18.10.
Mir war langweilig mit den alten, kleinen Hausrunden. Ich wollte neue Abenteuer.
Da der Wetterbericht für die nächsten Tage einen goldenen
Oktober versprochen hatte, trug ich vier Tage Urlaub ein – was ich im
Nachhinein als genialen Einfall verbuche – ich hatte tatsächlich vier wundervolle
Oktoberfahrtage!
Meine Freundin Nicole erzählte mir gestern, dass der Wasserbaum in Ockensen bei Salzhemmendorf ein Besuch wert sei. So ging also
meine Fahrplanung in diese Richtung. Zum Abschluß würde ich dann „zum Kaffee“
vorbeikommen.
So mein Plan.
Ich stand um 8 Uhr auf (und das im Urlaub, und das wo ich so
gerne lange schlafe – Ellie = totale
Lebensveränderung), frühstückte herzhaft und viel (auch wenn ich sonst nie frühstücke –
wieder eine Veränderung - da mußte ich mich komplett umstellen, denn mit leerem
Magen kann ich einfach nicht gut durchhalten – mir fehlt dann die wichtige
Konzentration), versorgte die Schweinies mit einer reichhaltigen Portion schlechtes-Gewissen-Futter,
und ging dann runter in die Garage, Ellie abdecken, Grundcheck machen.
Das hat schon was – eine Garage am Haus, die man mit
Hausschuhen und Joggingklamotten betreten kann ;-). Auch das Wissen, dass Ellie
nur eine Etage tiefer steht und wartet!
Ich habe es schon gut im Griff, sie
rückwärts aus der Garage zu bugsieren. Am Anfang war das ein mieses Geeier,
weil der Fußboden ein kurzes Stück abschüssig gegossen ist. Reinfahren ging ja
noch, aber rückwärts rausschieben …
Nun habe ich den Dreh aber raus, lege ein
Brett vor den Garagenabsatz, und beim Rausschieben geht es jetzt besser. Alles
eine Frage der Übung, des Trainings.
Einmal ging Ellie’s Schwerpunkt bedrohlich
nach rechts rüber, ich konnte aber ein Kippen gerade noch verhindern. Seitdem
sitze ich immer drauf, und schiebe mich mit den Füßen rückwärts. Dauert zwar
länger, sieht auch bescheuert aus, ist mir aber egal. Diese Art des Bewegens,
Handhabens, ist für mich persönlich viel sicherer. Umkippen wär sowas von
uncool!
Das Raustippeln geht dann aber nur und ausschließlich mit
den Motorradstiefeln. Mit Schlappen an den Füßen rutschte ich wie auf Glatteis
weg. Aus Erfahrung … und so weiter …
Die Frage, ob ich das Richtige angezogen hatte, ist jedes
Mal vor einer Tour wieder aktuell. Meist merkte ich das erst unterwegs, war da
jetzt aber schon abgeklärter. Was zuviel ist, wird unterwegs ausgezogen! Die
Plünnen dann also hinten an die Sozius-Tasche geschnallt. Fertig!
Unterwegs umziehen geht natürlich auch und ist oft abenteuerlich. Im Gebüsch oder Maisfeld, auch gerne
mal in einem Tankstellenklo, wobei die Dinger vielfach sehr klein geraten sind, und
einen siffigen Fußboden haben – dann lieber in freier Natur!
Und was sich da an
Murphie-Situationen ergibt – ich staune jedesmal :-D. Tagelang ist keine Sau
unterwegs, aber kaum lass ich die Hosen runter, sausen Landwirte oder Touristen
an. Alles schon erlebt. Auch irgendwie eine Form der Kontaktaufnahme, hihi!
Um halb elf saß ich endlich im Sattel, und bei der Fahrt zur
Tanke (Reifendruck kontrollieren, der blöde Vorderreifen zickt ja immer noch
und verliert peu a peu Luft – Ellie bekommt also vielleicht doch neue Schuhe in der nächsten
Saison!) fühlte ich schon, wie gut der Tag werden wird: die Luft war
erfrischend, und die Sonne einfach herrlich – nicht zu warm, nicht zu kalt.
Straße trocken! Wenig Autos. Perfekte Bedingungen also!
Ich war total hibbelig und voller Neugierde auf den Tag!
Damit ich nicht zu lange anfahren müßte, fuhr ich über
Wolfenbüttel (Hauptstraße L615), in Werlaburgdorf Richtung Salzgitter-Bad, und
dann eine Strecke über die B6. Nicht mein Liebstes, weil die sehr viel befahren
wird, und eher öde ist, was den Fahranreiz angeht. Zum Glück ist die B6 an
vielen Stellen zweispurig. Es war auch nicht soviel Verkehr, so dass ich in
aller Ruhe mein Tempo steigern konnte. 110 km/h erreichte ich schon, und ich
saß trotzdem noch locker drauf. Das dann einige Kilometer durchzuhalten, war
mal wieder eine Erfahrung …
Ellie kann auch noch schneller, das hatte ich ja
schon mal ausprobiert, aber mir wäre das zu nervig gewesen. Ich hatte keinen
behindert, fuhr brav rechts, also auch mit 100 km/h alles supi.
Bei Binder (Salzgitter/Watenstedt) reichte es mir dann aber – ich bin
wirklich lieber auf den Nebenstrecken unterwegs und benutze Bundesstraße nur,
wenn es schneller gehen soll - und ich fuhr
ab. Ein Kiesteich lud zu einer Rast ein. Ellie parkte ich am Rand, wo ein Stück
Betonstraße war. Der Teich selber hatte keinen Wanderweg, es gab nur ein Stück
aufgeweichten, schlammigen Pfad. War auch kein echter Rastplatz, trotzdem
schön! Brot ausgepackt, kleine Futterpause – immer gut! Da ich ja keine
Raucherin bin, nutze ich die Pausen halt anders ;-).
Direkt neben der B6; ein Kiesteich-Rastplatz zum pausieren
Angesiedelte Gartenblume; herrlicher Farbklecks!
Ellie parkt brav vor der Absperrkette
Danach ging es dann an Holle, Sottrum und Henneckenrode
vorbei, Richtung Nette, Upstedt (der Ort mit der 1000-jährigen Buche, da war
ich schonmal am 3.10. gefahren!) und in Richtung Bodenburg.
Weiter über
Almstedt, Segeste, Petze, Sibesse. Schön hügelig, traumhafte Fernsicht links rüber
auf die Sieben Berge (die Zwerge waren grad nicht zu sehen) und zur anderen
Seite lag der Hildesheimer Wald. Auch hier: alles schön herbstlich gefärbt.
Dann über Gronau (groß
ausgebaute Agravis-Tanke nach dem ersten Kreisel, Ladestraße, nettes Personal) und Eime, die B240 längs. In Marienhagen ging es ganz schön
hügelanwärts – ich überquerte den Thüster Berg. Rechts abgebogen auf die L462, weiter
nach Thüste, und ein Dorf weiter war Ockensen erreicht.
Der Wasserbaum liegt direkt am Ith, bzw. im Ith. Man muß
durch den ganzen kleinen Ort Ockensen hindurch, bis es so aussieht, als fahre
man gleich ins Niemandland!
Sehr schöner und naturbelassener Platz am Wasserbaum, mit vielen
Möglichkeiten, Dämme zu bauen, oder einfach dort in dem Waldstück herumzutoben.
Der Wasserbaum selber war eine Attraktion! Danke an Nicole für diesen tollen
Insidertipp. Ich freue mich schon auf die nächste Saison! Mit den Kids
herumtoben, Dämme bauen, im Wasser pantschen …
Der "Wasserbaum" in Ockensen/Salzhemmendorf
Begeistert stapfte ich da durch die Botanik, fotografierte alles und jedes, und konnte mich kaum sattsehen an den herbstlichen Farben.
Baumrelikt - zerfressen, verwittert und doch noch schön auf eigene Art und Weise!
Elektrifizierter Strahlekeks-Himmel
Blick ins Hildesheimer Ländle; oberhalb vom Wasserbaum
Teich oberhalb vom Wasserbaum; eiskaltes und klares Wasser aus dem Ith
Ellie und ich am Wasserbaum!
Und ich stolz wie Oskar, strahlekeksig-glücklich über die schöne Tour und das geniale Wetter!
Während ich später gegenüber vom Wasserbaum eine gemütliche Cappupause einlegte,
kam ein Ehepaar auf Fahrrädern angeradelt. Echte Biker also :-D.
Nachdem sie ihren Beagle aus dem Fahrradkorb gewuchtet, den
Wasserbaum inspiziert und fotografiert hatten, lud ich sie an meinen
Rastplatztisch ein. Sie machten dort in Salzhemmendorf (ein Ort hinter
Ockensen) Urlaub mit dem Wohnmobil, kamen aus dem Münsterland zur Stadtgrenze
vom Ruhrpott, hatten ihre Tochter besucht … er hatte auch mal Motorrad gefahren
(also die übliche Story – von Mopped über Auto, Eigenheim, Familie, und im
Rentenalter hin zum Wohnmobil; und Mopped in wehmütiger Erinnerung wegen der
wilden Jugendzeiten).
Wir gingen noch einige Schritte einen Rundweg hoch zum Ith
hin, den ich aber nicht weiter mitging. Meine Motorradstiefel eignen sich nicht
so wirklich zum Wandern. Sie sind bequem, ja, aber das Profil ist eben nicht
für Wandern ausgelegt, sondern für Fahren ;-).
Kurz oberhalb des zweiten Zulaufteiches für den Wasserbaum
war auch rechter Hand eine Minipfütze im Gestrüpp: die Quelle! Hatte ich vorher
bei meinem Rundgang gar nicht wahrgenommen.
Wie gut, dass ich Touris an meiner
Seite hatte, deren Handy-Reiseführer besser Auskunft gab als meine popelige
Wanderkarte!
Das Wasser war wirklich lecker, schmeckte total erfrischend.
Die beiden plus Hund gingen weiter, und ich fotografierte noch ein wenig. Als
ich wieder unten am Wasserbaum ankam, vermißte ich mein Handy! Schreck!
Tja, als ich die
Quelle fotografiert hatte, hatte ich das Handy ins Gras gelegt, um beide Hände
für die Cam freizuhaben. Da lag das Handy auch noch ganz brav. Ouhman, ich
Töffelkopf …
Die Marienkäfer waren an dem Tag erst eine Niedlichkeit, und
dann eine wahre Plage. Sie krabbelten überall herum. So trollte ich mich dann
also, in der stillen Hoffnung, dem Gekrabbel zu entgehen. Gelbe Klecke auf dem
Visier belehrten mich eines Besseren. Durch die Wärme bekamen sie wohl einen
Schub, und waren zu Tausenden unterwegs. Wohin auch immer … Betriebsausflug der
Krabbelkäfer ;-)!
Helmbesetzer!
Naja, es wurde erträglicher mit den Käfern, als ich dann am Kanstein
vorbeifuhr (sehr interessanter Seitenweg, den ich mal wieder neugierig durch
Zufall gefunden hatte; voller Schlaglöcher und mäßig geflickt, aber die
Aussicht auf den Ith linksseitig und wie gesagt, den Kantstein und den Thüster
Berg rechts, war mal wieder grandios!). Nächste Pause also! Gegend staunen, fotografieren, sich des Lebens und der großen Tour freuen!
Blick auf Salzhemmendorf; interessanter Seitenweg - fernab von der geteerten Route!
Blick zum Ith; mit herbstlichem Farbkleid
Blick über den Thüster Berg
Bei Hemmendorf - ich bin querfeldein gefahren, und das sogar legal, kein Verbotschild! - entdeckte ich eine kleine „Arche Noah“, ein
Hof mit Eseln, Shettlandpony, Lamas und größeren Ponys.
Die Tierbande vom "Schäferhof" - Hemmendorf
Und wieder eine Pause. Anhalten, Fotos machen,
„ihr seid sooo niedlich“-Ansabbelei – der dort arbeitende Bauer guckte erstaunt
herüber - sah bestimmt lustig aus, denn ich hatte für die Aktion den Helm nicht wieder abgenommen - und dann ging es endlich weiter, zum geplanten Zielort.
Mit mehrstündiger Verspätung trudelte ich bei meiner
Freundin ein. War aber nicht schlimm. Wir lachten und erzählten, ich noch
randvoll mit meinen Erlebnissen, und genossen die Zeit.
Gegen 17.30 Uhr fuhr
ich dann über die B1 nach Hause.
Sonne hatte ich jetzt im Rücken. Somit fuhr ich mit
doppelter Aufmerksamkeit. Mich blendete die Sonne nur im Rückspiegel, aber die
anderen … Die entgegenkommenden Autofahrer hatten alle die Sonnenblenden
runter, fuhren auch mit zusammengekniffenen Augen durch die Gegend –
Alarmsignal – Aufmerksamkeit erhöhen kann in dieser Situation lebenswichtig
sein (Gruß an die Fahrschule; ja, ich habe diese Warnung nicht vergessen!!!) …
haben sich aber alle brav verhalten.
Die entgegenkommenden Motorradfahrer
hatten es schwerer. Sonnenbrille oder Sonnenblende am Visier, trotzdem ist
diese tiefstehende Sonne ein gefährlicher Faktor. Wir werden schneller
übersehen, wegen unserer schmalen Silhouette.
Weil ich, in Braunschweig angekommen, schon recht müde war,
fuhr ich lieber durch die Stadt heim. Gute Entscheidung, war genau richtig.
Sonne blendete nicht mehr, Hauptverkehr war auch schon durch, an den Ampeln
bekam ich kleine Verschnaufpausen – ich kam gegen 19 Uhr zuhause an. Es war schon dunkel geworden,
aber ich wußte ja, wo es längs geht ;-).
Dunkelfahrten mag ich immer noch nicht
so, aber ich habe auch keine Angst mehr. Wieder eine Veränderung!
Die Route; auch hier wieder: wenn ihr auf das Bild klickt, wird es deutlicher, wo Ellie und ich herumgetuckert sind!
Fazit: wenn ich erstmal mit dem Motorrad unterwegs bin, kann
ich keine genauen Zeitzusagen machen! Wenn ich zum Kaffee kommen will, kann es
gut sein, dass sich der Zeitrahmen um zwei Stunden verschiebt. Das ist eben so!
Marienkäfermatsch auf dem Visier geht nur mit langem
Einweichen ab – nasses Küchentuch aufs Helmvisier legen, und eine Stunde
warten. Dann am besten noch vorsichtig mit einem Brillenputztuch hinterher
wischen, weil diese Schmiere des Chitinpanzers hartnäckig ist. Und ich dachte,
diese Marienkäferschwärme gibt es nur an der Ostsee. Wieder was dazugelernt
;-).

So sieht es aus! Wenn ich fahre, kommt immer eine Vermisstenanzeige auf`s Handy
AntwortenLöschen@Susanne - Ja, wenn wir erst einmal unterwegs sind, können wir zwar ab und an "Hallo, ich lebe noch" schreiben, aber aufhalten tut uns keiner, gelle? :-)
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