26.8.
Um 9 Uhr gings los. Das Wetter sollte ja laut Wetteronline erst gegen Mittag mies werden. Also rauf aufs Mopped. Erstmal tanken. Wieder mal 1,73 Euro. Erinnert ihr euch (ihr Älteren) noch an die NDW? „Gib Gas, ich will Spaß ... und kost’ der Sprit auch 2 Mark zehn, scheißegal, es wird schon gehn, ich geb Gas ...“
Nun sind wir weit weit über zwei Mark zehn ...
Na wie auch immer – ich fuhr also los, Richtung Reitlingstal. Der Wind war echt ätzend. Kalt. Gefühlte 10°. Zuwenig Zeug an? Hm, umdrehen? Dazu war ich schon zu weit. Also los, wird schon gehen.
Reitlingstal war kühl, sehr kühl. Und die Kastanienbäume hatten durch den Sturm der letzten Nacht ihre stacheligen Handgranaten zuhauf abgeworfen. Außerdem lagen schon die ersten Fuhren Blätter auf der Straße.
Verflixt – ich will noch keinen Herbst !!! Die Saison ist noch NICHT zuende, Herrschaften !!!
Ein kurzes Stück ging es dann über die Landstraße Richtung Asse. Es klackte, es krachte – ein helles PENG – oh Schreck lass nach, was war DAS denn ???
Blinker rechts, Ellie angehalten, Motor laufen lassen (blöd, nächstes Mal stell ich den aus!). Aber da war wohl nur ein Stein oder etwas anderes gegen das Vorderrad geknallt.
Wie ich da so wirkungsvoll vorne über das Vorderrad gebeugt stand – mit dem Hintern zur Fahrrichtung – hielten auf einmal zwei Moppedfahrer, Marke Touareg, an.
Der erste Fahrer fragte ganz freundlich, ob ich Probleme hätte. Ich hatte mich erstaunt umgedreht.
Erst da konnte er ja konkret erkennen, das ich ein Mädel bin – vorher war ich ja nicht unbedingt als Frau erkennbar, sprich: die hielten aus Solidarität an, nicht wegen des „Frauenbonus’“.
Das hat mir sehr gefallen, dieses Anhalten der zwei. Das ist mir beim Autofahren so noch nie passiert!
Kurzes Gespräch und meine Auskunft: „... war wohl nur 'n Stein gewesen, der so geknallt hatte am Vorderrad, nicht der Reifen wie befürchtet“ und sie wünschten mir gute Weiterreise, und fuhren weiter, Richtung Asse.
Die beiden waren bestimmt öfter im Gelände unterwegs – Moppeds und die Fahrer verdreckt bis zum Nacken hinauf, seufz, dreckige Moppeds ... – der eine drehte sich dann sogar nochmal kurz um, wie um zu schauen, ob ich wirklich weiterfahren konnte.
War mal wieder eine Begegnung, die mich lächeln ließ.
Fühlte sich gut an - ich kam mir nicht mehr so "verloren" vor. Das Alleinfahren hat seine Vorteile, aber solche Begegnungen zeigten mir dann, dass ich doch trotz meiner Individualität nicht allein WAR.
Ich fuhr dann nicht in durch die Asse, sondern daran vorbei. Wieder links runter, Richtung Königslutter.
Niedliche Dörfer folgten, in einem war gerade ein Treckertreffen. Fünf alte Trecker wurden gemütlich von mir überholt – wat für Museums-Teile, klasse. Laut waren die, und gestunken haben sie allesamt – blaue Wolken rotzend ! Aber trotzdem eine urige Angelegenheit.
Ich fuhr durch das Reitlingstal durch, ohne Plan (ha – ich wollte einfach mal so fahren ...), irgendwie wieder Richtung Schöningen, dann weiter ins Land, grobe Richtung Osten, Oschersleben.
Ein närrischer Wegelagerer wollte mitgenommen werden ...
Wieder kleine Dörfer, und dann auf einmal Straßen, die ihren Namen nicht verdienen. Das waren Mordanschläge auf Motorradfahrer.
Eine mittige Fahrspur mit klotzigen Betonplatten, nicht mal gerade gelegt. Und dazwischen und am Rand Kopfsteinpflaster, der gröbsten Art, die sie Steine finden konnten !!!
Zur Mitte hin buckelig, zur Seite hin abfallend. Stellenweise fuhr ich nur 20 km/h und selbst DAS war noch zu schnell. Autos mit Kennzeichen HBS bretterten haarscharf an mir vorbei – schönen Dank auch, ihr Spinner mit euren fetten BMW-Geländepotenzschleudern. Die konnte ich auch als Autofahrer noch nie leiden! Feindbild Nr. 1!
Dazu kam dann der Wind, der immer mehr aufbrauste. Passend zu meinem Herzschlag. Hilfe, was war ich froh, diese Wegstrecken heil überstanden zu haben ... Ich hatte eine Stinkwut auf die Gemeinde dort im Bauch!
Ich fuhr dann mal zum Bahnhof Jerxheim. Mit Haarnadelkurven. Was für ein Erlebnis.
Immer schön „mit dem Sack“ an den Tank heften, Gewicht gut nach vorn verlagern, mit dem Arsch mitlenken (jaja, die hilfreichen und auf den Punkt genannten Tipps aus den Fahrstunden ;-).
Es lief klasse – ich war megastolz auf mich.
Ellie rutschte nicht, ich schisserte nicht – trotz der Witterung, eiskalter Hände und Aufregung – alles lief gut. Jippie!
Und immer wieder dieser Sturm, der an mir zerrte. Die Alleen waren in dem Bereich ebenfalls wirklich kein Zuckerschlecken – der Wind blies – dann kam ein Baum, Ruhe – dann wieder freier Raum, und es schob mich regelrecht nach links weg ...
Die Aussicht über das weite Land war allerdings genial.
Ich konnte das heraufziehende schlechte Wetter jetzt an mehreren Stellen beobachten. So fuhr ich also immer der Sonne nach. Die war auch bitter nötig, ich hätte mir doch das Jackeninnenfutter und die langen Kniestrümpfe anziehen sollen. Das hätte alles locker in die Hecktasche gepaßt, aber aus Unerfahrenheit ließ ich mein Wärmezeug dann zuhause liegen.
Bei späteren Touren war ich dann klüger geworden. Ich habe nun ständig eine Windbreaker-Unterhose mit langen Beinen UND ein -Unterhemd dabei. Wenn man ausgekühlt ist, fährt es sich nicht mehr gut ...
In einem Ort namens Hamersleben machte ich Pause, um mich irgendwie aufzuwärmen. Dort gab es eine Klosterkirche.
Die Wirtschaftsgebäude waren wohl seit der Wende nicht mehr angetastet – schaurig schöner Ostverfall. Die Klosterkirche ansich ... das Gras auf dem Gelände wurde von einer Herde Schafe beweidet. Das hatte einen ganz eigenen Charme – Schafsköttel auf der Türschwelle zum „heiligen Boden“. Die katholische Klosterkirche war relativ spartanisch eingerichtet, für ein katholisches Haus. Ein Rentnerehepaar und ich waren die einzigen Besucher. Immerhin war die Kirche offen – auch nicht selbstverständlich.
Sehr düsteres Wetter - was sich auf dem Foto zeigt (und meine Stimmung war auch nicht gerade touristisch frohgemut)
Der Klostergarten, durch den ich gestapft bin, um in die Klosterkirche zu kommen
Dann ging es wieder Richtung Heimat. Unterhalb Schöningen bis Jerxheim längs.
Und bei Wackersleben – oder Ohrsleben? – wurde die Straße nochmal so richtig höllenmäßig schlimm – schlimmer noch als auf der Hinstrecke. Das muß ein Panzerstreifen gewesen sein. Was auch immer – ich wäre am liebsten abgestiegen und hätte Ellie die ganzen 3 km geschoben.
Diesen Bereich werde ich in Zukunft meiden. Scheiß auf die ganzen historischen Bauwerke dort.
Diese Orte habe ich auf meiner Karte mit einer Schlangenlinie und einem Totenkopf markiert – denn das haben sie verdient. Ich würde am liebsten die Sesselpuper aus dem Gebiet da auf eine ungefederte 250-er setzen, und sie mit 60 km/h durch das Gelände peitschen! Aber da kann das arme Bike ja nix für ... stimmt auch wieder ...
Interessanterweise hatte ich trotzdem irgendwann den Dreh raus, bei Sturm, Seitenwind und holperigen Straßen einigermaßen ruhig und mit perfektem Popometer zu fahren. Ein wenig Landschaft-Guck war auch mal möglich.
Ich fuhr nun leider direkt ins schlechte Wetter zurück, was sich hartnäckig an der Asse festgehalten hatte ... eine Husche erwischte mich ungefähr 10 km von Zuhause weg.
Kaum war ich zuhause auf dem Hof, kam die Sonne durch. Tröstlich.
Schnell Klamotten ausgezogen, und raus, Ellie vom Schotterdreck säubern, und vor allem nachschauen, ob irgendwo was locker gerappelt war ...
Ich konnte nichts feststellen. Dann bockte ich sie noch auf den Hauptständer, die Kette bekam ihr Fett ab, und eine grobe Reinigung von außen noch dazu – fertig.
Abgedeckt, und dann ging’s rein, endlich was essen.
Fazit: 6 Stunden Ausflug, diesmal nur 3 kleinere Pausen. Heute war Fahren angesagt. Ich hätte umdrehen sollen, und mir was wärmes drunterziehen. Oder mitnehmen. Ich bin verwöhnt von den Sonnentagen der letzten zwei Wochen!
Ein Mopped ist ein Gebrauchsgegenstand, ich weiß. Sie kann auch mal dreckig werden. Trotzdem bin ich jedem Dreckspritzer böse, wenn er MEIN Mopped verschmutzt. Pft – ich hoffe, dieser Spleen gibt sich noch ;-). Denn sonst fahre ich im Herbst nicht, weil ich immer Schiß habe, mein Mopped könnte dreckig werden. Und das wäre ja echt ziemlich bescheuert, gelle ...
Ich habe jetzt erstmal genug Ost-Osten gesehen. Sollte ich jemals wieder in Richtung Oschersleben wollen, fahr ich mit dem Auto – und zwar über die großen Bundesstraßen!
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