Aber es kam anders.
Durch einen Hinweis von meinem allerbesten Moppedkumpel aus Hamburg klickte ich mich mal durch das Internet. Nur so - zur Information.
Und blieb bei mobile.de hängen.
Ein Foto, gar nicht mal SO aussagekräftig, von einer irgendwie roten Maschine. Mehr durch "Zufall" drauf geklickt. Total unverbindlich eine Anfrage gemacht. Abends dann eine kurze Antwort erhalten. "Zum Spaß" dort mal angerufen. Gespräch gefiel mir. Besichtigungstermin abgemacht. Angucken kostet ja nichts. Dachte ich mir. Hingefahren.
Und da stand sie :-)
Bei mir war es Liebe auf den ersten Sitz. Der Kopf schrie: Du bist bekloppt! Der Bauch antwortete: das ist DIE Gelegenheit.
Ellie war von der Freundin des Besitzers gefahren worden. Da die Freundin aber sehr groß war, wurde ihr die kleine Kawasaki irgendwann zu unbequem, und sie wechselte auf eine Enduro um. Und Ellie (bis dahin nur von Frauen gefahren; 3 Vorbesitzer, bis ich kam) sollte also nun vom Hof. Sie hatten zusammen 5 Maschinen da stehen - gefahren wurden nur 3. Ellie und noch eine andere große Straßenmaschine sollten über mobile.de veräußert werden. Für Ellie hatten sich mehrere Leute gemeldet - ich war die Einzige, die an dem Termin wirklich kam.
1.899,- für eine Kawasaki ER5 Twister Baujahr 1998, mit 9.100 km auf der Uhr. Allerbester Zustand. Der Vorbesitzer seriös, ehrlich und überzeugend. Ich hatte ein sehr gutes Gefühl bei ihm. Das änderte sich auch in den zwei darauf folgenden persönlichen Besuchen bei ihm nicht.
Er zeigte mir beim ersten Termin alles, was ihm wichtig erschien. Das dauerte ungefähr eine Stunde. Er nahm sich richtig Zeit.
Dann forderte er mich auf: Probesitzen, bitteschön.
Ich hockte mich also druff, saß etwas höher als auf der Fahrschul-Kawa, aber ich fühlte mich da gleich wie Zuhause und grinste wohl auch recht debil dümmlich in die Gegend ... hätte ich keine Ohren, würde ich im Kreis grinsen ...
Er guckte seine Freundin an, beide nickten. Fragender Blick von mir - Erklärung von ihm: er verkauft öfter Motorräder, und er verkauft grundsätzlich niemals eine Maschine an einen Anfänger, der nicht auf die Maschine paßt. Und ich würde da rauf passen, als wäre sie wie für mich gemacht.
Geniale Einstellung!
Er machte mir sogar den Tank auf, leuchtete hinein, damit ich sehen konnte: kein Rost. Er zeigte und erklärte mir soviel und so gut, dass ich diese Informationen sogar später in der praktischen Prüfung großkotzig anbringen konnte.
Ich überlegte noch zwei Wochen, rief währenddessen 2x in Hahausen an. Bekundete mein weiteres Interesse. Wälzte mein Konto. Rechnete. Schnallte meinen Gürtel enger. Ich würde zwei Jahre daran abzuzahlen haben (Führerschein UND Maschinenkauf - eins war ja nur geplant, aber diese Chance hier mit Ellie, die war einmalig, das ahnte ich bereits ganz sicher).
Der Typ, bei dem ich vorher Sozia gewesen war, hatte mich übrigens brüsk angemault - wie ich das hätte machen können, so unerfahren wie ich bin; wenn der Verkäufer mich nun beschissen hätte; warum ich keinen mitgenommen hatte, der etwas von Motorrädern verstehen würde etc.
Ja, V., als ich Ellie besuchte, war ja gar nicht KLAR gewesen, dass ich überhaupt eine Maschine kaufen wollte.
Das ich mich dazu entschieden hatte, war ein Bauchgefühl. Bauch hast Du selber en masse, ja - aber ob das mit dem Verstand bei Dir so hinhaut wie bei mir, bleibt ein Geheimnis.
Wie ich auf den Namen gekommen bin? Nun, während meiner Überlegungsphase grübelte ich "über die Kawa". Die "E R". Die "Twistie". DIE Maschine eben. Irgendwann kam mir dann ein Gedanke in den Kopf, und ich schrieb sogar einmal an meinen Moppedkumpel: "Soll ich die Ellie nehmen - was denkst Du?"
Seit dem Tag grübelte ich dann über den "Kauf der Ellie".
Das Interessante an der Geschichte erfuhr ich erst im nachhinein. "Ellie" war der Spitzname der Exbesitzerin gewesen :-D.
Also einen Namen hatte die Maschine schon einmal. Somit war es nicht einfach nur ein Sportgerät oder ein Fahrzeug.
Mein Auto - ein orangefarbener Skoda - hieß übrigens von Anfang an "Die Rennsemmel", weil es mit seinen 70 PS trotz der drei Zylinder im Vergleich zu meinem vorherigen Mazda Demio (mit 60 PS) doch schon ganz fix sein konnte :-).
So grübelte ich also ... über den "Ellie-" Kauf.
Und dann sagte ich verbindlich zu. Mit dem unsicheren und doch gespannten Gedanken im Bauch "Probier ich es halt einfach mal aus!".
Ich hatte eine Maschine gekauft. Ganz alleine. Auf mein Bauchgefühl gehört - für mich war diese Gelegenheit wieder eine Fügung.
Es folgten Telefonate. Dann der Termin für die Vertragsunterzeichnung, die Anzahlung machte ich wieder persönlich, Ende Juni.
Anreise mit der Rennsemmel; Aufregung steigt ...
Blick ins Land; kurze Pause eingelegt, weil ich viel zu früh dran war
Diese Lindenfruchtstände lagen auf dem Steintisch; erschien mir so symbolisch passend ...
Ellie stand in der Garage der Nochbesitzer, mit einer Plane abgedeckt. Die Anzahlung wurde mit einem Kaffee begossen. Als ich meine Unterschrift unter den Standardvertrag gesetzt hatte, wurde mir doch etwas mulmig. Das Gefühl steigerte sich dann beim Hinblättern der Euroscheine ... und doch ... als ich zurückfuhr, gröhlte ich vor Freude irgendeinen sinnlosen Songtext im Radio mit.
Welcher? Keine Ahnung ;-).
Und dann, am 5.7.2012, fuhr Ellie auf den Hof, hier in Weddel.
Der Vorbesitzer war nämlich so freundlich, und hatte nicht nur die Abmeldung gemacht, sondern sie mir auch noch gebracht. Noch war ich ja in der Ausbildung, und hatte zwar die Theorie in der Tasche, aber den Führerschein praktisch noch nicht!
Ellie frisch geputzt, am Zaun zum Nachbargrundstück; da muß sie noch warten, bis ich a) fahren darf und b) im Oktober die Garage bekomme.
Ellie's Straßengarage (war im Kaufpreis drin) - die wurde recht bald ausgetauscht gegen eine rote von POLO. Rote Maschine, rote Plane ;-).
Die Schweinchen feierten den Einzugstag mit einer großen Portion frischer Zitronenmelisse :-)
Und das kam dann später - in der Winterpause (ich habe Saisonkennzeichen von 03-11):
So bekloppt muß man mal sein ;-). Seiner Maschine
einen Namen geben, und diesen dann als Namenskettchen am Handgelenk
tragen ... aber so ist das eben bei mir!
Beste Grüße - eure Mopped-Heike und "Ellie"





Sehr schön geschrieben....
AntwortenLöschenDas verleitet mich doch glatt dazu, in meinem Blog auch zu schreiben, wie ich zu meinem "BlauenEngel" (oder "Eng'lchen") gekommen bin..... du siehst - du bist nicht die Einzige, die ihrem Motorrad u. Auto nen Namen gibt *zwinker*
DLzG
Sandra
LOL...ich nenne meine Tengai eben so, oder ehrfurchtsvoll dann "die alte Dame"...Und Mopeds sind immer weiblich...ist einfach so
AntwortenLöschenSo ähnlich habe ich mein Gelbschen (aka Resi) auch gekauft. Reine Bauchentscheidung. Der Kopf sagte, ich wäre bekloppt, mein Konto hat mich für irrsinnig erklärt und der Bauch tobte mit den Schmetterlingen durchs Gemüse ...
AntwortenLöschenSiehste, Erzählerin - unsere Bäuche eben ;-)!
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