Ellie und ich

Ellie und ich

Mittwoch, 12. Dezember 2012

28. August 2012 - gemütlich fahren!



28.8.

Nach meinem Zahnarztbesuch am Mittag und einer schmerzenden linken Knabberleisten-Seite war ich mir nicht so wirklich sicher, ob ich nachmittags fit sein konnte. Ein Schwächegefühl nach dem Mittagschlürfen wurde mit Kaffee bekämpft - mein Kreislauf kam wieder langsam hoch. Das Wetter war ja klasse. Also kein Jammern, schnell einkaufen und raus!

Kurzfristig geplanter Treffpunkt mit Tina, meiner Fahrschulfreundin : Neuerkerode. 

Ich drehte ab 16 Uhr schonmal eine "Warmwerde"-Runde. Das Helmpolster drückte unschön auf meinen wunden Oberkiefer - mrmpf ... Pfahnweh beim Moppedfahren .. nicht so toll. Egal - mußte gehen. Zu stark war die Sucht nach dem Fahren. 
Meine ersten Kilometer waren grottig. Unsicher, kibbelig, und ich hatte noch nicht das Gefühl für die Straße und das Fahren.

Überpünktlich und etwas gefrustet war ich am Treffpunkt. Rechts vom Parkstreifen war der Friedhof Neuerkerode - wie gut, dass ich nicht abergläubisch bin :-).

Und dann kam sie an - mit der ebenfalls roten Maschine. Während Ellie wie eine Nähmaschine vor sich hin tuckert (34 PS gedrosselt), war Tinas Motorrad ... mit satten 160 PS ausgestattet. Und das hörte man auch. Boah ey, wie geil hörte sich DAS an.
 
Kurze Absprache "Bitte gemütlich fahren", weil Tina grad von der Arbeit kam, und chillen zum Entspannen war angesagt, nix stressen. Kam mir Zahngeplagter sehr entgegen.

Wir fuhren los, ich tuckerte mal wieder voran. Wie bei der ersten Tour neulich.
Und im Helm hörte sich der Sound von Tina's großer Maschine an, als wäre es von meiner Ellie :-D. Ich bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht, Zahnweh war auf einmal weg - ich fühle mich wie eine Renn-Semmel-Tussie !!!

Es ging um die Asse rum. Tina im Rückspiegel, heller Scheinwerfer, Sound - die Strecke kannte ich, hatte sie schon einige Male durch, nur diesmal: ich fuhr meine Hausstrecke nicht mehr alleine - das war auf einmal keine "Übungsfahrt" mehr, das war für mich eine ECHTE zweite Tour. So richtig! Mit Moppedpartner.
Tempo stimmte, Wetter stimmte, Stimmung wurde immer besser. Ich fuhr mich immer besser ein.

Per Gedankenübertragung einigten wir uns bei einem Stopp in Hornburg: Kaffee! Eis! und wir fuhren weiter, über Hornburg (an EDEKA vorbei, genau), Lüttgenrode (kurvig :-) bis nach Vienenburg. 

In besagte Eisdiele. Eisecke Vienenburg.

Und diesesmal waren da auch andere Biker anwesend. Turtles, um genau zu sein. Ich nenne die "Protektoren-extern-Tragenden" so. Sie hatten diese Panzer hinten auf geschnallt :-)

Es hat mir echt was gegeben, wie wir unsere Moppeds da zwischen die anderen gestellt hatten !!!

Tina und ich wurden beäugt (hab ich genau gesehen!), abgescannt - oh, was hab ich mir einen gegrinst :-D. Und mir gedacht "hoffentlich stelle ich mich beim Abfahren nicht saudämlich an".
Denn das ANKOMMEN war schon wirklich professionell und gut gelaufen!
Wir saßen also gemütlich da mit unserem Eis auf der Waffel und dem hervorragenden Latte Macciato und beäugten unsererseits das Abfahren anderer Motorradfahrer. Eine kleine Husche kam runter, aber wir unter unserem Sonnenschirm waren vergnügt und trocken. 

Ich nervte Tina mit Gejammer "Meine Ellie wird nass !!!" Tztz ... aber so ist das nun mal bei mir. Große Liebe zu Ellie.

Dann ging's zurück. Es wird ja jetzt leider schon so früh dunkel, und im Dunkeln fahren ist nicht mein Liebstes. Die Abfahrt von der Eisdiele gestaltete sich trotz Einfahren in die Hauptverkehrsstraße sehr gut. Wir fuhren wieder "einmal um den Pudding", und ich sah wieder die beiden Trabbis im Garten stehen. 

Auf dem Weg zurück nach Hornburg ... Straße leer, sauber, gute Sicht ... da juckte es mich und ich zog Ellie den Gashahn auf. Und sage und schreibe 125 km/h kamen bei rum. Nicht schlecht für 34 PS, die bislang immer nur auf 110 km/h kamen. Das ganze unter einem flammendroten Abendhimmel. Eine einmalige Stimmung! Vor Freude in den Helm gebrüllt ;-). 
Tina meinte später grinsend: "Ja, manchmal braucht man das wohl, nicht wahr?" Nun - bislang war mir NIE danach gewesen, und zuuu häufig würde ich das auch nicht so machen, aber in DEM Moment paßte das!
Die folgenden Kreisel bei Sickte liefen perfekt, Kurven wurden sicher und stimmig genommen, wir fuhren stets als Team-Kolonne - als hätten wir nie etwas anderes gemacht. Das war auch bei der ersten kleinen Tour schon so gewesen. Empfand ICH zumindest so.

Ich habe bei der Rückfahrt ganz oft an unsere gemeinsame Zeit in der Fahrschule gedacht. Dem "Master" müssten gestern eigentlich die Ohren geklingelt haben, so häufig hörte ich im Kopf seine Stimme ;-).

Ich erinnerte mich an meine Anfänge. Daran, wie ich mal als Beifahrer im Fahrschulwagen hinter Tina hergefahren bin. Das Feedback dann später (sie fühlte sich als Pfannkuchen, und sah von hinten aus wie eine Queen!). Der Theorieunterricht ( Jürgen, der Zippelhosen-Schüler - weißte noch?). Unsere Unterhaltungen auf dem Parkplatz in KraRie.
Und gestern - knapp einen Monat nach Erhalt des Führerscheins von ihr und mir - düsen wir wie die "alten Hasen" durch die Landschaft ...
Wer hätte das gedacht ...

Als Tina dann bei mir in Weddel (sie mußte unbedingt noch die Meerschweinchen angucken, darauf habe ich bestanden ;-) wegfuhr, dieser Sound der Maschine ... wie sagen die Kerls immer? 

"Da ging mir richtig einer ab!" Kann ich jetzt nachvollziehen - mir nämlich auch.

Fazit: Allein Fahrpraxis üben ist eine gute Sache. Und dann ab und an mit anderen zusammen fahren, mit denen man wirklich kann, auch !!! Wo die Fahrchemie stimmt! Wo man kein schlechtes Gewissen haben muß, weil man die Gruppe bremst. Wo man nicht schweißgebadet ist, weil man sich nicht hinterher traut. Wo man einfach mal gemütlich sein kann, darf und entspannen - nach einem harten Arbeitstag.
Genau das war gestern. Es war perfekt.
Dazu noch der flammende Himmel, diese Wolkenbildung - ich fühlte mich einfach schweinegeil und das hielt an bis zum nächsten Morgen!

P.S. Rückfahrt: Ich hatte einen Fuchs am Feldrand gesichtet, hupte den weg. Und hinter Ahlum (Rückfahrt) rannte ein Wiesel über die Straße. Fuchs: 18 Uhr. Wiesel: 20 Uhr.

Abendfahren haben auch ihre Gefahren - das sollten wir jetzt verstärkt im Kopf behalten. So ein Tier vor die Reifen zu bekommen kann ätzend werden ... von Rehen ganz zu schweigen :-( ...
Also Augen auf, Hand vom Gas, wenn durch Waldgebiete gefahren wird. Grad jetzt im beginnenden Herbst.

1 Kommentar:

  1. Vier Räder transpotieren den Körper-- zwei Räder die Seele.

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