Ellie und ich

Ellie und ich

Dienstag, 18. Dezember 2012

18. Oktober 2012 - Wasserbaum Ockensen, Hemmendorf und ein wenig mehr Weserbergland-Feeling



18.10.

Mir war langweilig mit den alten, kleinen Hausrunden. Ich wollte neue Abenteuer.
Da der Wetterbericht für die nächsten Tage einen goldenen Oktober versprochen hatte, trug ich vier Tage Urlaub ein – was ich im Nachhinein als genialen Einfall verbuche – ich hatte tatsächlich vier wundervolle Oktoberfahrtage!

Meine Freundin Nicole erzählte mir gestern, dass der Wasserbaum in Ockensen bei Salzhemmendorf ein Besuch wert sei. So ging also meine Fahrplanung in diese Richtung. Zum Abschluß würde ich dann „zum Kaffee“ vorbeikommen. 
So mein Plan.
Ich stand um 8 Uhr auf (und das im Urlaub, und das wo ich so gerne lange schlafe – Ellie =  totale Lebensveränderung), frühstückte herzhaft und viel (auch wenn ich sonst nie frühstücke – wieder eine Veränderung - da mußte ich mich komplett umstellen, denn mit leerem Magen kann ich einfach nicht gut durchhalten – mir fehlt dann die wichtige Konzentration), versorgte die Schweinies mit einer reichhaltigen Portion schlechtes-Gewissen-Futter, und ging dann runter in die Garage, Ellie abdecken, Grundcheck machen.

Das hat schon was – eine Garage am Haus, die man mit Hausschuhen und Joggingklamotten betreten kann ;-). Auch das Wissen, dass Ellie nur eine Etage tiefer steht und wartet! 

Ich habe es schon gut im Griff, sie rückwärts aus der Garage zu bugsieren. Am Anfang war das ein mieses Geeier, weil der Fußboden ein kurzes Stück abschüssig gegossen ist. Reinfahren ging ja noch, aber rückwärts rausschieben … 
Nun habe ich den Dreh aber raus, lege ein Brett vor den Garagenabsatz, und beim Rausschieben geht es jetzt besser. Alles eine Frage der Übung, des Trainings. 

Einmal ging Ellie’s Schwerpunkt bedrohlich nach rechts rüber, ich konnte aber ein Kippen gerade noch verhindern. Seitdem sitze ich immer drauf, und schiebe mich mit den Füßen rückwärts. Dauert zwar länger, sieht auch bescheuert aus, ist mir aber egal. Diese Art des Bewegens, Handhabens, ist für mich persönlich viel sicherer. Umkippen wär sowas von uncool!

Das Raustippeln geht dann aber nur und ausschließlich mit den Motorradstiefeln. Mit Schlappen an den Füßen rutschte ich wie auf Glatteis weg. Aus Erfahrung … und so weiter …

Die Frage, ob ich das Richtige angezogen hatte, ist jedes Mal vor einer Tour wieder aktuell. Meist merkte ich das erst unterwegs, war da jetzt aber schon abgeklärter. Was zuviel ist, wird unterwegs ausgezogen! Die Plünnen dann also hinten an die Sozius-Tasche geschnallt. Fertig! 

Unterwegs umziehen geht natürlich auch und ist oft abenteuerlich. Im Gebüsch oder Maisfeld, auch gerne mal in einem Tankstellenklo, wobei die Dinger vielfach sehr klein geraten sind, und einen siffigen Fußboden haben – dann lieber in freier Natur! 
Und was sich da an Murphie-Situationen ergibt – ich staune jedesmal :-D. Tagelang ist keine Sau unterwegs, aber kaum lass ich die Hosen runter, sausen Landwirte oder Touristen an. Alles schon erlebt. Auch irgendwie eine Form der Kontaktaufnahme, hihi!

Um halb elf saß ich endlich im Sattel, und bei der Fahrt zur Tanke (Reifendruck kontrollieren, der blöde Vorderreifen zickt ja immer noch und verliert peu a peu Luft – Ellie bekommt also vielleicht doch neue Schuhe in der nächsten Saison!) fühlte ich schon, wie gut der Tag werden wird: die Luft war erfrischend, und die Sonne einfach herrlich – nicht zu warm, nicht zu kalt. Straße trocken! Wenig Autos. Perfekte Bedingungen also! 

Ich war total hibbelig und voller Neugierde auf den Tag!

Damit ich nicht zu lange anfahren müßte, fuhr ich über Wolfenbüttel (Hauptstraße L615), in Werlaburgdorf Richtung Salzgitter-Bad, und dann eine Strecke über die B6. Nicht mein Liebstes, weil die sehr viel befahren wird, und eher öde ist, was den Fahranreiz angeht. Zum Glück ist die B6 an vielen Stellen zweispurig. Es war auch nicht soviel Verkehr, so dass ich in aller Ruhe mein Tempo steigern konnte. 110 km/h erreichte ich schon, und ich saß trotzdem noch locker drauf. Das dann einige Kilometer durchzuhalten, war mal wieder eine Erfahrung … 

Ellie kann auch noch schneller, das hatte ich ja schon mal ausprobiert, aber mir wäre das zu nervig gewesen. Ich hatte keinen behindert, fuhr brav rechts, also auch mit 100 km/h alles supi.

Bei Binder (Salzgitter/Watenstedt) reichte es mir dann aber – ich bin wirklich lieber auf den Nebenstrecken unterwegs und benutze Bundesstraße nur, wenn es schneller gehen soll -  und ich fuhr ab. Ein Kiesteich lud zu einer Rast ein. Ellie parkte ich am Rand, wo ein Stück Betonstraße war. Der Teich selber hatte keinen Wanderweg, es gab nur ein Stück aufgeweichten, schlammigen Pfad. War auch kein echter Rastplatz, trotzdem schön! Brot ausgepackt, kleine Futterpause – immer gut! Da ich ja keine Raucherin bin, nutze ich die Pausen halt anders ;-).

 Direkt neben der B6; ein Kiesteich-Rastplatz zum pausieren


Angesiedelte Gartenblume; herrlicher Farbklecks!



 Ellie parkt brav vor der Absperrkette

Danach ging es dann an Holle, Sottrum und Henneckenrode vorbei, Richtung Nette, Upstedt (der Ort mit der 1000-jährigen Buche, da war ich schonmal am 3.10. gefahren!) und in Richtung Bodenburg. 
Weiter über Almstedt, Segeste, Petze, Sibesse. Schön hügelig, traumhafte Fernsicht links rüber auf die Sieben Berge (die Zwerge waren grad nicht zu sehen) und zur anderen Seite lag der Hildesheimer Wald. Auch hier: alles schön herbstlich gefärbt.

Dann über Gronau (groß ausgebaute Agravis-Tanke nach dem ersten Kreisel, Ladestraße, nettes Personal) und Eime, die B240 längs. In Marienhagen ging es ganz schön hügelanwärts – ich überquerte den Thüster Berg. Rechts abgebogen auf die L462, weiter nach Thüste, und ein Dorf weiter war Ockensen erreicht.

Der Wasserbaum liegt direkt am Ith, bzw. im Ith. Man muß durch den ganzen kleinen Ort Ockensen hindurch, bis es so aussieht, als fahre man gleich ins Niemandland! 

Sehr schöner und naturbelassener Platz am Wasserbaum, mit vielen Möglichkeiten, Dämme zu bauen, oder einfach dort in dem Waldstück herumzutoben. Der Wasserbaum selber war eine Attraktion! Danke an Nicole für diesen tollen Insidertipp. Ich freue mich schon auf die nächste Saison! Mit den Kids herumtoben, Dämme bauen, im Wasser pantschen …



Der "Wasserbaum" in Ockensen/Salzhemmendorf





Begeistert stapfte ich da durch die Botanik, fotografierte alles und jedes, und konnte mich kaum sattsehen an den herbstlichen Farben.

Baumrelikt - zerfressen, verwittert und doch noch schön auf eigene Art und Weise!


Elektrifizierter Strahlekeks-Himmel


 Blick ins Hildesheimer Ländle; oberhalb vom Wasserbaum

Teich oberhalb vom Wasserbaum; eiskaltes und klares Wasser aus dem Ith



Ellie und ich am Wasserbaum!
Und ich stolz wie Oskar, strahlekeksig-glücklich über die schöne Tour und das geniale Wetter!


Während ich später gegenüber vom Wasserbaum eine gemütliche Cappupause einlegte, kam ein Ehepaar auf Fahrrädern angeradelt. Echte Biker also :-D.

Nachdem sie ihren Beagle aus dem Fahrradkorb gewuchtet, den Wasserbaum inspiziert und fotografiert hatten, lud ich sie an meinen Rastplatztisch ein. Sie machten dort in Salzhemmendorf (ein Ort hinter Ockensen) Urlaub mit dem Wohnmobil, kamen aus dem Münsterland zur Stadtgrenze vom Ruhrpott, hatten ihre Tochter besucht … er hatte auch mal Motorrad gefahren (also die übliche Story – von Mopped über Auto, Eigenheim, Familie, und im Rentenalter hin zum Wohnmobil; und Mopped in wehmütiger Erinnerung wegen der wilden Jugendzeiten).

Wir gingen noch einige Schritte einen Rundweg hoch zum Ith hin, den ich aber nicht weiter mitging. Meine Motorradstiefel eignen sich nicht so wirklich zum Wandern. Sie sind bequem, ja, aber das Profil ist eben nicht für Wandern ausgelegt, sondern für Fahren ;-).

Kurz oberhalb des zweiten Zulaufteiches für den Wasserbaum war auch rechter Hand eine Minipfütze im Gestrüpp: die Quelle! Hatte ich vorher bei meinem Rundgang gar nicht wahrgenommen. 

Wie gut, dass ich Touris an meiner Seite hatte, deren Handy-Reiseführer besser Auskunft gab als meine popelige Wanderkarte!

Das Wasser war wirklich lecker, schmeckte total erfrischend. Die beiden plus Hund gingen weiter, und ich fotografierte noch ein wenig. Als ich wieder unten am Wasserbaum ankam, vermißte ich mein Handy! Schreck!

Tja, als ich die Quelle fotografiert hatte, hatte ich das Handy ins Gras gelegt, um beide Hände für die Cam freizuhaben. Da lag das Handy auch noch ganz brav. Ouhman, ich Töffelkopf …

Die Marienkäfer waren an dem Tag erst eine Niedlichkeit, und dann eine wahre Plage. Sie krabbelten überall herum. So trollte ich mich dann also, in der stillen Hoffnung, dem Gekrabbel zu entgehen. Gelbe Klecke auf dem Visier belehrten mich eines Besseren. Durch die Wärme bekamen sie wohl einen Schub, und waren zu Tausenden unterwegs. Wohin auch immer … Betriebsausflug der Krabbelkäfer ;-)!

 Helmbesetzer!


Naja, es wurde erträglicher mit den Käfern, als ich dann am Kanstein vorbeifuhr (sehr interessanter Seitenweg, den ich mal wieder neugierig durch Zufall gefunden hatte; voller Schlaglöcher und mäßig geflickt, aber die Aussicht auf den Ith linksseitig und wie gesagt, den Kantstein und den Thüster Berg rechts, war mal wieder grandios!). Nächste Pause also! Gegend staunen, fotografieren, sich des Lebens und der großen Tour freuen!


Blick auf Salzhemmendorf; interessanter Seitenweg - fernab von der geteerten Route!

 Blick zum Ith; mit herbstlichem Farbkleid

 Blick über den Thüster Berg

Bei Hemmendorf - ich bin querfeldein gefahren, und das sogar legal, kein Verbotschild! - entdeckte ich eine kleine „Arche Noah“, ein Hof mit Eseln, Shettlandpony, Lamas und größeren Ponys. 


 Die Tierbande vom "Schäferhof" - Hemmendorf


Und wieder eine Pause. Anhalten, Fotos machen, „ihr seid sooo niedlich“-Ansabbelei – der dort arbeitende Bauer guckte erstaunt herüber - sah bestimmt lustig aus, denn ich hatte für die Aktion den Helm nicht wieder abgenommen - und dann ging es endlich weiter, zum geplanten Zielort.

Mit mehrstündiger Verspätung trudelte ich bei meiner Freundin ein. War aber nicht schlimm. Wir lachten und erzählten, ich noch randvoll mit meinen Erlebnissen, und genossen die Zeit. 

Gegen 17.30 Uhr fuhr ich dann über die B1 nach Hause.
Sonne hatte ich jetzt im Rücken. Somit fuhr ich mit doppelter Aufmerksamkeit. Mich blendete die Sonne nur im Rückspiegel, aber die anderen … Die entgegenkommenden Autofahrer hatten alle die Sonnenblenden runter, fuhren auch mit zusammengekniffenen Augen durch die Gegend – Alarmsignal – Aufmerksamkeit erhöhen kann in dieser Situation lebenswichtig sein (Gruß an die Fahrschule; ja, ich habe diese Warnung nicht vergessen!!!) … haben sich aber alle brav verhalten. 
Die entgegenkommenden Motorradfahrer hatten es schwerer. Sonnenbrille oder Sonnenblende am Visier, trotzdem ist diese tiefstehende Sonne ein gefährlicher Faktor. Wir werden schneller übersehen, wegen unserer schmalen Silhouette.

Weil ich, in Braunschweig angekommen, schon recht müde war, fuhr ich lieber durch die Stadt heim. Gute Entscheidung, war genau richtig. Sonne blendete nicht mehr, Hauptverkehr war auch schon durch, an den Ampeln bekam ich kleine Verschnaufpausen – ich kam gegen 19 Uhr zuhause an. Es war schon dunkel geworden, aber ich wußte ja, wo es längs geht ;-). 

Dunkelfahrten mag ich immer noch nicht so, aber ich habe auch keine Angst mehr. Wieder eine Veränderung!

 Die Route; auch hier wieder: wenn ihr auf das Bild klickt, wird es deutlicher, wo Ellie und ich herumgetuckert sind!


Fazit: wenn ich erstmal mit dem Motorrad unterwegs bin, kann ich keine genauen Zeitzusagen machen! Wenn ich zum Kaffee kommen will, kann es gut sein, dass sich der Zeitrahmen um zwei Stunden verschiebt. Das ist eben so!

Marienkäfermatsch auf dem Visier geht nur mit langem Einweichen ab – nasses Küchentuch aufs Helmvisier legen, und eine Stunde warten. Dann am besten noch vorsichtig mit einem Brillenputztuch hinterher wischen, weil diese Schmiere des Chitinpanzers hartnäckig ist. Und ich dachte, diese Marienkäferschwärme gibt es nur an der Ostsee. Wieder was dazugelernt ;-).

2 Kommentare:

  1. So sieht es aus! Wenn ich fahre, kommt immer eine Vermisstenanzeige auf`s Handy

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  2. @Susanne - Ja, wenn wir erst einmal unterwegs sind, können wir zwar ab und an "Hallo, ich lebe noch" schreiben, aber aufhalten tut uns keiner, gelle? :-)

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