Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 10. Dezember 2012

21. August 2012 - EDEKA und der halbwilde Osten



21.8.

Nachdem ich gestern hier den Budenkoller hatte (Mopped vor der Tür und ich darf nicht fahren ...) - Zwangspause wegen Hitzschlag wegen Süchtelei bzw. wegen Unerfahrenheit - traute ich mich heute wieder. Es war ja abgekühlt! Zwar nur um 5° - aber immerhin!

Vernunft contra Sucht - das war schon immer ein Schwachpunkt bei mir.

Also rauf auf Ellie, und erstmal langsam losgetuckert. Zugegeben, ich war noch etwas wackelig im Kopp, aber nach einigen Kilometern war ich wieder "eingefahren". Ich bin bekloppt, ich weiß .. und süchtig …

Strecke grob angepeilt: Richtung Asse.

Erster Halt hinter Gilzum, am Maisfeld. PiPa (PinkelPause), Trinken, Landschaft gucken. Ein Radfahrer astete sich mir entgegen. Als er auf meiner Seite ankam (kleiner dicker Mann, roter Kopf, kurz vorm Hyperventilieren), fragte er mich mit besorgtem Gesicht: "Na - allet okay, brauchen Se Hilfe?"

Äh - nein danke, und einen schönen Tag wünschte ich ihm. Prustend und winkend fuhr er weiter.

Hm - lieb gemeint, aber ICH machte mir dann doch ein wenig Sorgen um SEIN Wohlergehen.

Weiter gings, über Weferlingen, und immer weiter um die Asse herum. Diesmal nicht DURCH die Asse, nicht am Schacht vorbei.
Landschaftlich eine sehr schöne Strecke, und ich wollte fotografieren. Mist - die Akkus waren leer. Was tun? Ohne Cam auf Tour?
Das geht für mich gar nicht!
Also nächsten größeren Ort anpeilen - das war dann Hornburg.

In Hornburg war ich erst einmal gewesen. Das ist Jahre her, mein Exschwiegervater hatte da gewohnt. Die Erinnerung daran hatte ich verdrängt und somit auch keine Ahnung, was mich aktuell da erwartete.

Heike tuckert nach Hornburg rein - kein Plan von nix, und hält sich an die Schilder: Stadtmitte.

Ich als Stadtbewohner dachte mir: “… inner Stadt Supermarkt - Supermarkt hat Batterien – also Richtung Stadtmitte!“.

So blubberte ich also mit 20 km/h durch Hornburgs Altstadt, umzingelt von Fachwerkhäusern und unter mir Jahrhunderte altes Kopfsteinpflaster. Einige erstaunte Radfahrer, wenig Fußgänger.
Und: kein Supermarkt.
Logisch - Stadtmitte hieß hier: mittelalterlicher Stadtkern!

Also wieder raus aus der Idylle (klapperklapperholterdipolter – alles an mir und unter mir war am wippen ... ). Noch eine Orientierungsrunde um den Ort - aha - eine Einheimische! Diesmal nicht Kittelschürze, aber die Legging-Mode stirbt auch nicht aus. Kein fetter Dackel, aber dafür eine kleine wuschelig-kläffende fette Mischlings-Fußhupe mit jammervollen Glubschaugen. Ich bildete mir ein, darin die Bitte zu lesen "Nimmst mich mit??" ...

Die Beschreibung der Frau:“Ja, nee, warten Se ma .. da vorne links, dann wieda links, dann is da‚‘ne Brücke, un da müssen Se dann drübber …  un nich nach rechts, sondern da links is dann de Eddegga, weil rechts is Sackgasse .." kann auch nur eine andere Frau nachvollziehen.

Da mir dieser Hinweis doch etwas ZU ungenau war, bin ich dann intuitiv gefahren, und schau an: ich fand auch .. EDEKA.

Rauf auf den Parkplatz.


Nette Öffnungszeiten!

Nachdem ich den Helm in die Vorrichtung am Sitz geklipst hatte, stapfte ich rein in den Laden - grinsend schnappte ich mir den Kindereinkaufswagen .



Standesgemäßer Einkaufswagen - eine Packung Batterien (Doppel A) und ein Becher Fertigcappucino wurden hineingetan. An der Kasse grinste die Verkäuferin.
Freundliche Einheimische - es gibt sie!

Draußen stellte ich mich mit der Einkaufsbeute neben Ellie. Die Jacke hing ich erstmal über den Lenker, und gemütlich wurde der Cappu-Fertigdrink eingeschnabelt.

Hält ein Bau-Ladeflächen-Fahrzeug neben uns. Zwei kahlgeschorene und tätowierte Arbeiter rein in den Supermarkt, einer bleibt da stehen. Guckt verschämt in meine Richtung.

"Na - Mahlzeit wünsch' ich dann mal!" mein Kommentar in seine Richtung. Diese Moppedkluft macht mich irgendwie mutiger. Angriff voraus!
Er wird rot, grinst leicht, wird zutraulicher und wir kommen ins Gespräch. Sein Dialekt outet seine sächsche Härgunfd. Bissel merkwürdig kam mir der ja vor – und diese verlaufenen Tattoos überall am Hals und den Armen …

Seine Kumpane kamen nun auch dazu, mit 'nem Six Pack ... SELTERS. Zwei Flaschen wurden gleich auf ex gekippt, und es wird gefachsimpelt über Motorräder "ausm Oooosden un von dä Wessies".

Der Jüngere der drei schleicht währenddessen um Ellie rum (hallooo – was hat der vor???), und dann streichelt der doch glatt ihr Heck (glotz!).

Na ich sag’s doch: Das Bübchen war mir ja gleich sooo sympathisch gewesen, und er war so höflich und sein Dialekt eigentlich doch recht niedlich, und ich entwickelte spontane Muttergefühle.
Wieder kann keiner glauben, dass sie schon 14 Jahre alt ist. "Die sieht aber echt jung aus für ihr Alter!" Aaah - ich strahle … ach nein, die meinten ja nicht mich ... Na gut, ich strahle trotzdem.

Wir wünschen uns nach weiteren 10 Minuten Small Talk gegenseitig "Guten Tag und gute Fahrt" und ich tucker los - unbekannter Ortsname, auf jeden Fall irgendwie in Richtung Osterwiek. Geradeaus!

Das Schild "Hier war bis XXX Oktober 1989 die Republik geteilt" (erfolgreich den Tag vergessen, aber da war was mit 14 Uhr!) passierte ich mit Gruselgefühl. Ich befuhr wohl grad ehemaliges Niemandsland. Und richtig – so war es auch. Stichwort Fallstein-Klippen, da bin ich mal gewandert mit einer Chorschwester.
Nun befuhr ich die andere Seite und hatte eine wunderbare Aussicht auf diese rot-weißen Steine.

Kleinere Dörflein, mit Warn-Schildern kurz vor Ortseingang – Text: "Achtung - Fahrbahnbelag-Wechsel!" (von Asphalt brutal auf Kopfsteinpflaster - danke für die Warnung, lieber Landkreis, war wirklich nötig!). Nett und adrett sahen die Häuslein aus, die kleinen Vorgärten - nicht zu fassen, was sich da alles verändert hat. Mir gefiel es.

Dann folgte ein großer, verludert aussehender Geländekomplex. Am rostigen Eingangstor war noch der ehemalige Name zu erkennen … „LPG (irgendwas)“ … große offene Lagerflächen, wo jetzt Rund-Strohballen gestapelt standen. Das DDR-Erbe war offensichtlich.

In Osterwiek fuhr ich erstmal an die ARAL ran. Die Tanke ist gleichzeitig ein Autohaus (Skoda, Audi, VW), hat eine Lounge mit Sitzen, einem sauberen und großen Klo (wichtig für die Plünnen - Helm, Jacke, Rucksack gut auszuziehen, ohne irgendwo anzurempeln ...) uuuund - in der Lounge einen großen Wasserbehälter, an dem ich kackfrech meine Tourenflasche auffüllte. Eisgekühltes stilles Wasser - echt super!

Erholt, mit leerer Blase und vollem Tank und voller Tatendrang wollte ich noch ein wenig herumfahren. Mein Hitzschlag war vergessen.

Die liebe Bianca gab mir den Tipp, dass es in Vienenburg eine hervorragende Eisdiele geben sollte. Also los - hin da.

Dank der guten Beschreibung hatte ich die „Eis Ecke Vienenburg“ auch gleich gefunden.



Ellie frech direkt vor dem Eingang der Änderungsschneiderei geparkt (und höflich gefragt, ob das okay ginge - es ging!).
Der Pächter der Eisdiele ist selber Moppedfahrer, das Eis war genial, und so einen leckeren Latte Macciato hatte ich noch nie getrunken.

 Meine "lütsche Lage": Latte Macciato mit doppelt Zucker und eine Kugel Joghurt-Holunder-Eis

Meine Klamotten durfte ich im Café deponieren, während ich mir die Hände sauber machte (es war warm, und das Eis hat irgendwie gekleckert!). Leider kein weiterer Moppedfahrer da. Der Pächter meinte, die kämen erst zum Feierabend und am Wochenende. Danke für die Warnung - solche Massenzirkusaktionen sind nicht mein Ding!

Da ich immer noch nicht wirklich gut bin im Schieben oder "rasant und cool vom Parkplatz fahren", nahm ich einen kleinen Umweg in Kauf. Beschreibung vom Pächter: "Links rein, dann nochmal links, dann wieder links und dann stehen Sie ja direkt vorm Eiscafé, und dann also wieder rechts, rechts... ". Auf Anhieb gefunden (wer sagts denn - manchmal sind Männer doch zu was nützlich!), und in der zweiten "links"-Straße zwei Relikte aus der Ostdeutschlandvergangenheit gefunden. Arme Trabbis - so verlassen und in so schlechtem Zustand. Dabei sind die Dinger heute echt was wert!




Wieder Richtung Heimat, die gleiche Strecke retour. Bis auf den EDEKA ;-). Den brauchte ich ja nicht mehr.

Hier mal ein ungefährer Routeneindruck für ortsunkundige Leser/-innen - besser bekam ich es mit dem MotoPlaner nicht hin. Die blauen Punkte haben nix zu bedeuten (da mußte ich klicken, damit die blaue Linie weiterlief):

Wenn ihr auf die Karte klickt, gibt es eine größere und klarere Ansicht!


Alles in allem heute 7 Stunden unterwegs gewesen, noch glücklich in Groß Denkte für 1,69 Euro / Liter tanken können (spaßig: der Tankwart begrüßte mich mit den Worten "Na, da sind Sie ja mal wieder - ich hatte Sie schon vermißt!" - huch? Mich gibts doppelt? Au weia ...) , und heute bin ich so um die 200 km gefahren.

Beim Tanken waren 10.930 km auf der Uhr - gekauft hatte ich Ellie mit 9.100 km. Fahren tu ich 21 Tage intensiv. Hui ...

Zuhause noch eine kleine Runde Walken hinterher geschoben, und als das Gewitter runterkam, saß ich schon gemütlich auf der Couch und genoß mein leckeres Abendessen. Mir geht's wieder gut, nix mehr Übelkeit.
Mal schauen, wo es mich morgen hinverschlägt! Abgekühlt ist es ja nun durch das Gewitter.

Fazit: so ein Zwangs-Ruhetag steigert die Moppedsucht ins Unermeßliche.

Hilfe, ich mag gar nicht an den 1.11. denken, bzw. die Winterpause.

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