fährt. Beste
Erfahrungen habe ich mit Sven von POLO Braunschweig gemacht!
Hose,
Jacke, Nierengurt, Stiefel, Handschuhe ... alles vorhanden. Ich hatte mich für
die Textilvarianten entschieden, und für vernünftige Protektoren. Vor allem im
Kniebereich (ha ha ... hätte ich die mal angehabt, beim Rollerprobefahren ...).
Klamotten hatte ich dank Frühlings-Angeboten gekauft, ebenso den Helm -
trotzdem ... das ist nicht billig.
Helm
199,- anstatt 489,-
Hose
169,- (wichtig - Netzinnenfutter, mit dem glatten Innenfutter schwitzt ihr euch
einen ab, das klebt wie ‘ne Plastiktüte - kauft das bloß nicht!!!!! mit
Hitzestau ist nicht zu spaßen - ich hatte schon zweimal einen, das ist übelst
für die Gesundheit! und gibt Zwangspause beim Moppedfahren .. heul ...).
Jacke
59,- anstatt 99,-
Protektoren
so um die 50-80,- je nachdem, an welcher Stelle. Aber kauft keinen Schrott, für
den Rücken sollten es schon mehr wie 10,- Protektoren sein !!!
Handschuhe
ca. 50,- (belüftetes Leder, damit kann eure Haut gut atmen, und ihr habt guten
„Gripp“).
Halstuch
(Schlauchtuch, immer eins zum Wechseln dabeihaben!) 5-7,-
Moppedkniestrümpfe
(die Teile von Vanucci sind genial, 16,-)
Stiefel
- meine haben 99,- gekostet. Da müßt ihr ausprobieren, ob Stiefel oder
Halbstiefel. Turnschuhe sind ungeeignet. Wer einmal sein Mopped auf den Fuß
bekommen hat, wird das nachfühlen können!
Nierengurt ab 10,- (nicht
nur für die Wärme, sondern auch und vor allem zum Schutz der inneren Organe!)
Nach
drei Wochen war mein zerbeultes Knie soweit wieder hergestellt, dass ich
losging, mir eine Fahrschule zu suchen. Der erste Fahrlehrer beriet mich recht
ordentlich, aber als er zum Punkt "A begrenzt" kam (gedrosselte Maschine; auf 34 PS), ging
bei mir die Klappe runter. Ich wollte dat nicht. Seine Hinweise klangen zwar
vernünftig, aber nee, wenn Heike was nicht einsieht ...
Außerdem
fand ich die Bemerkung nicht so toll, dass er und Kollegen von ihm sich auf dem
Übungsplatz über die Fahranfänger beömmeln, weil sich manche ECHT dämlich
anstellten ... mag ja alles sein, aber die sollen ihre Belustigung bitteschön
für sich behalten!
Dann
war ich einige Tage später bei POLO, und wie es sich ergab, bekam ich da eine
Adresse von einer Fahrschule, wo der Fahrlehrer selber Mopped fährt, und laut
Aussage "auch häufiger ältere Fahranfänger" hat.
Also
fuhr ich da mal vorbei.
Ambiente
stimmte, nette Vorzimmerberatung, und lustig war es auch. Lustig ist GUT. Das
nehme ich!
Also
gab ich mir einen Ruck, und meldete mich an. Das war am 3.5.2012. Ich hätte
gleich bei der Theorie bleiben können, aber abends war ja Chorprobe und
außerdem ... nee, lieber erst nächste Woche. Ich mußte mich mit meiner Aktion erstmal vertraut machen. Ein Phänomen, was mir in der Ausbildung noch oft so begegnete ;-) ...
Und den
Montag darauf ging‘s dann richtig los. Theorie hat mir sofort echt viel Spaß
gemacht. Lustige und offene Leute, freundliche Atmosphäre, und die Chemie mit
dem "Master" stimmte auch.
Besonders un-witzig, wenn der Master Unfälle am PC kreierte - mir wurde regelmäßig übel von dieser Art Humor *örks* - ich nehme mir so etwas immer viel zu sehr in's Kopfkino auf ...
Dann
kam die erste Praxis-Fahrstunde ... Draufsetzen auf die Fahrschul-Maschine
(Kawa ER5, tiefergelegt): paßte. Beine kamen gut an die Erde. Gas und Kupplung Handhabung
klappte auf Anhieb. Rollen lassen, Schritttempo - hurraaaaaaaaa, ich kanns! Ich
war die Königin der Landstraße! Hipp Hipp – Hurraaaaaaa! Mit 12 km/h …
Gemütlich
ging es zum ersten Übungsplatz, ein kleiner, freier Platz vor einem
Sportgelände. Der Fahrlehrer trabte dabei neben mir her. Vermittelte mir ein supergutes Gefühl, diese Aktion.
Auf dem Übungsplatz hieß es dann: Kurven üben. Im ersten Gang. "Schau mir in die Augen!" – Kommando vom Fahrlehrer. Kam mir seltsam vor. Klappte aber besser, wenn ich den Hinweis beachtet hatte! Master hatte recht … wie so häufig …
Auf dem Übungsplatz hieß es dann: Kurven üben. Im ersten Gang. "Schau mir in die Augen!" – Kommando vom Fahrlehrer. Kam mir seltsam vor. Klappte aber besser, wenn ich den Hinweis beachtet hatte! Master hatte recht … wie so häufig …
Dann
hieß es, Gas geben, in den zweiten Gang schalten. Hilfe, wo war der nochmal? Schalte
ich rauf, oder schalte ich runter? Der Platz wurde auf einmal immer kleiner. In
meinem Hirn war der auf einmal so groß wie ‘ne Briefmarke! Und die rasante
Geschwindigkeit von 25 km/h kam mir vor wie 125 km/h !!!
Spätere Beweisfotos, die der Fahrlehrer mit seinem Handy machte, zeigten mir, wie schräg ich fahren konnte: Hui, sah doch echt gut aus?!!!
Ich selber fühlte mich aber ... wie ein Pfannkuchen auf Glatteis !
Erste Runde - erste Stunde. Der Pfannkuchen auf Glatteis. Heike im Geschwindigkeitstaumel, Schrittgeschwindigkeit.
Spätere Ausfahrten gestalteten sich ähnlich. Fahrlehrer lief zuerst nebenher. Fuhr dann mit dem Roller vor mir her. Fuhr mit dem Auto vor mir her. Irgendwann fuhr er dann hinter mir.
Zweimal kippte mir das Mopped um.
Beim ersten Mal beim Anhalten an einer Kreuzung, dritte Fahrstunde außerhalb des Übungsplatzes. Ich hatte aus Unsicherheit - und weil ich zu langsam war - mein Gleichgewicht verloren. Peng, lag die Maschine da. Nix schlimmes passiert, nur verstauchtes Fingerchen, und eine Schramme mehr an den Stoßfängern der Maschine.
Aber mit meinem Mut war es dann nicht mehr weit her. Der Fahrlehrer hob mir die Maschine hoch, ich setzte mich mit weichen Knien wieder drauf ... Zitternd fuhr ich noch einige Meter weiter, aber dann ging plötzlich gar nix mehr.
Mitten auf der Landstraße fuhr ich rechts ran, machte den Motor aus und kotzte erstmal gedanklich in den Straßengraben. Nicht in echt, aber in meinem Kopf und Körper fühlte es sich so an, als hätte ich wirklich ...
Totale Krise! In dem Moment war ich soweit, dass ich aufgeben wollte.
Der Fahrlehrer brachte mich aber mit Engelsgeduld dazu, wieder aufzusteigen, und zurückzufahren zur Fahrschule.
Ich schlich dann auch mehr, als das ich fuhr. Ich hatte die Hosen gestrichen voll.
Nur durch die menschliche Ansprache und mutmachende Motivation meines Fahrlehrers buchte ich später eine weitere Fahrstunde. Einmal wollte ich es noch probieren ...
Die erneute Fahrstunde lief dann übrigens hervorragend - und meine Freude darüber motivierte mich aufs Neue. Wir hatten eine Stunde lang Grundfahrübungen gemacht - und dieses Üben verschaffte mir eine innere Sicherheit, weil ich jetzt mehr einschätzen konnte, wie sich die Maschine in der Fahrphysik verhält. Diese Sicherheit nahm ich auf die Straße mit, und diese Übungen wurden für spätere Fahrstunden die Normalität. Erst Grundübungen, dann Straßenverkehr. So brauchte ich das. Und so bekam ich das auch.
Beim
zweiten Mal kippte mir die Maschine bei der Stopp-and-Go-Übung auf dem großen
Übungsplatz (der berühmte Platz, wo sich manch Fahrlehrer über Schüler beömmelt
…). Da war dann aber der Frust (und die Wut) über meine Schwäche größer als der Mutverlust!
Es hatte aber keiner gelacht, weil grad kein anderer da war außer meinem Fahrlehrer und mir.
Es hatte aber keiner gelacht, weil grad kein anderer da war außer meinem Fahrlehrer und mir.
Ich brauchte eine große Menge Praxisstunden, bis es irgendwann KLICK machte, ich meine Angst wegen der Geschwindigkeit überwunden hatte – und ich auf der A39 tatsächlich auf 155 km/h kam. Mein Fahrlehrer konnte es kaum glauben :-)
Das Gefühl hinterher war einfach geil. Das machte süchtig. Das war das pure Erstaunen darüber, dass ich - die Schnecke - das so geschafft hatte. Herz in die Hand genommen, über die Autobahn geworfen - und hinterher gejagt. Wieder eine Angst-Fessel weniger, aus der ich mich befreit hatte!
Einbrüche in die Handhabung der Maschine gab es aber trotz der Erfolge noch genug. Allein die Koordination bei den Grundfahrübungen – was habe ich geflucht.
Anfahren, auf 50 km/h beschleunigen, mit Fuß- und Handbremse auf 30 km/h abbremsen, Kupplung ziehen, Bremse lösen und Hindernis ausweichen. Spätestens beim Anfahren hatte ich nur noch Grütze im Gehirn und konnte mich an NIX mehr erinnern. Gas war nochmal wo ???
Ich bin
meinem Fahrlehrer heute noch dankbar, dass er mich immer wieder freundlich,
geduldig und lächelnd motivierte. Hätte er nur einmal rumgeschimpft, oder auch
nur ansatzweise eine Bemerkung gemacht in der Form von „Wie kann man nur so ….
sein …“ (ich hörte von anderen Fahrschulen, wo genau DAS vorgekommen war, und
der arme Fahrschüler das heulende Elend war und deshalb auch die Prüfung nicht
schaffte) … ich hätte das Handtuch geschmissen. Denn wie gesagt – ich,
Pfannkuchen auf Glatteis … ich war ja selber meine größte Kritikerin! Und wie oft wollte ich aufgeben ... bzw. der kleine Schisser, der ich mal war ...
Der Master war der Fels in der Brandung. Hatte stets das rechte Wort, das befreiende Lachen, und die geduldige Betreuung machte die ganze Ausbildung einfach RUND. Das ich genau diese Fahrschule gefunden hatte - sehe ich ebenfalls als Fügung an!
Die Theorieprüfung schaffte ich trotz unglaublichem Lampenfieber am 21.6.2012 mit Null Fehlern. Grad mal fünf Minuten war ich drinnen gewesen. Ich hatte im Vorfeld aber auch gepaukt, als hinge mein Leben davon ab … In der Prüfung hatte ich übrigens das Gefühl gehabt, da stünden zwei Wächter neben mir, die mich gegen die Geräusche rechts und links abschirmten (ein sehr großes Handycap bei mir - ich lasse mich bei sowas viel zu schnell ablenken; das war hier GAR nicht!).
Ich am Nachmittag zuhause.
Mit Glückwunsch-Blumen von unserer Küsterin, die sich mit mir gefreut hatte!
Die Praxis war eine Sache für sich. Fahrlehrer sagte mir schon früher, ich wäre soweit, aber mein Gehirn weigerte sich, das zu akzeptieren. Dann lag aber das Datum fest. Ich hatte keine Ausreden mehr ...
Zwei
Tage Lampenfieber und Panik vor der Prüfung kamen.
Schon die Stunde vor der Prüfung fuhren Fahrlehrer und ich übrigens noch "Nervenberuhigungs-"Übungen, und ich fuhr da bereits ohne den Fahrschulgurt. Kam mir sauschutzlos vor. Wie „zum Abschuß freigegeben“.
Die signalgelbe Schutzweste trug ich da zum ersten Mal. Und trage sie seitdem bei jeder Fahrt! Meine "Kutte" ist neongelb, mit Emblem und Namensschild ;-)
Schon die Stunde vor der Prüfung fuhren Fahrlehrer und ich übrigens noch "Nervenberuhigungs-"Übungen, und ich fuhr da bereits ohne den Fahrschulgurt. Kam mir sauschutzlos vor. Wie „zum Abschuß freigegeben“.
Die signalgelbe Schutzweste trug ich da zum ersten Mal. Und trage sie seitdem bei jeder Fahrt! Meine "Kutte" ist neongelb, mit Emblem und Namensschild ;-)
Kurz vor der Prüfungsfahrt zum TÜV - Heike, fix und fertig mit den Nerven! |
Dann ging es los, erstmal von der Fahrschule zum Tüv … ich auf dem Mopped vorneweg, Fahrlehrer hinterher, mit letzten Hinweisen durch das Helm-Micro. Ich höre übrigens heute noch in meinem Kopf seine Kommentare, wenn ich die Strecke dort mal längs fahre ;-)
Ich begrüßte die Prüferin, wir fuhren vom Tüv-Gelände in Braunschweig los (Fahrlehrer hinter mir im Auto, Prüferin Beifahrer).
Mir war dann nach kurzer Zeit „alles egal“, und ich hatte den Gedanken im Kopf: "Es ist nur ‘ne Prüfung, und wenn ich‘s nicht packe, dann halt nochmal – basta". Total untypisch für mich, die ich mich sonst bei so etwas total verrückt mache ...
Mit dieser (gesendeten?) stoischen Einstellung fuhr ich also durch die Gegend, machte die Grundfahrübungen – wo mich der Fahrlehrer in meinem Eifer dann bremste (ich brauchte die Übungen nicht wie früher etliche Male wiederholen, dreimal Stopp-and-Go genügte ;-). Noch ein kurzes Stück über Land, wo ich Geistesgegenwart beweisen mußte, weil eine Abbiegung sehr spät angesagt wurde. Ein Stück Stadtautobahn (herrlich - freie Bahn und bestes Wetter, also Gas und 110 km/h geschafft). Dann fuhren wir schon wieder zurück zum TÜV. Mein Hirn war nun plötzlich wieder grützig, und ich hockte da dumpf auf dem Motorrad herum. Erst das Micro im Ohr weckte mich wieder auf. Fast hätte ich nicht kapiert, dass ich das Lenkradschloß aktivieren sollte.
Dann
reichte die Prüferin mir einen Wisch und meinte, damit könne ich dann beim
Straßenverkehrsamt in Wolfenbüttel meinen Führerschein abholen (Landkreis
Braunschweig hatte den nicht, weil ich ja in WF wohne).
Äh –
wie jetzt? Ich habe bestanden? Es war der 16.7.2012. Knapp zwei Monate nach
meiner Anmeldung in der Fahrschule.
Ich hatte bestanden !!!!!!!!!!!!!!! Unglaublich !!!!!!!!!
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Hier freut sich grad jemand - und kann es immer noch nicht fassen: BESTANDEN!
Auf der Fahrt zurück zur Fahrschule machte ich einen Fehler nach dem anderen. Mopped soff mir ab an der Ampel, ich verschaltete mich … das war dann wohl der Druck, der rausging.
Bei der
Fahrschule angekommen, konnte ich es immer noch nicht fassen, und das
befreiende Freudengeheule setzte seeehr spät ein ;-). Ich saß im Kofferraum
meines Autos, sortierte noch den Papierkram, und einige vorbeigehende Passanten
sahen mich mitleidig an. Die dachten wohl, ich wäre durchgefallen ;-).
Gleich danach fuhr ich dann mit meinem PKW zum Straßenverkehrsamt nach Wolfenbüttel, löhnte noch eine kleine Gebühr, dann ging es mit dem druckfrischen Plastikkärtchen (und diesem grauenvollen binomischen Foto vorne drauf - aaaaaaaaaah) ganz fix wieder heim, umziehen.
Eine Nachbarin brachte mich mit ihrem Auto zu meinem WerkstattFritz zurück nach Wolfenbüttel, wo meine Maschine stand. Fertig gedrosselt – ja, ich hatte mich von meiner zweiten Fahrschule doch auf A begrenzt überreden lassen. Und ich fuhr dann mit meiner eigenen Maschine, mein Führerschein gerade mal zwei Stunden alt, nach Hause. Ich hätte mir dutzende Male bald in die Büx gemacht, war schweißgebadet, und Mopped ist nicht gleich Mopped, auch wenn es das gleiche Modell ist !!! Aber ich war stolz wie Oskar – ich allein, eigenes Motorrad, und selber nach Hause gefahren !!!
Fazit: in meinem „Alter“ hat der Führerschein doch länger gedauert und ist teurer geworden als ich erwartet hatte (was aber an mir lag, nicht an der Fahrschule - die Gebühren sind überall gleich ...). Ungefähr 2.100,- Euro mitsamt den Gebühren beim TÜV und Papierkram.
Meinen PKW-Führerschein hatte ich 1985 gemacht; seitdem hatte sich, was die Theorie angeht, sehr viel verändert. Das mußte ich pauken, das war kein Problem, und das hat mir erstaunlicherweise tierischen Spaß gemacht.
Die Fahrpraxis konnte ich nicht vergleichbar einsetzen. Die Vorfahrtsregeln sind gleich geblieben, aber … einen Moppedfahrer übersieht der Autofahrer leichter. Der Moppedfahrer darf nie träumen, es könnte ihn das Leben kosten – oder zumindest viele gebrochene Knochen. Moppedfahren ist ANSTRENGEND. Der Wind zerrt an einem, das Wetter kriegt man hautnah mit. Die Klamotten sind im Hochsommer die Hölle, wenn man es mit der Schutzkleidung ernst nimmt. Hitzschlaggefahr durch Hitzestau – hatte ich schon zweimal. Es wird einem grottenübel, sauschlecht, und Kopfweh … weia … da bleibt man also besser weg vom Motorrad, wenn es deutlich über 30°C ist! Und ich bin bei 32° gefahren und hatte meine Quittung bekommen :-(
Diese Helmfrisuren sehen … ja wie sehen sie aus … entweder, man regt sich ständig drüber auf, oder sie sind einem irgendwann egal und man lacht über den Zausellook.
Ich bin
jetzt in der Phase, dass ich drüber lache. Wenn man 8 Stunden den Helm auf dem
Kopf hatte, dann sieht man halt so aus. Das ist Patina.
Beckenbodentraining ist hilfreich, trotzdem muß ich andauernd gegen den Pippi-Reiz ankämpfen. Muß an den Vibrationen der Maschine liegen. Ich weigere mich, das auf mein „Alter“ zu schieben ;-).
Für Granu-Fink fühle ich mich noch nicht bereit !!!
Aaaber … diese Vibrationen !!!
Das Gefühl, wenn man das Motorrad startet, und es blubbert unter einem los … das Gefühl, das man dieses Teil lenken darf (vom Können will ich mal noch gar nicht reden).
Das Gefühl, wenn man auf einsamen Straßen unterwegs ist (frühmorgens, da gibt’s das noch, und außerhalb der Ballungsgebiete, über Land).
Das Feeling, wenn man einfach anhält und sich ins Gras setzt, den Helm neben sich, die Maschine vor sich, wie sie tickt, wenn sie abkühlt … Easy Riderin … Meine Ellie und ich – eine Einheit. Gemeinsam unterwegs. Eigenes Tempo. Eigene Erfahrungen. Unbezahlbar, unvergleichlich … Fühlt sich riesig wunderschön und „frei“ an.
Ich habe seit dem Bestehen der Fahrprüfung in 9 1/2 Wochen reinen Fahrtagen an die 7.300 km gefahren. Kreuz und quer hier im Umland herum.
Zweimal ist sie mir gekippt. Im Stand. Einmal war ich beim Abbiegen zu langsam. Einmal war der Seitenständer zurückgeschnappt. Jedes Mal hatte ich fix Helfer an der Seite. Das ist dann doch der Frauenbonus! Knutsch euch, Jungs – tausendfach Dank für das Helfen!
Ich fürchte mich nicht mehr so doll vor Kurven, aber der Respekt vor Rollsplit auf der Straße oder gerade IN Kurven ist immer noch sehr, sehr heftig ausgeprägt. Berechtigt! Mir ging das Hinterrad beim Abbiegen schon mal zur Seite … uah, da wurde mir heftig heiß unter dem Helm …
Ich habe gelernt, dass, wenn der erste Gang drin ist, die Maschine nicht startet (ich berichte das später mal im Moppedtagebuch).
Und ich sehe einen nicht-gemoppeten Tag als verlorenen Tag an.
Ja, ich bin infiziert. Es hat mich spät, aber es HAT mich erwischt. Es war ein vorsichtiges Annähern, wegen meiner Fahrerfahrungen mit dem PKW. Da ist viel an Leichtigkeit und Unbesorgtheit verloren gegangen. Darum brauchte ich wohl auch länger für den Motorradführerschein.
Dank
meiner eigenen Maschine (die ich im übrigen sehr günstig gekauft hatte; das wir
uns „gefunden“ hatten, war wieder so eine Fügung; auch das sie in so gutem Zustand war!)
konnte ich täglich mehr er-fahren.
Ich hatte sehr viele Helfer auf dem Weg bis zum Führerschein, und keiner hat über mich und meine oftmals sehr kläglichen Versuche gelacht. Wenn, dann haben wir gemeinsam gelacht. Uns gegenseitig motiviert. Uns gegenseitig etwas gegeben – denn auch der Lehrer kann von den Schülern etwas Helfendes bekommen: Feedback.
Ich hatte sehr viele Helfer auf dem Weg bis zum Führerschein, und keiner hat über mich und meine oftmals sehr kläglichen Versuche gelacht. Wenn, dann haben wir gemeinsam gelacht. Uns gegenseitig motiviert. Uns gegenseitig etwas gegeben – denn auch der Lehrer kann von den Schülern etwas Helfendes bekommen: Feedback.
Ich bin ja grad noch am Anfang und das Feuer und die Begeisterung für das neue Hobby brennt noch sehr heftig. Ich bin so froh und dankbar, dass ich diese Saison noch mitnehmen konnte. Ich entspanne mich nach einer Tour am liebsten beim Handputzen an meiner Ellie, auch wenn die Nachbarn ständig am Lästern waren, das ich den Lack bald durch habe. Mir egal – mich entspannt das. Meine Sache. Labert ihr man, Blödköppe! Ich darf ein Motorrad fahren – und wat dürft ihr? Erlaubnis zum Rumsülzen hab ich nicht erteilt, also … „wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten“ … gelle?
Linke
Hand zum Bikergruß – und immer eine Handbreit Asphalt unter dem Reifen.
Ein Abschieds-Geschenk für die Fahrschule entsteht ... lauter Andeutungen von witzigen Situationen :-); es fehlen noch die Schokobolches, das Spielzeugauto, die Abschmink-Schwämmschänn und das Model einer kleinen toten Schnecke ... r.i.p.; die wurde aber von Mascha gemördert, nicht von mir !!! Was Mascha im übrigen sehr leid tat; Schnecke bekam später eine würdevolle Beerdigung am Straßenrand. MIT Holzkreuz UND Gänseblümchen-Kranz!
Zugegeben - wir Fahrschüler waren alle ein wenig bluna, aber glücklich! :-)
Zugegeben - wir Fahrschüler waren alle ein wenig bluna, aber glücklich! :-)
Motobiene total - ab geht's, Touren fahren (12.8.2012, direkt nach dem ersten Teil meines Sommerurlaubs wurde es dann endlich klasse - 14 Tage ununterbrochen moppetisieren - ein TRAUM !!!)
Ellie, meine Kawasaki ER5
Twister, bei einer Tourenpause. Wichtig: IMMER eine Flasche Trinkwasser
dabei haben. Für den Kreislauf, und weil der Fahrtwind 'nen trockenen
Mund macht. Auch wenn das Visier geschlossen ist!
Oktober 2012 - Tour ins Weserbergland: erste größere Tour für Ellie und mich. Hier seht ihr mich in Ockensen/Salzhemmendorf am Wasserbaum - 2 Std. Anfahrt bei genialstem Herbstwetter, und ich unglaublich stolz und glücklich über meine Leistung und die Tour.
Ich fahre mit Schutzweste; falls ihr also jemanden überholt, der so ein Logo auf dem Rücken trägt - ich grüße euch schon einmal sporadisch :-)!
Und hier mein neuestes Werk - der "Mopped-Kuchen" - 6.12.2012
Irgendwie muß ich die Winterpause ja nutzen :-)
Und so ging es weiter ... mittlerweile hat Ellie mehr als 28.000 Kilometer auf der Uhr ... und ich einiges erlebt, durchfahren und gelernt! Knapp 20.000 Kilometer seit dem 16.7.2012 ... und bald jährt sich der Führerschein zum zweiten Male :-)
Mittlerweile trage ich eine andere Weste ...
Ostern 2014 - Anfahrt zum Hänger; Rückreise aus Grieben
Irgendwie muß ich die Winterpause ja nutzen :-)
Und so ging es weiter ... mittlerweile hat Ellie mehr als 28.000 Kilometer auf der Uhr ... und ich einiges erlebt, durchfahren und gelernt! Knapp 20.000 Kilometer seit dem 16.7.2012 ... und bald jährt sich der Führerschein zum zweiten Male :-)
Mittlerweile trage ich eine andere Weste ...
Ostern 2014 - Anfahrt zum Hänger; Rückreise aus Grieben
ACM Demo Tag in Salzgitter-Lebenstedt
Korso anläßlich verunfallter Biker aus 2013
Korso anläßlich verunfallter Biker aus 2013
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Welch ein klasse geschriebener Bericht. In nur zwei Monaten zum Führerschein, ohne vorher Motorraderfahrung zu haben, das ist einfach klasse. Und über den Grano Fink hab ich so gelacht. Heike, das hast du klasse gemacht, den Führerschein und den Bericht.
AntwortenLöschenHerzliche Grüße
Svenja
Herzlichen Dank, liebe Svenja - Kommentare von Dir sind mir sehr sehr wertvoll, weil ich DEINE Blogs so liebe und Dich für DEINE Schreibweise so bewundere :-).
AntwortenLöschenHallo Heike,
AntwortenLöschenich habe gerade Deinen wunderschön geschriebenen Bericht gelesen und nachträglich mit Dir gelitten und mich sehr mit Dir gefreut. Du hast das so lebendig geschrieben, das war schon fast "Fühlkino". Wie Du weißt, hat mich der Virus auch voll erwischt und das schon seit 30 Jahren. Das ich eine 28 jährige Pause vom Moppedfahren überlebt habe scheint mir heute irgendwie irreal.
Ich freue mich auf unser nächstes Treffen und vor Allem auf eine gemeinsame Ausfahrt!
Allzeit gute Fahrt und eine sturz-, unfall- umd umfallfreie Saison mit vielen sonnigen und interessanten Ausfahrten.
Die linke Hand zum Gruß
Pete
Hei Pete ! Wow, schön, von Dir zu lesen, und herzlichen Dank für Deinen Kommi :-)! Ja, immer wenn ich die Story lese, erinnere ich mich dankbar an die Zeit zurück. Schön, wenn es anderen Freude macht, das zu lesen! Freu mich auch auf gemeinsame Touren :-)! Beste Grüße zurück!
AntwortenLöschenmoin min road captain ! les dein blog nu mit genuss ,schon erstaunlich was du schon für eine wandlung durchgemacht hast ,hab es ja uff unserer tour gemerkt ! klasse,bist uffm richtigen weg
AntwortenLöschenMoin min Dschung ;-)
AntwortenLöschenDanke ! Hat mir super gefallen mit euch zusammen. Würde ich gerne wiederholen - habe neue Ziele für euch :-)
Beste Grüße - hol' di senkrecht! - Heike
Hallo Heike,
AntwortenLöschenich habe auch grade erst meinen A (offen) gemacht und freue mich, bei dir mitzulesen. Mein Motorrad hat auch einen, nein eigentlich zwei, Namen. Du bist also nicht alleine so ...
;)
Liebe Grüße,
Kathi