22.8.
Wetter perfekt, Heike kribbelig, Tank voll, Ellie frisch geputzt – ich stand also total unter Strom, als ich mich heute morgen um 9:30 Uhr auf das Mopped setzte. Zündung an, E-Starter betätigt ... Nix.
Wie jetzt ?????
Okay, in der Nacht war Gewitter, aber die Plane war doch drüber? Okay, die ist nicht mehr ganz so dicht (kleine Regenstreusel auf Ellies Korpus drauf – Frechheit !!!). Aber ob DAS jetzt das Starten verhinderte?
Voller Panik geguckt: Not Aus? Okay, richtige Stellung!
Kabel locker? Nix zu sehen, ist alles unterm Tank. So ein SCH... Dreck!
Fluchend weiterprobiert. Zündung an, aber es tuuuut nix.
Wetter perfekt, kribbelig, Tank voll, Ellie frisch geputzt ... und sagt keinen Pieps.
Eine HILFE!-Sms an Fritz, meinem Werkstattengel geschickt.
Okay – was noch? ADAC angerufen! Jaaa, die schicken jemanden, der kennt sich auch aus mit Moppeds.
Bekannten besimst – kluge Ratschläge bekommen, alles half nix.
Dann rief Fritz zurück. Allein seine Stimme war schon Beruhigung pur (Kleinkind-Beruhigungstonfall).
Ging mit mir den Check durch. Als er zum Punkt „Gang rauf/runterschalten probiert?“ kam, dämmerte es mir siedenheiß. Ich hatte gestern beim Abputzen am Hebel gestellt.
Der erste Gang war drin – kein Wunder, das sich nix tat.
Ach du Elend, war mir das peinlich ........ Fritz, das gibt wieder 5,- für die Kaffeekasse !!!
Schnell noch den ADAC angerufen und den Gelben Engel abgesagt.
Etwas erschüttert von meiner Blödheit fuhr ich dann endlich los.
Strecke vorher über Google rausgeschrieben – Asse, Hornburg, Osterwiek und dann Richtung Nordharz-Vorland und ehemaliger Osten Deutschlands.
Ein idyllischer Ort namens Berßel (mit einem Schloß, und Restaurant, leider geschlossen) ließ mich neugierig anhalten.
Das Schloß mit Restaurant
Das Wappen am Eingangsbereich
Gegenüber von dem schön gearbeiteten Schloß fand ich im Innenbereich ein Wirtschafts- und Wohngebäude. Ganz anderes Kaliber ...
Das kennzeichnet vieles, was ich gesehen hatte. Auf der einen Seite alles neu und schnieke, und dann direkt nebenan oder gegenüber ... das ursprüngliche DDR-Wohnen. Dieser Kontrast war oftmals wirklich krass.
Orte wie Wasserleben oder Schauen folgten, sehr viel Feldwirtschaft (was ich heute
alles an Traktoren gesehen habe – jede Größe war vorhanden – einmal töffte
sogar ein LanzLanzLanz durchs Dorf) – Schmatzleben (Bussi Bussi!), Langeln,
Mulmke, Schachdorf Ströbeck (mit Schachmuseum - daher auch der aussagekräftige Ortsname - was ich mir aber nicht anguckte,
Schach allein schon finde ich urlangweilig) ...
Und dann lag er vor mir – der Ost- bzw. Nordharz. Ostharz, weil im Osten Deutschlands.
Ein spontaner Schrei „Boah wie geil
ist DAS denn“ war berechtigt, denn die Sonne kam raus, und beleuchtete ein
Panorama, was einmalig war.
Vom Motorrad aus sah dieser gewaltige Höhenzug noch gewaltiger aus, noch beeindruckender. Ich war viel dichter am Geschehen dran als per Auto.
Leider konnte ich trotz meiner Freude nicht anhalten und länger genießen, da auf der Straße doch noch anderer Verkehr war außer mir, und leider keine Haltebucht.
Im Ort Langeln traf ich auf einen anderen Moppedfahrer.
Er selber betagt, genau wie seine BMW 250 – die war von 1950! Ich liebe solche alten Maschinen. Sie sehen noch nach Motorrad aus und nicht wie ein juckelnder Joghurtbecher!
Ich sprach ihn kackfrech einfach während der Fahrt an. Freundlicherweise hielt er dann neben mir im Schatten eines einsamen, mageren Bäumchens, und wir quatschten ein Weilchen.
Meine Mama hat mich nie vor fremden Motorradfahrern im hinteren Altersbereich gewarnt - also hatte ich mich auch ohne Hemmungen getraut, ihn anzutexten! Ich sag's ja - die Motorradkluft macht mich mutig!
Im Ort Langeln traf ich auf einen anderen Moppedfahrer.
Er selber betagt, genau wie seine BMW 250 – die war von 1950! Ich liebe solche alten Maschinen. Sie sehen noch nach Motorrad aus und nicht wie ein juckelnder Joghurtbecher!
Ich sprach ihn kackfrech einfach während der Fahrt an. Freundlicherweise hielt er dann neben mir im Schatten eines einsamen, mageren Bäumchens, und wir quatschten ein Weilchen.
Meine Mama hat mich nie vor fremden Motorradfahrern im hinteren Altersbereich gewarnt - also hatte ich mich auch ohne Hemmungen getraut, ihn anzutexten! Ich sag's ja - die Motorradkluft macht mich mutig!
Er hatte einen unverkennbaren schwäbischen Akzent, und machte gerade Urlaub
auf einem Campingplatz in Wernigerode. Was noch viel besser war als das kurze
„Benzingespräch“: er hatte eine Karte bei sich. So wußte ich nun auch, wo genau
ich war. Meine kurzen Stichworte, von Google abgeschrieben, waren zwar okay, aber eben nicht überall
aushelfend! Ich werde mir in der Winterpause vernünftige Moppedkarten anschaffen, mhmmm!
Er fährt mit seinem alten Gefährt nie schneller als 80/90 km/h. Kein Wunder
auch, denn die alte Lady fährt eh nur 110 spitze.
Wir freuten uns darüber, Geschwindigkeitsgefährten gefunden zu haben,
kotzten uns gemeinsam über den heftigen Wind heute aus (LKWs ließen uns beide
echt heftigst schaukeln, wenn die an uns vorbei rauschten), und freuten uns
weiterhin darüber, mal kurz pausiert zu haben. Meiner Bitte, ob ich ihn fotografieren dürfte, kam er etwas verlegen nach. Er konnte ja nicht wissen, wie stolz ich war, dass ich "meine erste echte Begegnung Motorradfahrer/Motorradfahrerin" hatte.
Nach dieser freundlichen Begegnung war ich wieder gestärkt genug, um mich
weiter ins Land zu trauen. Obstbaum-Alleen beschenkten mich reichlich (Äpfel –
uah, sauer; Birnen – hart und süß und leeecker, und von wütenden Wespen
umzingelt! – gleich drei Birnen mehr eingepackt; ätsch, Wespen!). Fallobst ist
aber auf den Buckelstraßen nicht der Hit. Auf so einem Teil auszuglitschen bzw.
mit dem Reifen wegzurutschen, das hätte mir grad noch gefehlt! Also Obacht! Ich fuhr aber sowieso schon wegen der abenteuerlich geflickten Dorfstraßen sehr sehr vorsichtig.
Kopfsteinpflaster UND Fallobst UND Rollsplit UND Strohbatzen UND
Schweinegülle-Geruchsfolter auf den Feldern ... die Weiterreise war eine Herausforderung in mehrfacher Hinsicht!
Da ich mich in Hornburg (genau – EDEKA) wieder eingedeckt hatte, folgte zur
weiteren Erholung mit bestem Harzausblick eine der vielen kleinen Pausen (Foto
machen, Pippi machen, Maisblätter für die Meerschweinchen in das Sozius-Bag
quetschen, Mitbringsel mußte mal sein!).
Kleine Rast an einem Feldweg - im Gebüsch viel illegal entsorgter Metallmüll - das sah ich später leider noch ganz häufig.
Die kleinen Dörflein, die ich mir ausgesucht hatte, waren mit Extremen
gepflastert. Zum einen die Pflastersteine – und mittendrin dann ein
fußknöcheltiefes Loch. Dann strahlend neue Häuslein, und direkt daneben
LPG-Ruinen (an einer stand dran: „LPG Frohe Zukunft“; na, dat war ja wohl
nüscht!).
Landwirtschaft: ganz viel.
Idylle: auch ganz viel! Omi, die in Kittelschürze die Ziegen im Vorgarten
füttert. Junior, der auf dem Trecker auf Papas Schoß sitzt und lauthals lachend
lenken darf. Hühner, die mir vor die Reifen flattern (okay, meine Hupe
funktioniert, nur hören die Viecher irgendwie schlecht ...).
Und ständig genialste Ausblicke auf den Harz.
Höfliche Autofahrer, die mit einer PKW-Breite überholen (Kennzeichen HZ ist
mir am freundlichsten begegnet).
In jedem Dorf eine sehr schön restaurierte Kirche, gepflegtes Gelände.
Überall Sportplätze (Riesengelände all überall!).
Irgendwann war ich dann in Halberstadt gelandet, und bin aber auch gleich in
einer Schleife wieder raus. Auf Stadthektikgewusel, dröhnende Potenzschleudern
(Mukke aufgedreht, Sonnenbrille, Käppi schief, Pickelgesicht von maximal 20 Jährchen ...
meist 'ne Barbietussie neben sich, die alle gleich wiederkäuten ... ich fühlte mich an
gestylte Kühe erinnert ... die Euter waren auch gut zur Schau gestellt ... muh!) und
Staus an den Ampeln hatte ich keinen Bock.
Ein Stück lang fuhr ich die B79, aber dann wieder kreuz und quer über die
Dörfer. Zily hat eine sehr beeindruckende Burg. Die werde ich mir mal angucken.
Beim nächsten Ritt.
Weiter Richtung Osterwiek - altbekannter Rückweg - und dann heim.
Kurzer Abstecher auf Gut Destedt (hinter Cremlingen rechts rein).
Helmfrisur - 8 Stunden Helm auf dem Kopf - und etwas müde ;-)
Und dann noch fix bei der Fahrschule vorbei – einfach mal so, begeistert sein und die Stimmung weitergeben.
Ellie schnupperte Heimatluft - Her Master's Voice ;-)
Fazit: Alles in allem habe ich heute mal wieder 250 km gemacht, Tank leergefahren, viele viele Eindrücke gesammelt, und den Tag bis 19 Uhr richtig ausgedehnt.
Ich war 8 Stunden auf dem Mopped gewesen. Mir tun zwar die Rückenmuskulatur und die Handgelenke weh, aber das hindert mich nicht: morgen geht's nochmal los. Dann ist der Sommer-Jahresurlaub zuende. Schnief ...
*kicher* ich vergesse gerne mal, den Seitenständer einzuklappen. Und brauche dann auch meine Schrecksekunden, bis ich das merke.
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