3.10.
Wetter sah trotz gegenteiliger Meldung gut aus.
Meine Planung sah so aus, dass ich meine Patenfamilie besuchen wollte. Das mache ich öfter, aber noch nie war ich mit Ellie dort gewesen. Es wurde also mal Zeit für ein Update!
Um 9:30 Uhr eine kurze
SMS an meine Freundin geschickt "Ich fahr dann mal los"
Ellie
wurde ordnungsgemäß und ohne Probleme aus der Garage bugsiert (oh war ich stooolz). Choke war nicht nötig, sie
lief gleich rund.
Und dann ging es also los - erstmal durch die Stadt Braunschweig durch.
Wegen des Feiertags war echt wenig los, das war auch so gewünscht von mir.
Schön, wenn sich Wünsche mal SO erfüllen!
Bei Braunschweig-Lehndorf fuhr ich dann weiter auf der B1 Richtung Hildesheim.
Auf der Bundesstraße dann unerwartet heftiger Wind, je weiter ich nach Hildesheim kam. Aber irgendwas
ist doch immer (wie gut, dass es keine Schlange war ... so wie im Paradies
...).
Ungewohnte höhere Geschwindigkeit, für mich jedenfalls
ungewohnt. Mit 90 - 100 km/h kam ich gut rum im Verkehr, aber mit 80 war es einfacher,
wegen der Böen. In dem Fall freute ich mich über jede Ortschaft, weil ich da
mal entspannen konnte. Sonst lag ich nämlich immer relativ schräg gegen den
Wind an.
Kurz vor Bettmar drückte mich die Bikerblase. Ich sah
einen kleinen Weg, Blick in den Rückspiegel, Blinker raus, und recht scharf
gebremst und eingebogen. Ohne Wegrutschen kam ich ums Eck. Die Straße war zwar
absolut verboten für alles, was nicht Landwirtschaft war, aber gegen eine nötige Pause wird ja wohl keiner was einzuwenden haben!
Ich bin ein Mädchen - ich darf das. Ich kann mich auch an
den Baum stellen, klar ... aber mit Rücksicht auf die anderen
Verkehrsteilnehmer dann doch lieber die Feldwegvariante :-D.
Ellie wurde am Seitenrand abgestellt, ich plünnte mich aus der Jacke (mal wieder
drei Schichten Funktionssachen an, hilfreich gegen Kälte, aber nervig bei solchen Stopps),
und das übliche ... durch 'nen Zaun ins Gebüsch. Kaum war ich fertig, halb angezogen, hält da ein
PKW, genau beim Durchschlupf.
Nun bin ich, was sowas angeht, mittlerweile echt
abgeklärt. Wäre da was Gemecker gekommen, hätte ich in aller Ruhe mitten auf
dem Feldweg meine Büx hochgezogen mit der Bemerkung: " ... na, sonst noch
was zu nölen, Meister?"
Aber kam nix. Der Rentner hielt zwar, hatte mich aber nicht
wahrgenommen. Guckte stur zur anderen Seite, während ich da wie ein Elefant
durchs Gebüsch brach. Taub schien er also auch zu sein!?
Bei Ellie angekommen, kurz Händewaschen mit dem feuchten
Tuch (immer an Bord), folgte eine kleine Frühstückspause - mit Blick über das
Land. Herrlich. Sonne schien, klare Luft, der Wind pustete meine Helmfrisur
wieder auf Stand ... ich stand still da, kaute vergnügt mein Brot und freute mich wie ein Schneekönig darüber, wie tapfer ich bislang die B1 gemeistert hatte!
Der Rentner fuhr los. Ich winkte ihm hinterher, aber er kapierte wieder nix.
Kaum war der eine weg, kam der nächste PKW die Straße hoch. Der war dann
grußfreundlich, mitteilsam und mit Hund. War 'ne nette Begegnung!
Frisch gestärkt fuhr ich dann weiter.
Als ich den
Kreisel bei Hildesheim erreicht hatte, kam Triumphgefühl in mir hoch: Tschakka
- die B1 ist von mir und Ellie siegreich bewältigt worden!
Durchfahrt durch
Hi-heim - überall Feiertagsruhe, kaum Leute da. Gemütlich durchfuhr ich einen
Ort, den ich bislang nur und ausschließlich vom PKW aus kannte. Grandios, wie verschieden das Straßengefühl sein kann!
Bei Heyersum's Blitzeranlage fuhr ich links ab Richtung
Betheln/Gronau. Diese Straße wird von vielen als Abkürzung zur B3 genommen -
dementsprechend viel befahren war sie. Erzählte mir meine Freundin später. Das wußte ich dann aber auch, als ich es selber erlebt hatte.
Weil mir jetzt nach Kaffee war, machte ich eine weitere kleine Wald-Parkpause. Ein betonierter Parkplatzstreifen lud dazu ein. Mehrere PKW standen verlassen da, aber für eine schlanke Ellie ist immer Platz!
Während ich genüsslich den mitgenommenen TrinkCappu aus dem Plastikbecher schlürfte, hielten in
kurzen Abständen gleich drei PKW zusätzlich dort an. Es schien Pilzezeit zu
sein, denn die Leute aus zwei PKW's staffierten sich mit Gummistiefeln und Körben
aus, und verschwanden im Wald.
Die Leute aus dem dritten PKW lächelten mich
etwas verzagt an, dann traute sich die Frau doch auf ein Gespräch heran. Woher,
wohin, ach wie interessant, so frisch den Führerschein und so schönes rotes
Motorrad und wie schnell ist die denn, und wie alt, ach SO alt und sieht noch
so neu aus?
Sehr nette, freundliche Naturliebhaber, die beiden Eheleute.
Er mit Fernglas und lustig und humorvoll, und ich bekam einen Fahrhinweis, wie
ich am besten zu meinem Zielort (bei meiner Freundin) anlangen würde.
Dann gingen sie einen Weg hinein, und als ich vorbeifuhr,
winkte die Frau noch ganz freudig aus der Entfernung. Das war süß :-)!
Die weitere Strecke über Gronau, Esbeck und bis ans Ziel bei
Salzhemmendorf fand ich ohne Probleme. Auch hier war starker Wind, aber
ebenfalls wenig Verkehr.
Es war eine landschaftlich wirklich schöne Gegend
dort, und das Fahren in dieser hügeligen Landschaft machte einen Riesenspaß.
Schöne sanfte Kurven, wie für mich gefräst :-D.
Großes Hallo, als ich am Zielort eintraf. Die Kids waren begeistert und konnten nur mit Mühe von Ellie's heißen Rohren ferngehalten werden.
Ellie bei meiner zweiten Familie auf dem Hof, mit Blick auf den Außenstall
Nach dem schönen Besuch mit leckerem frischen Caramel-Cappu, Brötchen, Ei, Schinken, Käse
und Familienanschluß obendrauf ging es für mich um 14 Uhr wieder Richtung Heimat.
Ich
wählte eine andere Route. Es ging wieder bis Gronau, aber dann Richtung
Bodenburg. Kleine niedliche Orte, wenig los, gemütliches Fahren also inklusive.
Überall in den Vorgärten Herbstblumen, und auf den Straßen tanzte das Laub.
Einmal knallte mir eine Kastanie ans Visier. Boah ey, Schock ! DAS macht einen
Knall, ich dachte, das Visier war zersprungen!
Bei Upstedt fiel mir ein Schild auf - Zur eintausendjährigen
Linde. Klang nett, also drehte ich kurz vor Ortsausgang um und fuhr dem Hinweis
nach.
Jungejunge, wat'n Baum. Der war in der Mitte gesprungen, da passen laut
Hinweistafel 5 Menschen in den Stamm. Könnte auch ungefähr hinkommen.
Bis Grasdorf kannte ich mich dann wieder aus. Da ich die
Strecke dort schon öfter gefahren war, hatte ich dieses Mal Lust auf
Veränderung - und fuhr die B6. Heike wieder auf einer Bundesstraße ... uiui ...
Mir kamen viele Motorradgruppen entgegen, alle wohl in
Richtung Harz. Auf meiner Fahrseite war auch hier, in Stadtnähe, allerdings wenig los.
Spontan und weil ich noch Kondition hatte, entschloß ich mich, dann doch über
Liebenburg nach Vienenburg zur Eisdiele zu fahren.
Zwischendurch sah es nach
miesem Wetter aus, aber ich hätte Glück: kein Regen, und in Vienenburg verzogen
sich die dunklen Wolken wieder.
Die Rückfahrt auf altbekannten Wegen: Stötterlingen,
Hornburg, durchs Wolfenbüttler Ländle und zurück. Gegen 18 Uhr war ich wieder
zuhause.
Das Putzen vor der Garage war ein Reinfall. Da fängt sich
der Wind, und der Dreck kreiselt einem um die Ohren. Auch das Putzen IN der
Garage war ein Flopp, zu dunkel, trotz zusätzlicher Klemmlampe. Also wieder
Garagentor auf, und in Kauf genommen, dass ich später den Dreck wieder
rausfegen mußte.
Die Route; durch Anklicken wird's deutlicher, wo ich rumgetuckert bin
Fazit: das war ein toller freier Tag, sehr schöne Erlebnisse, schöne Fotos,
nette Begegnungen, Herausforderungen gekonnt gemeistert - und wenn ich meine Fahrkarte
(siehe oben) so ansehe, war das ein echt ordentliches Stück, was ich da gefahren hatte ;-)!
Die B1 ist streckenweise nervig, wenn die Blechlinge hinter mir unruhig und hibbelig werden, weil vor vor vor mir ein LKW fährt, und weil ich - da ich die Strecke und die Blitzanlagen gut kenne - nicht überhole.
Ich bin kein Selbstmörder. Ich überhole keine drei PKW UND einen LKW, nur weil sie sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, und dementsprechend eine Fahrzeugschlange hinter sich haben.
Das können andere machen. Tun ja auch schon genug, wie man an den Kreuzen am Wegesrand erkennen kann.
Auch hier galt das, was ich mir immer wieder neu ins Gedächtnis rufe: GEDULD und vorausschauendes / hinterschauendes Verhalten. Wenn ein PKW ZU sehr drängelt, dann setze ich den rechten Blinker und fahre bei der nächsten Gelegenheit rechts ran. Lasse den Typen vorbei. Mein Hintern ist mir wertvoll, und den riskiere ich nicht dadurch, dass ich auf mein Recht beharre, auch dort fahren zu dürfen.
Was mich im PKW absolut nicht stört - lass sie doch drängeln! - ist für mich auf dem Motorrad etwas anderes. Wenn sie mich da schneiden, kann das schnell böse enden. Beim Auto nur Blechschaden - beim Motorradfahren Knochenschaden. Einfache Formel.
Wenn man das alles bedenkt, dann ist die B1 mit dem Motorrad recht entspannend zu fahren. Genügend Ortschaften, wo man pausieren kann. Zum Entspannen, Gegend gucken, tanken und Klönschnack halten.
Mit dem Auto fahre ich lieber über die A7 nach Hildesheim. Mit dem Motorrad vermeide ich Autobahnen - denn so eilig kann ich es nicht haben, dass ich mich freiwillig da drauf setzen würde!
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